2008/2009 18. Spieltag: SpVgg Unterhaching - FC Carl Zeiss Jena 1:0

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 18. Spieltag
Saison Saison 2008/2009, Hinrunde
Ansetzung SpVgg Unterhaching - FCC
Ort Generali-Sportpark
in Unterhaching
Zeit So. 07.12.2008 14 Uhr
Zuschauer 4.200
Schiedsrichter Tobias Stieler (Obertshausen)
Ergebnis 1:0
Tore
  • 1:0 A. Fink (29.)
Andere Spiele
oder Berichte


Aufstellungen

Trikotfarben
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Unterhaching
Darius Kampa
Thorsten Schulz , Ralf Bucher , Florian Hörnig , Timo Nagy
Roman Tyce (67.)
Oliver Fink , Ricardo Villar (90.+2 Christian Hain) , Robert Zillner
Anton Fink , Marcus Steegmann (82.Tobias Schweinsteiger (90.+2)

Trainer: Ralph Hasenhüttl

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Carsten Nulle
Amadeus Wallschläger , Robert Müller , Marco Riemer , Ralf Schmidt
Niels Hansen
Carsten Sträßer (71.Patrick Amrhein) , René Eckardt , André Schembri , Nils Petersen (61.Salvatore Amirante)
Sebastian Hähnge

Trainer: René van Eck

Spielberichte

Auf geht’s, Sebastian!

Trotz Chancen im Dutzend verliert der FCC 0:1 in Unterhaching

Es ist ja nicht so, daß der ruhmreiche FCC und mit ihm seine Fans in der Spielstätte der TSG Hoffenheim für Arme, dem Unterhachinger Sportpark, nicht schon Spiele verloren hätten, so auch heute. Und darunter waren auch schon Niederlagen, welche einen als Fan so richtig wütend machen konnten. Wütend auf das unterlegene, das eigene Team. Auch nach dem heutigem Schlußpfiff gab es einen Grund wütend zu sein, sogar richtig wütend. In diese Wut mischten sich aber auch Zorn und Fassungslosigkeit – jedoch über einige, dem Primatenstadium noch nicht entkommene (so drückte es jedenfalls später einer unserer Mitreisenden aus) angebliche „FCC-Fans“ und deren dementsprechendes Verhalten nach Abpfiff. Als ein über 90 Minuten nicht überragender, aber sehr guter und leider im Abschluß unglücklicher Sebastian Hähnge sich dem Gästeblock näherte, wurde dieser in einer Art und Weise von diesem Pöbel angegangen, wie man es eigentlich nicht mit Worten beschreiben kann und auch nicht möchte.
Einfach nur ekelhaft!
Eine unrühmliche, unwürdige und an denen Haaren herbeigezogene Kampagne gegen einen Spieler unseres FCC schienen einige Idioten hier zur Eskalation bringen zu wollen. Sebastian hat sich diesen Provokateuren gestellt – Respekt. Und komme mir keiner mit dem dämlichen Gelaber, dies müsse er als angeblich überbezahlter Ex-Bundesliga-Profi wegstecken! Nein, so nicht! So behandelt man niemanden, egal ob gutbezahlten Fußballprofi oder unterbezahlten Was-auch-immer-Arbeiter. Gut, daß einige Jenaer (Ordner) einschritten und dem absurden Spuk ein Ende bereiteten. Dennoch, Sebastian Hähnge vor dem (und während des) nächsten Kicks unserer Helden seitens des absolut überwiegenden Teils der blaugelbweißen Fanschaft zu zeigen, er ist einer von uns und wer wird als solcher respektiert (mit seinen Ecken, Kanten und auch Fehlern), scheint inzwischen mehr als angebracht und notwendig. In Zeiten, in denen im EAS für und gegen alles mögliche Flagge gezeigt wird, sollte das machbar sein, denn es ist einfach an der Zeit!

