2007/2008 DFB-Pokal Achtelfinale: FC Carl Zeiss Jena - DSC Arminia Bielefeld 2:1 n.V.

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Spieldaten
Wettbewerb DFB-Pokal, Achtelfinale
Saison Saison 2007/2008
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - DSC Arminia Bielefeld
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 30.01.08 19:00 Uhr
Zuschauer 14080
Schiedsrichter Peter Sippel (München)
Ergebnis 2:1 n. V.
Tore
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Vasili Khamutouski‎
Sven Günther (120. Marco Riemer), Alexander Maul, Darlington Omodiagbe, Michael Stegmayer
Patrick Amrhein (70. Sami Allagui, 101. Rote Karte.gif), Naoya Kikuchi, Tobias Werner
Jan Šimák
Nils Petersen (87. Stefan Kühne), Marcel Schied

Trainer: Henning Bürger

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Bielefeld
Mathias Hain
Oliver Kirch, André Mijatovic (106. Bernd Korzynietz), Petr Gabriel Gelbe Karte.gif, Markus Schuler
Rüdiger Kauf, Radim Kucera
Jonas Kamper (105. Gelbrote Karte.gif), Siyabonga Nkosi (82. David Kobylik), Jörg Böhme (79. Thorben Marx)
Artur Wichniarek

Trainer: Michael Frontzeck

Spielbericht

Weiter zittern!
Der FCC kämpft auch Arminia Bielefeld aus dem Pokal – wer ist der Nächste?

Gut gemeint hatte es der Spielplan mit dem FCC. Bevor am kommenden Montag das äußerst schwierige „Unternehmen Klassenerhalt“ hoffentlich erfolgreich seinen Beginn nehmen soll (und wohl auch wird), hatten die Glorreichen heute die Chance, mit einem couragierten und beherzten Auftritt gegen Arminia Bielefeld bitter benötigtes Selbstvertrauen zu tanken. Was auch immer man als FCC-Fan an dieses Match für Erwartungen gehabt haben mag, am Ende der 120-minütigen Dauerregenschlacht dürften sie wohl übertroffen worden sein. Völlig verdient wurden die Erstliga-Gäste erst bekämpft, dann auch Dank spielerischer Mittel besiegt und alsbald dahin zurückgeschickt, woher sie angereist waren – in den Wald. Recht so! Wenn am Wochenende Kugeln rollen, dürfen die verbliebenen Erstligisten weiter zittern – das Los mit der stolzen Aufschrift „FC Carl Zeiss Jena“ wartet schon!

Schon lange vor dem Anpfiff waren auf Jenas Stadionparkplatz die Plätze knapp, auch weil sich eine farblich wunderschön herausgeputzte Zugmaschine dort seit dem Mittag ihr Plätzchen gesucht hatte. Als die Flutlichter das EAS in erhabenes Pokal-Fieber-Licht tauchten, schien dieses Virus auch auf so manchen FCC-Fan übergegriffen zu haben. Einer meiner Begleiter erklärte seiner Gattin immerhin sehr ernsthaft per Telefon, dass es ja eventuell auch eine 2 x 30-minütige Verlängerung geben könne … Naja, der Pokal hat wohl doch seine ganz eigenen Gesetze.

Wenige Minuten vor Spielbeginn dann noch ein ganz besonderer Moment. Till Noack, bis vor wenigen Wochen noch Aufsichtsratsvorsitzender des FCC, erfuhr den ihm zustehenden Dank von den Rängen und die Eherenmitgliedschaft des FCC durch dessen Präsidenten. Alles Gute, Till Noack!

Das unvermeidliche Kribbeln in der Bauch- und Herzgegend nahm rapide zu und kurz vor 19:00 Uhr herrschte schon prächtige Pokalstimmung im Paradies. Da schadete es auch wenig, dass im Gästeblock statt der großmäulig angekündigten 5-600 Fans ein eher jämmerliches Häuflein von knapp 200 verirrten Seelen sein bescheidenes Dasein fristete und auch in der Folgezeit kaum zu hören oder zu sehen war. Als dann Elfmeter-Gott Alex Maul sein traditionsgestreiftes Team auf den heiligen Rasen führte, hatte dieses mit Schied, Kikuchi, Amrhein und Khomutovski ein deutlich verändertes Gesicht im Vergleich zum Jahresende.

