2007/2008 10. Spieltag: SC Paderborn 07 - FC Carl Zeiss Jena 2:2

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 10. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Hinrunde
Ansetzung SC Paderborn 07 - FCC
Ort Herrmann-Löns-Stadion
in Paderborn
Zeit So. 21.10.2007 14:00
Zuschauer 6.079
Schiedsrichter Dr. Felix Brych (München)
Ergebnis 2:2 (2:2)
Tore
  • 0:1 Torghelle (8., Kopfball, Vorarbeit S. Günther)
  • 1:1 Koen (12., Linksschuss, de Graef)
  • 1:2 Werner (14., direkter Freistoß, Linksschuss)
  • 2:2 Sinkala (33., Rechtsschuss)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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SC Paderborn 07
Alexander Bade
David Fall, Nils Döring Gelbe Karte.gif, Thomas Kläsener Gelbe Karte.gif, Garry de Graef
Marc Gouiffe à Goufan Gelbe Karte.gif
Andrew Sinkala Gelbe Karte.gif(68. Jan Männer), Nebojsa Krupnikovic, Erwin Koen (68. Sören Halfar)
Alexander Löbe Gelbe Karte.gif, Benjamin Schüßler (56. David Siradze)

Trainer: Holger Fach

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Daniel Kraus
Sven Günther (66. Filip Tapalovic), Alexander Maul, Darlington Omodiagbe, Michael Stegmayer
Stefan Kühne Gelbe Karte.gif
Konstantinos Charalampidis, Tobias Werner
Jan Simak Gelbe Karte.gif(86. Torsten Ziegner)
Sandor Torghelle (75. Niels Hansen), Sebastian Helbig

Trainer: Valdas Ivanauskas

Spielbericht

Links oder Rechts?
Wieder zwei Auswärtstore – wieder kein Sieg

Eintrittskarte

Phrasenzeit, die Kurve steht bereit! So hätte der abgewandelte Jenaer Kurvenhit wohl nach dem heutigen Schlusspfiff in Paderborn lauten können, nach dem 2:2-Unentschieden der beiden Zweitliga-Kellerkinder. Auswahl gäbe es genügend:
„Zum (Über)Leben zu wenig, zum Sterben (noch) zu viel!“
„Weder Fisch, noch Fleisch!“
„Nichts Halbes und nix Ganzes!“
„Einen Punkt gewonnen oder doch zwei Punkte verloren?“
„Ein Ergebnis, das keinem Team hilft!“
Gleiches aus Jenaer Sicht beschreibend, kam mir heimwärts kilometerfressend noch eine ältere Tom-Liwa-Textzeile in den Sinn: „Für die linke Spur zu langsam, für die rechte Spur zu schnell.“ (CD „St. Amour“; 2000)

Alleine wollte ich die Fahrt in Angriff nehmen. Denn sollte der schlimmste aller annehmbaren Fälle eintreten, könnte ich dies auf dem Heimweg wohl nur schweigend ertragen. Außerdem würde ich mich dann ganz allein darüber ärgern können, dass abendliche Leipziger Konzert des von mir höchstverehrten Jan Garbarek „geopfert“ zu haben. Aber es kam natürlich alles ganz anders. Zu einer Zeit, da andere sonntags erst heimkehren, erschütterte mich nerviges Telefongebimmel. Ein aufgeregter Anrufer berichtete mir davon, dass bei der Deutschen Bahn jetzt nicht nur die Lokführer, sondern gleich ganze Loks streiken würden. Irgendwo zwischen Leipzig und Jena sei daher jener Reisende hängen geblieben, der noch letztjährig in Paderborn für eine ultimative Megaphon-Show gesorgt habe. Er würde nun irgendwie versuchen, nach Leipzig zurückzukehren, ich möge ihn doch dann bitte einsammeln. Naja, was tut man nicht alles, um jungen Menschen zu einer sinnvollen Sonntagsbeschäftigung zu verhelfen! Ehe Sie dem Alkohol oder der Kirche verfallen, lädt man sie ins Auto und bringt sie westwärts. Die Reisepläne mussten also geändert werden – und wer war wie immer schuld? Na klar, die …!

