2006/2007 23. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 3:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 23. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Rückrunde
Ansetzung FCC - TSV 1860 München
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Fr. 23.02.07 18:00
Zuschauer 11.022
Schiedsrichter Fischer (Hemer)
Ergebnis 3:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Giorgi Lomaia
Ronald Maul, Toni WachsmuthGelbe Karte.gif, Alexander Voigt, Leendert van Steensel (Gelbrote Karte.gif,78.)
Christian Fröhlich, Filip Tapalovic, Mark Zimmermann (69. Felix Holzner), Kevin Schlitte
Mohammed El Berkani (46. Sercan Güvenisik), Mikheil Ashvetia (81. Alexander Maul)

Trainer: Heiko Weber

Trikotfarben
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München
Tschauner
Schäfer, BerhalterGelbe Karte.gif, Hoffmann, Thorandt (Gelbrote Karte.gif,71.)
Milchraum (56. Johnson), S.BenderGelbe Karte.gif, Baier, Adler (56. Ziegenbein)
Wolff (75. Eberlein), Vucicevic

Trainer: Schachner


Irgendwas ist anders (Spielbericht)

(… aber schön!)

„Finde zu Dir selbst und werde glücklich!“
Diese angeblich immerwährende Suche nach dem Glück ist (nicht nur) in Deutschland ein milliardenschwerer Geschäftszweig. Millionen Menschen geben ebenso viele Millionen Euros aus, um sich unsinnige Bücher oder alberne Audio-/Videokassetten zu kaufen, bzw. sie rennen in suggestive Seminare, um sich den lächerlichen Weisheiten selbst ernannter Scharlatane des Glücks auszusetzen. Mit dem Ergebnis, dass dem flüchtigen Rausch die nächste, noch tiefere Depri-Einheit folgt. Wie gut hat man es da, wenn man zum elitären Kreis jener Fußballfans zählt, deren Helden ihre Heimat am Fuße der erhabenen Kernberge haben! Dann genügen 11 Minuten, um in einen ewig währenden, tiefen und scheinbar nie enden wollenden Glückstaumel zu fallen – einfach göttlich! Wohl dem, der begriffen hat, wo das geilste Team der Welt seinen blaugelbweißen Zauber zelebriert.

Schon die Anfahrt begann anders als sonst. Ein glühender FCC-Fan, dem leider nur selten das Glück beschieden ist, seine Idole live zu erleben, bat um Mitreisegelegenheit. Unterwegs beklagte der Bedauernswerte, in dieser Saison trotz mehrfachen Spielbesuchs (sowohl daheim als auch auswärts) noch kein FCC-Tor live gesehen zu haben. Als Fahrer hofft man dann natürlich, nicht den personifizierten Fluch an Bord zu haben und macht gute Miene zum bösen Floskelspiel: „Naja, das wird schon, spätestens heute wird alles anders …“

Es folgen hektische Hilfeanrufe eines heute lange auf der Leinwand sichtbaren Jena-Jüngers, dem die Saisondauerkarte abhanden gekommen ist. So begeht man also die zweite gute Tat des Tages und verschafft dem lotterhaften noch schnell das Einlass gewährende Ticket. Auf dem Parkplatz wartend, begegnen einem die ersten Blau-Weißen. Wer sich als Fußballfan freiwillig einen abartig hässlichen, grauen und spitzen Filzhut auf den Kopf setzt, kann nicht gesund sein. Naja, wenigstens das hatten die 60er Fans dann heute mit einigen ihrer Spieler gemein.

Wer vor Spielbeginn nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren offen hielt, vernahm irgendwann automatisch die meistgenannten Worte des Tages vor Spielbeginn: „Unterhaching“, FCC-rameder.-Aktion“, „einfach geil!“ Und so herrschte schon lange vor Anpfiff ein derart reges Treiben am SC-Stand, wie es lange nicht zu erleben war. Wir werden Unterhaching rocken!

