2004/2005 32. Spieltag: Hallescher FC - FC Carl Zeiss Jena 0:1

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 32.Spieltag
Saison Saison 2004/2005, Rückrunde
Ansetzung Hallescher FC - FCC
Ort Kurt-Wabbel-Stadion in Halle
Zeit Sa. 07.05.05 14:00
Zuschauer 2.003
Schiedsrichter Oehme (Witzschdorf)
Ergebnis 0:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Halle
Küfner
Trehkopf, KraußGelbe Karte.gif (62. Eberhardt), Kindling
GemazashviliGelbe Karte.gif, Miftari, PetrickGelbe Karte.gif, GleisGelbe Karte.gif (75. Breitkopf), Friedrich
Römer, Koslov

Trainer: Lutz Lindemann


Jena
Daniel Kraus
Olaf Holetschek
Krzysztof Kowalik, Faruk Hujdurovic, Ralf Schmidt (88. Felix Holzner)
Thorsten Görke, Ronny ThielemannGelbe Karte.gif, Torsten Ziegner, Alexander MaulGelbe Karte.gif
Sebastian HähngeGelbe Karte.gif (75. Miroslav Jovic), Mark Zimmermann (62. Manuel Endres)

Trainer:Heiko Weber

Spielbericht

Am Mittwoch hatten sie im Fernduell noch leidenschaftlich miteinander gewetteifert, wer dem eigenen Anhang mittels indiskutabler Leistungen gegen unterklassige Pokalgegner besser in die Fresse hauen kann, am Samstag standen sich die Pleitonia aus Halle und die Nerverflattria aus Jena nun zum direkten Kräftemessen gegenüber. Welche Serie der Enttäuschungen würde halten? Der FCC war leicht favorisiert, denn die Chemiker aus Halle mochten zwar deutliche Vorteile in der Teildisziplin Saisonfehlstart haben; das Verkacken des Meisterschaftsfinales hingegen war bisher unbestritten eine Thüringer Domäne.

So blieb ich lange unschlüssig, ob ich mir das Match fast um die Ecke überhaupt anschauen solle, aber letztlich fuhr ich doch, denn obwohl schon kein Punktgewinn zu erwarten war, bot sich doch zumindest Gelegenheit, aller Welt meine protzige Urlaubsbräune vor Augen zu führen. Mit Spielbeginn stellte ich jedoch enttäuscht fest, dass Bennos Blue Man Group den Blässlingen um mich herum wenig Anlass gab, angstvoll zu erbleichen, denn der FCC spielte von der 1. Minute an wie man es von einem Spitzenreiter erwarten kann, kontrollierte das Spiel, setzte den Gegner unter Druck und zwang die HFC-Abwehr zu Fehlern. Das war eine andere Jenaer Mannschaft als jene des Landespokalfinales, wo für mich über weite Strecken der Partie kein Klassenunterschied zwischen dem Ober- und dem Landesligaspitzenreiter auszumachen war.

Dabei lief der Ball beim FCC zumeist über Torsten Ziegner, wobei Jenas Kapitän ein Laufpensum absolvierte, das dem jenes Hallensers glich, dessen Vornamen „Waldemar“ selig Heinz-Florian Oertel anno 1976 einem breiterem Publikum schmackhaft machen wollte. Unterstützung erhielt Ziege vor allem von Zimme, Ralf Schmidt und Ronny Thielemann, der endlich mal wieder überzeugte, nachdem ich drei Tage zuvor noch fassungslos verfolgen musste, dass ein normalerweise zweikampfstarker Akteur wie er häufig nicht in der Lage war, sich bei 1:1-Situationen gegen Landesligakicker durchzusetzen. Allerdings trugen die Offensivbemühungen von Jenas Kapitän und seinen Nebenleuten bis zur Pause keine Früchte, was nicht zuletzt daran lag, dass im Zeiss-Sturm jemand einen gewaltigen Hähnger hatte.

Die Gastgeber überzeugten in ihrem Bemühen, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, es sei Zufall, dass sie trotz ihres 4. Tabellenplatzes punktemäßig den Abstiegsrängen näher stehen als der Spitze. In Reaktion auf die Schmach von Sangerhausen hatten sich die Chemiker wohl geeinigt, zur Sühne einen Zementwerker-Subbotnik mit gelegentlichen Spritztouren in die Jenaer Hälfte zu veranstalten. So nahm es nicht Wunder, dass die erste hallesche Chance im Ergebnis eines Kraus-Patzers entstand, als Jenas Keeper bei einem Abstoß Feund und Freind velwechserte und sich für Koslov die Möglichkeit zur Führung bot. Der Standgeiger im roten Dress war allerdings nach fast 10 Minuten Spielzeit und einem die letzten Reserven aufzehrendem 5-Meter-Spurt so ausgepumpt, dass ihm die Kraft zum Zielen fehlte. Auch am Unternehmen „2. Chemie-Chance“ hielt Kraus die Aktienmehrheit, als ihn bei einer HFC-Flanke die Abenteuerlust packte und er ein wenig im Fünfmeterraum rumstromerte, statt entweder den Ball zu fangen oder auf der Linie zu bleiben.

