2003/2004 10. Spieltag: Hallescher FC - FC Carl Zeiss Jena 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 10.Spieltag
Saison Saison 2003/2004, Hinrunde
Ansetzung Hallescher FC - FCC
Ort Kurt-Wabbel-Stadion in Halle
Zeit So. 05.10.03 14:00 Uhr
Zuschauer 6.493
Schiedsrichter Herzberg (Berlin)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 1:0 Krauß (5.)
  • 1:1 Klee (11.)
  • 1:2 Manai (28.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Halle
Bölke
Schädlich
EberhardtGelbe Karte.gif, FreundGelbe Karte.gif, Krauß Gelbe Karte.gif
Geidel, Georg (72. Behring), Weimann (76. Gerloff), Gokolog
Kricke (46. Kövarie), Ofodile

Trainer: Mankowski


Jena
Tino Berbig
Olaf Holetschek
Joachim Schwabe, Markus Grasser, Gert Müller
Stefan Treitl (25. Eric NollGelbe Karte.gif), Kais Manai, Daniel Petrowsky (85. Thomas Hurt), Alexander MaulGelbe Karte.gif (70. Christian Müller)
Miroslav Jovic, Carsten KleeGelbe Karte.gif

Trainer: Joachim Steffens

Spielbericht

Wer sein Geld nicht inflationssicher in Dauerkarten anlegt, sondern sein Glück an der Börse zu mehren versucht, dem wird ein Begriff geläufig sein, den die als Analysten verkleideten Esoteriker von n-tv et. al. gern im Munde führen, um das ab and down des DAX oder anderer Indizes aus der Retrospektive erklären zu können: "Charttechnisch." Übertragen auf das Spitzenspiel am Sonntag sah es nach Jenas 1:0 Erfolg im Jahr 2001 und dem 0:0 im letzten Jahr charttechnisch nicht unbedingt nach Kantersieg für Blaugelbweiß aus. Wem dazu noch in Erinnerung blieb, auf welch verdammt duselige Art der FCC beide Male hier die Punkte gewann, und wer sich die Verstärkungen der Hallenser in dieser Saison vor Augen hielt, der wird als Pessimist wohl gleich zu Hause geblieben sein; positiv denkende Menschen dürfte aber gefreut haben, dass der FC Carl Zeiss Jena in diesem Match gewiss nicht die Rolle des Favoriten übernehmen musste.

Die Mannschaftsaufstellung des HFC brachte bereits die erste Enttäuschung für die rund 1000 Zeiss-Fans unter den knapp 6500 Zuschauer. Eniz Paden fehlte, jener legendäre Torwart des HFC, der sich beim letzten Auftritt der Hallenser im EAS in die Herzen des Jenaer Anhangs gespielt hatte, als er kurz vor Schluss das schaffte, was den FCC-Angreifern vorher reihenweise nicht gelang und den Siegtreffer für Jena selber schoss. Ihn hoffte man wieder im Tor begrüßen zu können, da bekannt ist, dass er öfter mal Glücksrad spielt und dabei gern ein "t" und ein "z" gegen das "d" in seinem Nachnamen erhandelt. Gestern jedoch versuchte man in Halle es Arsenal gleich zu tun, wo es in dieser Saison ja auch eine revolutionäre taktische Umorientierung zu bestaunen gibt, da man es in Highbury mal mit einem Torwart versucht, statt wie bisher ein gestriegeltes altes Pferd hinter die Abwehr zu stellen.

Der zweite Schlag ins Gesicht folgte 5 Minuten nach Anpfiff. Einem Freistoß bei Gegenwind aus gut 30 Metern muss man nicht mit einer 10 Mann-Mauer begegnen, wenn man aber glaubt, Daniel Petrowskys breite Brust könnte allein ausreichenden Schutz für Jenas Gehäuse bilden, dann bringt man Leute wie Halles Libero Krauß auf die Idee, es mal mit einem Gewaltschuss zu versuchen und den Ball irgendwie in den Bereich zwischen die zwei Eckfahnen zu dreschen, so wie es früher Bähringer aus der Stadt der drei "O" tat, und diese an sich nicht sonderlich einfallsreiche Freistoßvariante führt zum Erfolg, wenn irgendjemand noch sein Bein dazwischen hält, der Ball seine Richtung leicht ändert und zudem noch zu flattern anfängt.

