2005/2006 18. Spieltag: Fortuna Düsseldorf - FC Carl Zeiss Jena 3:1

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Spieldaten
Wettbewerb Regionalliga, 18. Spieltag
Saison 2005/2006, Hinrunde
Ansetzung Fortuna Düsseldorf - FCC
Ort Paul-Janes-Stadion in Düsseldorf
Zeit Sa. 19.11.05 14:00
Zuschauer 6.300
Schiedsrichter Wagner (Hofheim)
Ergebnis 3:1
Tore
  • 1:0 Feinbier (48.)
  • 1:1 Ziegner (49.)
  • 2:1 Lambertz (67.)
  • 3:1 Podszus (82.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Düsseldorf
Deuß
Cakir, Erislan, Barth, Kruse
Böcker, Wolf (90. Alberz), Lambertz (74. Heeren), Cebe (88. Kizilaslan)
Podszus, Feinbier

Trainer: Weidemann


Jena
Christian Person
Krzysztof Kowalik (61. Felix Holzner), Holger HasseGelbe Karte.gif, Faruk HujdurovicGelbe Karte.gif
Tobias Werner, Ronny Thielemann, Ralf Schmidt, Torsten Ziegner, Alexander MaulGelbe Karte.gif
Mark Zimmermann (70. Fiete Sykora), Sebastian Hähnge

Trainer: Heiko Weber

Spielbericht

Es hätte nicht meines besonderen Talentes bedurft, ein guter Prophet des Schlechten zu sein, um zu erahnen, dass irgendwann mal wieder ein Match kommt, bei dem Jena geschlagen den Ground verlässt. Zeichen, dass dergleichen in Düsseldorf passieren könnte, gab es in den Spielen seit dem Derbysieg vom 29.10. genug, denn die Formkurve zeigte nach dem wundervoll herausgespielten 2:0 gegen die rotweißen Rumpelfüßler leider leicht aber konstant nach unten, ungeachtet des Triumphes in Emden, dem Defensiv-Schmankerl gegen Lübeck und des abermaligen Sieges beim Krieg der Welten. Zum Teil war es noch grundsolide, was Jena in den genannten Matches bot, zum Teil hatte man einfach Dusel. In jenen rauschhaften Zustand wie nach dem 1. Derbysieg war ich indes nicht mehr versetzt und griff deshalb im Paul-Janes-Stadion (Ist wirklich ein reizvoller Ground!) zu einem bewährten Hausmittel namens Altbier (oder wie auch immer man das Kölsch in Düsseldorf nennt), allein schon, um meine Altschulden bei Fausti abzustottern.

Mit Spielbeginn entriss ich mich jedoch wieder aus den Klauen von Teufel Alkohol und unterwarf mich strenger Askese, um wachen Auges dem Spiel unserer Blaugelbweißen zu folgen. Mit jeder Minute, die das Match verstrich, kam ich aber mehr ins Grübeln, ob eine Enthaltsamkeit denn lohne, wäre mir doch selbst im Vollsuff kaum entgangen, dass die Vorstellung beider Mannschaften in Hälfte eins wohl nicht die atemraubendste Show fußballerischer Hochkultur war, die des Betrachters Auge je sah. Den Düsseldorfern kann man dabei zweifellos noch das Kompliment machen, in den Toten Hosen einen Sponsor gefunden zu haben, mit dem sich ihr Offensivspiel kaum treffender charakterisieren ließe, denn weder die Chance für den Fortunen Wolf, der nach Kopfballvorlage Hujdurovics in der 11. Minute von der Strafraumgrenze abzog, noch der Befreiungsschlag von Podszus aus spitzem Winkel erfüllten den Tatbestand der Person-Gefährdung.

