2007/2008 31. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - VfL Osnabrück 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 31. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Rückrunde
Ansetzung FCC - VfL Osnabrück
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Fr. 02.05.2008 18:00 Uhr
Zuschauer 9.000
Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg)
Ergebnis 1:1
Tore
  • 1:0 Allagui (62., Kobfball,
    Vorarbeit Werner)
  • 1:1 Reichenberger (65., Kopfball,
    Vorarbeit Thomik)
Andere Spiele
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Vasili Khamutouski
Alexander Maul Gelbe Karte.gif, Robert Müller Gelbe Karte.gif, Michael Stegmayer
Sven Günther ( 71. George Oniani), Torsten Ziegner ( 90. Rote Karte.gif), Niels Hansen (83. Nils Petersen), Tobias Werner
Ilia Kandelaki
Marcel Schied (74. Sándor Torghelle Gelbe Karte.gif), Sami Allagui

Trainer: Henning Bürger

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Osnabrück
Berbig
Schuon, Cichon, Schanda, Thomik
Aziz (35. Reichenberger Gelbe Karte.gif), Surmann, Heidrich (46. de Wit), Grieneisen (77. Schäfer)
Hennings, Frommer

Trainer: Claus-Dieter Wollitz

Spielbericht

Können? Glück!

(Ein unnötiges 1:1 gegen Osnabrück festigt wieder nur Platz 17)

Schon der Auftakt war ein wenig verstörend. Als ich zielstrebig kurz nach Öffnung der Stadiontore den Jenaer Fan-Laden ansteuerte, um Karten für die verbleibenden beiden Auswärtsspiele zu erwerben wurde dort groß verkündet, daß sämtliche FCC-Textilien mit einem Preisnachlaß von 30% verkauft würden. Ich putzte die Brille und schaute nochmals genau hin, aber der bei solchen Rabattaktionen sonst übliche Zusatz „wegen Geschäftsaufgabe“ fehlte (noch) – zum Glück.

Zurück am FP traf man dann erste Leidteilende der Reise ins Hoffenheimer Gruselkabinett und war froh, daß offensichtlich alle den Ausflug in dieses Schattenreich ohne gesundheitliche Nachwirkungen überlebt hatten. Interessant auch, daß letztsonntäglich Daheimgebliebene immer wieder nachfragten, ob den Trip tatsächlich so grauenhaft gewesen sei, wie zu hören oder zu lesen war, denn man könne sich das alles gar nicht vorstellen. Aber Hoffenheim war Realität in jeglicher Hinsicht – leider! Der Name Simak geisterte immer wieder durch alle Gespräche und gefragt wurde, wen würde Henning Bürger erkiesen, dessen Rolle zu übernehmen? Oder braucht es eines solchen Auserkorenen gar nicht? Diskutiert wurden dann alle möglichen verbleibenden Saisonabschluß-Szenarien und als sich dabei so langsam Einsicht in das (wohl) Unvermeidliche breit machte, beging einer der Diskutanten einen Fehler, als er wenigstens auf die hoffnungsvolle Nachwuchsarbeit des FCC hinwies, hatten doch die C-1-Junioren gerade erst den Thüringer Pokal gewonnen. Überraschend nahmen einige der Umstehenden daraufhin eine Gesichtsfarbe an, als wären sie versehentlich unter afrikanischer Mittagssonne eingeschlafen und gleichzeitig schwollen ihnen die Halsschlagadern auf den Durchmesser eines Gartenschlauches. Der Grund für diese gesundheitsgefährdenden Erscheinungen sei folgender, berichteten die Nachwuchsexperten: Mit dem Pokalsieg hätten sich die Jungs die Teilnahme an einem internationalen Einladungsturnier in Kitzbühl erspielt und sich darüber riesig gefreut. Allerdings nicht lange, denn ein präsidiales „Nein“ aus angeblichen (und nach Meinung besagter Nachwuchsfreunde völlig unverständlichen) „Kostengründen“ hätte die Aussicht auf ein grandioses internationales Fußballerlebnis schnöde weggewischt. So „pflegt“ und „motiviert“ man die eigenen Talente …

Pflege ganz anderer Art betreibt zukünftig ein ewiger FCC-Fan der Block-A-Hardcore-Fraktion. Immerhin kann er ab sofort seine vier Buchstaben im Stadion butterweich auf ein Sitzkissen betten, welches er bei einem ortsansässigen Drogeriemarkt zum Sonderpreis erworben hatte. Statt es heimlich auf seinen Platz zu schmuggeln, präsentierte er das Teil auch noch stolz. Sitzkissen im Frühling – der Abstiegskampf schlägt wirklich tiefe Wunden.