Fast zeitgleich mit den ersten der etwas über einhundert Bahnreisenden (welche zwecks Verbringung ins Stadion auf mehrere Busse verteilt wurden, schließlich wollten die grünen Bewacher jedem Reisenden einen Sitzplatz garantieren) trafen wir wenige Meter neben dem Stadion ein. Allerdings hatten wir vorher schon eine faszinierende Parkplatzsuche hinter uns. Immer dann, wenn die Stimme aus dem Cockpit zum Rechtsabbiegen aufforderte, zeigte das entsprechende Hinweisschild garantiert nach links (und umgekehrt). Aber vielleicht sind die Programmierer von Navigationssystemen ja auch Fußballfans und wollen aus fürsorglichen Gründen das Auffinden der tristen Löns-Kampfbahn verhindern.

Es nahte ein weiterer Höhepunkt, die Einlasszeremonie! Ein gut gebräunter und gegelter Typ mit Migrationshintergrund und einer Frisur der Stilrichtung „aufgeplatztes Sofakissen“ wies jedem Einlass Begehrenden sein/en persönliches/n Nummerngirl/boy zum Zwecke der Betastung zu. „Einhundertdreizehn!“, „Einhundertelf!“ oder „Einsnullvier!“ hallte es befehlsmäßig durch den lauschigen Wald. (Wie machen die das eigentlich, wenn Fans kommen, denen Zahlen oberhalb der 100 nicht so geläufig sind, sagen wir mal, aus dem Erzgebirge z. B.? Kriegen die Abtaster dann Symbole auf die Weste? Hund, Katze, Maus, Auto usw.?) Kurios auch die Werbebande vor der Heimtribüne: „Stadien der neuen Generation“. Also den heutigen Ground können sie damit ja nicht gemeint haben. Der ist noch immer so abgrundtief hässlich und trist, dass uns nur die architektonische Radikallösung einfiel. Doch wem den Auftrag dafür geben? Dem saudi-arabischen Bauingenieur, der zur Zeit auf Trekkingtour am Hindukusch ist? Oder sollte man Dschordsch Dabbeljuh vermelden, dieser Ort gehöre zur Achse des Bösen? Wir einigten uns auf: Auswärtssieg und die Frage würde sich dann eh bald nicht mehr stellen! Rätselhaft auch die Paderborner Fans. Erst hielten sie Pappschilder hoch, die aussahen, als seien sie von Erstklässlern bemalt und gebastelt worden und dann entrollten sie ein Transpi mit „Entfacht das Feuer“. Johannes fiel die Doppeldeutigkeit als Erstem auf: Entfachen? Also von Fach befreien?

Dann waberte noch geschätzte 165 Mal der Name Wachsmuth durch die Reihen und los ging’s mit Saison-Torwart Nummer 3 als Nummer 1. Sofort tänzelte das Weiße Ballett Richtung eigener, ca. 6-700 Mann und Frau starker Fankurve, spielte Charalambides auf Rechts frei, doch der verzog knapp vom Strafraumeck. (1.) Ebenjener Konstantinos bediente 60 Sekunden danach Sebastin Helbig und aus 18 Metern Entfernung ging dessen erster Schuss knapp über das Gehäuse. (2.) Nach 4 Minuten erster toller Reflex von Daniel Kraus, als er einen Seitfallzieher Löbes aus 4 Metern entschärfte. Beide Teams spielten zügig nach vorn, doch die Ruhmreichen legten etwas mehr Unbekümmertheit an den Tag. Nach 8 Minuten Einwurf auf der rechten Angriffsseite des FCC. Günther auf Kostas, Kostas zurück auf Günther. Gänsefederweich bananenflankt dieser mit seinem rechten Fuß aufs kurze Fünfmetereck. Dort steigt Torghelle so kraftvoll hoch, wie eine Trägerrakete in Baikonur, trifft den Ball perfekt mit seiner Stirn und mit einem kurzen Zischen zappelt der im TOOOOOR! 0:1!

Nur 2 Minuten später können die Unseren selbst durch ein Foul im Mittelfeld nicht gebremst werden, eine viel versprechende Überzahlsituation bahnt sich an. Sie kommt aber nicht zustande, da der Schiri den Vorteil abpfeift und die Aktion in sinnloser Weise unterbrycht. Dieser Freistoßpfiff hat uns definitiv benachteilgt. Nach gespielten 10 Minuten macht sich unsere Abwehr das Leben selbst schwer und zu allem Unglück landet DKs’ Abschlag bei einem Blauen, der spielt nach links zurück und plötzlich steht ein Heimischer frei vor Kraus und nutzt seine Chance zum 1:1. Aus Gästekurvensicht war da wenig zu machen. (12.)

