1973/1974 FDGB-Pokal Finale: FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 3:1 n. V.

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Spieldaten
Wettbewerb FDGB-Pokal, Finale
Saison Saison 1973/1974
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden
Ort Zentralstadion in Leipzig
Zeit 13.04.1974 16:00 Uhr
Zuschauer 32.000
Schiedsrichter Rudi Glöckner (Markranstädt)
Ergebnis 3:1 n. V.
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Wolfgang Blochwitz
Bernd Bransch
Ulrich Göhr, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Martin Goebel, Harald Irmscher, Rainer Schlutter
Norbert Schumann, Peter Ducke, Eberhard Vogel (68. Helmut Stein)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Dresden
Claus Boden
Hans-Jürgen Dörner
Klaus SammerGelbe Karte.gif, Christian HelmGelbe Karte.gif, Siegmar WätzlichGelbe Karte.gif
Reinhard Häfner (76. Udo SchmuckGelbe Karte.gif), Frank Ganzera (110. Frank Richter), Hans-Jürgen Kreische
Gert Heidler, Dieter Riedel (118. Rote Karte.gif), Peter Kotte

Trainer: Walter Fritzsch


Spielbericht

Jena fightete Dresden müde

"Fuwo"-Titelschlagzeile vom 16.04.1974

Augenzeugen des Finales (direkt im Zentralstadion oder aus zweiter Hand vor den Fernsehschirmen) werden nach diesen 120 Minuten sicherlich lange ihren Gedanken nachgehangen haben. So groß der Widerstreit der Gefühle aber auch sein mag, sieh hierhin oder dorthin tendieren, um dem dramatischen Geschehen zu entsprechen, bedarf es nüchterner, sachlicher Überlegung.

Dresdens Verteidiger Dörner (Mitte) kann hier den Jenaer Stürmer Norbert Schumann (links) nicht mehr stoppen. Schumann erzielte in der Verlängerung das 2:1 für Jena.

Wer sich weit über eine Stunde als souveräner Spielgestalter erwies, für wen die Würfel schon gefallen schienen, braucht Zeit um den Wechsel von Siegeszuversicht und Enttäuschung zu verkraften. Dynamo Dresden erging es so. Häfners Führungstor, ein Volleyschuß wie beim 1:0-Sieg in der Nachwuchs-EM gegen Italien in Taranto, drückte Dynamos spieltechnische Überlegenheit auch nicht annähernd aus. Was die Elbflorenzer in den ersten 45 Minuten an stilistischen Mitteln demonstrierten, war gekonnt, verriet Klasse! "Diese Steigerung macht mich optimistisch für die kommende Saison", resümierte dann auch Walter Fritzsch. In der Tat gaben die Dresdener eine Spielauffassung zu erkennen, deren technisches Raffinement, deren Eleganz, Gelöstheit und Einfallsreichtum in die Zukunft weist. Für die Gegenwart taugte sie allenfalls nur eine Halbzeit. In ihr gelang es zwar, dank einer fehlerfreien gedanklichen Übereinstimmung, dank eines überragenden Häfners, Jena schwer zu düpieren, nach allen Regeln der Kunst zu beherrschen, das Wichtigste aber blieb aus: der alles entscheidende, sichere Torevorsprung!

"Natürlich war unsere psychologische Verfassung nach der 1. Halbzeit nicht die beste", gestand Hans Meyer zu, um sogleich die Haltung des FC Carl Zeiss zu präzisieren, die ihn in den zweiten 45 Minuten beseelte: "Dresden war noch in Griffweite. Mit dem festen Willen zur Wende setzte sich unsere Fitness durch." Über den letzten Satz vor allem wird man in Dresden nachzudenken haben, denn "wie heute glichen sich auch in den beiden Meisterschaftstreffen die Bilder, am Ende sprachen die Ergebnisse von 3:1, 3:0 und abermals 3:1 stets für uns", resümierte Zeiss-Vorsitzender Herbert Keßler. Gewiß, Dresden haderte mit der Regelauslegung Rudi Glöckners, bemängelte seine Inkonsequenz vor Strafstoßentscheidungen (48., Schlutter-Foul an Häfner; 54., Blochwitz-Sturz auf Riedel) sowie die Übertreibungen mit der gelben Karte (an Sammer, Wätzlich, Helm und Schmuck) bei einem Freistoßverhältnis von 27:39 gegen Dynamo, während Riedels Feldverweis (Nachschlagen ohne Ball) von Walter Fritzsch entsprechend gerügt wurde ("Eine völlig unnötige nervliche Entgleisung"). So widersprüchlich Glöckners Leistung auch war, Dresden weiß selbst, daß es sich physisch überforderte, und dann nicht mehr in der Lage war, einem gereizten Kontrahenten, dem man übel mitgespielt hatte, konditionell zu folgen.

