2002/2003 30. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - OFC Neugersdorf 0:1

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 30.Spieltag
Saison Saison 2002/2003, Rückrunde
Ansetzung FCC - OFC Neugersdorf
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 04.05.03 14:00 Uhr
Zuschauer 2.481
Schiedsrichter Simon (Schkopau)
Ergebnis 0:1
Tore
  • 0:1 Bering (69.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Tino Berbig
Olaf Holetschek
Markus Grasser, Joachim Schwabe
Kais Manai (64. Steven Sonnenberg), Stefan Treitl, Dirk Hempel (58. Mirko Burgdorf), Jan Zimmermann (74. Jörg Nowotny), Alexander Maul
Miroslav Jovic, Carsten Klee

Trainer: Joachim Steffens


Neugersdorf
Barta
Maglica
Ladra, Winkler, Hecht
Studeny, Sigan (67. Haasler), Thomas, Israel (84. Neumann)
Miltzow, Bering

Trainer: Schulz


Spielberichte

(von Jens und Traudel)

Knapp 2500 Zuschauer pilgerten bei wunderbarem Fußballwetter ins Ernst-Abbe-Sportfeld, um dem nächsten Schritt in Richtung Relegation beizuwohnen. Wie auch ich, hatten viele von der besten Saisonleistung am vergangenen Mittwoch in Cottbus nur gehört und waren nun auf eine Fortsetzung gespannt. Die finanzielle Situation des Vereins entwickelte sich bis jetzt auch sehr positiv und die 130.000 Euro, die zum tilgen der Altschulden bis Montag notwendig sind, sind in greifbare Nähe gerückt. Vor dem Spiel wurde noch die Sammelbüchse unter den Fans herumgereicht, was noch einmal 650 Euro einbrachte. Die Zahl der Neumitglieder, die während der Aktion "Willkommen im Club" bis jetzt geworben werden konnten, liegt inzwischen bei sensationellen 80. Zusammen mit den zwei Punkten Vorsprung also beste Vorrausetzungen für einen perfekten 100. Geburtstag in drei Wochen. Es fehlt nur noch das sportliche I-Tüpfelchen.

Und gerade dies, schien der Mannschaft heute nie bewusst zu sein. Statt der alten Weisheit "Der nächste Gegner ist immer der Stärkste!" zu folgen, wähnte sie sich durch die Situation und wohl auch durch die Worte des Präsidenten nach dem Cottbusspiel zu sehr in Sicherheit (Herr Zipfel hatte zu unseren beiden kommenden Gegnern gesagt: "Ich will nicht überheblich klingen, aber große Angst muss man vor den Gothaern nicht haben." und zu Neugersdorf: "Ich erwarte nicht nur einen normalen Sieg, sondern einen klaren."). Neugersdorf, noch mit leichten Abstiegssorgen nach Jena gereist, spielte von Beginn an mit und beschränkte sich keineswegs auf reine Abwehrarbeit. Nach einem Fehler von Hempel konnte der Gast nach fünf Minuten auch die erste Chance im Spiel verbuchen, der Schuss von Maglica strich am langen Eck vorbei und nur eine Minute später gab es gleich die nächste Schusschance für den OFC. Danach begann zwar Jena das Spiel zu kontrollieren und die Gäste kamen nur noch selten aus ihrer eignen Hälfte heraus, gefährliche Situationen konnte der FCC dadurch aber nicht erzwingen. In der Regel kam beim Abschluss ein Jenaer einen Schritt zu spät oder ein Neugersdorfer Spieler konnte zu einem der unzähligen Eckbälle klären. Dazwischen lagen aber auch immer wieder gefährliche Konter der Gäste, wie in der 10.Minute, als Miltzow nach einem Fehler von Holetschek allein auf Berbig zuläuft, dieser aber klären kann. Den besten Jenaer Angriff in der ersten Halbzeit leitete nach einer viertel Stunde Klee ein, als er auf rechts Manai bediente, dieser nach links zu Maul passte, dessen Flanke von Treitl per Kopf schön in die Mitte des Strafraums gebracht wurde, doch Jovic schnappte dem besser postierten Manai den Ball weg und Barta konnte klären. Auf den Rängen beruhigte man sich, dass es trotz des unansehnlichen Ballgeschiebes doch letztendlich nur eine Frage der Zeit sein wird, bis der FCC den Ball ins Tor wurschteln wird. Außer einem Drehschuss von Klee (25.), der zur Ecke abgewehrt wird und einem Kopfball von Grasser knapp über das Tor nach Vorlage von Treitl (39.) hatte Jena allerdings keine Gelegenheit, die den Torschrei provoziert hätte. Gefährlicher waren da die Chancen für Neugersdorf. Nach einem erneuten Patzer von Holetschek stand Behring alleine vor Berbig (25.), doch der Stürmer der Gäste legte sich den Ball etwas zu weit vor. In der 28. Minute konnte Berbig einen Schuss gerade noch aus dem linken oberen Toreck kratzen. Hier hatte der ansonsten ganz ordentlich pfeifende Schiedsrichter allerdings übersehen (?), dass Manai schon eine Weile angeschlagen im Jenaer Strafraum lag. Und nur zwei Minuten später kann Grasser gegen den erneut freistehenden Behring gerade noch zur Ecke klären.

