2007/2008 19. Spieltag: FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena 2:2

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 19. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Rückrunde
Ansetzung FC St. Pauli - FCC
Ort Millerntor-Stadion in Hamburg
Zeit Fr. 08.02.2008 18:00 Uhr
Zuschauer 20.217
Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken)
Ergebnis 2:2
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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St. Pauli
Borger
Rothenbach, Morena, EgerGelbe Karte.gif (69. Bruns), Gunesch
Takyi, BollGelbe Karte.gif, Meggle, SchultzGelbe Karte.gif (46. SakoGelbe Karte.gif)
Kuru, Schnitzler (65. Braun)

Trainer: Trulsen

Trikotfarben
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Jena
Vasili Khamutouski‎Gelbe Karte.gif
Alexander Maul, Robert Müller, Michael Stegmayer
Patrick AmrheinGelbe Karte.gif, Stefan Kühne, Tobias WernerGelbe Karte.gif
Jan ŠimákGelbe Karte.gif (83. Ilia Kandelaki), Torsten Ziegner
Sándor Torghelle (Rote Karte.gif, 18.), Marcel Schied (87. Nils Petersen)

Trainer: Henning Bürger

Spielberichte

Alles nichts, oder?

13 Punkte, Platz 17, Spieltag 19 - das ist die wenig schmeichelhafte Zwischenbilanz vor dem Auswärtskick in Hamburg. Ich neige nicht zu übermäßigen Optimismus oder Pessimismus im Bezug auf meinen FCC, aber realistisch betrachtet sollte man die Möglichkeit des Abstieges mittlerweile wohl in die Prognosen für das Saisonergebnis mit einbeziehen.

Eintrittskarte

Was solls - hilft ja nix. Auswärts läuft es diese Saison ja eh besser als zu Hause und so startet die dreiköpfige Niedersachsen - Fraktion am Freitagmittag von Hannover nach Hamburg. Auf der A7 bis Hamburg gibt’s jede Menge Thüringer Kennzeichen zu begucken und auch der “Vor dem Spiel” - Bummel durch den Kiez bietet jede Menge blau - gelb - weiße Fanutensilien fürs Auge. Der guten Ordnung halber sei natürlich noch erwähnt, dass das Ganze nach eigenem Erleben total “stressfrei” abläuft und nette Gesten und Wünsche der Einheimischen keineswegs die Ausnahme sind.

In einer Ecke der Nordtribüne ist seit Neuestem der Gästeblock auf St. Pauli untergebracht, der von den anwesenden ca. 1500 FCClern gut gefüllt wird. Das die Hafenhamburger nun extra für das Gastspiel des Europapokalfinalisten von 1981 eine zusätzliche Stahlrohrtribüne auf der Nordseite ihres Stadions errichtet haben, erscheint auf den ersten Blick zwar übertrieben, ist aber angesichts des Gegners nun nicht gar so abwegig.

Der sportliche Teil des Abends beginnt mit einer Jenaer Großchance als Jan Simak sich in der 4. Minute schön auf der rechten Seite durchsetzen kann, jedoch lieber in der Mitte Thorgelle bedient, statt selber direkt abzuschließen. Während der Gästeblock noch dieser Chance nachtrauert, spielt sich am anderen Ende des Stadions bereits Teil 1 der mysteriösen Schiedsrichterentscheidungen des Abends ab. Fakt ist, ich habe aus ca,. 100 m Entfernung in einem Gestocher im Strafraums kein Handspiel - ein Dank an den Stadionsprecher der den Grund für den Elfmeter mitmeldete - gesehen. Ohne mein Einverständnis verwandelt Takyi trotzdem sicher zum 1:0 in der 13. Minute. Wenig später (18. Min.) scheint das Spiel schon endgültig gelaufen, als Sandor Torghelle wegen einer Tätlichkeit mit Rot vom Platz fliegt. Ich habe unter den reichlich bescheidenen Sichtverhältnissen des Gästeblockes, dieses Nachtreten von ihm mit dem Fuß relativ klar gesehen - der Schiri wohl auch - und bin gespannt, ob dies nicht schon bereits der letzte Pflichtspielauftritt unseres „Gulaschbombers“ war, der ja auch im Pokal gesperrt ist. Der Rest der ersten Halbzeit besteht aus ziemlich laschen Mittelfeldgekicke und -geschiebe der St. Paulianer, daß die Jenaer bis auf einen Simak - Schuss ans Außennetz (34.) nicht bestrafen können.