Die Ruhmreichen übernahmen von Beginn an das Kommando auf dem glatten Rasen und heizten der Arminia gleich mal gut ein. Schon nach 2 Minuten erkämpfte Schied die erste FCC-Ecke, und dieser Standard wurde zur meist aufgeführten Übung der ersten Minuten (4 FCC-Ecken nach 4 Minuten), leider jedoch gleichbleibend harmlos. Als es dann Tobi Werner nach 6 Minuten mal auf eigene Faust versuchte und von links in den Strafraum wirbelte, konnte Hain nur mit Mühe klären. Auch wenn sich die Gäste 10 Minuten lang ausschließlich hinten rein stellten, der FCC ließ sich nicht zu Übermut verleiten und war in erster Linie um Sicherheit und Spielkontrolle bemüht, was auch bestens gelang. Nach 13 Minuten setzte dann Omo sehr klug links Stegi ein, dessen Flanke landete jedoch hinterm Tor. Nach 15 Minuten zog Simak einen Freistoß flach und gefährlich aufs Hain-Tor – wurde aber nur mit Ecke Nummer 5 belohnt. Die Arminen hatten dem couragierten Auftritt der Unseren weiterhin wenig entgegen zu setzen und nach 20 Minuten schien die Zeit reif für den blaugelbweißen Führungstreffer. Erst war Simak nicht vom Ball zu trennen, spitzelte diesen dann zu Petersen – doch Hain parierte gegen den Youngster großartig. Wieder nur Ecke und die helfen uns ja im Moment wirklich nicht weiter. Nach 26 Minuten quälen sich die offensichtlich von einem Hersteller für Autobahn-Arbeiter-Arbeitsbekleidung ausgestatteten Bielefelder mal in die Nähe unseres Strafraumes und erhalten dort einen Freistoß. Wer sonst als Böhme sollte den treten? Allerdings tut er dies saugefährlich und es bedarf schon einer weißrussischen Großtat, den Ball noch um den Pfosten zu bugsieren. Auch die sich anschließende Ecke glich eher einem Brandsatz, allerdings startete der gestreifte Löschtrupp sofort einen feinen Konter, der –klar- mit einer weiteren Ecke endet. Da Hain diesmal nicht sicher wirkt, ergibt sich eine 16-Meter- Nachschuss-Chance, die vom Jenaer Schützen aber nicht genutzt wird. Nach 29 Minuten erkämpft sich Werner links das Leder, flankt aber viel zu schwach, als dass da was anbrennen könne. Nach 31 Minuten zieht wieder mal Böhme einen Freistoß gefährlich vors Tor, dort kommt einer seiner Kameraden zum Kopfball, aber Khomutovski klärt sensationell zur Ecke und ist anschließend auch bei dieser nicht überwindbar. Und was den Bielefeldern nicht gelingt, schafft auch Omo nicht …

So ist Zeit für einen wunderbaren, direkten Spielzug der Saalestädter über links, dann kommt der Ball zum mittig postierten Petersen – der aber den Ball nicht richtig trifft. Das Spiel wird minütlich besser, nimmt immer mehr Fahrt auf. Simak spielt den Ball wunderbar parallel zur Sechzehner-Linie und Günther lässt es krachen, allerdings knapp vorbei. (35.) Kurz darauf wieselt Schied rechts all seinen Verfolgern davon, allerdings sein Abschluss war dann doch zu schwach. (39.) Ein Klassenunterschied? Bis dahin nicht zu sehen! Aber das sollte sich blitzschnell ändern. Harmlos schlendern einige Almis nach 40 Minuten auf ihrer rechten Angriffsseite daher und Tobias Werner entscheidet sich dafür, dies respektvoll aus der Ferne zu betrachten. Ein fataler Fehler, denn Wichniarek braucht in die flache Hereingabe nur seelenruhig seinen Fuß zu halten und es steht 0:1 (41.). Der FCC versucht zwar umgehend zu antworten, da die Anspiele in die Spitze jedoch zu unpräzise sind, geht Arminia mit einer glücklichen aber (wegen der insgesamt wohl gefährlicheren Chancen) nicht ganz unverdienten Führung in die Pause.

Dennoch, Respekt vor diesem runderneuerten FCC, der seinem Publikum endlich wieder mal eine Ahnung davon vermittelte, wie eine vernünftige Kombination aus Kampf und System aussehen kann und vielleicht auch noch zum Erfolg führen kann.