Dann fordern Jenas Fans nach einem Foul halbrechts lautstark die GK für den Sünder, werden aber nicht erhört. Währenddessen legt sich TW die Kugel zurecht. Dann läuft er an und zieht nicht all zu heftig ab. Knapp oberhalb der Grasnabe segelt das Runde in Bades Strafraum, Alex M. kreuzt die Flugbahn, lässt den Ball aber durch und so stoppt der eben erst im TOOOOOR! 1:2! (14.) Bade steht da, als wäre er zu spät zu einem Date erschienen und als hätte er auch noch vergessen, mit wem er sich eigentlich treffen wollte.

Würde es den Traditionsreichen jetzt endlich mal gelingen, mit einer Auswärtsführung im Rücken selbstbewusst und selbstsicher aufzuspielen und den Vorsprung notfalls auch „dreckig“ über die Runden zu retten? Sieht nicht so aus. Paderborn im Vorwärtsgang, Jena zu vorsichtig und in der 18. Minute kann DK einen langen, hohen Ball nur mit Mühe übers Quergestänge bugsieren. Die Blauen übernehmen mehr und mehr das Kommando, die Führenden sind zu hektisch und bei eigenem Ballbesitz einfach zu ungenau. Also muss nach 29 Minuten DK erneut beweisen, welch famose Reflexe er auf der Linie hat und einen Sinkala-Kopfball aus 5 Metern sensationell abwehren. Aber schon eine Minute später ist Zeit für die nächste Phrase: Ausgleich mit Ansage. Unsere Abwehr ist a) zu passiv, b) zu ungeschickt und c) zu unkonzentriert. Kein Wunder also, dass Sinkala plötzlich in bester Position aus 20 Metern abziehen kann und leider auch zum 2:2 trifft. (32.) Keine Chance für Kraus. Dennoch, für das Spiel der beiden Tabellenletzten geht es bis zur HZ energisch und temporeich zur Sache. Man merkt beiden Teams an, dass sie um ihre (letzte?) Chance kämpfen. Mehr gute Situationen erkämpfen und erspielen sich die Unseren. In der 37. z. B. tritt Simak einen Freistoß von halbrechts, Torghelle kommt aber einen Schritt zu spät. Eine Minute später ist nach einer Paderborner Ecke Jenaer Konter-Fußball angesagt, aber TW schafft es nicht, den Ball zu ST zu befördern. Also zieht TW in der 39. mal selbst vom linken Strafraumeck ab, der Ball fliegt jedoch am langen Pfosten vorbei. Ein weiterer Simak-Freistoß in der 41. Minute wird zunächst abgewehrt, der Ball kommt zu Werner, der auch entschlossen aus 20 Metern schießt, aber Bade hält. Zwei Minuten vor der Pause nochmals ein FCC-Konter auf er rechten Seite, diesmal ist es jedoch ST, der den Abspielzeitpunkt auf JS verpasst. So endet eine ansehnliche, temporeiche und unterhaltsame erste HZ, hat allerdings einen großen Makel – wir führen nicht! Dass wir nach Führungen plötzlich immer wieder erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange und in den Folgeminuten nicht in der Lage sind, den Spielfluss des Gegners wirkungsvoll zu unterbinden, bleibt eine der großen Schwächen dieses Teams.