Daß wir uns im Bajuwaren-Land befanden, war irgendwann auf der A 9 relativ einfach zu erkennen, als plötzlich an jeder Autobahnauffahrt oder Raststätte eines der beliebten grünweißen Autos mit Bayreuther Kennzeichen auftauchte. Ausgehend vom sonnabendlichen Auftritt der schwarzgelben Pest in Regensburg ließ dies schon wieder Schlimmes erahnen. Später waren wir uns (jedenfalls nach unseren Wahrnehmungen) einig, eher auf betont zurückhaltende Uniformträger getroffen zu sein und werteten dies als positiven Eindruck. Mehr als pünktlich setzten wir unsere Füße auf den schlammigen Untergrund des Hachinger Parkplatzes und waren uns schnell einig, die Zeit vor dem Anpfiff im Sportpark-Ristorante verbringen zu wollen. Als wir das erreichten, mußten wir uns allerdings nochmals kurz vergewissern, ob wir jetzt nicht beim ortsansässigen Mexikaner gelandet seien, aber es war nur ein weitgereister Gast, der uns diese kurze Illusion bescherte. Nun kann man ja über Fußball und Haching viel erzählen und wird wohl kaum auf Positives stoßen. (Mal abgesehen davon, wie sie Daum einst die Meisterschaft vermasselten.) Deshalb soll an dieser Stelle mal gelobt werden: Die Gaststätte war bestens gefüllt und das zu 95 Prozent mit Fans der Guten. Dennoch, netter Service, keine Ressentiments, ordentliches Essen und faire Preise – rundum eine angenehme und streßfreie Atmosphäre. Alles in allem ein gelungenes Aufwärmprogramm.

Auf dem Weg zum Gästeblock begegneten uns dann noch jene Nachwuchskicker, die soeben das Derby Unterhaching gegen Freising hinter sich gebracht hatten. Optischer Sieger waren auf jeden Fall die Freisinger, trugen die doch auf ihren jugendlich schmalen Trikotbrüsten stolz den neckischen Aufdruck „Hasi“. Leider hatten ihnen die Gastgeber nicht den Gefallen getan, ihre Trikots mit dem passenden Aufdruck „Mausi“ zu beflocken. Die Hachinger Ordner ließen sich mit der Stadionöffnung viel Zeit, konnten aber trotzdem nicht verhindern, daß am Ende ca. 800 – 900 Richtigfarbene ihre Steh- und Sitzplätze eingenommen hatten.

Wie erwartet begannen die Unseren mit Sträßer für Ziegner und es war zu hoffen, daß nun auch im grau-trüben Vorort mal was zu holen wäre, auch wenn der FCC darin ja bisher kaum Erfahrung hat. Aber 16 Jahre sind ja auch eine lange Zeit …

Auch wenn es im Folgenden so manche Aktion zu schildern gibt, so läßt sich für die ersten 25 Minuten dieses Spieles sagen: sie gestalteten sich eher wie ein Album Seals, eine Rede Horst Köhlers, ein Auftritt Mario Barths oder eine TV-Show Johannes B. Kerners – langweilig, belanglos, vorhersehbar und ohne Überraschungen oder gar echte Höhepunkte.

Den ersten Ballkontakt eines Torwächters gibt es, als Nulle nach 4 Minuten einen 16-Meter-Schuß sicher abwehrt. Kurz darauf wurde dann die erste Jenaer Offensivaktion wegen angeblich hohen Beins von Schembri abgepfiffen. Anschließend mieden Ball und Spieler die Strafräume und als nach 11 Minuten eine Flanke von rechts in den Hachinger Strafraum kam, verpaßte Schembri diese. Die erste Ecke hatten die Gastgeber nach 14 Minuten und die war nicht ganz ungefährlich. Hansen klärte per Kopf und leitete einen Gegenangriff ein. Eckardt setzte sich dabei gut in Szene und erneut kam Hansen an den Ball und erkämpfte nun selbst einen Eckball von links. Schade, daß Hähnge dann jedoch nur neben das Tor köpfte. Nach 17 Minuten schien die Führung für die Ruhmreichen nahe. Angriff über die linke Seite, sauberes Zuspiel von Eckardt auf Hähnge, perfekter Heber auf Sträßer und dann Kopfball ins … an die Latte. Nachschuß Hähnge! Und … gehalten. WiekannmandennnursoeinPechhaben!

