2003/2004 07. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FSV Zwickau 3:0

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 7.Spieltag
Saison Saison 2003/2004, Hinrunde
Ansetzung FCC - FSV Zwickau
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Fr. 12.09.03 19:00 Uhr
Zuschauer 3.019
Schiedsrichter Zastrow (Berlin)
Ergebnis 3:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Tino Berbig
Olaf Holetschek
Alexander Maul, Joachim Schwabe, Vito Benedetti
Daniel Petrowsky (63. Eric Noll), Stefan Treitl, Kais Manai, Christian Müller
Carsten Klee (82. Sebastian Hänsel), Miroslav Jovic

Trainer: Joachim Steffens


Zwickau
Metzner
Chudzik Gelbe Karte.gif
FahrenholzGelbe Karte.gif (79. Haprich), Trochocki, Tino Findeisen
Papp, Vogel, Dittrich (66. Böckel), Embingou
Pafel (73. Aguado Crussellas Gelbe Karte.gif), Weiß

Trainer: Tipold

Spielbericht

Eines muss man den Zwickauer Fans lassen: Ihren Humor haben sie bisher nicht verloren und wie sie nach ihrem halbstündigen Auftaktboykott gestern Abend den Jenaer Anhang zumindest anfänglich klar an die Wand sangen nötigte Respekt ab, auch wenn die Sachsenringler dabei einige Male ihren Hang zum Maulheldentum nicht verleugnen konnten („Halt’s Maul Jena - sonst gibt’s Randale“; Was haben mir da die Knie geschlottert!) Doch die gelungene Performance der FSV-Fans kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation des Zwickauer Fussballs ausgesprochen trostlos ist. Ohne Geld keine sportlichen Erfolge, ohne sportliche Erfolge keine Zuschauer, ohne Zuschauer kein Geld; am Ende dieser Spirale verschwimmen völlig die Grenzen der Unterscheidbarkeit eines solchen Traditionsvereins zu den Grimmas, Dessaus und Sondershausens dieser Liga. Vor 6 Jahren begleitete die Sachsenring-Elf noch ein Gästemob in vierstelliger Zahl auf dem Weg nach Thüringen, am Freitagabend war aus dieser Schar nur eine gut hundertköpfige Schei#egalfraktion übriggeblieben. Uns Zeissfans sollte das ein Menetekel für die Zukunft des Jenaer Fussballs sein, wenn auch am Ende dieser Saison der Aufstieg nicht geschafft wird. In der Oberliga wie Zwickau nur um die Plätze 4 bis 6 spielen zu können und keine begründbare Aussicht auf den Aufstieg zu haben - das ist der Tod, und sollte wirklich der Fall aller Fälle eintreten und der FCC irgendwann diesen Weg in den Abgrund antreten müssen, so käme auch für mich die Stunde, die Nibelungentreue zu meinem Verein zu hinterfragen und ich fürchte, die Antwort fiele genauso aus wie bei jenen, deren Platz bei den Heim- und Auswärtsspielen des FCC seit langem leer bleibt, weil ihnen die Hoffnung auf ein Ende der jahrelangen Talfahrt abhanden kam.

Es wäre naiv-romantisch, bei den meisten der aktuellen Jenaer Spielern anzunehmen, sie trieben die gleichen Sorgen um die Zukunft des Vereins wie mich, doch am Freitag spielten sie anfangs so, dass es einem leicht fiel, doch daran zu glauben. Gleich mit der 1. Chance machte es „Klingeling“ im Zwickauer Tor, als Manai einfach mal von halbrechts durchmarschierte und die FSV-Abwehr das zeigte, was man in Dresden „inkonsequente Uneinigkeit“ nennt. Damit waren sämtliche Zwickauer Planspiele von „lange 0:0-Halten“ über den Haufen geworfen und Sachsenring mußte jetzt kommen, doch die meist über Embingou eingeleiteten Angriffe blieben eher symbolische Handlungen. Torgefahr gab es nur auf der Gegenseite, so bei Mauls Kopfball in der 9. Minute. Die Vorentscheidung des Spiels folgte bereits 13 Minuten später. Maul hatte von links eine schöne Flanke in den Strafraum geschlagen und auf der Höhe des Fünfmeterraumes tauchte Carsten Klee ganz tief ab und setzte einen herrlichen Flugkopfball. Ein Klassetor, das alleine den Top-Zuschlag wert war. Wer einen solchen Stürmer hat, der kann sich sogar einen Benedetti in der Abwehr leisten. Als kurz darauf Maul nach einer Traumkombination mit Jovic über links am Zwickauer Keeper scheiterte, schien ein Schützenfest im Bereich des Möglichen.

