1952/1953 25. Spieltag: BSG Motor Jena - BSG Turbine Erfurt 1:0

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 25. Spieltag
Saison Saison 1952/1953, Rückrunde
Ansetzung BSG Motor Jena - BSG Turbine Erfurt
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 22.02.1953 15:00 Uhr
Zuschauer 20.000
Schiedsrichter Erich Franke (Jahnsdorf)
Ergebnis 1:0 (1:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Rolf Jahn
Harry Heiner, Bernhard Schipphorst
Georg Buschner, Karl Oehler, Wolfgang Fischer
Gerhard Gödecke, Hans Ziehn, Siegfried Woitzat, Gerhard Frank, Karl Schnieke

Trainer: Bernhard Schipphorst

Erfurt
Heinz Grünbeck
Wilhelm Hoffmeyer, Hans Machts
Jochen Müller, Helmut Nordhaus, Georg Rosbigalle
Rudi Hermsdorf, Heinz Hammer, Siegried Vollrath, Wolfgang Nitsche, Erich Martin

Trainer: Hans Carl

Spielbericht

Nach 11 Minuten war alles entschieden

Der Kampf der beiden Thüringer Lokalrivalen hatte in Jena starke Resonanz gefunden. Obwohl von allen Spielern mit härtesten Einsatz gekämpft wurde, blieb das Geschehen auf dem Spielfeld stets in sportlichen Grenzen. Diese Feststellung müssen wir treffen, selbst wenn es einige unverbesserliche Schreier anders gesehen haben wollen. Im Spiel der Reservemannschaften spielte erstmalig nach seiner schweren Verletzung Waldi Neuendorf wieder mit gutem Erfolg und es kann durchaus damit gerechnet werden, daß der sympathische Sportsmann bald wieder in die erste Mannschaft zurückkehrt.

Im Jenaer Stadion schien sich die über dem Spiel liegende Atmosphäre bereits in der 2. Minute zu entladen, als Schnieke nach einem ungewollten Foulspiel von Müller verletzt vom Platz getragen werden mußte. Zum Glück aber war die Verletzung ungefährlich, so daß der Auswahlspieler schon nach 8 Minuten wieder mitwirken konnte. Die Masse war schnell wieder beruhigt, als Schnieke kurz nach seinem Wiedereintritt Ziehn die Vorlage zum einzigen Tor meisterhaft über Nordhaus hob und auch weiterhin der Regisseur des Jenaer Angriffsspieles blieb.

Beide Mannschaften waren bemüht, einen technisch auf guter Stufe stehenden Fußball vorzuführen. Das kann man vor allem von der Jenaer Mannschaft behaupten, die sich in der 1. Halbzeit ständig einen leichten Feldvorteil erkämpfte. Und hätte nicht Turbine in Grünbeck einen so aufmerksamen Torhüter zwischen den Pfosten gehabt, so wäre der Torvorsprung der Gastgeber bestimmt höher ausgefallen. Aber auch die Erfurter Abwehr mit Nordhaus im Zentrum, Jochen Müller und dem unerschütterlichen Strategen Machts verstand es, ihren Strafraum abzuschirmen. Daß sich dieses Bild in der 1. Hälfte der 2. Halbzeit grundlegend änderte, lag wohl an der taktischen Einstellung der Motor-Elf, die beide Halbstürmer zurückzog und damit zunächst der Turbine-Elf das Mittelfeld freigab. Aber obwohl Müller, Nordhaus und Rosbigalle ihren Sturm mit Vorlagen fütterten und teilweise selbst mit in den Angriff aufrückten, gelang es ihnen nicht, die über sich hinauswachsende Motor-Abwehr zu bezwingen. Selbst die größte Chance des Spiels konnte Hammer nicht auswerten, da ihm Schipphorst im letzten Moment das Leder vom Fuß schlagen konnte.

Erst in der Schlußphase setzte Jena nochmals zum energischen Endspurt an, und dabei ging es Schnieke nicht besser als vorher Hammer, als er 10 Meter vor Grünbeck stehend den Ball über den Balken schoß. Kritisch ist zu sagen, daß die Turbine Elf mit ihrer hervorragenden Läuferreihe wohl ein für das Auge schön anzusehendes Feldspiel mit genauen langgezogenen Pässen vorführte, aber die Stürmer verstanden es nicht, diese in Erfolge umzusetzen. Erstaunlich war die Beweglichkeit des 41jährigen Machts, der dem schnellen Rechtsaußen Gödecke wenig Spielraum ließ. Im Sturm blieb auch der Wechsel zwischen Hermsdorf und Hammer ohne Erfolg. Bei Jena war Jahn im Tor durchaus sicher. Einige gefährliche Freistösse und Weitschüsse von Jochen Müller wurden von ihm reaktionsschnell gemeistert. Auch bei Jena war der älteste Spieler Schipphorst in hervorragender Form.

(Fritz Hillmer in "Die Neue Fußballwoche" vom 24. Februar 1953)