Die Kabinenaufenthalt in der Halbzeitpause für die, diesmal blauen Helden, ist kürzer als normal, als sie nach der „gefühlten“ Hälfte der Spielunterbrechung bereits wieder auf dem Platz stehen. Dem Neutrainer Henning Bürger, sei an dieser Stelle geweissagt, dass solche „Nummern“ zwar nicht schlecht sind aber auch nur gefühlte zweimal ziehen, bevor sie ihre Wirkung verfehlen. Aber diesmal scheint es definitiv noch zu wirken. In der 54. Minute setzt sich Ziegner durch und kann im zweiten Versuch den St. Pauli-Keeper Borger überwinden. Hätte man mich jetzt gefragt ob ich mit dem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, hätte ich sofort abpfeiffen lassen. Mehr ist doch in Unterzahl echt nicht drin…

Für den „Auswärts - FCC“ in dieser Saison ist dies aber das natürliche Signal auch in Unterzahl die Siegchancen zu suchen. Und als Patrik Amrhein kurze Zeit später nach schönem Solo freistehend vor dem Tor nur an den Pfosten schiebt, wagt der gemeine FCC - Fan im Gästeblock endlich vom „Auswärtssieg“ zu träumen und singen. Was in der 68. Minute zum Elfmeter für Jena führt kann ich nicht nachvollziehen, da die Aktion schon wieder am anderen Ende des Stadions stattfindet, aber wenn der erste Elfer berechtigt gewesen sein soll, wird es dieser wohl auch - wenigstens in den Augen des Schiedsrichters.

Das es am Ende doch nicht zum Auswärtsdreier reicht, ach herrjee, wem will ich das denn vorwerfen? Die Mannschaft hat auch in der Schlussphase alles geboten, was sie konnte. Der Ausgleich in der 88. Minute ist natürlich der “Hammer” ins Genick des eh schon taumelnden Boxers. Andererseits muss den Jungs doch endlich mal jemand ins Gehirn prügeln, dass sie auch zu Hause so auftreten müssen, dann besteht vielleicht noch Hoffnung auch mit einem Unentschieden auf St. Pauli leben zu können.

--Tn 00:31, 9. Feb. 2008 (CET)

Glanz und Elend

Auch mit einer starken Auswärtsleistung holt der FCC in Hamburg nur einen Punkt.

Als der schwächste Akteur des Matches, Herr Winkmann, (wer schafft es sonst schon, gleich beide Mannschaften und Fanlager gegen sich aufzubringen [wobei die „Hoyzer-Rufe!“ der Pauli-Fans eher lächerlich wirkten!]?) so gegen Zehn vor Acht seine Bäckchen aufplusterte und Gott (oder wem auch immer) sei Dank letztmalig sein Pfeiflein quälte, hätte er am liebsten im Boden versinken mögen. Doch da dies auch auf dem Rasen des gespiegelten (Richtig so, saalFCC?) Millerntores nicht funktioniert, zog sich Patrick Amrhein sein Heldenleibchen über den Kopf, lief noch 2 Schritte, sank enttäuscht zu Boden und hätten ihn seine Kameraden nicht irgendwann wieder hoch gezogen, dann würde er da wohl jetzt noch dort liegen. Glanz und Elend des gestrigen FCC-Auftritts kaprizierten sich wohl am deutlichsten in der Person des jungen A-Junioren. Was hatte der gestern für einen Super-Job auf der rechten Seite gemacht! Glanzvoller Höhepunkt die 62. Minute, als er auf dem Weg Richtung Borger-Tor 3 Paulianer abschüttelte wie lästiges Geschmeiß, den Ball auf den Kasten zog und dieser schon über die Linie zu schauen schien, bevor er es sich anders überlegte, denn Innenpfosten knutschte und dann doch wieder ins Feld zurück sprang. In der Defensive stand Amrhein bombensicher, alle heimischen Angriffsversuche perlten an ihm ab wie Wassertropfen an einer beschichteten Scheibe ……. bis zur 88. Minute, als er vielleicht für eine Sekunde die Orientierung verlor …