Das gebotene Treiben der Düsseldorfer wäre aus Jenaer Fansicht gewiss mit Wohlgefallen zur Kenntnis genommen worden, hätten Ziege und Co. im Angriff nicht gleichfalls so aufgetrumpft, als gelte es, um die Gunst der Düsseldorfer Punkband zu buhlen. Eine Rückgabe von Maul, die der Fortuna-Keeper auch mit drei Fässern Altbier in der Hosentasche problemlos gefangen hätte, zwei Flanken von Ziegner, bei denen einmal gleich drei Jenaer und beim anderen Mal Hähnge den Ball knapp verpassten, würden selbst bei einem Schwadronuer meines Schlages kaum in einen Spielbericht einfließen. Bei anderen Matches hätten wir mutmaßlich nicht einmal bedeutungsvoll die Augenbrauen gehoben, bei der Partie am Samstag hingegen taugten diese Szenen schon, um als Highlights der ersten Hälfte Erwähnung zu finden. Grausamer Fußball, und so ging dann nur in der Halbzeitpause die Post ab, als zwei meiner Begleiter zu Status quo-Klängen den Gästeblock mit ihren Luftgitarren-Soli rockten.

Dass dieses Match trotzdem nicht mit einem typischen 0:0 enden sollte, verhinderte die Fortuna nach Wiederanpfiff recht eindrucksvoll. In der 47. Minute war Kowalik offenbar festen Glaubens, die bloße Präsenz genüge, um seinen Gegenspieler am Vorbeiziehen zu hindern. Der Glaube vermag ja zuweilen Zwerge zu versetzen, aber leider nicht Düsseldorfs Cebe, denn dieser hatte einen teuflischen Trick auf Lager und lief einfach um Kowalik herum, um anschließend mit dem Ball am Fuß in den Sechzehner einzudringen und zurück auf Feinbier zu legen. Letzterer hatte sich in der ersten Halbzeit auf dem Platz noch in einer Weise präsentiert, die ihn selbst als Namenspatron für einen Kasten verdorbenes Oettinger disqualifizierte (@Felix: Ist „verdorbenes Oettinger“ eine Tautologie?), doch das muss bei einem Stürmer wie Feinbier wenig bedeuten, denn wie der den Ball annahm, sich kurz drehte, sofort abzog und Person damit keine Chance zum Eingreifen gab, ließ dessen alte Klasse erahnen.

Das 1:0 für Fortuna zauberte jene bekannten Mienen auf die Gesichter der Zeissfans, wie sie in der letzten Oberligasaison in den Spielen bei Chemie und Magdeburg zu sehen waren. Aber nicht für lange. Der Jenaer Angriff gleich nach Wiederanpfiff konnte von Düsseldorf nur durch Foul vorm Fortunen-Kasten gestoppt werden und es gab Freistoß für den FCC. Die Rheinländer stellten sich anschließend brav gut 9 Meter vorm Tatort auf und sahen dann zu, wie Ziegner erst resolut Hasse und andere „Hauptsache, einer aus der Mauer fällt um!“-Kunstschützen verscheuchte, sich dann den Ball zurecht legte, schnell mal schaute, wie hoch und breit das Tor ist und anschließend so anlief, als wollte er allen RWE-Moralisten demonstrieren, ihm sei es ziemlich Rille, dass man am Absteigerwald seine aus dem Stand getretenen Freistöße als Zeichen unerträglicher Arroganz wertet. Da Fortuna-Keeper Deuß nur einen ehrfurchtsvollen Blick auf den Ball als schärfste Waffe gegen Zieges Geschoss einzusetzen vermochte, konnte man im Zeissblock zum ersten Mal quietschvergnügt am Glühwein nippen.

Danach begann man dann auf beiden Seiten richtig ernsthaft Fußball zu spielen. Es wurde nun kein gutklassiges, aber ein lebendiges Spiel, wobei Jena die Initiative behielt, jedoch ohne sich zwingende Chancen heraus zu arbeiten. Nachdem es in der ersten Hälfte noch schien, als könnte Düsseldorf nur mit roher Gewalt dazu gezwungen werden, offensiv Akzente zu setzen, zeigten die Fortunen jetzt zumindest, wie gutes, erfolgreiches Konterspiel aussehen kann, zum Beispiel durch Flanken von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr. Wiederum war es der 95er Cebe, der sich hierbei wie beim 1:0 als Vorbereiter hervortat, wobei ihm in der 67. Minute entgegen kam, dass Hasse und Holzner im Jenaer Deckungszentrum lieber einander in konsequente Manndeckung nahmen als sich dem anstürmenden Fortunen Lambertz zu widmen. 2:1 für Düsseldorf, das Hase und Igel-Spiel ging von vorne los.