Dieser Traumstart aus HFC-Sicht wurde allerdings nicht zum Fanal einer Hallenser Startoffensive. Die Zuschauer im Kurt-Wabbel-Stadion dürften mehrheitlich wohl kaum in der Erwartung gekommen sein, nach der Chemie-Führung nun erleben zu müssen, wie der FCC in Halbzeit eins ein Powerplay aufzog und den Gastgeber zeitweise in der eigenen Hälfte einschnürte. Was Jena in den ersten 45 Minuten bot, das war das Stärkste, was ich von der Mannschaft seit langem gesehen haben, und es war zudem erfolgreich. Klees 1:1 nach Pass von Manai, eine Traumkombination und eiskalt abgeschlossen, der leider nicht gegebene Treffer desselben Spielers in der 20. Minute, das sah richtig nach Fußball aus. Die Krönung folgte jedoch in der 28. Minute. Sicher war es kein Ruhmesblatt von Halles Torwart, wie er erst seine Mauer postierte, dann aber doch kein Vertrauen in seine Vorderleute hatte und durch den Schritt zum kurzen Pfosten einen entscheidenden Fehler beginn. Aber diese Aktion kann man unter der Rubrik "Falsch spekuliert" verbuchen, für den von Manai ins lange Eck gezirkelten Ball habe ich auch nach langem Grübeln kein besseres Attribut gefunden als ein schlichtes "Weltklasse." Damit krönte er seine eigene Leistung wie die des gesamten Teams in der ersten Halbzeit, an der nur nur das Ausbleiben des dritten Tores zu bekritteln war.

Nach der Pause folgte den überragenden ersten 45 Minuten ein Leistungsabfall in einem Ausmaß, für das man hier im Mansfeldischen nur den Begriff "ungergietich" kennt. Warum ein Spieler wie Manai in der zweiten Halbzeit lediglich durch den Versuch des Elfer-Schindens in der 62. Minute auffiel, vermag ich nicht zu beantworten. Gleichzeitig erblühte nun Ofodile, dem ich nach der ersten Halbzeit noch ans Herz legen wollte, sich auf die Endrunde zum "Pummelchen of the year" zu konzentrieren. Mit 1 oder 2 weiteren Spieler seiner Klasse auf HFC-Seite wäre der FCC nicht als Sieger vom Platz gegangen. Die Patzer häuften sich nämlich auf Jenaer Seite, Holetschek ließ sich zweimal von Ofodile überlaufen und selbst den in Spitzenspielen sonst so konzentriert auftretenden Tino Berbig erfasste die Leichtigkeit des Seins, doch hatte er Glück, als in der 69. Minute an einer Hallenser Ecke vorbei segelte, da Chemies Kricke mit dieser Chance nichts anzufangen wusste. Jenas Durchhänger kann ja wohl nicht daran gelegen haben, dass die HFC-Fans anfangs der 2. Halbzeit zeigten, was man außer den Bratwürsten im Stadion noch aus einem Chemiebaukasten herstellen kann und eine original Bitterfeld-Atmosphäre zauberten.

Abschließend ein Wort zum Schiedsrichtergespann. Mit der Entscheidung beim wegen Abseits verweigerten 2. Treffer von Klee konnte ich mich nicht anfreunden und halte sie für falsch, auch ohne bisher Fernsehbilder dazu gesehen zu haben. Es blieb aus meiner Sicht die einzige kritikwürdige Entscheidung des Nachmittags. Dies festzustellen ist keine Selbstverständlichkeit, besonders nachdem der NOFV angesichts des zu erwartenden Zweikampfs zwischen Halle und dem FCC bei der Ansetzung des Schiedsrichters in Jenas letzten Match gegen Pößneck so viel Fingerspitzengefühl bewies und einen Referee mit der Spielleitung betraute, der seinen Wohnort im zirka 8 km Luftlinie vom KWS entfernten Schkopau hat. Deshalb rechnete ich diesmal fest mit einem Schiri aus Ammendorf oder HaNeu, der eine unparteiische Führung des Matches garantiert. Zu meiner Überraschung kam der Mann in Schwarz aber aus Rostock, leitete das Spiel auffällig unauffällig und verdiente sich damit das größte Kompliment, das man einem Schiedsrichter machen kann.