Mit einem überdimensionierten, majestätisch über der Stadt schwebenden, laugelbweißen Heißluftballon hatte mich Hamburg am frühen Nachmittag am Hauptbahnhof empfangen. FCC-Jünger aus dem nahen (Rostock) und fernen (Bergen/NO) Norden galt es dort einzusammeln, um millerntorwärts zu transportieren. Mir die Wartezeit vertreibend, studierte ich einige der (gefühlt) millionenfach aufgestellten Bürgerschaftswahlplakate und rasch war mir klar, dass sich wohl noch sehr, sehr viele Ballons mit heißer Luft füllen lassen würden. (Gibt es eigentlich auch den Tatbestand der visuellen Umweltverschmutzung?) Schon erstaunlich, welch elendiger Geistesmüll in einer (einst) so glanzvollen und weltoffenen Handelsmetropole wie Hamburg plakativ abgesondert werden kann …

Nahe des Stadions wollten wir uns dann noch ein wenig die Kehlen befeuchten, stießen in der auserwählten Pauli-Kneipe aber gleich af mehrere Probleme: Erstens bekam Trinkbares nur, wer sich dem Wirt persönlich und per Handschlag vorstellte und dabei auch nicht vergaß, Name, Alter und Herkunft bekannt zu geben. Allerdings reichte dies nicht zum Erwerb eines Zweitgetränkes, denn Bewegung schien dem Wirt eine hassenswerte Eigenschaft zu sein, seine Zapfgeschwindigkeit betrug außerdem maximal 1 Bier pro 10 Minuten (2 gleichzeitig zu zapfen, überforderte ihn einfach), welches dann auch noch gemächlich einzeln durch den Schankraum getragen werden mußte …

Wer dann im Stadion das Aufwärmen beider Teams verfolgte mußte lange befürchten, der Hausmeister hätte sich den Spieltermin nicht im Kalender eingetragen, so lange blieb das Flutlicht aus. Was allerdings auch seine Vorteile hatte, denn so blieben zum Glück jene strunzbesoffenen, dämlich rumlallenden Typen lange Zeit im Dunkel, die sich am Geländer der Nordkurven-Sitzplätze gesammelt hatten und für deren „Benehmen“ man einfach nur Scham (und Mitleid wegen der bitteren geistigen Armut) empfinden konnte. Insgesamt wurde die Stimmung in beiden Fanlagern aber von Minute zu Minute immer besser und als beide Teams ihre provisorischen Umkleidekabinen im stadionnahen Stadtbad verlassen hatten und den Rasen enterten, herrschte prickelnde Fußballatmosphäre und rund 1.800 Richtigfarbene hatten gehörigen Anteil an dieser Gänsehautstimmung.