Jetzt setzte zunächst mal wieder das große Dahinplätschern ein, bis ein Einheimischer aus 20 Metern einen Weckruf verschickte. Aber Nulle war bereits hellwach und klärte mit einer Hand zur Ecke. Nun waren auch seine Kameraden konzentriert bei der Sache und bekamen das Spiel von Minute zu Minute immer besser unter Kontrolle. Der FCC über die rechte Seite im Vorwärtsgang und plötzlich ein präzises Zuspiel auf Petersen. Mit seiner besten Aktion im ganzen Spiel bringt der den Ball direkt zu Hähnge, der sich perfekt dreht und aus 10 Metern abzieht. Leider direkt auf Torwart Kampa und der Ex-Grazer kann klären. (26.) Weiter der FCC im Vorwärtsgang. Sträßers Flanke von rechts geht in der 27. Minute noch zu weit, aber Schembris Zuspiel auf Hähnge in der 27. Minute paßt. Wieder zieht Hähnge vom rechten Strafraumeck direkt ab – wieder knapp vorbei. Jetzt schien der FCC das Spiel im Griff zu haben und auch in der Lage zu sein, Haching bis zum entscheidenden Fehler unter Druck setzen zu können. Aber Konjunktive schießen keine Tore…

Also kontert der Gastgeber im eigenen Stadion und Müller verschätzt sich bei einem weiten Flugball fürchterlich. Seine verunglückte Kopfballabwehr erläuft Fink und aus dem Lauf trifft er den Ball auf den punkt genau. Nulle ist machtlos und seltsamerweise steht es plötzlich 1:0. (30.) Doch der FCC bleibt keine Antwort schuldig, auch wenn Schembris Schuß nach schönem Sträßer-Querpaß am Tor vorbei flutscht. (32.) Was soll’s, die Unseren sind nicht zu bremsen. Eckardt versucht es aus 20 Metern. Dessen Schuß kommt bis zu Hähnge am 5-Meterraum. Hähnge legt sich den Ball auf!
Hähnge dreht sich!
Hähnge schießt!
Und Kampa hält mit einem Reflex – unglaublich! (35.)
Dasgibtsdochüberhauptnicht!

Der nächste Jenaer Angriff beginnt mit einem Sträßer-Freistoß von halblinks, der flach in die Mauer geht. Nachsetzen der Weißen und Müller kommt im Torraum an den Ball. Müller spielt den Ball an Kampa vorbei aber irgendwie geht das Ding dann doch noch an die Latte. (37.) Die Führung der Hachinger ist inzwischen ein absoluter Witz! Aber einer der Ihren startet nach 42 Minuten ein 60-Meter-Solo, bei dem alle Jenaer nur Geleitschutz geben – zum Glück endet das Ganze mit einem schwachen Querpaß. Sofort wieder die nimmermüden Gäste im Angriff, jetzt über rechts. Hähnge auf Sträßer und der mit dem Kopf weiter zu Hansen. Aber auch dessen Direktschuß aus 10 Metern geht am Tor vorbei.

Mit einem Ergebnis, welches den Spielverlauf völlig auf den Kopf stellt, gehen beide Teams in die Pause. Es ist müßig, eine ellenlange Analyse zu erstellen, denn einer (nahezu) perfekten erste Hälfte, in der die Guten ab der 25. Minute eine Klasse besser spielten als ihr Gegner, fehlte nur eines: das Wichtigste – das Tor! Mangelnde Konzentration? Fehlendes Glück? Wohl von allem etwas und genau deshalb steht es wegen eines Fehlers 0:1. Einsatz, Kampf und Leidenschaft? Ab Minute 25 perfekt vorgeführt von den Gästen – wer das nicht gesehen hat, oder nicht sehen wollte, der wäre wohl besser daheim vorm Adventskranz sitzen geblieben. So blieb nichts anderes übrig, als am Hachinger Pausenquiz teilzunehmen. Die große Frage lautete heute: Handelt es sich beim Ordner vor der Gäste-Ecke um den bisher verschwiegenen Bruder Heinos oder Bernd Schusters? Die Jokerfrage hieß: woher kommen eigentlich die Kormorane und Möwen, die über das Stadion zogen?