Die zweite Halbzeit begannen die Jenaer dann druckvoller, allerdings fehlte es an Ideen aus dem Mittelfeld und die Angriffsbemühungen verpufften in hohen Flanken, die die Gästeabwehr kaum vor Probleme stellte. Lediglich nach Standards gab es etwas mehr Gefahr. Nach einem Freistoß von Zimmermann kommt Jovic am Fünfmeterraum frei zum Schuss (54.), doch Barta kann im Nachsetzen klären und Grasser köpft eine Ecke von Zimmermann völlig unbedrängt (Barta hatte den Ball unterschätzt) neben das leere Tor (60.). Nach 69. Minuten leistete sich Holetschek seinen dritten groben Schnitzer im Spiel, als er eine weite Flanke unterschätzte. Diesmal ließ sich Behring die Gelegenheit nicht entgehen und schob den Ball aus 14 Metern unter Berbig zur Gästeführung ins Tor. Dieser Gegenschlag hatte gesessen. Bildlich gesprochen taumelte Jena danach nur noch über den Rasen. Irgendwie war zwar zu spüren, dass die Mannschaft das Spiel noch wenden wollte, allerdings war es erschreckend zu sehen, wie unbeholfen und planlos dies versucht wurde. Es gab während der verbleibenden 20 Minuten keine einzige hochkarätige Chance! Zu allem Überfluss übersah der Schiedsrichter in der 75. Minute, dass der eingewechselte Burgdorf nur dank guter Stoffqualität sein Trikot anbehielt. Er wurde zu Boden gerissen, doch der fällige Elfmeterpfiff blieb aus. Es wäre wohl nur eine solche Gelegenheit gewesen, die Jena an diesem Tag zu einem Tor hätte nutzen können. Lediglich Jovic und Zimmermann erreichten heute Normalform. Die Auswechslung von Letzterem bleibt das Geheimnis von Trainer Steffens.

Eine aussichtsreiche sportliche Position wurde leichtfertig verspielt und ich mag jetzt nicht daran denken, wie sich all die Helfer und Spender, die die oben beschriebenen Vorraussetzungen im Umfeld geschaffen haben, heute Abend fühlen. Die Mannschaft ist dadurch jetzt im doppelten Zugzwang, sich für das heutige Auftreten zu entschuldigen - nicht durch Worte sondern vier konzentriert herausgespielte Siege. Wir sind nun wieder in der Situation, dass wir nur abwarten müssen, ob dies reicht.