Um die Stimmung auf der Tribüne von Beginn an richtig aufzuheizen, hatten sich die entsprechenden (Un)Verantwortlichen mal wieder entschlossen, den Zugang zum Block A dicht zu machen. Auf solche Ideen kann m. E. nur kommen, wer das unverkrampfte Fan-Leben in bspw. K’lautern oder Köln nicht erlebt hat oder nicht wahr haben will. Und wenn ich der Meinung bin, ein offener Zugang der Heimfans in Block A sei den Gästefans nicht zuzumuten, dann muss ich das Problem (baulich) beheben. Dies sollte in unserem Jahrhundert binnen weniger Tage machbar sein, auch im prosperierenden Jena.

Die ergreifende Schweigeminute für „den Grafen“ erfordert 2 Bemerkungen: Erstens war es durchaus löblich, wie etliche Löwenfans ihre dreisten Radaubrüder zum Schweigen brachten und zweitens endete diese denkwürdige Minute mit einem von der Tribüne ausgehenden, derart markerschütternden „He, FC Carl Zeiss! Ole, ole FC Carl Zeiss!“, dass einem um die denkmalgeschützten Bestandteile des EAS Angst und Bange werden konnte. Dieser Ruf wurde zum Fanal!

Er schien direkt die Herzen und Seelen jener 11 erreicht zu haben, die heute von Beginn an die Ehre hatten, Thüringens ehrwürdigstes Fußballwappen auf ihrer Brust tragen zu dürfen. Die Weißen Götter legten ein derart atemberaubendes Tempo auf den Platz, demonstrierten einen derart dampfwalzenartigen Kampfes- und Siegeswillen, dass man glauben mochte, Benno hätte letztwöchentlich nach alten Plänen der seligen Herren Schorsch Buschner und Paul Dern trainieren lassen. Ob nun grippegeschwächt oder dopinggestärkt, diesem Druck konnten die Löwenbabies nie und nimmer standhalten. Auch die erste vertane Ashvetia-Chance nach 30 Sekunden konnte da die blaugelbweiße Urgewalt nicht aufhalten. Zur Einstimmung folgten 5 Ecken in 5 Minuten und die ersten „Löwen“ (nie war der Nickname der Isarstädter lächerlicher als heute) verfluchten wohl den Moment, als ihr Trainer zu ihnen sprach: „Du darfst heute dieses alberne und abgrundtief hässliche Auswärts-Outfit überstreifen.“ Noch konnte keiner der anwesenden 11.000 ahnen, dass sich sogleich 6 Minuten ereignen würden, welche die schmachvollen Momente aus Karlsruhe, Duisburg oder Aue achselzuckend verblassen lassen und sich für immer tief ins blaugelbweiße Fanherz einbrennen würden.