Es begann die zweite Halbzeit und unbeirrt setzten die Glorreichen ihren Sturlauf fort, auch wenn die erste Freistoßflanke nach Foul an Hähnge in der 46.noch zu weit vor Kampas Tor segelte. Natürlich würde Haching kontern und so war es Nulle zu verdanken, als er nach einer flachen Ecke und anschließendem Schuß aus 20 Metern sensationell hielt, daß weiterhin Hoffnung und Zuversicht bestanden. (50.) Der folgende Konter über Eckardt wurde mit einem Foul der Marke „Dunkelrot“ unterbrochen, Stieler traute sich jedoch nur Gelb zu zeigen. Dann wieder ein Hachinger Gegenangriff samt Schuß neben das Tor aber schon kurz danach wird Schembri klasse von Petersen angespielt. Im Strafraum läßt sich Schembri dann zwar etwas von Kampa abdrängen, umläuft diesen aber dennoch. Das Tor ist frei und Schembri trifft auch ins Netz – Außennetz. Als eine Minute später ein Schembri-Eckball von links bei Eckardt landet, trifft der den Ball nicht. Kampa greift jetzt zur unsportlichen Variante und läßt sich gefühlte 20 Minuten Zeit, um zum zweiten Male während des Spiels seine Schuhe zu binden. Egal, der nächste Jenaer Angriff rollt und Hähnge verfehlt mit einem Heber vom rechten Strafraumeck erneut nur knapp das Tor. Den nächsten FCC-Angriff unterbindet dann ein Hachinger ungestraft per Hand. Jetzt kommt Amirante für Petersen. Schembri schlägt die nächste Ecke vors Kampa-Tor und den abgeköpften Ball nimmt Sträßer direkt. Wieder nur knapp vorbei. Himmelsakramentnochmal! Kurzer Gastgeberkonter samt Fehlschuß und weiter wogen die FCC-Angriffswellen.

Dann ein kurzer Pfiff von Stieler im Mittelfeld. Der Schiedsrichter zögert keine Sekunde und zückt Rot gegen Tyce. Der muß den schwarzgekleideten Herren wohl beleidigt haben, vermutlich nannte er ihn „Du Schwarze Frau!“. (67.) Mein Nachbar war darob gar nicht fröhlich und bemerkte „Jetzt wird’s wahrscheinlich noch schwerer“! Aber zum Nachdenken ließ das Weiße Ballett uns gar nicht erst kommen, denn schon wogte der nächste Angriff über rechts heran. Der Flankenball Hähnges erreicht auch den vor dem Tor lauernden Amirante. Der versucht es mit der unkonventionellen Variante – aber auch von seiner Brust springt der Ball nur in Kampas Arme. (68.) Weiter, weiter, immer weiter! Jetzt über Sträßer auf der rechten Seite. Gute Flanke auf Hähnge am Torraum – Kopfball – drüber! DasistdochzumMäusemelken! (70.)

Zwei Minuten später wechselt van Eck Amrhein ein. Was immer er sich dabei gedacht hatte, es hat nicht funktioniert. Der E-Boy war fortan nicht ansatzweise in der Lage, Sträßer adäquat zu ersetzen. Unsere rechte Seite schien jetzt unbesetzt. Das nächste Hachinger Foul trifft dann (den Meister des Alibi-Passes,) Wallschläger und Schmidt bringt den Freistoß jedoch nur bis in Kampas Arme. (78.) 2 Minten später kann ebenjener Kampa einen blaugelbweißen Eckball von rechts nur mit viel Mühe wegfausten. Dann ist es aber wirklich Zeit für den Ausgleich. Ein präzises Zuspiel in den Strafraum landet bei Hähnge und der vernascht seinen Gegenspieler. Als er 8 Meter vor dem Kasten nur noch Kampa vor sich hat und schießen will, trifft sein Gegenspieler in ganz klar von hinten am Standbein. Elfmeter! Der einzige Mensch (außer dem Übeltäter), der das nicht gesehen haben will, ist Schiedsrichter Stieler. Dasdarfdocheinfachnichtwahrsein, Du …! (82.)

Angriff auf Angriff!
Flanke auf Flanke!
FCC! FCC! FCC!
Und immer wieder kann ein Einheimischer irgendwie das Ärgste (oder Beste – je nach Sichtweise) verhindern.
Dasistdochnichtzufassen!
90. Minute.
Amrhein gelingt eine Flanke von der rechten Seite, Kampa scheint geschlagen und doch geht der Ball 3 Meter vor der Linie an zwei einschußbereiten Jenaer Spielern vorbei …
DasgehtdochaufkeineKuhhaut!

