2008/2009 33. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SV Werder Bremen II 3:1

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 33. Spieltag
Saison Saison 2008/2009, Rückrunde
Ansetzung FCC - SV Werder Bremen II
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 25.04.2009 14 Uhr
Zuschauer 6.102
Schiedsrichter Peter Sippel (München)
Ergebnis 3:1
Tore
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Carsten Nulle
Felix Holzner, Robert Müller, Tim Petersen, Marco RiemerGelbe Karte.gif
Naoya KikuchiGelbe Karte.gif
Torsten ZiegnerGelbe Karte.gif, Carsten Sträßer (88. René Eckardt)
Sebastian Hähnge
André Schembri (76. Lars Fuchs), Salvatore AmiranteGelbe Karte.gif (92. Hervé Bochud)

Trainer: Marc Fascher

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Bremen
Nico-Stephano Pellatz
Finn HolsingGelbe Karte.gif (76. Addy-Waku Menga), Dominik Schmidt, Sandro Stallbaum, Niklas AndersenRote Karte.gif
Martin Harnik (81. Tobias Kempe), Nicolas FeldhahnGelbe Karte.gif, Max Kruse, José Alex Ikeng
Torsten Oehrl, Timo Perthel (36. Felix Schiller)

Trainer: Thomas Wolter

Spielbericht

Reingebrüllt!
Verdient siegt der FCC mit 3:1 gegen Werder II und holt 3 wichtige Punkte!

Eine Stunde und eine Minute sind gespielt im ruhmreichen EAS. Wieder, dieses Mal nach Eckball von links samt anschließender Faustabwehr sowie neuerlichem Zuspiel Ziegners und Strafraumgewühl, landet der Ball 10 Meter vorm Tor bei Sebastian Hähnge. Wieder spitzelt Hähnge den Ball an Pellatz vorbei. Wieder landet der Ball am Pfosten. Wieder scheint der Ball auf de Linie liegen bleiben bzw. diese nicht überschreiten zu wollen. Wieder scheint alles Hoffen und Bangen vergebens. Diesmal jedoch lässt Jenas Publikum den Torschrei nicht auf seinen 6090 Kehlen ersticken. Es scheint als würde die Leidensgemeinschaft der FCC-Anhänger vor Ort diesen Ball einfach hinter die Torlinie brüllen wollen! Keiner bleibt stumm! Damit die Mühen des Jenaer Publikums nicht umsonst sind, dampfwalzt sich Schembri dem Ball entgegen. Hätte man dem Malteser stählerne Fußfesseln angelegt und diese an der 5-Meter-Linie fest einbetoniert – es hätte ihn nicht gestört. Unaufhaltsam wuchtet er seine auf 178 cm verteilten 74 Kilogramm dem Objekt der Begierde entgegen. Keine Kraft der Welt würde sein Heranrauschen jetzt verhindern können. Mit Kopf und breiter Schulter drückt er den Ball endlich ins TOOOOOOOOOOOR!!! Jeder, der das Spiel bis dahin live verfolgt hatte, wusste: so und nur so musste dieses Tor fallen! Jedem war klar, so und nur so würde es jetzt weitergehen, denn Werder II hatte sich mit seiner mimosenhaften Selbstgefälligkeit schon längst selbst besiegt…


Wie würde der FCC den Schock des zwayerschen Vorwochenbetruges verkraftet haben, lautet die vor dem Spiel wohl meistdiskutierte Frage des Tages. Noch dazu gegen eine dieser ungeliebten II. Mannschaften eines Bundesligisten, die ja nun nicht gerade zu den Lieblingsgegnern der derzeitigen FCC-Kicker zählen.

Dass kurzfristig Amirante statt des angekündigten Wuttke auflief, sorgte zunächst für ziemliche Überraschung und Verwunderung, denn dass Fascher verletzungsbedingt zu dieser „Bauchentscheidung“ (danke für dieses PK-Bonmot) gezwungen war, blieb lange unbekannt.