Das 1:0 durch Filip Tapalović

Den Auftakt bildete in der 6. Minute jene Aktion Tapalovićs, die zu beschreiben kaum möglich ist, da die deutsche Sprache keine zutreffenden Beschreibungen kennt. Wer jahr(zehnt)elang bei Wind, Regen und Sonne die Auftrittsorte seiner Lieblinge aufsucht, wird in einem solch einzigen Moment für so unsagbar vieles entschädigt. Tapalovićs Ausholbewegung, seine Schusshaltung, die Parabel des Spielobjektes und der Einschlag des selben im rechten oberen Eck – wer dies alles live erlebt hat, wurde Augenzeuge eines erhabenen und kaum wiederholbaren Fußballmomentes! Wird dieser Treffer nicht „Tor des Jahres“, ist es wahrlich an der Zeit, diese Rubrik für immer zu beenden. Wenn es so etwas wie eine verspätete Belohnung für 13.000 Zeiss-Fans in München gibt, dann dieses Tor. Als 2 Minuten später Ashvetia die Arroganz und Pomadigkeit im Mittelfeld der Blau-Weißen mit dem 2:0 bestraft, scheinen die Sterne am Jenaer Abendhimmel taghell in den schönsten Farben dieser Welt zu erstrahlen. 11.000 Enthemmte liegen sich freudetrunken in den Armen und schreien sich die Kehlen aus den Hälsen um ihre Heldenhaften zu lobpreisen. Doch der Lobpreis findet ein jähes Ende – und eine schier unbeschreibliche Steigerung. In dem Moment, als zu befürchten ist, das Klingeln des Weckers beendet diesen Traum, klingelt es tatsächlich – allerdings wiederum im Kasten des entnervten Tschauner. Kaum ist die 11. Minute angebrochen, als schon wieder Ashvetia einen Fehler der bayerischen Statisten nutzt – 3:0! Kollektiver Wahnsinn greift um sich. Man weiß gar nicht mehr, mit welchen Jubelschreien und –posen man dieses Spektakel bedenken soll. Es ist einfach atemberaubend! Das EAS erlebt eine Stimmung, wie sie in den auf „Arena“ enden Kunstbauten (z. B. in München) wohl nie zu erleben war und nie zu erleben sein wird. Football is coming home! Und ich gebe es zu, in diesem Moment ging mir ein Superlativ durch den Kopf, von dem ich eigentlich glaubte, ich würde ihn noch viele Jahre nicht gebrauchen: Die Atmosphäre atmete (schemenhaft) etwas vom 01.10.1980. Ja, die, die ihr dabei waret, lächelt ruhig mildtätig! Aber in diesem Moment schien mir der Weg von A(shvetia) nach B(ielau) ein kurzer – Zeiten ändern sich, aber dieses ganz bestimmte Kribbeln nicht. Und heute habe ich es für wenige Sekunden wieder entdeckt.

Zum Glück –und wer will es ihnen verdenken- nahmen die Unbeschreiblichen ein wenig den Fuß vom Gaspedal. Recht so, denn man musste ja auch mal wieder zur Besinnung kommen und Zeit haben, einige tiefe Atemzüge zu holen. Es ist noch nicht lange her, da atmete der geplagte Zeiss-Fan zufrieden durch, stand es nach 15 Minuten 0:0. Und heute? War alles anders: Zeitgleich erreichten mich zwei sms (eine gesponserte und eine aus dem Land der Fjorde) identischen Inhalts. „Geil“ und „Wahnsinn“ – und mehr gab es in diesem Moment auch nicht zu sagen.

Hatten die Unseren ihre Spielpartner (der Begriff „Gegner“ würde die Münchner nur ungerechtfertigt aufwerten) gnadenlos am mitspielen gehindert, so durften diese nach 15 Minuten sich auch mal an einer Ecke versuchen. Eine gute Gelegenheit für den einzig wahren „Löwen“ auf dem Platz, diese souverän weg zu fischen und schnurstracks der Jenaer Angriffsmaschinerie wieder zur Verfügung zu stellen. In Minute 28 läuft dann der erste halbwegs ansehnliche Konter der Gäste über rechts. Es folgt aber lediglich eine nicht ungefährliche Ecke. Eine Minute später entdeckt dann der Assi vor der Tribüne sein Herz für die Bedauernswerten Bayern, lässt sein Abseitsfähnchen unten und ermöglicht ihnen somit die nächste halbwegs gefährliche Rechtsflanke, aber letzten Endes erneut ohne Erfolg. Und da aller guten Dinge heute 3 waren, gibt’s in Minute 30 wiederum eine Flanke von rechts und dieses Mal verfehlte Vucicevic mit seinem kahlen Schädel nur knapp. Aber wann hat man solcherlei Dinge schon derart entspannt verfolgen können? Auch Vucicevics zartes Schwälblein in Minute 42 nimmt man an einem solchen Tag großherzig gelassen zur Kenntnis. Überhaupt nicht großherzig kann jedoch über das üble Münchner Frustfoul an El Berkan in Minute 42 hinweg gegangen werden. Das war ein ebenso unnützes wie übles „Doppelbrett“ und hier hätte es dringend der Roten Karte bedurft!

