2005/2006 35. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - Kickers Emden 2:0

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Spieldaten
Wettbewerb Regionalliga, 35. Spieltag
Saison 2005/2006, Rückrunde
Ansetzung FCC - Kickers Emden
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 06.05.2006, 14:00 Uhr
Zuschauer 6.351
Schiedsrichter Kuhl (Köln)
Ergebnis 2:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger HasseGelbe Karte.gif, Toni Wachsmuth
Tobias Werner (60. Krzysztof Kowalik), Ronny Thielemann, Stefan Kühne (46. Daniel Zaccanti), Torsten ZiegnerGelbe Karte.gif, Kevin Schlitte
Mark Zimmermann, Sebastian Hähnge (86. Maik Kunze)

Trainer: Heiko Weber


Emden
Hoffmeister
Gerster, Kniat, Spanic, Gundelach
Glöden, Nägelein (Gelbrote Karte.gif, 79.), Schindler (76. Stahlberg), Unger
Crgic (87. van Buskirk), CannizarroGelbe Karte.gif (85. Siedschlag)

Trainer: Marc Fascher

Spielbericht

Die charakterliche Stärke des Jenaer Publikums ist bewundernswert! Wo, bitte schön, gibt es sonst noch solche Fans, die sich nicht korrumpieren lassen durch einen Offenen Brief der Mannschaft? Wo gibt es Fans, die sich nicht blenden lassen vom zweiten Tabellenplatz und einer Serie von 12 ungeschlagenen Spielen? Wo gibt es Fans, denen man nicht Salz in die Augen streuen kann durch drei Derbysiege? Nur in Jena! Dort bleibt das Stadion im vorletzten Heimspiel halbleer, um der Mannschaft die verdiente Quittung zu geben für eine Saison, die nach dem 0:0 gegen die Bremer Amas vor 14 Tagen nun wirklich völlig verpfuscht ist. Darum Dank euch allen, die ihr zu Hause bliebt, im Garten buddeltet oder am Grill standet!

Die Daheimgebliebenen verpassten allerdings, wie Jena die erste Trophäe dieses Spieljahres holte und sich im Glanze des Titels „Eckenchampion der Anfangsminuten“ sonnen konnte. So beruhigend es war, zu erleben, wie der FCC von Beginn an Dampf machte, so hartnäckig hielt sich meine Befürchtung, dass es gegen die Basketballer Defense der Emder (komische Bezeichnung, man stelle sich bei dieser Schreibweise mal vor, wie die Bewohner Köthens dann heißen müssten) schwer werden würde, den gern gezogenen Jenaer Joker „Tore nach Standards“ ins Spiel zu bringen. Gegen die taktisch hervorragend eingestellten und ungemein diszipliniert agierenden Kickers würde es wohl nur durch Einzelaktionen gelingen, erfolgreich zu sein, und prompt ging das erste Raunen durchs Stadion, als Hähnge seinen Gegenspieler ins Leere laufen ließ und einfach mal von der Strafraumgrenze abdrückte.

Dann blieb es lange ruhig im Rund, denn Jena verlor den Faden und spielte so, wie in den Heimpartien zu Anfang der Saison: Berechenbar, unkonzentriert und das Flügelspiel vernachlässigend. Als man dann doch mal über die Seite kam, wurde es auch gleich gefährlich. Genauer gesagt, es hätte gefährlich werden können, als Ziegner in den Strafraum eindrang und nach einem Zweikampf zu Boden sank, den Dackelblick auf den Schiri gerichtet, ob dieser denn nicht pfeifen möge. Doch die Reaktion des besagten Herrn war eine andere: Er gab Gelb für unseren Kapitän, worauf ich Ziegner einen Toren schalt, nicht nur, weil er nach dieser offenkundigen Schwalbe für Lübeck gesperrt sein würde sondern weil Elfmeter bei Jena nun weiß Gott keinen Einsatz Wert sind, für den es sich zu schinden lohne.

Damit tat ich Ziege bittres Unrecht, denn die Fernsehbilder zeigten später, dass da in der Tat ein Emder Beinchen unserem Käpten im Strafraum im Wege stand. Aber vielleicht hatte diese Fehlentscheidung des ansonsten sehr aufmerksamen Schiris auch ein Gutes, denn jetzt spielte Ziegner so wie Ballack bei der letzten WM gegen Südkorea; noch engagierter, mit Wut im Bauch. Leider aber auch oft ohne Köpfchen, denn häufig wollte er mit dem Schädel durch die Wand; und die war von den Kickers gut gemauert. So ergaben sich bis zur Halbzeit keine Chancen mehr für eine Jenaer Mannschaft, bei der man das Gefühl hatte, es fehle an jener Lockerheit der Spiele vor einigen Wochen, als der FCC nur etwas zu gewinnen, aber nicht einen Sechspunkte-Vorsprung zu verlieren hatte.