Ecke FCC. Nulle mit im Strafraum. Abgewehrt zum Einwurf. Nulle bleibt vorne. Hachhing kann klären …
Schweinsteiger sieht Rot.
Die dritte Nachspielminute läuft.
Nulle schlägt den Ball in den Strafraum.
Wieder ein Blauer dazwischen.
Schluß!
Jaleckmichdoch …!

Ein Ergebnis, so unverdient wie selten. Aber was hilft’s, denn der Gesamteindruck dieses Auswärtsauftrittes war mehr als respektabel. Solche Spiele hast Du halt immer wieder und das mindestens 2-3 mal pro Saison. (Okay, stehst du unten, dann sind es vielleicht noch paar mehr von der Sorte.) Das Gros der Jenaer Fans verharrt kurz schweigend, sammelt sich und spendet den mehr als verdienten Applaus – der heute wohl eher tröstend ausfiel. Soweit alles normal.

Bis zu dem Moment, als sich Sebastian Hähnge dem Block näherte und sich jenem Deppen (und dessen Gefolge) gegenüber sah, der nicht nur das Aussehen, sondern auch den IQ einer buntgefärbten Klobürste zu haben schien. Traurig, aber leider wahr.

Dennoch, das, was die van Ecklinge heute an fußballerischen und kämpferischen Tugenden gezeigt haben, machte Lust auf mehr und ließ Zuversicht entstehen. Zuversicht für einen gelungenen Jahresausklang im EAS. Lust auf einen Heimsieg gegen Sandhausen! Natürlich mit Vorlagen und/oder Toren von Sebastian Hähnge!

Auf geht’s, Sebastian! Treffen und siegen!

Nur der FCC!
YNWA

--Kopfnuss


  • A-Junioren-BL : FCC : RW Erfurt 2:4 - Tore : Griebsch , Kolb / Akbulut , Langer , Brandau (HE) , Ziegler
  • B-Junioren-RL : FCC : SC Borea Dresden 6:0

„Nightmare in Oberbayern“

Die Statistiker mussten unter der Woche schon die ganz dicken Geschichtsbücher wälzen, um sich an das letzte FCC-Erfolgserlebnis in Unterhaching zu erinnern, denn seit dem Sommer 1992 gab für Blau-gelb-weiß in dem gesichtslosen Gewerbegebiet südlich Münchens rein gar nichts zu holen, außer tiefen Frust. Ob Gewaltexzesse bayerischer Polizisten, skandalöse Schiedsrichterleistungen, die Nichtexistenz einer nennenswerten Fanszene des Heimvereins oder schlicht das Versagen des eigenen Teams wie vor zwei Jahren, die Erinnerungen langgedienter Zeissfans an den Sportplatz Hachings hatten alles zu bieten, nur nichts Positives. Und so waren die Gefühle bei den meisten der gut 700 FCC-Jünger bei der Anreise gespaltener Natur, würde van Ecks Auswärtsserie auch hier halten?

Um das Unternehmen „Bock umstoßen“ zu meistern, veränderte Jenas Coach das gegen Düsseldorf siegreiche Team nur auf einer Position, Sträßer rückte für den gesperrten Ziegner ins Team, agierte auf der rechten Außenbahn, während der junge Eckardt die zentralere Position im Mittelfeld übernahm. Van Ecks Gegenüber mit dem poetischen Namen Hasenhüttel hatte da angesichts einer langen Verletztenliste größere Sorgen, konnte aber zumindest auf den wiedergenesenen Ex-Bundesligaprofi Roman Tyce zurückgreifen. Für Hachinger Dominanz im Mittelfeld konnte auch der aber mitnichten sorgen, vielmehr bestimmte der FCC im Stile einer Heimelf das Geschehen ab den ersten 10 Minuten des Abtastens an, und hätte in der 17. Minute bereist in Führung gehen müssen. Eckardts Flanke köpft Sträßer an die Latte, den satten Nachschuss Petersens entschärft Kampa glanzvoll, es war der Auftakt zu einem wahren Festival vergebener Großchancen. Hähnge aus 7 Metern, Hachings Bucher wirft sich in den Ball, drüber. Wieder Hähnge über rechts kommend, schlenzt knapp am Tor vorbei. Eckardts verunglückter Schussversuch nimmt Hähnge in Mittelstürmerposition artistisch auf, dreht sich, Kampa pariert überragend. Müller kommt frei vor dem Keeper an den Ball und will diesen ins lange Eck vorbei schieben, Kampa reagiert glänzend und lenkt den Ball erneut an die Querlatte. Eckardts Flanke verlängert Sträßer an den langen Pfosten, Petersens Knallbonbon liegt perfekt, doch ein Hachinger Abwehrbein lenkt das Geschoss über die Latte. Es war zum Verzweifeln, Jena hätte zur Pause nicht führen können, sondern müssen und zwar haushoch. Stattdessen zeigte die Anzeigetafel ein 1:0 für die Hausherren, einen Befreiungsschlag der Bajuwaren aus der eigenen Hälfte nach einer halben Stunde schätzt Robert Müller völlig falsch ein, seine verunglückte Kopfballvorlage nimmt Anton Fink dankend auf, marschiert mutterseelenallein auf Carsten Nulle zu, der die kurze Ecke nicht ganz abdeckt und beim strammen Schuss in ebendiese machtlos ist. Verkehrte Welt, Jenas Keeper wurde in den ersten 45 Minuten lediglich bei einem weiteren Schuss Anton Finks beschäftigt, den er über die Latte bugsierte, schüttelte beim Pausenpfiff ähnlich fassungslos den Kopf wie die Thüringer Streitmacht hinter ihm.