Die Unseren begannen zunächst recht engagiert, wobei Ziegner gleich nach 2:22 den ersten 25-Meter-Freistoß ungenutzt ließ. Aber gleich ging es über die rechte Seite weiter, wo Holzner Hähnge anspielte, der hakenschlagend seinen Gegenspieler abschüttelte und stramm abzog. Nur mit Mühe konnte Pellatz den abgefälschten Ball zur Ecke bugsieren. (4.) Auch wenn die Blauen nun noch zu zwei Ecken in Folge kamen (7.), wurde das Gekicke von Minute zu Minute zerfahrener. Etwas Aufregung brachte dann Minute 13. Ein Ziegner-Einwurf wurde zunächst per Kopf in Werders Strafraum verlängert und hätte Sippel nach der folgenden Bremer Ballberührung einen Handelfmeter gepfiffen, so wäre das wohl korrekt gewesen. So aber blieb der Pfiff aus und das Spielgerät landete bei Schembri. 8 Meter frei vorm Tor bringt der allerdings nur eine als Torschüsschen getarnte Rückgabe zustande.

Die nun folgende Viertelstunde bot (wieder mal) Fußball zum Wegsehen. (Abgesehen vielleicht von Müllers weitem Schlag in den Sechzehner, den Schembri zwar aufnehmen, aber nicht verwerten kann. [18.]) Werders Absicht war klar: Alles, was halbwegs nach Fußball aussehen könnte, sollte sofort im Keim erstickt werden. Eigene Akzente sollten überhaupt nicht gesetzt werden. Das Spiel verlangsamen, unterbrechen, unterbinden – um mehr ging es den Gästen nicht. Destruktion als alleinige Prämisse. Der Jenaer Anfangselan hatte sich derweil auch verflüchtigt und so blieb Zeit, all das zu genießen, was den gestrigen Tag zu dieser Zeit so angenehm machte: Tribünenflachs, tolles Wetter, ein immer wieder atemberaubend wunderbarer Blick auf die Kernberge, rechts neben dem spärlich besetzten Außenplätzen des A-Blocks sonnte sich erhaben die Saale – alles wunderbar! Aufgeschreckt wurde man dann ausgerechnet von den grünen Fußballverweigerern. Schnell, steil und ziemlich unbehelligt griffen sie über die linke Seite an und brachten eine saubere Eingabe flach nach innen. Da aber im Jenaer Strafraum weder ein Abwehrspieler der Hausherren noch ein Angreifer der Gäste Lust verspürte, sich irgendwie um diese Hereingabe zu kümmern, blieb vorerst alles wie gehabt. (26.)

Kleine Jungs sollen ja gelegentlich zur Bockigkeit neigen. Bremens Nummer 4, Jose Alex Ikeng, wurde zum Beispiel nach 28 Minuten von einer solchen Neigung übermannt. (Obwohl „übermannt“ für diesen schlechten Komiker eigentlich auch kein passender Ausdruck ist.) Weil er wohl den Eindruck hatte, seine Kameraden wollten nicht mehr mit ihm spielen, warf er sich wie ein bockiges Kind am Mittelkreis zu Boden und haute mit der Faust auf den Boden. Weil beim DFB wahrscheinlich gerade mal eine Aktion zum Wohle verhaltensproblematischer Jugendlicher oder so ausgerufen wurde, gab’s von Sippel einen Freistoßpfiff zur Belohnung. Herr Ikeng war von dieser Geste derart beeindruckt, dass er diese „Ich-werf-mich-hin-und-stell-mich-tot“-Masche bis zur 60. Minute immer und immer wieder probierte, bevor dann Schembris eingangs beschriebene Aktion zu einer Art Wunderheilung führte.

