2004/2005 30. Spieltag: FC Eilenburg - FC Carl Zeiss Jena 0:1

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 30.Spieltag
Saison Saison 2004/2005, Rückrunde
Ansetzung FC Eilenburg - FCC
Ort Ilburg-Stadion in Eilenburg
Zeit So. 24.04.05 14:00
Zuschauer 835
Schiedsrichter Simon (Schkopau)
Ergebnis 0:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Eilenburg
Zsigry
KnaubelGelbe Karte.gif
Schmidt, Künast (85. Köckeritz)
Schaaf, PetzoldGelbe Karte.gif, Heyde (64. Auerswald), Moritz, Bernhardt (80. Delitzsch)
Hönemann, Fischer

Trainer:


Jena
Daniel Kraus
Thorsten GörkeGelbe Karte.gif
Krzysztof Kowalik, Faruk Hujdurovic, Felix Holzner
Ronny ThielemannGelbe Karte.gif, Torsten Ziegner, Tobias Werner
Sebastian Hähnge (59. Miroslav Jovic), Mark Zimmermann (86. Ralf Schmidt), Manuel Endres (82. Sven Hartwig)

Trainer:Heiko Weber

Spielbericht

Am Sonntag, dem 24.04.2005 ereigneten sich Geschehnisse, denen sicherlich auch neutrale Beobachter die weitreichende Bedeutung nicht absprechen können: Benedict XVI. hält seine erste offizielle Messe und der FC Carl Zeiss Jena streift die letzten Fetzen der Zwangsjacke namens „unaufsteigbar“ von der geschundenen Brust. Doch zumindest für den FCC war es ein hartes Stück Arbeit, bis die Stunde des Jubels ausgelobt werden konnte.

Dabei schien die Elf von Trainer Heiko Weber zunächst auf einem sehr guten Weg, denn kaum war das Spiel angepfiffen, setzte sich Jena in der Hälfte des Gastgebers fest und verpasste nach Kopfballchance von Marc Zimmermann die Führung nur knapp. Wenig später machte es Manuel Endres, der torgefährliche Neuzugang aus der Winterpause, besser und köpfte in der 9. min das 1:0. Jubel beim Anhang des Tabellenführers, wusste man doch, dass das Team, wenn es einmal vorn liegt, kaum noch Spiele aus der Hand gibt, erst recht nicht gegen Underdogs.

Dieses Wissen schien eine erneute Bestätigung zu finden, denn Jena wollte nachlegen und spielte weitere zwingende Chancen heraus. Doch sie wurden nicht genutzt und so nach und nach fanden die Platzbesitzer besser ins Spiel. Unterstützt durch den Schiedsrichter, für den ein falscher Einwurf ein wesentlich schlimmeres Vergehen als das vorsätzliche Brechen von Schienbein und Knöchel darstellt, stellte sich Eilenburg keineswegs nur hinten rein, sondern versuchte auch selbst, den schnellen Weg zum Tor bzw. zum Abschluss zu finden.

Erste Nervosität machte sich breit. Sind das schon wieder die Anzeichen einer influenza jenensis, die leider chronisch im Frühjahr auftritt und zwangsläufig zum ZWEITEN Platz führt ? Der Sportplatz in Eilenburg bot zwar mit seinen Anlagen für Hammerwerfen und Stabhochsprung nervenschonende Alternativen an, aber die Halbzeitpause gab Akteuren und Zuschauer die Chance, die Nerven wieder zu beruhigen.

Diese Beruhigung dauerte exakt bis zum Anpfiff, denn als die Pfeife des Mannes in Schwarz noch schrillte, wurde die 1:0-Führung des Verfolgers aus Plauen via Lausprecher durchgegeben. Katzenjammer machte sich über die vermeintliche Provokation der Gastgeber breit, die man aber auch als Service verteidigen könnte, weil klar war, was jetzt auf dem Programm steht: Zitterspiel. Die Linie ging völlig verloren und was tatsächlich noch an guten Ideen im Ansatz zu erkennen war, wurde vom böigen Wind weggeblasen. Angriffe wurden nur noch durch die Mitte vorgetragen, verloren sich aber in Ungenauigkeit und Missverständnissen. Die Gastgeber hatten längst gespürt, dass es in diesem Spiel nicht darum ging, die Höhe der Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten, sondern wussten um die Chance, dem angeschlagenen Traditionsverein, dem Ligaprimus, dem Rom-Bezwinger...dem Tränenquell FCC einen Punkt anzutrotzen. Eilenburg war nicht überlegen und hatte bei den meisten Chancen auch Glück, Zufall aber auch Fehler von Jena im Bunde, aber sie mühten sich und dieser Mut schien Früchte tragen zu können, denn das von Kraus gehütete Tor wurde immer besser anvisiert.

Mitte der zweiten Halbzeit geschah das Wunder: Ein Pfostenschuss Eilenburgs sorgte dafür, dass die Welt einen winzigen Augenblick stehen blieb. Zwei Sekunden Schweigen, aber in diesen zwei Sekunden geschah unendlich viel: Das Abklatschen des Balles vom Pfosten muss bis zum Petersdom in Rom zu hören gewesen sein, die Stille danach auch. In den Gesichtern des Anhanges konnte anhand von Falten, grauen oder gänzlich verschwundenen Haaren das Nichtaufstiegsdrama des FCC menschlich nachempfunden werden. Stille ist ein Geräusch!

Doch es wurde wieder lauter, in aschfahle Lederhaut schoss wieder Blut und aus trotzigen Kehlen war wieder „Jena Jena“ zu vernehmen. Sozial engagierte Fans versuchten mit Meldungen über den Vormarsch eines gewissen Herrn Schumacher die Stimmung aufzuhellen, aber wen interessiert schon eine WM, wenn es um drei Punkte in Eilenburg geht ? Auf dem Platz hatte die Mannschaft erkannt, dass es unmöglich sein wird, wieder spielerische Linie zu finden und zeigte, dass manchmal auch mit besserer Zweikampfführung und Cleverness gewonnen werden muss.

Kapitän Ziegner – mit Standardsituationen, die er allesamt ausführte nicht sonderlich gefährlich – ging allen voran. Inzwischen hatte Sachsen Leipzig in Plauen ausgeglichen (der Verfasser kann nicht sagen, ob auch dieser Zwischenstand von Stadionsprecher vermeldet wurde) und es schien, als wäre das Gegenmittel zur influenza jenensis gefunden: Glück und Siege. Mit dem Schlusspfiff fielen Zentnerlasten von vielen Schultern. Spieler und Fans rissen die Arme hoch und die schwarz-weißen Armbänder an Torsten Ziegners Handgelenk wollten nicht nur sagen „stand up, speak up“, sondern auch „fight and win“.

Jena bezwingt Eilenburg, vor allem aber den hausgemachten Fluch!

--Tobias Gerlach