Die Spielvereinigung wusste sich nach dem Wechsel etwas zu befreien, spielte den ein oder anderen Konter geschickt aus und hatte durch die beiden Finks in ihren Reihen auch Möglichkeiten zur Resultatserhöhung. Die wahren Riesen aber vergab weiterhin der Gast. Schembri konnte sich die Ecke aussuchen, als er von Sebastian Hähnge mit Zuckerpass in Szene gesetzt wurde, ließ sich aber beim Versuch, Kampa zu umspielen abdrängen und traf lediglich das Außennetz (53.). Zwei Minuten später senkt sich Hähnges Lupfer aufs Netz. Es schien, als wollte man das Torzubehör von allen Seiten auf seine Festigkeit prüfen, nur nicht in der dafür vorgesehenen Weise. Als Tyce nach 68 Minuten wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz muss, spannt sich ein Halbkreis aus weißen Trikots rund um den Strafraum der Gastgeber auf der verzweifelten Suche nach der entscheidenden Lücke. Sträßer findet sie, flankt schön auf den völlig freistehenden Hähnge, Kopfball, drüber. Schembri findet sie ebenfalls, setzt Hähnge in Szene, der den Ball erstklassig mitnimmt und von Hachings Schulz per Notbremse im Strafraum von den Beinen geholt wird. Elfmeter? Nicht heute, Referee Stieber formt mit seinen Händen einen angeblich gespielten Ball, was für eine Fehlentscheidung! Jena fehlt nun die Präzision, Haching verteidigt mit Mann und Maus und Zeitspiel, da ist es Amrhein, der in der Schlussminute noch einmal über rechts kommt, endlich segelt Kampa einmal an einer Flanke vorbei, doch der Minuten zuvor ungestrafte Elfmetersünder Schulz klärt akrobatisch auf der Linie. Auch Carsten Nulle stürmt in der hektischen Nachspielzeit, in der Schweinsteiger nach üblem Foul an Schmidt ebenfalls Rot sieht, mit nach vorn, seine finale Flanke verpufft, Schluss. Nulles Handschuhe fliegen auf den matschigen Rasen, Marco Riemer tritt wütend auf die entfernten Schienbeinschoner ein, René Eckardt, bei Jenas letztem Triumph an gleicher Stelle gerade einmal zwei Jahre alt, sackt in sich zusammen, Sebastian Hähnge marschiert zur Fankurve und muss sich dort von einer Handvoll Idioten bepöbeln lassen. Und Jenas Fans dürfen ein ganz neues Kapitel einfügen in ihrem Sammelband „Nightmare in Oberbayern“.

--GUNNER

Thüringen-Haching-Schweiz

Am Montag begann meine Baustelle in der Schweiz in Frauenfeld für SIA . Also machte ich mich Sonntags auf nach Unterhaching und nach dem Spiel direkt in die Schweiz .

Dieses Spiel hatte nie und nimmer verloren werden dürfen . Wir waren haushoch überlegen , hatten Chance um Chance - und verloren dennoch . Unvermögen ?

Dann ging's ohne Punkte zu den Eidgenossen .

A.S.