Die Psyche von Fußballprofis ist ja nicht immer einfach zu verstehen und 5 Minuten später hatte dann Bremens Niklas Andresen neuerlich Rätselhaftes auf Lager. Wenn Sippel doch schon bei körperlosen Aktionen (siehe Ikeng) auf Freistoß entscheidet, hätte dem Bremer doch eigentlich klar sein müssen, was passiert, wenn man einen Zweikampf im Mittelfeld mit Anlauf beginnt und mit gestrecktem Bein in Richtung Gegner rauschend, beendet. Sich über die Rote Karte nach der Aktion gegen Sträßer zu beschweren war daher mindestens ebenso albern, wie Wolters spätere PK-Lüge vom angeblichen Pressschlag. Die Frage war zunächst nur, ob die nun zahlenmäßige Überlegenheit den Unseren wirklich zum Vorteil gereichen würde, oder ob das Ganze nicht eher Werder mit seiner Anti-Fußball-Haltung noch weiter entgegen käme? Und genau so schien es dann auch zu kommen. 4 Minuten vor der Pause fabrizierte Riemer einen unnötigen Freistoß ca. 25 Meter vor Nulles Gehäuse und nicht wenige Zuschauer befürchteten, Sippel würde jetzt wieder für zahlenmäßigen Gleichstand sorgen, hatte er doch Riemer 6 Minuten zuvor für eine wesentlich harmlosere Aktion bereits Gelb gegeben. Riemer durfte auf dem Rasen bleiben, begab sich in die Mauer und bestrafte sich für sein dummes Foul gleich selbst. Als nämlich Schmidt den Ball flach in Richtung Mauer drosch, hob Riemer den rechten Fuß. Genau durch diese Lücke segelte der Freistoß und da auch Nulle nicht in der Lage war ihn aufzuhalten, lag der FCC mit 0:1 zurück. Für Sekunden herrschte Grabesstille im EAS. Die kürzeste Verbindung zwischen 3 Punkten ist bekanntlich ein Haken und genau den schienen die meisten nun instinktiv hinter diese Saison zu setzen. Das nächste Lebenszeichen, welches das Jenaer Publikum dann von sich gab, waren die Begleitpfiffe beim Kabinengang.

Grausam, unterirdisch, ideenlos, harmlos, ängstlich – fast scheint es so, als gleichen sich die Halbzeitanalysen seit Wochen auf’s Wort. Am drastischsten formulierte es ein Bekannter: „So, wie Amirante die Bälle stoppt, würden andere gerne schießen.“ Aber wer in Aalen mitgelitten hatte, wusste, es geht auch anders! Und so hoffte wohl jeder, dass es Fascher auch diesmal gelingen würde, die passende Kabinenansprache zu finden und Lethargie und Lähmung erst aus den Köpfen und Beinen der Spieler und dann gänzlich aus dem Paradies zu vertreiben.

Die ersten 5 Nachpausenminuten machten klar, wie die Gäste zu agieren gedachten: Zeitspiel und Spielverzögerung als oberste Prämisse. Den ersten zarten Weckruf startete dann Felix Holzner in der 50. Minute mit einem Schuss aus 20 Metern, den er allerdings zu hoch angesetzt hatte. 4 Minuten später versuchen es die Unseren statt über die Flügel erneut mit einem langen Ball ins Zentrum und diesmal scheint es so, als könne sich Amirante gegen 2 Abwehrspieler durchsetzen. Sein Elan wird per Foul gebremst und Ziegner hat eine Freistoßchance. Nicht ungefährlich steuert der Ball auf den vom Schützen aus linken Pfosten zu, geht dort allerdings knapp vorbei, bzw. Schembri kommt einen Schritt zu spät.

Nach 58 Minuten erreicht das Spiel dann seinen vorläufigen Kulminationspunkt. Hähnge, als ständige Anspielstation und als Ballverteiler einer der Besten in Blau, erläuft eine Steilvorlage in den Bremer Strafraum. Kurz entschlossen spitzelt er den Ball vorbei am herausstürzenden Pellatz.
Der Ball rollt Richtung Tor.
Der Ball rollt weiter – an den rechten Pfosten!
Der Ball rollt immer noch – nun auf der Linie!
Ach, könnte man das blöde Ding doch nur reinbrüllen!!! Doch noch ehe sich der sechstausendstimmige Orkan erheben konnte, drosch ein grüner Verteidiger das Streitobjekt von der Linie. Warum? Wieso? Weshalb? Warum in Aalen 5 Minuten vor Schluss und jetzt schon wieder? Oder um die Fußballgötter frei nach Grönemeyer zu fragen: „Was soll das?!“ Aber Jenas Publikum scheint die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen zu wollen. Jetzt gibt es auf der Tribüne kein Halten mehr. Jetzt ist der Funke entfacht – die Ränge geben alles.

Nach einer Stunde Spielzeit schnappt sich Ziegner in der eigenen Hälfte die Murmel und marschiert vorwärts. Zuspiel auf Hähnge, der weiter auf Amirante und der lässt aus gut 30 Metern einen ähnlichen Hammer folgen wie jenen, der Holzner in Aalen das Anschlusstor ermöglichte. Pellatz kann jedoch zur Ecke abwehren. Von links senkt sich der Ball in Bremens Strafraum.
Faustabwehr!
Ziegner!
Gewühl!
Gebrüll!
Hähnge!
Gebrüll!
Pfosten!
Gebrüll & Schembri!
TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!