Im Gästeblock sammelten sich derweil einige niedere Sachsen, aber bei weitem nicht die im Vorfeld großmäulig angekündigten „mehreren Hundert“. Der Rest war wohl doch lieber daheim im flachen Land zwischen Bremen und Münster geblieben, vielleicht lief ja auch gerade eine neue Folge von „Bauer sucht Sau“ – sicher ein Quotenhit im Osnabrücker Land Das trotz des Desasters im Badischen, trotz des fürchterlichen Tabellenplatzes und trotz eines Gegners, dessen Fußball nicht gerade für die hohe Schule dieses Ballsportes bekannt ist, fast 10.000 Blaugelbweiße das EAS ansteuerten – das verdient schon eher Respekt! Und das eine vor wenigen Tagen noch unterirdisch kickende Mannschaft mit enthusiastischem Beifall empfangen wird, ist wohl auch nicht alltäglich.

Beim Verlesen der Osnabrücker Aufstellung fiel dann auch noch der Name Grieneisen aber ich hoffte inständig, daß dies kein schlechtes Omen sei und eine Beerdigung heute doch noch nicht anstünde. Bei Anpfiff durch den schwachen Schiri Kircher spülte der einsetzende Regen alles „wenn und aber“ weg – jetzt galt es für die Weißen zu zeigen, daß man einen A.rsch in der Hose und das Herz am richtigen Fleck haben würde! Außerdem standen sich ja die bis dahin schwächsten Zweitligaabwehrreihen gegenüber, man konnte also auf Tore hoffen und sich wünschen, die Paradiesischen würden am Ende wenigstens eines mehr erzielt haben. Das Bemühen des FCC, das Spiel möglichst rasch mit eigenen Aktionen zu prägen, war von Beginn an spürbar, Präzision und Tempo ließen aber noch deutlich zu wünschen übrig. Die Jenaer Offensivaktionen der Anfangsviertelstunde endeten recht harmlos bei Allagui (3.), Hansen (5.), Sven Günther (7.), und Kandelaki (8.). Etwas mehr Torgefahr verströmte da Werners scharfe und halbhohe Hereingabe in Minute 12, an der Kandelaki knapp vorbei segelte. Als dann nach 15 Minuten Schied nach einer Ziegner-Ecke auf Rechts den Ball los wurde, starteten die VfL-er ihren ersten Konter und hebelten mit einem simplen Diagonalpaß unsere Abwehr komplett aus. Zum Glück trat der angespielte Osnabrücker lieber heftig in den Rasen statt zielsicher an den Ball. Doch schon im Gegenzug schien der erlösende Torjubel nahe. Wunderschön setzte Schied Allagui ein, der allein auf Berbig zusteuerte und den Ball nur noch an diesem vorbei ins Tor (oder zu seinem mitgelaufenen Paßgeber) schieben mußte.

