1987/1988 06. Spieltag: BFC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena 5:0

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 6. Spieltag
Saison Saison 1987/1988, Hinrunde
Ansetzung BFC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena
Ort Jahn-Sportpark in Berlin
Zeit Mi. 09.09.1987 20:00 Uhr
Zuschauer 6.000
Schiedsrichter Dr. Klaus Scheurell
(Wusterhausen)
Ergebnis 5:0
Tore
  • 1:0 Thom (21.)
  • 2:0 Thom (52.)
  • 3:0 Thom (57.)
  • 4:0 Ernst (60.)
  • 5:0 Pastor (73.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Berlin
Bodo Rudwaleit
Frank Rohde
Waldemar Ksienzyk, Andreas Belka, Marco Köller
Michael Schulz, Rainer Ernst, Eike Küttner
Thomas Doll (66. Frank Pastor), Peter Kaehlitz (66. Peter Kählitz), Andreas Thom

Trainer: Jürgen Bogs

Jena
Perry Bräutigam
Heiko PeschkeGelbe Karte.gif
Ronald Szepanski, Thomas Ludwig, Wolfgang Schilling
Michael Stolz, Stefan Meixner, Mario Röser, Bernd Lindrath
Stefan Böger, Jürgen Raab (61. Jörg Burow)

Trainer: Lothar Kurbjuweit


Spielbericht

Dynamo mit Jenaer Tugenden

Lothar Kurbjuweit nahm die bisher höchste Niederlage in seiner noch jungen Trainerlaufbahn mit Fassung und mit einem Spritzer Humor auf. "Eines wenigstens haben wir geschafft, nämlich den Meister psychisch gut vorbereitet an den EC-Start zu schicken", bemerkte der Jenaer "Chef". Seine Mannen aber, über die im zweiten Abschnitt förmlich ein BFC-Unwetter hereinbrach, zogen konsterniert, bereits das 15. Jahr in Folge sieglos heimwärts, denn so chancenlos wie diesmal waren sie wohl noch nie! "Die technisch-individuellen Vorteile der Dynamos mußte man von vornherein in Rechnung stellen, aber sie erteilten uns auch im Zweikampfverhalten, im Durchsetzungsvermögen, einst unsere Stärken, eine Lehrstunde", gestand Jürgen Raab, dem eine Achillessehnenverletzung ein vorzeitiges Stopp setzte. Mit ihm verloren die Jenaer ihren letzten Halt und die letzten Reste ihres taktischen Konzepts, das ohnehin auf Sand gebaut war.

Die mannbezogene Variante gegen den überragenden Thom (Schilling), gegen Doll (Szepanski) und Ernst (Röser), die zuvor auch andere vergeblich versuchten, bekam nach dem Duett Thom-Ernst-Thom, der freigespielt aus vollem Lauf verwandelte, den ersten Sprung. Der folgende Doppelschlag Thoms ließ sie wie eine Seifenblase zerplatzen. "Danach gelang dem Meister praktisch alles, uns aber so gut wie nichts", urteilte Jenas Trainerassistent Jürgen Werner eingedenk der Hilflosigkeit, die sich später bei den Gästen breitmachte. Nur anfangs, "als wir zu langatmig, zu fehlerhaft aus der Abwehr aufbauten", so Frank Rohde, vermochten sich die Thüringer dem BFC entgegenzustemmen, ihn zu beschäftigen. Ernsthaft herauszufordern, gelang ihnen auch da nicht, angesichts bescheidener Angriffsbemühungen, fehlender Dynamik und Schärfe aus dem Mittelfeld heraus.

Jürgen Bogs, der anfangs Backs und Pastor auf der Bank ließ, B. Schulz eine Pause einräumte, registrierte mit Freude "den guten Fitneßzustand der Mannschaft, die energisch-bissig im Block zu stören verstand, über eine erfolgreiche Zweikampfführung zu Spielsicherheit und zu zwingenden Aktionen fand". Ansteigende Form wiesen Küttner und M. Schulz nach. Ksienzyk wie Köller, der noch sicherer im Abspiel werden muß, gelangen gute Vorstöße über die Flügel. Ernst wiederum krönte seine Regieleistung mit einem Prachtschuß ins linke Dreiangel. Dank der Umsicht Rohdes, der nichts anbrennen ließ, verlebte Bodo Rudwaleit, das 200. Punktspiel in Folge zwischen den Pfosten stehend, einen ausnehmend ruhigen Flutlichtabend. Die Frage aber: War der Meister so gut oder Jena so schwach? Sie dürfte am Mittwoch im EC bei Bordeaux mitbeantwortet werden können!

(Klaus Thiemann in "Die Neue Fussballwoche" vom 15. September 1987)