Die blaugelbweißen Meister Lampes wollten sich durch diesen Treffer beileibe noch nicht geschlagen geben und drückten wie nach der ersten Düsseldorfer Führung auf den sofortigen Ausgleich. Am Jenaer Willen, im Janes-Stadion wenigstens einen Punkt zu holen, fehlte es mitnichten, wohl aber zuweilen am Können und leider auch etwas am Glück. Als Düsseldorfs Kapitän Böcker, in Jena bestens bekannt als eines der unzähligen kickenden Tausendschönchen aus der legendären Petrovic-Ära, kurz nach dem Jenaer Ausgleich eine Flanke von der Grundlinie in den Fünfmeterraum schlug, war der Fußballgott noch hellwach, ebenso in der 81. Minute, als ein Podszus-Schuss durch Person noch an den den Pfosten gelenkt werden konnte. Doch 60 Sekunden später döste er wohl irgendwie in der Nase popelnd vor sich hin und verpennte so, den Ball bei Mauls Kopfball in, statt knapp neben den Fortunen-Kasten zu lenken. Kurz darauf war der Fußballgott wieder nicht bei der Sache oder vielleicht gerade mal weg zum Zigaretten holen, als sich bei einem Düsseldorfer Gegenzug drei Fortunen in Richtung Person-Tor aufmachten, ohne das Jenas höherer Beistand wenigstens einen von ihnen auf den Pops fallen oder sich vor dem Flanken das Bein brechen ließ. 3:1 Fortuna. Aus die Maus.

Jena war auf Gegners Platz in die Falle getappt. Sicher kann man fragen, ob es Düsseldorfs Anspruch ist, selbst im Spiel gegen einen Aufsteiger als Heimmannschaft die Punkte dadurch zu sammeln, dass man den Kontrahenten das Spiel machen lässt, um auf dessen Fehler hoffend zu kontern. Ob man damit am Niederrhein mehr erreichen kann, als einen Mittelfeldplatz, bleibt fraglich. Doch das muss uns als Zeissfans ohnehin nicht kümmern, wohl aber, dass Fortunas Sieg zum großen Teil vermeidbaren Jenaer Fehlern geschuldet und deshalb alles andere als unabwendbar war. Webers Mannschaft zeigte sich zwar, ungeachtet der 120 Minuten gegen Erfurt, körperlich und läuferisch voll auf der Höhe. Aber wie bei den letzten Partien auch wirkte der FCC mental verbraucht, diesmal nicht nur beim Spiel nach vorne, sondern auch in der Defensive. Ungeachtet aller Kritik verdiente sich die Mannschaft trotz der Niederlage ihren Schlussapplaus, denn selbst nach dem vorentscheidenden dritten Treffer gab man sich nicht auf, sondern versuchte, zumindest noch den Anschluss zu erzielen, so wie Ronny Thielemann bei seiner Schusschance kurz vor dem Ende. Der FCC zeigte Charakter, nur reichte das allein leider nicht gegen clevere und brillant konternde Hausherren.