Napoleon wurde einst ein Offizier zur Beförderung vorgeschlagen, eine lange Liste mit dessen Erfolgen lag dem Vorschlag bei. Er wolle nicht wissen was der Mann könne, sondern ob er Glück habe, gab der Franzose daraufhin zu bedenken. Allagui wäre in auf jeden Fall leer ausgegangen, denn egal ob fehlendes Können oder fehlendes Glück, da wo der Ball hin ging, durfte er niemals landen – weit vorbei im Aus! Schon 60 Sekunden später konnte der FCC sich über das 0:0 freuen. Aziz zog einen unberechtigten Freistoß von rechts scharf vors Tor, Jenas Abwehr verfolgte das alles interessiert aber regungslos und Cichon rutschte zum Glück am Leder vorbei. Dann wurde Günther in der Offensive gefoult, aber Ziege zog Werners flachen Freistoßquerpaß aus 16 Metern über das Tor. (19.) Also machten sich die Osnasen wieder über rechts auf die Socken und wieder kommt der Ball nach innen. Jetzt tummeln sich gleich zwei Gäste frei im Sechzehner, bringen den Ball aber auch nur neben das Tor. (20.) Aller guten Dinge sind drei, dachten sich die Gäste, spielten nach 23 Minuten wieder über rechts in unseren Strafraum, aber diesmal ist der Angespielte am 11-m-Punkt zu umständlich. „Jetzt reicht`s aber!“, dachte sich da Marcel schied und zog unwiderstehlich Richtung Berbig. Jedenfalls so lange, bis er im Strafraum zu Fall kommt und Kircher weiterspielen läßt. (24.) Also startet der Vfl wieder einen Angriff über rechts, Flanke, Kopfballablage und schon steht Hennings frei. Hennings köpft – die Querlatte rettet. Kurz darauf wird erst ein Zuspiel auf den erneut in der Offensive auftauchenden Günther von Berbig abgelaufen und gleich danach geht Schied auf der linken Seite in den Gästestrafraum. Genial legt er den Ball zurück auf den freistehenden Hansen. Der holt aus, trifft den Ball wunderbar 8 Meter vorm Tor – doch der knallt nur an die Lattenunterkante und springt zurück in’s Spiel. Wer noch welche hat, rauft sich die Haare! „Dann eben anders“, sagt sich Kandelaki und schickt Allagui steil. Der geht schnurstracks in den 16-er, setzt sich durch und läßt es doch wieder an Können und Glück fehlen – vorbei. (29.) Nach 33 Minuten bestreitet Günther, über dessen Abwehrseite der VfL bis dahin nichts reißen konnte, wieder offensive Pfade. Seine perfekte Kopfballablage erreicht erneut Allagui und der Rest ist dann wie immer bisher. Dann bringt Wollitz Reichenberger, der schon seit Ewigkeiten kein Tor mehr erzielt hat und der macht sich mit einer üblen Schauspieleinlage an der Mittellinie gleich viele „Freunde“ auf den Rängen. Dumm nur, daß Kircher darauf herein fällt. (36.) Beim klaren Foul an Allagui, 18 Meter vor dem Tor, in Minute 38 hingegen wartet Kircher ewig, bis er dann doch noch pfeift. Den scharfen Freistoß kann Berbig nur abklatschen, aber Allagui kommt an den Ball nicht ran. In den restlichen Minuten pfeift dann Kircher der Einfachheit halber immer für die Gäste, gibt Müller, als der klar den Ball spielt, Gelb und nach einer Flanke des erneut offensiven Günther sind 45 Minuten um.

Warum dieses Spiel zur Halbzeit noch 0:0 stand, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Fehlendes Können und fehlendes Glück wechselten jedenfalls einander ab. Es war zwischenzeitlich ein echt spannendes, bisweilen sogar packendes Zweitligaspiel, das zunehmend auch emotionaler geführt wurde. Nur hätte eben ein 5:3 besser gepaßt als ein torloses Remis.

Der Torschütze zum 1:0 - Sami Allagui

Die 2. Halbzeit beginnt bei Sonnenschein, aber ob die Sonne ob des 5-minütigen Fehlpaßfestivals zu Beginn lachte, ist stark zu bezweifeln.

Erst eine Außenrißtflanke Hansens ist sehenswert, allerdings landet sie bei Allagui. Vielleicht geht ja was über die rechte Seite? Günther spielt einen Klassepaß auf Schied, der geht zur Grundlinie – schwächelt aber bei der Flanke. (53.) Das Spiel hat jetzt zunächst mal an Tempo verloren, es geht ruhiger zu vor beiden Toren. Dennoch, die nächste gute Chance hat Werner, als er eine Ziegner-Flanke, rechts im Strafraum lauernd, einfach mal direkt auf das Tor zieht. (58.) Knapp düst die Kugel am langen Pfosten vorbei. Eine Stunde ist gespielt und auf der Tribüne werden immer mehr Äußerungen laut, Bürger möge endlich wechseln. Torghelle heißt für viele das Zauberwort. Dann wird 40 Meter vor dem Tor Allagui gefoult. Ziegners Freistoß können die Osnabrücker nur zur Ecke klären. Werner macht das jetzt. Die Ecke kommt gut in den Berbig-Strafraum. Allagui steht 5 Meter vor dem Osnabrücker Tor. Mit dem Fuß kann er diesmal nicht verziehen, der Ball ist zu hoch. Allagui nimmt also den Kopf. Allagui trifft den Ball genau. Allagui vereint Können mit Glück – der Ball geht durch Berbigs Beine. Allagui macht das TOOOOR! 1:0! (61.)