Doch dazu kam es nicht. Im Gegensatz zum Auftritt der Magdeburger vor 4 Wochen, die im Bemühen um konstruktiven Spielaufbau ihren Teil zu einer über weite Strecken sehenswerten Partie beitrugen, handelten einige Zwickauer nun nach der Devise „Wenn bei uns schon nichts klappt, dann soll bei Jena auch nichts gehen“ und erinnerten sich der früheren Kloppertugenden der Sachsenring-Elf. Es ist ja richtig, auch an die Zeit nach der Fussballerkarriere zu denken, aber deswegen muss man Bilder für ein „Terminator 4“-Bewerbungsvideo nicht unbedingt im EAS sammeln, wie es Dolph Lundgren tat, oder wie der Zwickauer mit der Rückennummer 3 auch immer heißen mag, der nach einer knappen halben Stunde Stefan Treitl an der Mittellinie rüde umtrat und dafür nur die gelbe Karte sah. Andererseits stach einige Blaugelbweiße jetzt der Hafer und sie versuchten sich am „Hacke-Spitze-1-2-3“. Außenristpässe von der Strafraumgrenze sind sicher trés chic, aber ich nehme gern ein Zuspiel in Kauf, bei dem es der Absender mal mit der Pieke versucht hat und das den eigenen Nebenmann erreicht, anstatt mich daran zu laben, wie Daniel Petrowsky unbedrängt den Ball ins Niemandsland schlenzt. Ansonsten gab es an der 1. Halbzeit nicht viel zu meckern und es ging mit verdientem Applaus in die Kabinen.

Nach dem Wechsel verlor das Jenaer Spiel jedoch zunehmend an Linie und Chancen blieben auf beiden Seiten lange aus. Als Petrowsky nach gut einer Stunde für Eric Noll ausgewechselt wurde, hielt ich das für eine richtige Entscheidung, denn Jenas neuer Mittelfeldregisseur stand an diesem Tag sichtbar neben sich, wie nicht nur 2 im Toraus landende Eckbälle deutlich machten. In seiner Spielmacherolle klar im Schatten des in der ersten Halbzeit zeitweise herausragenden Kais Manai stehend hatte ich das Gefühl, dass er und der Tunesier sich beide häufig gegenseitig Konkurrenz machten und es nicht verstanden, sich in ihren Stärken sinnvoll zu ergänzen. Nun, da sie sich nicht mehr wechselseitig auf den Füßen stehen konnten, hoffte ich auf bessere Ordnung im Jenaer Mittelfeld und auf die Wiederauflage des in der ersten halben Stunde gezeigten Offensivfussballs, bei dem die Zwickauer Abwehr durch Angriffe über außen häufig in Verlegenheit gebracht wurden war.

Doch das Gegenteil dessen geschah. Manai rückte auf Petrowskys Position nach rechts und machte in der Mitte Platz - ja für wen eigentlich. Bis zum Ende der Spielzeit fand sich nun niemand mehr, der wieder Ordnung ins Jenaer Spiel brachte, und so wurde die ganze Sache jetzt ein unansehnliches Gegurke. Da auch die Zwickauer mangels eigenen Vermögens kein Kapital aus dem völligen Verlust der spielerischen Linie des FCC schlagen konnten, hatte man das Gefühl, beide Mannschaften wollten jetzt im Zeitraffer die Begegnung Island-Deutschland nachstellen. Es war teilweise erschreckend, was jetzt geboten wurde, und sollte jedem die Augen öffnen, dass Jena bei weitem nicht die Übermannschaft dieser Liga ist. In der ersten Hälfte war es noch möglich, Benedettis Patzer zu überspielen, die vornehmlich dann auftreten, wenn er sich nicht allein auf das Zerstören des gegnerischen Spiels konzentrieren konnte sondern im Aufbauspiel gefordert war. Nun ließen sich immer mehr Jenaer von Vitos Offensivkünsten inspirieren, unter ihnen leider Gottes auch Kais Manai. Wenn diese Phase ohne Gegentreffer blieb, so war das auch ein wenig den Linienrichtern zu danken. Speziell dem Schiriassi auf der Jenaer Seite in der zweiten Halbzeit sollte man behutsam an das Thema „Abseitsregel“ heranführen und ihm in einer ruhigen Minute erklären, dass es für die richtige Entscheidung in dieser Materie besser ist, auf den Zeitpunkt der Ballabgabe zu achten als darauf zu schauen, wo der Angreifer zum Zeitpunkt der Ballannahme steht. Da hatte sein Kollege auf der anderen Seite schon mehr auf dem Kasten. Für ihn war nur neu, dass Abseits aufgehoben ist, wenn der Ball von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft kommt, und so hob er in der 80. Minute folgerichtig die Fahne. Da sich der Schiri aber wenige Augenblicke zuvor bei einer Behandlung durch den Jenaer Masseur noch über die neusten Trends zu diesem Thema informiert hatte, ließ er weiter spielen und so konnten Jovic, Maul und Klee das Ding ungestört verballern. Der Schlußapplaus wäre wohl um einiges spärlicher ausgefallen, wenn Kais Manai nicht kurz vor Ende noch einen Geniestreich auf Lager gehabt hätte und einen Freistoß kurz vor der Strafraumgrenze über die Mauer ins linke Eck schlenzte.