Glücklicherweise gelingt es mir Dank noch vorhandener Beweglichkeit in der Hüfte, vorbei an Doppelhaltern und Schwenkfahnen, nach 4 Minuten den ersten Blick auf’s Spielfeld werfen zu können. So sah ich, wie der zurückgekehrte Ziegner mit einem Traumpass Jan Simak einsetzte, der den Ball eigentlich nur noch in’s Tor bugsieren muß, statt dessen (vermutlich) auf Tobi Werner ablegt und dessen Heber(?) / Schuß(?) dann noch irgendwie von der Linie geschlagen wird. Muß wohl eine 100-%-ige Chance gewesen sein. Nach 5 Minuten dann der erste Auftritt des gestern phantastischen Vasili K., als er Paulis erste Ecke energisch per Faust klärt. Im Gegenzug kommt, warum und wie auch immer war wieder mal nicht zu sehen, Jan Simak 20 Meter vorm Tor zum Schuß, zieht vom linken Strafraumeck aus aber knapp vorbei.(6.) Der nächste Blick auf den Rasen gelingt mir 3 Minuten später, als Tobi Werner aus 20 Metern Torentfernung einen Freistoß von rechts knapp über das Tor zieht. Auf Zehenspitzen balancierend, locker wie einst Ali mit dem Oberkörper hin und her pendelnd, erspähe ich nach 11 Minuten mal wieder unseren Strafraum. Was ich da sah, erinnerte mich an Schuldisco-Zeiten in den 70-ern, wenn der Schallplattenalleinunterhalter auf seinem Spulentonbandgerät der ZK-Typreihe (strikt die 60-40-Regel einhaltend) endlich Wishful Thinkings „Hiroshima“ gefunden hatte: überall eng umschlungene Leiber, die sich teils gefühlvoll, teils hölzern –Hauptsache gaaanz eng- im Takt wiegten. Von so viel Gefühlsduselei überfordert, bereitete Winkmann dem unsittlichen Treiben trällernd ein Ende. Dann überlegte er, wie das Spiel wohl fortgesetzt werden könne und entschied sich für einen Heimelfer. Später machte das Gerücht die Runde, irgendwer hätte, eher unabsichtlich, seine Hand im Spiel gehabt. Ziegner sei der Pechvogel gewesen, wurde gemunkelt. Jedenfalls ahnte Vasili K. zwar die Ecke, dennoch war das 1:0 der Gastgeber nicht zu verhindern. (12.) Zwei Minuten später will TZ von rechts einen Freistoß vor’s Tor ziehen, da es aber vor dem Pauli-Tor zu einem Gerangel kommt, läßt der Schiri diesen wiederholen. Was auch nix nützt, der Ball geht am langen Eck über die Grundlinie. Nach 17 Minuten ist zu vermuten, dass es im Mittelfeld zu einem Kopfballduell zwischen Tobi W. und einem Braunhemd kommt. Zeitgleich treffen sich ein Einheimischer und Sandor Torghelle zum „Wer-hat-den-schöneren-Fußballschuh-Contest“. Der Paulianer hat wohl das häßlichere Schuhwerk und wirft sich darüber wütend auf den Rasen. Auftritt Winkmann: Gelb für Werner, Rot für Torghelle. Untergangsstimmung. Unglücklicher (?), ungerechter(?), ungerechtfertigter(?) auf jeden Fall umstrittener Elfmeterrückstand und noch über 70 Minuten mit nur zehn Mann auf dem Acker – kann es schlimmer kommen?