Ansonsten gestattete es die Zeisself den Gastgebern zumeist erst gar nicht, bis in den FCC- Strafraum vorzudringen sondern verlagerte das Geschehen in des Gegners Hälfte. Leider fiel trotz Jenaer Dauerdrucks und mehrerer guter Chancen vor dem Pausenpfiff nicht das erlösende 1:0, um eine erste Halbzeit zu krönen, wie ich sie Ziege und Co. nach dem am Mittwoch Erlebten nie und nimmer zugetraut hätte. Die Hoffnungen des blaugelbweißen Anhangs, nach der Pause würde ihr Team endlich den Lohn für seine Mühe ernten, erfüllten sich leider nicht. Das Jenaer Angriffsspiel litt zusehends unter Ungenauigkeiten, am besten auszumachen bei seinem Protagonisten, denn Torsten Ziegner verlor nun häufig durch verspätetes Abspiel den Ball. Die Partie näherte sich alsbald dem Niveau der Spielleitung durch Referee Oehme, der prima zu dem Idealtypus von Oberligaschiris passt, die allesamt etwas unsicher durch eine Welt staksen, die voll ist von Mysterien wie gesunde Zweikampfhärte, Vorteils- und Abseitsregelung.

Am Mann in Schwarz lag es allerdings nicht, dass beim FCC in der zweiten Halbzeit wenig nach vorne lief, auch nicht daran, dass ab 70. Minute wohl einige Kicker in Rot beim Blick auf die Anzeigetafel feststellten, man sei heute Gastgeber und es wäre beim Heimpublikum wohl nicht verpönt, wenn man selbst mal etwas für die Spielgestaltung täte. Jena schien für seine fruchtlos gebliebenen Angriffe vor der Pause büßen zu müssen und in dem jetzt offenen Match deutete vieles darauf hin, dass die Unachtsamkeit einer der beiden Abwehrreihen für den Spielausgang entscheidende Bedeutung haben würde, wenn, ja wenn die Angreifer denn in der Lage seien, aus den Patzern ihrer Gegenüber Kapital zu schlagen.

Eben solche Chance bot sich auf Jenaer Seite für den eingewechselten Jovic, als er in der 84. Minute allein über halbrechts aufs Küfner-Tor zu lief. Begleitet von den Stoßgebeten des blaugelbweißen Anhangs stand er auf Strafraumhöhe vor der Wahl, vielleicht mit einem Schuss ins lange Eck zu vollenden oder eventuell noch mal quer auf einen Mitspieler zu legen, aber Miro mochte sich für keine dieser Varianten erwärmen und widmete seine Alibiflanke hinters Tor lieber der Aktion „Wir wollen dem Gegner heute nicht weh tun!“. In diesem Augenblick fand ich mich damit ab, dass der Joker eines erneuten Punktverlustes bereits in diesem Match gezogen werden müsse.

Doch noch war das Spiel nicht aus. Und das war gut so, denn drei Minuten vor Ende geschah das, womit im Zeissblock wohl die wenigsten noch gerechnet hatten. Jovic wuselte zwei Verteidiger bindend auf rechtsaußen, legte überlegt zurück auf Görke und dessen Flanke zart wie Sahnetörtchen fand den Kopf von Manuel Endres, der sich weit genug vom fluchbeladenen Elfmeterpunkt entfernt hatte, um mit seinem Aufsetzerkopfball ins Hallenser Tor beim Jenaer Anhang für erst fast ungläubigen, doch dann völlig enthemmten Jubel zu sorgen, der bis zum Schlusspfiff nicht mehr abriss, bis sich die Anspannung in einem wilden Veitstanz entlud und sich schließlich eine blaugelbweiße Woge über den Rasen des KWS ergoss.

Drei Jahre haben wir Zeissfans vergeblich auf solch einen Augenblick gewartet. Auch wenn noch nichts wirklich gewonnen ist in dieser Saison: Wer nach Spielende sah, wie die Augen eines alten Hasen wie Saal-FCC wohl nicht nur vom Regen etwas feucht waren, der wird erahnen können, was es besonders für viele ältere Zeissfans bedeutet, endlich von der Last befreit zu sein, einem Verein die Treue zu halten, dem besonders in den letzten Oberligajahren das Stigma des chronischen Versagens anhaftete. Gerade deshalb war es eine wohltuende Erfahrung, dass ausgerechnet der FC Carl Zeiss kurz vor Ultimo noch den Sieg an sich reißt, denn nicht nur aus diesem Umstand lässt sich Zuversicht schöpfen, dass auch am 4. Juni tausende Zeissfans auf dem heiligen Rasen des EAS jubeln werden.

--Al Knutone