Das Gesamterlebnis Auswärtsfahrt hatte mit dem Abpfiff allerdings weder ihr Ende gefunden noch ihren Tiefpunkt erreicht, denn eine grünbewamste Laienspieltruppe bot noch ein beeindruckendes Rahmenprogramm. Schon vor der Partie ließ die Generalprobe der Buzzelei Verheißungsvolles erwarten, als die Meister des Improvisationstheaters bei Eintreffen der Jenaer Fanbusse die Zufahrtsstraße hinter dem Gästeeingang komplett sperrten. Da sich in der schnell bildenden Menschentraube neben dem Gros an Fortuna-Fans auch etliche FCC-Supporter befanden, war mir allerdings nicht klar, ob wir jetzt vor den Düsseldorfern, die Fortuna-Fans vor uns oder wir alle gemeinsam vor der Vogelgrippe geschützt werden sollten. Doch mit dergleichen Gedankenspiele beschwerten sich unsere Freunde und Helfer in Grün nicht übermäßig, wie sich nach Spielschluss abermals erwies, denn aus irgendeinem, vermutlich wohldurchdachtem Grunde, sperrte die Buzzelei die schon erwähnte Zufahrtsstraße diesmal nicht nur für die Fortuna-Fans, was ja durchaus Sinn machte, sondern auch für alle blaugelbweißen Supporter, die ihre Autos im nahen Gewerbegebiet geparkt hatten.

Da kein einziger rotweiß-beschalter Anhänger jenseits der Straßensperre zu sehen war, stellte nicht nur ich mir die Frage nach dem „Warum?“ dieser Aktion. Galt es eine überraschende Ankunft von Marsianern zu sichern? Verbarg sich unter der nächsten Eisenbahnbrücke ein verborgener Tunneleingang nach Hannover, durch den frustrierte Jenafans mit dem Ziel einzudringen drohten, den Sching-Darassa-Bums und Fackel-Schnickschnack von Herrn Gerhard Schröders Abschlussgala zu stören? Aufschluss erheischend wandte ich mich mit der Frage nach dem Sinn dieser Absperrung an die Damen und Herren in Grün. Die wollten sich nicht allein auf die Stärke ihrer Argumente verlassen, sondern versuchten mit Reizgasspray für ihr Anliegen zu werben. Fußballfans wären nicht Fußballfans, wenn es unter ihnen nicht eine stattliche Zahl gäbe, die in solchen Situationen beweisen, dass sie sich an dem Tag, als der liebe Herrgott Sinn und Verstand unterm Menschengeschlecht verteilte, vermutlich nicht zweimal hintereinander anstellten. So flogen als Reaktion prompt die ersten Flaschen und Steine, die Buzzelei sah ihre selbsterfüllende Prophezeiung bestätigt und nach dem Anstürmen der Zeissfans knüppelten die rheinischen Frohnaturen dann munter auf jeden los, der in Schlagstockweite kam. Jetzt verstehe ich, warum Hardcore-Fans wie Bohne angesichts solcher polizeilicher Deeskalationstaktik der nächsten WM nicht entgegen fiebern.

So wurde es denn ein Tag, den man komplett in die Tonne kloppen konnte. Sportlich lässt sich die Niederlage gegen Düsseldorf in den nächsten Spielen sicher wieder korrigieren und vielleicht hilft es ja, wenn wir uns vor Augen führen, dass es erst gut ein Jahr her ist, als der FCC beispielsweise in Halberstadt mit 0:3 verlor. Seitdem haben Bennos Mannen mehrfach gezeigt, dass man in Jena Niederlagen weg zu stecken vermag. Da es mein letztes Livespiel in diesem Jahr war, hätte ich mir zwar gern ein anderes Ergebnis gewünscht, doch in Düsseldorf verlor man verdient, auch weil sich der Fußballgott, der ansonsten in dieser Saison mehrmals schützend über Jena die Hände legte, diesmal eine Auszeit nahm. Aber besser, dies geschah gegen die Fortuna als ein Spiel zuvor. Kein Grund also, zum Satanisten zu werden, und wenn es denn dem Match in Düsseldorf etwas Positives abzugewinnen gibt, dann ist es die Hoffnung,, dass der gegen Oberhausen zu erwartende Zuschauerstrom es möglich machen wird, im EAS mal wieder Bratwürste zu essen, bei denen nicht nur der Teint eine zarte Bräunung erfuhr. Da lohnt sich doch gleich wieder das Kommen.

--Al Knutone