In der Halbzeit zeigten dann Jenas Südkurvler, was sie von der Personalie LL halten, bekamen dafür bedächtigen Beifall von Teilen des Tribünen-Volkes und hatten auch in den Ersatzspielern aufmerksame Leser. Als dann auch Böhme und Ziege ihren Halbzeitplausch beendet hatten, konnte es weitergehen. Sofort wollten sich die Heldenhaften wieder ins Spiel kämpfen, trafen jetzt allerdings auf Almbewohner, denen deutlich anzumerken war, dass sie das Spiel weiter vom eigenen Strafraum entfernt halten wollen. Als dann nach 50 Minuten der ansonsten gute Amrhein den Ball verliert, nutzt Böhme das auch gleich für eine gefahrbringende Flanke. Aber Khomutovski zeigt sich auch im Rauslaufen stark und packt sicher zu! Schon eine Minute später hat dann Tobias Werner Pech, als ihm ein gutes Zuspiel im Strafraum vom Fuß springt. Als eine weitere Böhme-Ecke nach 52 Minuten abgewehrt werden kann, wollen die Hausherren einen Konter starten, werden aber per gelbbelohntem Mittellinienfoul daran gehindert. Für heiße Fußballstimmung sorgte dann zur Abwechslung mal der Assi vor der Tribüne, als er ein klares Foul an Amrhein auf der rechten Seite nicht anzeigt. 60 Sekunden später erneut helle Aufregung, aber diesmal stand Petersen wohl tatsächlich im Abseits. Nach einer Stunde wiederum die Gäste im Vorwärtsgang und erneut sind es Jenaer Neuverpflichtungen, die sich die Zuschauersympathien sichern: Erst kassiert Khomutovski einen scharfen Flachschuss aus 16 Metern sicher und danach beendet der spiel-, einsatz- und laufstarke Kikuchi einen DSC-Konter durch sein perfektes Stellungsspiel. Nach 62 Minuten wird ein neuerlicher Angriff der Ruhmreichen auf de rechte Seite durch ein schnödes Foul gestoppt. Simak zieht den Ball hoch vors Tor, wo ihn ein Bieleflder Abwehrrecke per Kopf weg befördert. Als der Ball dann erneut in den DSC-Strafraum kommt, ist endlich die Zeit für den Ausgleichstorjubel gekommen! Dieser endet jedoch blitzschnell, da ein einsames Abseitsfähnchen das schöne Bild stört. Bewundernswert, dass sich die Unseren in ihrem Bemühen nicht beirren lassen, weiter nach vorn spielen, auch wenn nicht alles nach hoher Fußballschule aussieht. Angriff auf links, Tobias Werner setzt Stegi prima ein, nur verbrasselt er die Flanke. Bielefeld nutzt Jenas Luftholen zur Entlastung, aber Khomutovski packt sich den 20-Meter-Schuss im 2. Versuch. (68.) Gleich darauf steht der souveräne Weißrusse erneut im Mittelpunkt: eine von Günther herausgeholte und von Simak getretene Ecke eröffnet Arminia eine Konterchance – wieder kein Problem für den Mann mit der 55. Kurz nach einer weiteren Stegi-Ecke (71.) zieht Günther eine weite Diagonalflanke genau auf Werner, der per Kopf Petersen bedient. Der ist in dieser Situation allerdings zu grün und wird von seinem Gegenspieler einfach zur Seite gestellt. (74.) Wiederum nur 2 Minuten später bedient unser Fernost-Import den eingewechselten Allagui, der direkt Schied anspielt und der zieht rechts in den Gästestrafraum, wo Hain allerdings reaktionsschnell zupackt. Als noch 10 Minuten zu spielen sind, machen die Arminen deutlich, dass sie das Ergebnis eigentlich nur noch über die Zeit schaukeln wollen. Statt Simak legt sich nach 83 Minuten mal Tobias Werner den Ball auf rechts zum Freistoß zurecht und führt auch aus. Langsam, gemächlich, hoch und harmlos segelt der Ball Richtung Fünfmeterraum. Spielen die Bielefelder eigentlich ab und an Volleyball im Training? Hain dürfte zukünftig erste Wahl als Zusteller sein. Butterweich und präzise pritscht er jedenfalls den Ball listig über den Kopf – so präzise, dass Petersen nur den seinen wuchtig einsetzen muss, was er auch tut. Da Petersen alles richtig macht, befördert er den Ball blitzsauber ins TOOOOOR! Ausgleich! 1:1! 14.000 Menschen springen, jubeln, toben! Und hätte Simak 6 Minuten später einen FCC-Konter konsequenter ausgespielt …