Wer nach dieser Jubelorgie den Blick wieder rasenwärts richtete, konnte wissen, was passieren würde, die unterschiedliche Körpersprache beider Teams verriet es sofort. Während der Brustumfang der Blauen plötzlich um jeweils um mindestens 30 Zentimeter zunahm, sackten die Gäste in sich zusammen. Das Publikum schien nun ebenso entfesselt, wie seine Helden auf dem Platz. Der FCC setzt Werder jetzt unter Dauerdruck. Jena arbeitet sich vorwärts. Hähnge köpft auf Amirante und der spielt, ebenfalls seinen Kopf nutzend, weiter auf Schembri. Mit einer geschmeidigen Körperbewegung lässt Maltas Nationalspieler seinen Gegenspieler ehrfürchtig zu Boden gehen und bedient erneut ganz präzise Amirante. (Scheint so, als verstünden sich die beiden von Spiel zu Spiel besser!) Amirante allein vor Pellatz, 10 Meter vor dem Tor. Weite Ausholbewegung des Italieners mit dem rechten Fuß. Amirante trifft den Ball fein mit der rechten Inneseite. Pellatz ist verladen, reißt aber die rechte Hand hoch. Egal, Amirante macht das TOOOOOOOOOOOR! 2:1 (68.) Amirante zelebriert seinen Torjubel in der Südkurve und wird dafür mit Gelb belobigt.

Jena jetzt wie aufgedreht, aber in manchen Situationen eben weiterhin mit Pech. In Minute 71 gelingt Kikuchi einer der besten Zweikämpfe des Spiels als er seinen Gegenspieler blitzsauber vom Ball trennt und sich so eine schnelle Umkehrchance erkämpft. Als einziger im Stadion erkennt Sippel hier ein Foul und bestraft Kikuchi für seine angebrachte Unmutsäußerung auch noch mit Gelb. Dann muss mal wieder Nulle eingreifen und wird dabei von einem Werderaner unfair angegangen. Dennoch landet der Ball kurz darauf wieder in der Bremer Hälfte und Schembri wird auf links angespielt. Seinen Gegenspieler umkurvend zieht er schnurstracks in den Strafraum und geht dabei zu Boden. Hähnge erkennt die Situation blitzschnell, schnappt sich den Ball und löffelt aus der Drehung eine perfekte Flanke auf den langen Pfosten. Während Pellatz und einer seiner Kameraden nur hinterherlaufen können, lauert dort Amirante. Als der Ball Amirantes Kopf erreicht, steht der Italiener schon fast auf der Torauslinie. Alle physikalischen Gesetze außer Kraft setzend bugsiert er den Ball auf der Außenbahn vorbei an Werders hilfloser Nummer 1 erneut ins TOOOOOOOOOOOOOR! 3:1 (74.)

Nach 77 Minuten zog dann der eingewechselte Fuchs mal direkt ab, Pellatz konnte aber zur Ecke klären. Fuchs schlug diese herein und Hähnge verfehlte mit seiner Stirn das Leder nur knapp. 10 Minuten vor Ende wechselte Wolter dann Harnik aus und man stellte sich angesichts dessen unterirdischer Leistung abschließend die Frage, ob denn seit Krankls und Polsters Ruhestand die Stürmerplätze in Österreichs Nationalteam eventuell per Losentscheid vergeben werden? Wieder 5 Minuten später hätte dann Amirante mal wieder für einen Hattrick im EAS sorgen können. Nachdem Ziegner wunderbar den Ball behauptet hatte, spielte er den Italiener mit einem gestochenen Pass frei. Jetzt wollte sich der Jenaer Stürmer mal an der etwas schwierigeren Variante „Torwart tunneln“ versuchen, Pellatz hatte aber Glück.

Zum zweiten Male hintereinander liefert der FCC also zwei völlig konträre Halbzeiten ab. Der Kampfeswille, die Leidenschaft und das nie Nachlassen bringen am Ende 3 wichtige Tore und Punkte. Genau diese Eigenschaften werden auch am kommenden Spieltag bei den schwächelnden Strebern in Paderborn gefragt sein, auch weil diese sich durch Jensens Platzverweis nochmals verstärkt haben. Also, nur Mut, das klappt schon!

Auf geht’s Jena! Kämpfen und siegen!
YNWA


--Kopfnuss