1985/1986 12. Spieltag: BFC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 12. Spieltag
Saison Saison 1985/1986, Hinrunde
Ansetzung BFC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena
Ort Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
in Berlin
Zeit Sa. 30.11.1985 13:00 Uhr
Zuschauer 5.500
Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg)
Ergebnis 1:1
Tore
  • 1:0 Thom (14.)
  • 1:1 Lesser (45.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Berlin
Bodo Rudwaleit
Frank Rohde
Waldemar Ksienzyk, Bernd Schulz, Mario Maek
Eike Küttner, Norbert Trieloff (67. Frank Terletzki), Jörg Fügner
Andreas Thom, Frank Pastor (67. Olaf Hirsch), Rainer Ernst

Trainer: Jürgen Bogs

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Perry Bräutigam
Mathias Pittelkow
Gert Brauer, Thomas LudwigGelbe Karte.gif, Wolfgang Schilling
Thomas Schmiecher (85. Ulf-Volker Probst), Stefan Meixner, Jürgen Raab, Stefan Böger
Henry Lesser, Andreas Bielau

Trainer: Lothar Kurbjuweit


Spielberichte

Geteiltes Leid - gteilte Freud

Jena seit sieben Spieltagen auf Rang 3 - der Aufwärtstrend ist keine Eintagsfliege. Dies und das jüngste 2:0 über Dresden machte das Duell der Zeiss-Städter beim Meister zur Spitzenpaarung. Entsprechend recherchierten die Statistiker. Und sie mußten bis in die besten Peter-Ducke-Zeiten zurückblättern, um auf den letzten Sieg am 8.9.1973 (Tore: natürlich P. Ducke) zu stoßen. Und letztmalig einen Punkt entführte Jena am 28.8.1974 mit einem 1:1. Mehr als stille Hoffnung bei ihnen, diesmal daran anknüpfen zu können, obgleich da eine halbe Stamm-Elf in des Doktor Obhut ist.

Aber von guten Vorsätzen war bei den Gästen bis zur 44. Minute nicht viel zu entdecken. Um so mehr beim Meister, der auf dem Schnee-Harsch aufspielte, als wolle er die bösen Frankfurter Erfahrungen buchstäblich hinwegfegen. "Das Sturmtrio ist eine Klasse für sich", lobte DFV-Cheftrainer Dr. Dieter Fuchs. Tatsächlich fühlten sich Thom und Ernst an keine Position gebunden, von Brauer wie Ludwig kaum beeindruckt, und Pastor (dessen Auswechslung überraschte) fügte sich gleichwertig ein. Spritzig, wendig, mit Übersicht erspielten sie bei reichlich Ballnachschub durch die hinteren Reihen (Fügner, Küttner sehr eifrig) auch reichlich Möglichkeiten.

Aber im Abschluß haperte es beim BFC, nur die Kombination Fügner-Ernst-Pastor-Thom zum 8. Saisontor des jungen BFC-Auswahlstürmers wurde so glänzend abgeschlossen wie herausgespielt. Ähnliche Gelegenheiten vergaben Fügner (33.), Küttner (35.), sowie Pastor (17.), der nach schönem Hackentrick in Bräutigam seinen Meister fand. "Zwei, drei Tore mehr wären normal gewesen", lobte Georg Buschner, unser früherer Auswahl-Chef.

Aber das Unnormale geschah. Lesser zog nach einem Ballverlust von Ernst (45.) schnurstracks Richtung Tor, schoß, und von Rohdes Fuß abgefälscht drehte der Ball in die entlegene linke Ecke. Das Spiel stand kopf.

Nach dem Wechsel nicht mehr. Da geschah freilich auch Unerwartetes. Denn nicht der bis zum 1:1 so souveräne BFC spielte munter weiter, der FC Carl Zeiss taute vielmehr auf. "Endlich legten wir Respekt und Hemmungen ab", fand Mannschaftsleiter Peter Rock, und neben dem frisch und munter aufspielenden Lesser wuchs Bielau nun zur zweiten gefährlichen, schnellen Spitze. Mehr Schwung und Druck aus den hinteren Reihen kam dazu, und Jena bestimmte die Szene.