--Jens 00:10, 23. Sep 2006 (CEST)


Jena gegen Neugersdorf - der designierte Staffelsieger, der sich unter der Woche in Cottbus noch wie ein Aufsteiger präsentierte - gegen die Punktelieferanten aus der vermeintlichen Fußballdiaspora......
Die Sonne scheint, der FCC feiert bald das 100-Jährige und am Montag wird verkündet, dass der FCC schuldenfrei ist. Herz was willst Du mehr!? Drei Punkte gegen Neugersdorf - ein Kinderspiel....
Jena beginnt, als würde man hoffen, dass die Tore einem zufallen. Schließlich hat man schon ganz andere Gegner geknackt. Das wird schon... Doch die Zeit verrinnt. Der Zeiger auf der Uhr rast, während Jenas Kicker in Lethargie und Ideenlosigkeit versinken. Torlos geht es in die Kabine. Hastig und erleichtert wird einem im Stadion zugeraunt, dass es in Chemnitz, wo der mit um den Aufstieg buhlende FC Sachsen spielt, ebenfalls noch torlos steht. Herrlich! Der Fußballgott meint es gut mit uns. Selbstsicherheit, die zur Lüge gerinnt.... Jena kommt aus der Kabine und spielt weiterhin ideenlos gegen eine kompakt stehende Truppe aus Neugersdorf. Jena im wahrsten Sinne des Wortes chancenlos. Anders Neugersdorf, die durch den einen oder anderen gefällig vorgetragenen Konter das Unmögliche versuchen. Jenas Hotsch faßt sich ein Herz und hilft David dabei, Goliath ein Bein zu stellen. 0:1! Blankes Entsetzen, Wut....
Ich schlage die Hände vors Gesicht - schlimme Ahnung, die zur Wahrheit mutierte... Es geht um - das Aufstiegsgespenst. Jena hat die Hosen voll, spielt kopflos, grottenschlecht... "Angst essen Seele auf" - und schlimmer noch - den Staffelsieg....! Jena schafft das Unmögliche, verspielt in 90 Minuten Sympathien, Hoffnungen und vielleicht den Staffelsieg. Schafft in Spiellänge Euphorie in Enttäuschung zu verwandeln. Eine Jenaer Tugend.... Die Flyer, die noch vor Spielbeginn verteilt wurden und von der heranrückenden 100-Jahrfeier kündeten, liegen achtlos am Boden, weggeworfen von Enttäuschten, mit Füßen getreten. So wie die Seele des unsterblichen FCC-Fans. Ein Satz, der dem Autor dieser Zeilen ewig in Erinnerung bleiben wird, ausgesprochen von einem kopfschüttelnden Jenaer Fan 1988 zum verschobenen FDGB-Pokalfinale in Berlin - "Immer feiern nur die anderen. Immer nur die anderen...!" Gelächelt hat das Greenhorn - über einen Satz, der zum treuen Begleiter der letzten Jahre geworden ist. Der FCC geißelt uns und ist dabei perfide - nein, nicht, dass er uns ständig enttäuscht, uns nie Freude bereitet - aber wenn es darauf ankommt, wenn es darauf ankommt.....
Den am Boden liegenden wird durch die Kunde des Leipziger Siegtores in Chemnitz auch der letzte Nerv gezogen. Weiter so, immer drauf..... Man nimmt sich vor, sich einzugraben, sich dem Internet, der Zeitung, dem Videotext und Fernsehen zu verweigern. Man will nicht noch von anderen hören und sehen, was man selbst am besten weiß - wir sind einfach zu blöd!! Die ganze Liga lacht sich schlapp - wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.... Am Fanhaus keine Randale, keine brennenden Schals, keine Tränen. Jena-Fans - geübte Loser, faire Verlierer, aufrechte Underdogs. Eine Schachtel Faustan und eine Pulle Schnaps - die Reiseapotheke der Schmerzperversen...
"Fährst Du nach Gotha?" werde ich gefragt. "Mal sehen. Muss drüber schlafen", entgegne ich, um nach dem nächsten Bier meine Teilnahme zu bestätigen - getrieben von der Irrationalität eines Fans und der unverwüstlichen Hoffnung, dass irgendwann WIR feiern..... Sicher

--Traudel

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