Wieder hat der FCC gegen einen Bundesligisten ausgeglichen, wieder geht es in die Verlängerung! Bedächtig beginnen beide Teams diese Nervenschlacht und die ecke, die der FCC nach 5 Minuten erhält, führt zu einem gefährlichen DSC-Angriff, der nur mit Glück folgenlos bleibt. Einen ebenso glücklichen Ausgang nahm der 100-Sprint eines Bielefelders auf der rechten Außenbahn, als ihn 2 Verteidiger mehr begleiten als behindern, dann aber zur Ecke klären. Dann, nach 10 Minuten, bringen sich die Bielefelder mit einem Rückpas zu Hain selbst in Gefahr. Doppelt setzen die Gastgeber nach, erkämpfen sich auch den Ball, aber Allagui bekommt die Flanke nicht vors Tor. Kurz darauf herrscht buntes Treiben auf dem Rasen. Als der schmächtige Allagui auf den kräftigen Mijatovic trifft, entgeht dieser nur knapp dem Tode und bricht beinahe ohnmächtig zusammen. Allagui durfte daraufhin erst Rot sehen und dann duschen. Alle schienen sich wieder beruhigt zu haben, nur Kamper fand dann wohl eine Verlängerung mit 11 gegen 10 zu langweilig. Also fix mal nachgetreten, um die GRK gebettelt und schon war’s zahlenmäßig wieder ausgeglichen!

Der Beginn der 2. Verlängerungshälfte glich gepflegtem Rasenschach – Bielefeld wollte nicht und die Glorreichen ließen sich nicht locken. Safety First! Warum sich Bielefeld ins Elfmeterschießen retten und dann dort verlieren wollte, blieb unklar. Ein Erstligist, der derartig die Hosen voll hat – einfach nur peinlich. 5 Minuten vor Ultimo inszeniert Simak einen FCC-Angriff über die rechte Seite, steil schickt er Schied auf die Reise in Hains Strafraum und Schied zieht los. Gabriel segelt unserem Sturmtank in die Ruten, Sippel trällert und seine Geste ist eindeutig – ELFMETER! Simak schnappt sich die Murmel, legt sie auf den Punkt und wartet. Ringsum tost das Fußball-Leben: Das Jenaer Publikum rast vor Entzücken, fällt sich erst in die Arme, klammert sich dann an Nachbarn, Lehnen und Geländer ….. Jenas Bank jubelt, Bielefelds Bank tobt und Hain holt alle Tricks aus seiner angestaubten Psycho-Mottenkiste. Und Simak? Steht noch immer da, wartet und hat die Ruhe eines Beamten am Tage vor der Pensionierung. Dann geht Simak 3 Schritte zurück. Sippel pfeift und gibt den Ball frei. Simak ist noch 2 Meter vom Ball entfernt. 14.000 reißen die Augen auf. Simak ist noch 1 Meter vom Ball entfernt. 14.000 halten den Atem an. Simak zieht ab, der Ball segelt los. 14.000 vergessen zu atmen. Hain fliegt los – der Ball fliegt an ihm vorbei. Für eine Zehntelsekunde ist es mucksmäuschenstill im Paradies. Der Ball zappelt im Netz. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! ZWEI! ZU! EINS! Schnappatmung! Sprünge! Schreie! Abklatschen! Umarmen! Jubeln! Klatschen! Singen! Wie kann man nur so viele Dinge auf einmal tun? Es geht!

Flanke - 120 Minuten vorbei!
Kopfball – vorbei!
Nachspielzeit – vorbei!

Während die schnöseligen Gäste (nur noch von Frontzecks schnöseligem PK-Auftritt übertroffen) wie geprügelte Hunde vom Platz schleichen, zelebrieren die Traditionsreichen ihre Sieges-Rituale, feiern sich und werden gefeiert. Jenas Publikum kostet den verdienten Glückskelch bis zur Neige aus! Starker Auftritt – trotz Ecken und Kanten! Die verbliebenen Erstligisten dürfen am Los-Samstag weiter zittern

Henning Bürger hatte mit seinem nüchternen PK-Statement Recht: Der Sieg tut gut, aber noch sind wir in der Tabelle auf Platz …

Nicht mehr lange.
Mit dem Trainer.
Mit dem Team.
Mit dem Publikum.
Ab Montag starten wir durch!!!

Auf geht’s, Jena! Kämpfen und siegen!
YNWA!

--Kopfnuss