Neben mir platzt jetzt dem lebenden Video-Archiv des FCC der Kragen, der stattliche Jüngling begibt sich einige Traversen nach unten und fordert energisch freie Sicht für freie Bürger – ohne sich allerdings zu einer Tätlichkeit hinreisen zu lassen. Überhaupt, Rückstand, Rote Karte – im Stehplatzbereich hinter dem Tor war der Ärger darüber inzwischen viel geringer als über die permanent eingeschränkte Sicht. Anzunehmen ist, dass auch in den folgenden 10 Mintuen Fußball gespielt wurde. Sicher ist, dass auch in diesen 10 Minuten Dank Doppelhaltern und Schwenkfahnen nix davon zu sehen war. So tat ich das, was ich eigentlich nicht mag, meine Begleiter mittlerweile aber schon ausnahmslos getan hatten, ich wechselte den Platz, begab mich weiter nach rechts. Zu hören war dort allerdings Ähnliches: „Nimm doch mal die Fahne runter!“, „Wir wollen was sehen!“ Die Aufforderungen eines der Capos, sich doch stimmgewaltig mit einzubringen wurden auch hier von den Umstehenden mit „Wer nichts sieht, macht auch keine Stimmung!“ gekontert. Miteinander geht anders. Immerhin war zu erkennen, dass die Glorreichen noch lange nicht gewillt waren, sich zu ergeben. Nach 28 Minuten zieht Simak von rechts außen einen Freistoß scharf aufs Tor und Burger kann nur mit Mühe zur Ecke fausten. Als erneut Simak diese nach innen gezogen hatte, kommt Schied an den Ball, setzt sich prima durch und zieht ab – leider drüber. In der 30 Minute läuft wieder der überragende Simak zum Freistoß an. Von halblinks zieht er die Murmel flach vors Tor, sie verschwindet einer Schwenkfahne, aber an der Reaktion der FCC-Fans ist zu ahnen, dass er im Außennetz zappelt. Dann kommen die Paulianer mal wieder vor unser Tor. Ausgangspunkt ist ein Freistoß samt sich anschließendem Kopfball – aber spektakulär lenkt Vasili K. diesen über die Querlatte.(34.) 120 Sekunden später Ballverlust der Blauen im Mittelfeld und zum erste Mal hat Pauli durch die Mitte Erfolg, dort wo vor allem Müller gestern eine überraschend starke Partie ablieferte. Gegen den allein vor ihm auftauchenden Angreifer hält Khamutouski erneut sensationell. Aber der FCC ist nicht gewillt, die Flinte ins noch nicht gewachsene Korn zu schmeißen, kommt mit Tobi W. nach 40 Minuten erneut über links außen. Tobi wird gefoult und den Freistoß zirkelt unser tschechischer Obertechniker vor’s Tor, heraus springt eine Ecke. Alex M. verlängert dies per Kopf, allerdings zu weit und am langen Pfosten vorbei. Nachdem in der 45. Minute der FCC eine Pauli-Ecke abwehren konnte, startet Simak einen Konter und spielt einen feinen Pass auf den erneut in der Offensive auftauchenden Alex M. Als der einfach umgerannt wird, ist das dem Schiri nicht mal einen Pfiff wert. Naja, zu Glück pfeift er dann wenigstens unumstritten zur Pause.

Mag sein, dass Hamburgs Spiel gelegentlich gefälliger, reifer aussah in dieser ersten HZ. Aber profitiert haben sie, wenn überhaupt, von ihrer numerischen Überzahl und abgesehen von einer Situation hatte man nie den Eindruck, sie könnten aus dem Spiel heraus ein Tor erzielen. Aber sie hatten ja ihren Elfer. Über die Ruhmreichen ließe sich schreiben, dass sie, auch nach der RK und auch nach dem Elfer mutig, selbstbewußt und mit guter Raumaufteilung spielten und das wie immer eine einzige Kleinigkeit das Resultat gegen sie kippte. Aber da dies ja schon so oft konstatiert wurde, soll hier lieber darauf verzichtet werden.

