1972/1973 17. Spieltag: 1. FC Magdeburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 17. Spieltag
Saison Saison 1972/1973, Rückrunde
Ansetzung 1. FC Magdeburg - FC Carl Zeiss Jena
Ort Ernst-Grube-Stadion in Magdeburg
Zeit Sa. 21.04.1973 15:00 Uhr
Zuschauer 22.000
Schiedsrichter Günter Männig (Böhlen)
Ergebnis 1:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Magdeburg
Ulrich Schulze
Manfred Zapf
Wolfgang Abraham, Detlef Enge, Jürgen Achtel
Klaus Decker, Axel Tyll, Wolfgang Seguin
Norbert Pysall (59. Hans-Jürgen Hermann), Jürgen Sparwasser, Siegmund Mewes

Trainer: Heinz Krügel

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Helmut Stein
Gerhardt Hoppe, Ulrich Göhr, Lothar Kurbjuweit
Rainer Schlutter, Konrad Weise, Harald Irmscher,
Dieter Scheitler, Peter Ducke, Gerd Struppert (55. Norbert Schumann)

Trainer: Hans Meyer


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Spielbericht

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Härte ließ leider keinen Spielfluß zu!

Was mag ein Ästhet wie der vor wenigen Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassene junge Nationalspieler Jürgen Pommerenke innerlich wohl gedacht haben, als er am Sonnabend das Magdeburger Ernst-Grube-Stadion verließ?

Oft genug in der Vergangenheit blieben Spitzenpaarungen wie diese erheblich unter den Erwartungen, weil sich Kampf und Spiel nicht in den richtigen Relationen bewegte, taktische Varianten hier wie da den individuellen Spieldrang entscheidend beeinflußten. Auch im Aufeinandertreffen der beiden um den Anschluß zum Tabellenführer ringenden Mannschaften rechneten wir von vornherein nicht mit einem hochklassigen Ablauf - schon deshalb nicht, weil der FC Carl Zeiss im Vorjahr an gleicher Stelle mit 0:5 eine Lektion erteilt bekommen hatte, die ihm bis zum heutigen Tag bitter aufstieß. Doch war damit eine Rechtfertigung für den um jeden Preis bedingungslosen Einsatz, die wiederholt rücksichtslose Gangart im Zweikampf gegeben?

Nein und nochmals nein!

DFV-Vizepräsident Erwin Vetter formulierte es unmißverständlich so: "Harten körperlichen Einsatz toleriere ich vorbehaltlos - vor allem dann, wenn es um etwas geht. Wenn sich jedoch zwei unserer leistungsstärksten Kollektive auf diese Art und Weise bekämpfen, kann und darf man mit der Kritik nicht hinter dem Berg halten. Fast jeder Ansatz zum Spiel wurde durch ein Foul unterbunden!"

Im Programm war - so wörtlich - von einer "Parade der Nationalkader und der Nachwuchsauswahlspieler" die Rede. Was blieb am Ende davon?

Nach 60 Minuten entkrampfte sich das Geschehen endlich etwas. Jetzt, da der Meister mit aller Leidenschaft um den Gleichstand rang, sich vor allem Seguin beim ständigen Vorwärtsdrang mehr und mehr von seinem bis dahin unerbittlichen Bewacher Irmscher lösen konnte, wurde der Spielorganisation wenigstens hin und wieder Aufmerksamkeit geschenkt. Kurbjuweits überraschender platzierter Schrägschuß nach 23 Minuten zum 1:0 ("sein Dribbling schien von Zapf bereits pariert, deshalb befand ich mich zu weit vor dem Tor", so Schulze) erhöhte die Nervosität in der Meisterelf. Wesentlich schwerwiegender aber war, daß die Bindung zwischen Angriff und Mittelfeld fehlte, sich insbesondere der viel zu spät ausgewechselte Pysall sowie Mewes als unfähig erwiesen, in die klug gestaffelte Jenaer Deckung Breschen zu schlagen. Ein von Seguin direkt verwandelter Eckball war letztlich die einzige Ausbeute!