Gewiß da waren auch noch zwei Chancen für den Meister (Kopfballaufsetzer Ernst 61., Volleyversuch Küttners, 80.), aber die Gäste verrieten nun beste Zeiss-Tugenden mit temposcharfen, weiträumigen und geradlinigen Zügen zum Tor. Rudwaleit bekam vor Tor und Strafraum reichlich zu tun. Niemand sprach am Ende mehr von einem glücklichen Punktgewinn der Jenaer. Sie hatten ihn sich redlich verdient. Ergo: Geteiltes Leid (je eine schwache Halbzeit), geteilte Freud (je eine gute).

(Horst Friedemann in "Die Neue Fussballwoche" vom 3. Dezember 1985)


Steter Tropfen höhlt den Stein

Man spricht wieder von Jena. Und das mit Respekt. Der dreimalige Meister, vierfache Pokalsieger früherer Jahre und EC-Finalist von 1980/81 hatte bekanntlich mehr als nur schlicht eine Durststrecke durchzumachen. Noch 1982/83 Dritter unserer Meisterschaft drohte ihm im Jahr darauf gar Abstiegsgefahr (schließlich Platz 10), und im Vorjahr mußte sich die erfolgsgewohnte Zeiss-Vertretung auch mit Rang 7 abfinden.

Eine Elf im Generationswechsel, "mit Problemen über Jahre" wie Hans Meyer und sein Nachfolger Lothar Kurbjuweit übereinstimmend damals konstatierten. Die großen Zeiten der großen Persönlichkeiten, zu denen der jetzige 35jährige Trainer selbst gehörte, schienen vorbei. Das aber ist die Gegenwart: Das Trainer-Duo Kurbjuweit/Werner formierte um die verbliebenen Haudegen Brauer, Raab, Bielau ehrgeizige junge Burschen, die solide Zeiss-Tugenden wie Einsatzbereitschaft und Athletik aufzubieten haben. Mehr, reifes, überdurchschnittliches Können muß erst noch wachsen.

Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Und in Jena verzagt niemand angesichts eines langwierigen, beschwerlichen Anlaufs zu eventuell späterer Zugehörigkeit wieder zur DDR-Spitze. "Dort oben gehören wir eigentlich noch nicht hin." Lothar Kurbjuweits grundehrlicher Satz mit Blick auf Platz 3 ist kennzeichnend. Keine Spur von Zweckpessimismus, vielmehr Sachkenntnis und Wissen um die eigenen Möglichkeiten spricht daraus. Daß andere, personell weit besser besetzte, mannschaftlich ausgereiftere Vertretungen durch eigene Probleme unter ihren Möglichkeiten bleiben, übersieht er nicht. Der Realismus nach dem Spiel beim Meister, nach dem gewiß beglückenden Punktgewinn imponierte.

"Die Leistung der zweiten Halbzeit entsprach in etwa meinen Vorstellungen", sagte er. Da spielten die Lesser, Bielau, Schmiecher, Böger, Ludwig, Pittelkow mutig und selbstbewußt. Aber ein BFC im "Leistungs-Loch" kam ihnen entgegen. Wie in der Vorwoche gegen Dresden durchgängig, wie in Berlin 45 Minuten - so möchten Jenas junge Trainer ihre junge Mannschaft beständig sehen. Und das geht halt nur Schritt um Schritt.

"Wir liebäugeln nicht mit den vorderen drei Plätzen. Unser festes Ziel ist ein Platz, der Startchancen für den IFC bietet", verrät auch Gert Brauer vernünftige Maße der Mannschaft. Dazu gilt es, die Potenzen in jedem Spiel so nah wie möglich an die Leistungsgrenze zu schieben. Der gegenwärtig 3. Platz belegt - Jena ist da auf guten Wegen, immerhin fehlten mit Weise und Peschke, Burow und Krause Akteure, die anderswo zu lautem Wehklagen geführt hätten; an der Saale nicht. Und auch das macht die Elf auf dem Überraschungsrang so sympatisch.

(Horst Friedemann in "Die Neue Fussballwoche" vom 3. Dezember 1985)