Der Jenaer Sieg wird Spuren hinterlassen in Halle, da er die Schwachstellen beim HFC kenntlich machte. Überragende Leistungen einzelner Spieler können den Erfolg einer Mannschaft maßgeblich befördern - Ronny Kujat lässt grüßen - aber auch ein Akteur mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten wie Ofodile kann seine Stärken nur voll entfalten, wenn er ähnlich kongeniale Mitstreiter um sich hat, doch daran fehlte es dem HFC zumindest im gestrigen Spiel. Seine Zuspiele verpufften, denn so oft er sich in der zweiten Halbzeit auch durchsetzte, so oft fand er nur Mitspieler als Empfänger seiner Pässe, die aus dem Regal für Dutzendware der Oberliga entstammen. Hier war Jena im Vorteil, denn niemand aus der Mannschaft fiel deutlich ab, wohl aber stachen Manai und Klee in der ersten und Schwabe in der zweiten Halbzeit heraus.

In dieser Homogenität dürfte Jenas größter Vorteil gegenüber allen Kontrahenten liegen, wobei ich den HFC nach wie vor als den stärksten Gegner erachte. Plauen sollte man zwar nie vorschnell abschreiben, aber der Substanzverlust der Fuchtländer erscheint zu hoch, als dass sie die nötige Konstanz für einen erfolgreichen Wettstreit mit Jena über alle noch ausstehenden 24 Spieltage aufbringen könnten. Zum Zünglein an der Waage taugt der VFC aber allemal, genauso wie Dresden-Nord. Denen Aufstiegsambitionen nachzusagen verbietet ein Blick auf die Zuschauerzahlen der Elbflorenzer und man wird wohl an der Jägerstraße selbst klug genug sein, die wirtschaftlichen Risiken eines solchen Unterfangens in Dynamoshausen realistisch einzuschätzen. Bleibt noch Lok. Die Bilanz von 5 bei 15 möglichen Punkten aus den Partien gegen die Tabellennachbarn aus Jena, Grimma, Halle, DD-Nord und Plauen lässt sich auch durch ein Schützenfest in Dessau nicht beschönen. Ein Aufstiegsaspirant ist der VfB nur dem Namen nach, auch wenn deren Präsidium das sicher anders sieht, aber Bodenhaftung war ohnehin nie das hervorstechendste Merkmal beider Leipziger Vereine.

Ist Jena also durch? Mitnichten, denn wenn es eines gibt, worin der Club in den letzten Jahren Routine entwickelte, dann war es der Umfang mit "vorentscheidenden" Punktevorsprüngen. Die größte Gefahr für Jenas Staffelsieg lauert im Ernst-Abbe-Sportfeld, es ist der Glauben, bereits so gut zu sein, wie man mal sein möchte, und sich im Vertrauen auf die eigene Überlegenheit das eine oder andere Päuschen gönnen zu können. Der Grad zwischen Selbstvertrauen und Selbstzufriedenheit ist nicht breit; für Jena war er schon zweimal zu schmal. Jedes Spiel mit der gleichen Ernsthaftigkeit anzugehen vermochte der FCC weder im letzten noch im vorletzten Jahr und zahlte dafür jeweils mit dem verpassten Aufstieg. Die schweren Spiele kommen erst noch, nicht allein in Plauen und Dresden, sondern beispielsweise gegen die ambitionierten Aufsteiger aus Auerbach oder Halberstadt. Ein weiterer Patzer dort, und der HFC kann uns mit Hilfe des NOFV-Sportgerichts unerwartet schnell von der Tabellenspitze zuwinken.

PS.: Die Anregungen zur Einfügung von Absätzen zwecks besserer Lesbarkeit meiner Beiträge habe ich mir zu Herzen zu nehmen versucht. Hoffentlich ruft jetzt niemand nach Smileys zum bunt ausmalen; den intellektuellen Ansprüchen von Webtrollen rotweißer Provenienz werde ich wohl ohnehin nur gerecht werden, wenn′s die Nachbetrachtungen künftig mit Bussibär-Rätsel und Pony-Poster im Anhang gibt.

--Al Knutone