Ohne Vogel und Goebel wurde Jena im mannschaftlichen Zusammenhalt kaum entscheidend geschwächt. "Göhrs unerschrockene Spielweise gegen Sparwasser imponierte sicherlich nicht nur mir", gestand Klubvorsitzender Herbert Keßler später. Den schnellen, raumgreifenden Konter beherrschte der Tabellenzweite jedoch nur im ersten Abschnitt. "Da bereitete uns der clevere Peter Ducke noch einige Sorgen - nachher aber hatten wir auch ihn im Griff", urteilte Libero Manfred Zapf. Wenn irgendwer im Spiel des Titelverteidigers für Belebung sorgte, dann er! "Sobald Zapf an unserem Strafraum auftauchte, drohte Gefahr." So Jenas letzter Mann Helmut Stein. In dieser Hinsicht wie im konsequenten, aber dennoch fairen Einsatz zählte der Magdeburger zu den wenigen Lichtblicken!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Gelegentlich wäre Männig etwas mehr Schärfe zu wünschen gewesen, doch das wertet seine Partie nicht ab. Er tat alles, um die Unruhe abzufangen. Wenn von Schuld die Rede ist, kann sie sich nur an die Adresse einiger Aktiver richten!

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 24. April 1973)

Weise entschied das Duell im Mittelfeld

Diesen Satz des Jenaer Assistenztrainers Bernd Stange prägte ich mir besonders ein, um nach Spielschluß darauf zurückzukommen: "Wir treten für die verletzten Stammspieler Vogel und Goebel zwar mit Ersatz, deshalb aber keinesfalls ersatzgeschwächt an!" Wer ihn in Zweifel stellte, wurde insbesondere am Beispiel Göhr, schnell eines Besseren belehrt. Bedeutete es für den FC Carl Zeiss nicht ein gewisses Risiko, ihn in seinem ersten Oberliga-Meisterschaftstreffen gegen den routinierten Sparwasser operieren zu lassen? Cheftrainer Hans Meyer entkräftete diese Zweifel: "Von dem 20jährigen Mann können wir nicht erwarten, daß er im Treffen beim Meister eine spielbestimmende Rolle ausfüllt, wie das beispielsweise Goebel schon recht gut gelingt. In der reinen Abwehrarbeit aber traue ich ihm einiges zu - selbst gegen den erfahrenen, wenn auch in mancherlei Hinsicht anfälligen Nationalstürmer."

Worauf das taktische Manöver des FC Carl Zeiss abzielte, war nur unschwer zu erkennen: Weise rückte ins Mittelfeld, um sich hier Tyll zu stellen, den Mann mit der größten spielerischen Ausstrahlung in den letzten Punktespielen, zu binden. Eine Aufgabe, die dem lauffreudigen Jenaer vollauf zusagte, wie der Spielverlauf bestätigte. Entschieden aber wurde das Duell Weise-Tyll keinesfalls nur im Kampf Mann gegen Mann, sondern in erster Linie durch den bei dem Jenaer bis zur letzten Minute erkennbaren Trend, seinen Kontrahenten durch ständiges Vorprellen in die defensive Rolle zu drängen. "Hier wurde der Rhythmus des Titelverteidigers empfindlich gestört", urteilte DFV-Trainer Kurt Holke. Tyll hätte wesentlich mehr Bewegungsfreude aufbringen müssen, um von Weise wegzukommen und um seine motorischen Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Es gelang ihm erst in den letzten 15 Minuten - doch auch dann nur andeutungsweise.

Enge - gerade von ihm haben wir viele offensivstarke Aktionen in guter Erinnerung - Achtel auf der einen, Hoppe, Kurbjuweit (ungeachtet seines Treffers) auf der anderen Seite gingen für den Spielaufbau zu oft verloren, weil Deckungskonsequenz bei ihnen über allem stand. Weise war einer der wenigen, der diesen Teufelskreis durchbrach und sich dafür auch die beste Bewertung verdiente!


(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 24. April 1973)


Junioren-OL : Magdeburg : Jena 2:1 , Tore : Bessin , Büchner / Kaselitz

Jena : Claus , Henniger , Solleder , Wenig , Kaselitz , Pusch , Neuber , Brauer , Lobeda , Molata , Müller (Drahokoupil) / Tr.: Pfeifer