1982/1983 06. Spieltag: FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 6. Spieltag
Saison Saison 1982/1983, Hinrunde
Ansetzung FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena
Ort Ostseestadion in Rostock
Zeit Sa. 25.09.1982 15:00 Uhr
Zuschauer 30.000
Schiedsrichter Hans Kúlicke (Oderberg)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 1:0 Schulz (28., Foulelfmeter)
  • 1:1 Raab (29.)
  • 1:2 Bielau (55.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Rostock
Dieter Schneider
Jürgen Uteß (57. Maik Bullerjahn)
Norbert Littmann, Gernot Alms, Frank RillichGelbe Karte.gif
Michael Mischinger, Axel Schulz, Juri Schlünz
Christian Radtke, Rainer Jarohs, Andreas Zachhuber (79. Jens Koppe)

Trainer: Jürgen Heinsch

Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger SchnuphaseGelbe Karte.gif
Gerhardt Hoppe, Konrad Weise, Wolfgang Schilling (78. Matthias Kaiser)
Andreas Krause, Stefan Meixner (52. Jörg Burow), Lothar Kurbjuweit
Andreas Bielau, Jürgen Raab, Martin Trocha

Trainer: Hans Meyer


Spielbericht

Zweimal schnell zugeschlagen

"Fuwo"-Titelschlagzeile vom 28.09.1982

Dieser dritte Auswärtssieg sollte für die Zeiss-Städter die rechte Einstimmung vor Bordeaux sein. Sie stoppten einen 30 Minuten mit viel Laufaufwand und Tempo, in dieser Phase im Spielaufbau taktisch geschickt operierenden FC Hansa, egalisierten dessen Führungstor postwendend und kontrollierten fast eine Stunde lang das Geschehen. Zwei Unkonzentriertheiten, zwei Sorglosigkeiten erkannte man sofort und ahndete die Blößen des Kontrahenten. Wie das Raab-Bielau im Doppelpaß zum 1:1 und dann Raab mit weitem Zuspiel auf Bielau, der konzentriert abschloß und dem herauslaufenden Schneider keine Chance ließ, besorgten, zum 1:2 vorführten, das bedeutete Klasse! Da präsentierte sich der FC Carl Zeiss meisterhaft im Konterspiel, im Chancenverwerten. Und die Grundlage dafür lieferte eine überlegt, ruhig, klug handelnde Deckung, in der Schnuphase, Weise und Kurbjuweit all ihre Erfahrungen und Cleverness ausspielten.

Wenn man dennoch nicht, selbst angesichts eines das Selbstvertrauen stärkenden Sprunges zur Tabellenspitze, von einer "maßgeschneiderten" UEFA-Cup-Generalprobe zu sprechen geneigt ist, dann deshalb: So naiv, taktisch anfängerhaft wie Hansa bei den Gegentoren (Uteß hatte nicht die Abwehrfäden in der Hand!) agierte, werden die Franzosen sich nicht geben! Zudem hätte sich Hans Meyer "in der Schlußviertelstunde mehr Klarheit und Übersicht gewünscht", als die Kräfte nachließen und Schilling verletzt ausschied (das kann ein zusätzliches Handikap bedeuten!).

Im Spiel der Thüringer war keine Brillanz, aber alles geschah wohl durchdacht, organisiert. Solidität und Zweckmäßigkeit waren groß geschrieben bei den Gästen. Das begann bei Schnuphase und hörte bei Raab nicht auf, der sogar Rostocks Kapitän Michael Mischinger imponierte:

"Er hielt den Ball geschickt und zeigte, wie man in die Spitze hineingeht." Sachlich, kühl, selbstbewußt - das war Jenas Auftritt.

Ganz anders der FC Hansa, der begann, als wollte er den Gegner vom Platz fegen. Eine halbe Stunde funktionierte sein Triebwerk Mischinger-Schulz-Schlünz. In den Spielaufbau, der zu der Zeit biele Variationen, Überraschungsmomente enthielt, schalteten sich Uteß und Jarohs geschickt mit ein, doch das schnelle Ausgleichstor zerriß augenscheinlich das Konzept. Aus selbstbewußt Handelnden wurden unsicher, verängstigt Reagierende. Erstaunlich, wie schnell zu so frühem Zeitpunkt die Hanseaten "von der Rolle" kamen. Über die Mitte, unüberlegt, im "blinden" Eifer suchten die Gastgeber nunmehr vielfach den Torerfolg - und waren somit von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt. Da spielte keiner mehr sein wahres Leistungsvermögen aus, auch wenn die letzte Viertelstunde deutlich machte, daß jeder sein Bestes wollte. Der Geist war willig...

(Wolf Hempel in "Die Neue Fussballwoche" vom 28. September 1982)