So stand am Ende ein klares 3:0 gegen einen einstmals renommierten Gegner, ein Sieg, der sich früh ankündigte und auch in der Phase nicht in Gefahr geriet, als Jena in der zweiten Halbzeit fast gar nichts mehr gelang. Hoffentlich führt diese Erfahrung, 45 Minuten rumzumurksen und trotzdem deutlich zu gewinnen, bei einigen Zeissakteuren nicht zu der trügerischen Erwartung, dass es ja doch irgendwie immer mit 3 Punkten klappt. Aus solchen Träumen könnten wir schon nächste Woche in Grimma gerissen werden (@ Stadionmagazinverantwortliche: Die Stadt liegt übrigens in Sachsen und nicht in Anhalt). In Anbetracht des nicht übermächtig erscheinenden DSC als nächstem Gegner der Muldestädter dürfte man dann dort ein Spiel Dritter gegen Erster erleben. Wenn solch eine Paarung um 8. Spieltag zustandekommt, wo ein Fünftel der Saison bereits hinter uns liegt, so ist nicht mehr von Zufall zu sprechen; es steht zweifelsohne ein Spitzenspiel an. Wenn es jedoch der SV 1910 Grimma ist, der neben Halle und Plauen den FCC als ärgster Verfolger fordert, dann dürfte ebenso außer Zweifel stehen, dass es für Jena in dieser Saison nur ein Ziel geben darf und das heißt klar und deutlich Staffelsieg; nicht als nettes „Ach wir wollen da oben gerne mitspielen“ sondern als ein klares MUSS. Das hat nichts mit mangelndem Respekt vor den Muldestädtern zu tun, deren Aufstieg als Phönix aus der Flut man nur bewundern kann, gerade weil sie ihre Punkte bisher nicht nur gegen Abstiegskandidaten holten sondern auch gegen Lok verdient gewannen (zumindest laut MDR, dem man ansonsten nur in Ausnahmefällen vertrauen sollte), doch in der Stärke der Grimmaer zeigt sich die Schwäche der Liga. Deshalb wird der FCC am nächsten Sonntag seinen Anspruch auf die Tabellenspitze wohl durch einen Sieg an der Mulde untermauern müssen, hoffentlich vor den Augen einer ansehnlichen blaugelbweißen Fansschar. Angesichts der Trainerschelte der vergangenen Woche über die als ungenügend angesehene Unterstützung der Zeissfans bleibt zu hoffen, dass die 3013 Zuschauer des gestrigen Abends Jenas Mannschaft und Vereinsführung fürs erste milde gestimmt haben und wir wohl nicht damit rechnen müssen, dass die FCC-Kicker demnächst zur Strafe zu Hause bleiben. Es muss abgewartet werden, wie lange die Geduld des Vereins anhält, sollte sich das verhätschelte Jenaer Publikum abermals darin gefallen, der Mannschaft bei Auswärtsspielen nur zögerlich zu folgen oder bei Heimspielen nur lau zu klatschen, obwohl es doch seit Jahren mit dem für die 3. und 4. Liga typischen Traumfussball verwöhnt wird. Darum mein dringender Appell: Angesichts der allgemein miesen Stimmung im Lande sollten wir es den Spieler nun wirklich nicht zumuten, dass sie sich neben der Sorge um ihr kärgliches Zubrot auch noch darum kümmern müssen, sich dankbarere Fans zu erwählen als jene, die als Schüler, Studenten oder Arbeitslose kleinkrämerisch mit ihren Pimperlingen knausern und nicht einfach gut 20 Mark auf den Tisch legen, um sich im dritten Jahr nacheinander ein Oberligaspiel reinzuziehen.

--Al Knutone