Fast 4 Minuten lang hatte der FCC dann den Rasen des Millerntorstadions ganz allein für sich. Da aber sowohl Gegner als auch Schiri fehlten, nützte die nicht viel. Aber auch als die Kanariengelben und die Braunen dann endlich wieder erschienen waren, hatte der FCC die Hoheit über den Platz. Eröffnet wurde die 2. HZ mit einem herrlichen Seitenwechsel zwischen Tobi W. und Simak, dessen scharfe Hereingabe aber leider keinen Adressaten fand. Wer die Göttlichen zaghaft, ängstlich, abwartend erwartet hatte, sah sich zunächst getäuscht, unsere Zehn ergriffen die Initiative. Nach 52 Minuten gibt es dann einen vielversprechenden Freistoß auf der linken Seite, 18 Meter vom Tor entfernt. Leider folgte nun Ziegners schwächste Szene im ganzen Spiel, als sein Ball genau in Paulis Ein-Mann-Mauer hängen bleibt. Doch schon 2 Minuten später ist das nur noch Schnee vom letzten Jahr. Einen gefühlvollen Zuckerpass Simaks in die Spitze nimmt Ziegner elegant mit, tut so, als ließe er Burger eine Chance und als der Ball wieder frei ist, setzt er energisch nach – tritt erneut gegen den Ball und Millisekunden später landet dieser im TOOOR! 1:1 (55.) Der FCC-Anhang ist euphorisiert und hat jetzt auch akustisch die Oberhand im Stadion. Das ist auch bitternötig, denn die Heimischen machen jetzt Druck. Bange Frage allenthalben: Gelingt es den Unvergleichlichen endlich mal ein Tor-Erfolgs-Erlebnis länger als 5 Minuten zu konservieren? Vasili K. beantwortet diese Frage zunächst mit einem fetten „Ja“! Als nach 58 Minuten ein St. Pippi-Kicker 10 Meter frei vor’m Tor einen Drehschuss abzieht, stürzt sich unser Goalie raubvogelgleich zu auf das Leder und begräbt es im 2. zupacken sicher unter sich. Verschnaufen kann er nicht lange, denn schon eine Minute später muß er gemeinsam mit Stegi gegen den nächsten durchgebrochenen Angreifer klären. Beide tun das auch souverän. Zeit zum Luftholen bleibt nicht, denn schon gilt es für den wackeren Vasili, die nächste Kopfballablage wegzufischen. Bravo!(60.) Als der folgende Angriff Paulis im Abseits verpufft, ist das Ärgste erst mal überstanden.