Was dann passiert, will man gar nicht glauben. Es wird ein immer wiederkehrendes Rätsel dieser Jenaer Mannschaft 2007/08 bleiben. Wie gelähmt wirken die Führenden, verkriechen sich am eigenen Strafraum und scheinen völlig vergessen zu haben, wie man ein Spiel beruhigt oder den Ball einfach mal nach vorne oder in’s Aus schlägt. Die ersten beiden Angriffe der Gäste überstehen wir mit Glück. Dann tritt Thomik von rechts an den Ball. Flanke? Torschuß? Verlegenheitsaktion? Erweiß es wohl selbst nicht. Kann ihm auch egal sein, denn wie aus dem Nichts steht da Reichenberger im Weg. Erberührt den Ball nur kurz mit dem Kopf und während Vasili K. auf dem Weg in die andere Ecke ist, zappelt der Ball im Netz zum 1:1. (65.) Auf der Tribüne, die eben noch enthusiastisch das eigene Team feierte, herrschte plötzlich eine Stille, als sei man tatsächlich auf einer „Feier“ der Berliner Firma Grieneisen. Jena versucht sich neu zu sortieren und Bürger bringt (für viele überraschend) zunächst Oniani für Günther und kurz danach den vielstimmig geforderten Torghelle für Schied. Beide Teams gönnen sich eine kurze Pause bis dann der VfL munter vor unserem Strafraum kombinieren kann und sich Vasili k. mal wieder als sicherer Torwächter erweisen muß. Nach 80 Minuten passiert Oniani dann daß, was Günther zu verhindern wußte, er wird locker überlaufen. Die Hereingabe kommt prompt zu Hennings und wäre der etwas cleverer gewesen … So aber ist Vasili K. blitzschnell am Boden und rettet das Remis. Die Unseren nehmen jetzt den Kampf an, allein es fehlt an System und Genauigkeit. Gefährliche Aktionen gibt es nur sporadisch, auch wenn Bürger mit Petersen (zu spät?) einen weiteren Stürmer gebracht hat. Dazu kommt, daß man sich Zuspiele auf Torghelle eigentlich schenken kann, Kircher pfeift ihm rigoros jeden Zweikampf ab. Nur Fouls an Torghelle (z. B. 89.) bleiben ungeahndet. Dennoch, alles (zumindest für heute) hätte gut werden können. Als Maul sich auch noch in das Sturmspiel einschaltete, kam doch noch ein weiter Schlag zu Allagui. Wieder ist er mit dem Kopf zur Stelle. Herrlich hebt er den Ball über Berbig. Langsam gleitet das Spielgerät auf den langen Pfosten zu. Petersen rauscht heran, hat aber nicht den Mut (oder das Geschick) mit dem Kopf voran pfostenwärts zu hechten, versucht es mit lieber mit einem Ausfallschritt. Schade, falsche Entscheidung.

Es beginnt die Nachspielzeit. Ziegner flankt, Berbig ist unsicher und nur mit Glück befördern die Gäste den Ball aus der gefährdeten Zone. Als dann die Gäste zum vielleicht alles entscheidenden Konter ansetzen, ist Ziegner plötzlich der letzte Mann. Ein Griff, ein Pfiff – Rot! Freistoß von der Strafraumlinie, die Mauer steht und klärt – Schluß.

Was bleibt? Der FCC kann auch ohne Jan Simak zahlreiche Torchancen herausspielen. Diese zu nutzen, bedarf es Können und Glück im Angriff. Und wenn Du das in einem solchen Spiel (trotz zahlreicher Gelegenheiten) genau einmal schaffst, dann mußt du es auch festhalten, mit allen Mitteln. Wir können das (wohl) nicht …

Gerne heißt es am Ende solcher Spiele, sie würden Spuren hinterlassen. Das traf heute zu. Ein ansonsten stets korrekter, ruhiger und besonnener FCC-Fan sah, als ich ihn traf, am Ende arg mitgenommen aus. Nicht nur vom Spiel, auch wegen seines Durstes. Am Dienstag aber, will er wieder fit sein. Zum Feiern. Beim Auswärtssieg in Aue!

AUSWÄRTSSIEG!

YNWA

Kopfnuss