Riesenjubel nach dem 3:1!

Ein geschickter, taktischer Schachzug Hans Meyers, die Hereinnahme von Stein, sowie die positionellen Umgruppierungen im Mittelfeld und im Angriff lösten Jena vollends aus der spielerischen Stagnation. Endlich besannen sich die Thüringer auf weiträumige, genaue Aktionen, nach dem Ausgleich demonstrierten Irmscher, Schlutter, Weise, Kurbjuweit und Schumann direkte Ballwechsel, die auch der Dynamo-Abwehr Sorgen bereiteten. Bis zum Schlußpfiff blieb bei den Fritzsch-Schützlingen der Eindruck der vorteilhafteren mannschaftlichen Harmonie im Gedächtnis, weil die Dresdener stets zwei, drei Anspielpunkte besaßen, miteinander operierten. Jenas Aktionen stellten zu oft reine Verlegenheitslösungen dar, doch nach der größten Siegeschance für Dynamo in der 103. Minute (Riedel spielte Kreische das Leder im Strafraum zu scharf in den Lauf) verblüffte die Nervenkraft des Vizemeisters. Schumanns Solo brachte Jena erstmals in Führung, zwei Minuten darauf leisteten Schlutter und Irmscher jene klassische Vorarbeit, die Bransch zur endgültigen Entscheidung nutzte.

Der Jenaer Mannschaftskapitän Peter Ducke mit dem Pokal in der Hand.

In dieser Phase vor allem - aber auch schon vereinzelt in der regulären Spielzeit nicht zu übersehen - mangelte es Dynamo an übersichtsvollem Abwehrspiel. Selbst wenn P. Ducke und Vogel keine Bäume ausrissen, sich schon ständig bei der Ballannahme stören ließen, anstatt mit dem Ball am Fuß auf den Gegner zuzulaufen und ihn dann mit einem Trick oder einer Körperfinte auszumanövrieren, der organisierenden Funktion des Liberos wurde Dörner im Zentralstadion nicht gerecht. Dieses Urteil muß so unmißverständlich gefällt werden, weil das Solo des jungen Schumann, von der Mittellinie aus gestartet, an drei, vier Dresdenern vorbei, lange wahrzunehmen war, und weil Schlutters diagonalem Wechsel zu Irmscher in der 116. Minute die Abwehrlücke auf der rechten Verteidigerposition längst geschlossen sein mußte. Derartige Fehler mußten sich rächen, diese großzügigen "Angebote" läßt selbstverständlich keine Mannschaft ungenutzt verstreichen.

Das Finale 74 geht in die Pokalchronik als ein Endspiel des dramatischen Szenenwechsels ein. Vor zwei Jahren erfüllte die Begegnung beider Kontrahenten den Anspruch, als eines der besten Endspiele überhaupt klassifiziert zu werden. Dieses Niveau gaben die 120 Minuten am Ostersonnabend nicht her. Dennoch wiesen zwei beeindruckende Kollektive, im Stil unterschiedlich motiviert, ihre Stärken nach. Gewann der Glücklichere? Mitnichten! Unterlag die bessere Elf? Keineswegs! Beider Kräfteverhältnis war so gleichgewichtig, daß ein Aspekt schon die Waage zugunsten Jenas ausschlagen ließ:

Die Kampfmoral, an der Dresden abermals scheiterte!

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 16. April 1974)