45 Minuten sind um und die Unvergleichlichen entlassen ein völlig aufgekratztes Publikum in eine völlig neue Art von Halbzeitgefühl. Kein „Erstmal zu null in die Pause gekommen.“ oder „Naja, vielleicht geht ja noch was?“ als Gesprächsaufhänger. Nein, irgendwas war anders. 15 Minuten zum Durchschnaufen und Verarbeiten dessen, was das Team der Glorreichen an Glanzvollem abgeliefert hat. 15 Relaxte Pausenminuten, in denen 11.000 Jenaer Augenpaare glänzten wie Wunderkerzen! Wäre jetzt das Flutlicht ausgefallen, keiner hätte was gemerkt. Das Strahlen der Augen hätte als Spielbeleuchtung locker gereicht.

Nachdem auch der tribünenferne Assi wieder ein funktionierendes Winkelement sein eigen nennt, geht es wieder los. Die Ruhmreichen haben jetzt merklich den Schongang eingelegt und so dauert es bis zur 55. Minute, ehe Zimme sich nach einer Ecke den Ball auflegt, jedoch im letzten Moment am Schuss gehindert wird. Zwei Minuten später legt dann Güve wunderbar für den Doppelpack-Helden auf, heraus springt aber nur eine Ecke. Also versucht es Güve in der 59. Minute erneut, diesmal jedoch über rechts. Schön kommt seine Flanke in den 16er der Gäste, wo sie Berhalter per Hand stoppt. Diesen Elfer nicht zu geben, war schon frech, Herr Fischer! Also geht Güve in der 60. mal allein in die Spitze, hat aber auch kein Glück und kommt nicht rechtzeitig an’s Leder. Im Block A ist jetzt Oldie-Party: „Kam ein kleiner Teddybär“, „Auf einer grünen Wiese zwei Tore aufgestellt …“ und andere Klassiker Jenaer Fan-Liedgutes werden jetzt aus ihrem unverdienten Dornröschenschlaf erweckt. Herrlich!

Okay, der FCC übte sich anschließend weitestgehend im „Verwalten“ und überließ den Angereisten mehr Spielanteile als notwendig. Ja, man kann Konter besser und gnadenloser ausspielen, als dies dann geschah. Sicher, man muss ein solches Match auch mit 11 Mann zu Ende bringen können, aber wer will schon das Haar in der Suppe suchen, wenn er ein erstklassiges Thüringer Fußball-Menue vorgesetzt bekommt? Ich nicht.

So durfte der am wenigsten schwache Münchner, Vucicevic, noch einen schönen Freistoß versenken, allerdings erwies sich CF als mindestens genau so treffsicher, als er den von ihm anvisierten Autospiegel in der 90. Minute auch tatsächlich traf …

So endete ein rauschhafter Abend im EAS, zelebriert von Thüringens Fußballstreitmacht Nummer Eins, nun schon zum zweiten Mal hintereinander mit wutentbrannt abziehenden Gästefans und Feierlichkeiten für das siegreiche Heimteam. Wenig später fanden sich allüberall schon die ersten Reisegruppen für das nächste Spiel zusammen, denn der FCC schlägt alle wahren Fußballkenner wieder in seinen Bann. Wen wundert’s, dass bei so viel Eigenwerbung schon wenige Minuten nach Ende der blaugelbweißen Feierlichkeiten am Fanhaus zu vernehmen war, dass alle Busse der FCC-rameder.-Aktion ausgebucht sind!? Der FCC ist wieder da!

Jena, Paderborn, Jena – der FCC kann also wieder siegen!
Der FCC wird weiter siegen!
Schon nächsten Freitag in Unterhaching.
Und alle sind dabei – auf geht’s!

Nur der FCC!


--Kopfnuss 4:41, 24. Feb 2007 (CET)