Vornweg, was die erste Halbzeit verhieß, konnte die zweite nicht halten. In der 48. Minute war mal wieder zu sehen, dass in Wesendorf wohl keine Zeit mehr für’s Freistoß-Training war. Erst hämmert JS den Ball in die Mauer, dann jagt ihn einer seiner Kameraden beim Nachschuss in die Wolken. Nach 54 Minuten scheint das 3:2 für die Ruhmreichen nahe. Jedenfalls dann, wenn TW sich entschlossen hätte, den Ball aus 8 Metern ins Tor zu schieben, statt ihn zu dreschen – so gibt’s nur Ecke. 2 Minuten später die nächste optimale Freistoßentfernung und –position. Wie so ein indirekter Freistoß allerdings funktioniert, scheint von den Weißen keiner richtig zu wissen und so landet Kühnes Ball im Nirgendwo. Mehr und mehr verlagert sich das Spiel jetzt ausschließlich zwischen beide Strafräume, Tempo und Präzision lassen nach. Dennoch kann Paderborn in der 60. Minute einmal mehr von links flanken und plötzlich steht der schönhaarige Löbe 10 Meter vorm Tor frei. Glücklicherweise zieht er den Ball am langen Pfosten vorbei. Vorausgegangen war übrigens wieder eine dieser seltsamen Omo-Offensiv-Aktionen. Erst läuft er mit Ball am Fuß über 2 Drittel des Platzes und bringt dann einen Pass aus 5 Metern nur zum Gegner und fehlt dann natürlich hinten. Nach 66 Minuten sind sich alle im FCC-Block einig, dass da die Paderborner in ihrer Abwehr Handarbeit abgeliefert haben, der Pfiff blieb allerdings aus und warum es danach einen Gastgebereinwurf gab, blieb auch rätselhaft. Gelb gab es dann nach 70 Minuten für JS, kurz zuvor hatte er noch 3 Mann der Blauen ausgetanzt, blieb dann aber hängen. Die letzten 20 Minuten begannen und während Paderborn eigentlich nur bei Sinkalas flankenhaften Einwürfen Ansätze von Gefahr erzeugte, unternahmen die Jenaer zumindest noch spielerische Versuche, den ersten Auswärtsdreier einzusacken. 15 Minuten vor dem Ende schlägt JS aus vollem Lauf eine wunderbare Diagonalflanke auf Hansen, der den Ball jedoch nicht mehr richtig erwischt und nur eine Ecke rausholen kann. JS zirkelt diese nach innen, Hansen verlängert und Kühne setzt zu einem Schulbuch-Kopfball an. Niemand wird den Ball mehr auf seinem Weg ins Tor aufhalten! Bis auf den Innenpfosten, leider. Typisch für den FCC dieser Tage, der Ball springt nicht in’s Tor sondern in’s Feld zurück und erwischt dort auch noch Helbig auf dem falschen Fuß. Zeit, Andy Brehme zu zitieren: „Haste Scheisse am Fuß, haste Scheisse am Fuß!“ Vielleicht macht es ja JS nun besser, immerhin gibt es aus Mittelstürmerposition einen 20-Meter-Freistoß. Jan zieht den Ball zwar über die Mauer, aber auch genau in Bades Arme. Aber jetzt! In der 82. erkämpft sich TW zweimal famos das Leder im und am Strafraum des Tabellenletzten, sieht aber nicht den links mutterseelenalleinstehenden Helbig (oder war’s Simak), schießt lieber selber, aber vorbei. Nach 84 Minuten versuchen es erneut TW und der eingewechselte Tapa auf der rechten Seite, werden aber am Strafraum abgeblockt. Aufregung dann eine Minute später, als Alex M. bravourös den Ball vor der Torauslinie erkämpft und für seinen Einsatz zu Unrecht mit Ecke für Paderborn bestraft wird. DK geht aber energisch dazwischen, keine Gefahr. Nach 88 Minuten spielen sich die Gäste letztmalig in den Strafraum der Gastgeber, allerdings findet sich niemand zum Schuss. Dann pfeift der (bis auf die 2 abgepfiffenen Vorteilsentscheidungen) ordentliche Herr Brych ab, der Mitte der 2. HZ mit einer perfekt eingesprungenen Sitzbulette Haltungsnoten von 6,0 eingeheimst hatte.

Am Ende ein Spiel ohne Sieger? Mit zwei Verlierern? Wie ging der Tom-Liwa-Text noch?

„Du hast noch nicht alles versucht
Bist längst besser als die ander′n doch noch lang nicht gut genug
Für die linke Spur zu langsam
Für die rechte Spur zu schnell …“

Am Sonntag, gegen Lieblingsgegner Freiburg, bleibt nur der Wechsel auf die Überholspur! Egal, ob Links oder Rechts!

Auf geht’s Jena, kämpfen und siegen! YNWA!

--Kopfnuss