Jetzt sind es die zehn tapferen Jenaer, die für Furore sorgen. Grandios dabei der Auftritt Patrick Amrheins in Minute 62. Mit jugendlicher Coolness und routinierter Abgezocktheit scheint er einen herrlichen FCC-Konter krönen zu können. Pappkameradengleich wirken die Pauli-Verteidiger, als Patrick sie elegant austänzelt. Dann legt er den Ball auch noch am herausstürzenden Borger vorbei. Geschmeichelt von einer derart filigranen Ballbehandlung verspürt die Kugel auch Lust, sich wohlig im Netz zu suhlen, was sie wohl auch gleich tun würde – stünde da nicht (im wahrsten Sinne des Wortes) dieser Vollpfosten im Wege. Welch glänzende Aktion - was für ein Elend! Doch jetzt ist an der Offensive der Unseren, weitere Glanzlichter zu setzen. Zuerst zündelt mal wieder Simak, als er einen 30-Meter-Freistoß von links messerscharf auf’s Tor zieht und Borger mit seiner besten Tat das Remis rettet. (65.) Was soll’s, die Unverdrossenen setzen nach und nach 67 Minuten dringt Simak links in den Gastgeberstrafraum ein. Als ihm ein Gegenspieler in die Parade fährt, geht Jan spektakulär zu Boden. Ohne zu zögern zeigt der unsichere Winkmann auf den Punkt, der genau 11 Meter von der Torlinie entfernt ist. Simak wird zum Gesetzlosen, ignoriert alle ungeschriebenen Fußballgesetze ebenso wie das infernalische Pfeifkonzert, legt sich seelenruhig den Ball zurecht und nagelt ihn ebenso seelenruhig hinein in’s TOOOOOR! Zehn Unbeugsame führen völlig verdient mit 1:2! (68.) Alex Maul scheint zu ahnen, worauf es jetzt ankommt und animiert den eh schon sich völlig aus dem Häuschen befindenden Jenaer Anhang. Klar erhöht Pauli jetzt den Druck aber bis zur 75. Minute halten unsere wackeren Recken den Ball fern von unserem Strafraum. Als er in dieser Minute doch mal in unseren Sechzehner fliegt, greift Amrheins Gegenspieler zum elendsten aller Mittel und läßt sich einen Meter neben Amrhein fallen. Winkmann sieht das und erkennt die Absicht, aber statt die fällige GK zu zücken, winkt er einfach ab. Eine Zeigerumdrehung später rauscht von halbrechts ein 16-Meter-Knaller auf Vasili K. zu – sicher nimmt er den Ball auf. Klasse! Was Winkmann 2 Minuten zuvor wegen unsportlichem Verhalten eines Paulianers noch vergaß, holte er jetzt plötzlich gegen unseren Keeper nach – GK wegen Zeitspiels. Seine Maßstäbe waren nicht nachvollziehbar. Noch 10 Minuten. Mitten in die still stehende Zeit hinein setzt JS den nächsten Nadelstich. Erst beschäftigt er links 3 Gegner und als er sie vernascht hat, spielt er den Ball zum emsigen Schied. Leider kann Borger dessen Schuß halten. Simak, das alte Schlitzohr sieht derweil, dass auf der Jenaer Bank die nächste Auswechslung vorbereitet wird (und um die er kurz zuvor gebeten hatte). Sofort wechselt er die Platzseite, geht von links nach ganz rechts. Und richtig, als er rechts angekommen ist, glänzt auf dem Täfelchen seine Nummer und so kann er sich wieder auf den Weg nach links machen. Jetzt macht Pauli doch noch Druck! Aber ganz egal, was die Einheimischen unternehmen, ein FCC-ler ist immer schneller am Ball. Glänzendes Stellungsspiel der Abwehr, Amrhein glänzt defensiv auf rechts, toller Einsatz und Kampf um jeden Zentimeter bei allen Blauen! Kein Vergleich zu Montag! Seltsam, Omo wird auch kaum vermißt. Hoch! Weit! Weg! Kommt doch mal was durch, ist Vasili K. zur Stelle. Wie lange noch? „Weiß ich nicht!“, sagt mein Nachbar, „Ich rauch noch Eine, das bringt 8 Minuten!“ Dann tritt er die Zigarette aus. Zeitgleich kommt von unserer linken Abwehrseite aus eine Pauli Flanke in den Strafraum. Irgend jemand bringt seinen Kopf dran. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten steht dort ein Paulianer frei, der eingewechselte Bruns. (Hätte der bis dahin glänzende Amrhein da stehen sollen?) Aus 7-8 Metern trifft er den Ball volley und zieht ihn aufs lange Eck. Machtlos taucht Vasili K. in die Ecke – der Ball passt. Ausgleich, 2:2. (88.) … Wenn mich meine Augen nicht getäuscht haben, verpaßte einer der Paulianer im anschließenden Gerangel um den Ball inklusive Schlichtungsversuchen einem der Assis eine Ohrfeige – kam aber mit Gelb davon. Seltsam. Kurz danach war Schluss.

Was soll man bloß sagen? Nach 17 Minuten schien der FCC mausetot. Feiert dann eine glänzende Wiederkehr, die man weder nach dem Saison-, noch nach dem Spielverlauf erwarten konnte – aber hat am Ende nur ein mickriges Pünktchen auf der Habenseite. Auf das, was die Unseren gestern gezeigt haben, darf man als FCC-Fan dennoch stolz sein! Über das, was die Unseren gestern „unter’m Strich“ erreicht haben, muß man als FCC-Fan enttäuscht sein.

Was für eine elende Saison!

Deshalb aufgeben? Nö, noch nicht! (Naja, es bleibt ja auch nix anderes übrig.) Stoßen wir eben am Freitag den Bock um! Sie haben es sich im Hinspiel redlich verdient, Herr D.!

Nur der FCC!
YNWA

--Kopfnuss