Nach der Pause erhöhte Heiko Weber das Risiko und brachte Zaccanti für den defensiven Mittelfeldmann Kühne. Mit dem Argentinier kam ein erfrischender Zug von Spielwitz in die Jenaer Offensive, fast ein Hauch von Eleganz. Nur leider schleppte Miss Eleganz auch ihre ungeratene Zwillingsschwester Schlamperlieschen mit aufs Feld, deren Musenkuss Zaccanti in der 47. Minute wohl streifte, als unser Edeljoker eine flache Hereingabe Ziegners nicht in die Maschen sondern die Arme des Gästetorwarts lenkte. Diese Szene hätte einen Fan verzweifeln lassen können, nicht aber unseren Kapitän, für den Resignation an diesem Tag ein Fremdwort war. Schon lange quasi als Stürmer in vorderster Front stehend, machte sich Ziegner daran, es zur Not mit der halben Kickers Elf allein aufzunehmen. Er wühlte und rackerte und balancierte dabei auf dem schmalen Grat zwischen Eigensinn und Genialität.

Und er gab nicht auf, mochte er noch so oft gegen die Emder Mauer gerannt sein. In der 69. Minute lief er wieder an, sich die nächste Beule zu holen. Doch diesmal ließ er drei Emder tatsächlich im Strafraum stehen, rannte zur Grundlinie durch und flankte dann gerade noch rechtzeitig, bevor in meiner Nachbarschaft das Gemecker einsetzte, wie blöde der Ziegner eigentlich sein müsse, dass er mit dem Ball am Fuß ins Aus rennt. Keinen ganzen Meter mehr vor der Grundlinie stehend drosch Ziege das Leder scharf in die Mitte und da Miss Schlamperlieschen wohl grad den Emder Verteidigern schöne Augen machte, ließen die Zaccanti im Fünfmeterraum unbeachtet gewähren, worauf der nur noch ins Netz abtropfen lassen musste. Das Spiel hatte seine Helden.

Doch noch war es nicht aus. Ungeachtet der knappen Führung hatte ich allerdings das Gefühl, dass hier nichts mehr anbrennen würde, denn so hervorragend die Kickers Defensive bis zur Jenaer Führung stand, so enttäuschend waren die Angriffskünste der Gäste. Nur eine einzige gute, von Cannizzaro leichtfertig vergebene Chance aus der ersten Hälfte gab es zu vermelden, ansonsten drohte kaum, die nun seit fast 10 Stunden bei Jena hinten stehende Null könnte in Gefahr geraten. Die wieder neu formierte Abwehr war stabil, wenn die Emder überhaupt so weit vorstießen und nicht schon im Mittelfeld die Bälle verloren, so wie Oliver Glöden, der die Erfahrung machen musste, dass Größe allein nicht alles ist, da ihm die zwei Hobbits Thiele und Zimme mal um mal die Bälle abliefen.

So sah ich denn gelassen dem Schlusspfiff entgegen und blieb sogar ruhig, als Zimme in der 81. einen Riesen vergab, nachdem der Pass wieder mal von Torsten Ziegner kam. Der machte sich zwei Minuten nach dieser Chance abermals in Richtung Gästetor auf den Weg, behauptete den Ball in der eigenen Hälfte, lief ein paar Meter, legte rechts raus auf Hähnge, um dann in Richtung Strafraum zu sprinten in der Erwartung einer Flanke unseres Goalgetters. Hähnge legte sich den Ball nochmal um, schien fast zu straucheln, doch dann segelte der Ball in den Fünfmeterraum, wo Ziege ganz tief abtauchte und das Leder aus Nahdistanz mit dem Kopf in die Maschen drosch. Perfekt! Ein Genuss und das letzte Stückchen fehlende Gewissheit, dass es wirklich nur noch 4 Punkte sind, die der FCC braucht, um definitiv in der kommenden Saison gegen Köln, Hansa und 1860 zu spielen.

Diese fehlenden Punkte wird man holen, da bin ich nach diesem Spiel optimistischer als je zuvor. Vielleicht noch nicht in Lübeck, wo auch eine Niederlage möglich ist und verkraftet werden kann. Aber gegen Düsseldorf und Oberhausen, wo Jena hoffentlich wieder mit voller Kapelle spielt. Und selbst wenn das noch mehr Mühe kosten sollte, als man jetzt erwartet: Es wird gelingen! Jena muss nicht auf Adlersschwingen in der zweiten Liga landen, mir reicht es schon, wenn wir auf Spatzenfüßen über die Ziellinie hopsen.

In diesem Sinne: Auf an die Ostsee!

--Al Knutone 19:05, 7. Mai 2006