2008/2009 DFB-Pokal Achtelfinale: FC Carl Zeiss Jena - FC Schalke 04 1:4

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Spieldaten
Wettbewerb DFB-Pokal, Achtelfinale
Saison Saison 2008/2009
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Schalke 04
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Di. 27.01.2009 19:00
Zuschauer 17.600
Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach)
Ergebnis 1:4
Tore
  • 0:1 Farfan (19.)
  • 0:2 Farfan (66.)
  • 1:2 Schembri (67., Linksschuss,
    Vorarbeit Eckardt)
  • 1:3 Rakitic (71.)
  • 1:4 Kuranyi (91.)
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Programmheft
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Carsten Nulle
Amadeus Wallschläger (78. Tim Petersen), Robert MüllerGelbe Karte.gif, Marco RiemerRote Karte.gif, Ralf Schmidt
Niels Hansen (72. Salvatore Amirante)
Carsten Sträßer (64. André Schembri), Torsten ZiegnerGelbe Karte.gif, René Eckardt, Lars Fuchs
Sebastian Hähnge
Trainer: René van Eck
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Schalke
Manuel Neuer
Rafinha, Benedikt Höwedes, Marcelo Bordon (88. Mladen Krstajic), Heiko Westermann
Fabian Ernst
Jermaine Jones, Ivan Rakitic (83. Levan Kobiashvili)
Jefferson Farfan, Halil AltintopGelbe Karte.gif (77. Kevin Kuranyi), Gerald AsamoahRote Karte.gif
Trainer: Fred Rutten

Spielbericht

(Noch Zeit für) Helden
Nach dem Spiel gegen S04 gönnt sich der FCC eine (kurze) Pokalpause

Dicke Nebelfetzen zogen über das hell erleuchtete Paradies und schienen sich neugierig die Flutlichtmasten aus der Nähe betrachten zu wollen, bevor sie sich ins Nichts verabschiedeten. Die eventuell bald der ruhmreichen Vergangenheit angehörenden Lichtspender tauchten das Rund in ein schier magisches Licht und im EAS konnte man die spannungsgeladene Atmosphäre des gestrigen Abends fast körperlich spüren. Die betagtere Kundschaft fühlte sich wohl wehmütig an so manche heldenhafte Europacup-Schlacht erinnert und auch die jüngeren Jahrgänge konnten gedanklich nochmals so manches Pokalspektakel der vergangenen Saison abrufen. Und da am Ende des Spiels, trotz seines Ausganges, dennoch alle gutfarbenen Fans ohne Groll auf die eigenen Helden den Heimweg antreten konnten, wird auch dieses Spiel nicht so schnell im Orkus der Belanglosigkeit entschwinden. Viel ist in den Vorberichten auf das Spiel von (vergangenen und wiederholbaren) „Wundern“ geredet und geschrieben worden. Wundersam bleibt jedoch nur, was nicht zur Beliebigkeit verkommt. Daher ist das Ausbleiben eines solchen am gestrigen Abend verschmerzbar, steigt doch damit die Wahrscheinlichkeit, in Bälde von einem neuen überrascht zu werden. Andererseits hätte es eines Wunders vielleicht gar nicht bedurft, um diese biederen Turnhallen-Kicker geschlagen heimwärts zu schicken …

Nach reichlich vernebelter Anreise entlang der A9 begann der Abend recht stressfrei, bot sich doch in Lobeda ausreichend Parkraum, um danach relativ entspannt per Straßenbahn zum Ort der blaugelbweißen Verheißung zu gelangen. Auch der Einlass ab 17:00 Uhr gestaltete sich allen Befürchtungen zum Trotz recht zügig und unkompliziert und so dauerte es nicht lange, bis man rund um das FP all den ständigen Wegbegleitern endlich wieder Auge in Auge gegenüber stand. Schön auch, dass die Münchner Fraktion pünktlich vor Ort war, immerhin geriet deren Reisegruppe noch ins Drogenfahndungsprogramm der Autobahnsheriffs. Da die Droge FCC jedoch straffrei konsumiert werden darf (auch wenn der DFB gerade dabei ist, dies durch die Einführung eines immerwährenden Generalverdachtes zu ändern), blieben die Uniformierten staunend mit der verblüffenden Erkenntnis zurück, dass sich 8 FCC-Süchtige mal soeben dienstags von München nach Jena und wieder zurück bewegen. Ähnliche Reisewege hatten auch Kölner FCC’ler hinter sich gebracht, mit denen sich unsere Wege kurz darauf im EAS kreuzten.

Später war dann das „Wege kreuzen“ kaum noch möglich, entwickelte sich die Fläche hinter der Zusatztribüne doch eher zu einem Ort der Begegnung, der das Vorankommen, egal in welche Richtung, zu einer gemeinsamen Übung in Geduld verwandelte. So nahe waren sich viele FCC-Fans noch nie gekommen. Dennoch erreichten wohl so ziemlich alle beizeiten ihre Plätze und das Stimmungsbarometer begann seinen kontinuierlichen Weg nach oben. Einen Teil der Einstimmung dann nicht irgend einem beliebigen musikalischen „Mitgröhl-Schenkelklopfer“ zu opfern, sondern auf David Bowies Berliner Meisterwerk „Helden“ zu setzen, war sehr löblich, weil auch gut in Bilder umgesetzt.

Die Aufstellung der Gäste war, was die Namen anbetraf, dann doch recht beeindruckend. Dass sich hinter medial aufgeblasenen Namen allerdings jede Menge bewegliche fußballerische Heißluftballone verbergen würden, sollte das Publikum dann jedoch erst später merken, dafür aber recht schnell merken. Bezüglich des eigenen Teams fiel auf, dass Sträßer wieder in die Startelf zurückgekehrt war und Neuzugang Fuchs sich von Beginn an beweisen durfte.

Als dann der Herr aus Oberasbach anpfiff, dürfte ob des oben geschilderten Rahmens und der Stimmung im Stadion so manchem auf seinem Platz nicht ganz klar gewesen sein, ob die Gänsehaut, die er auf seinem Rücken verspürte, eher dem nasskalten Wetter oder der Situation entsprang.

Schon der Beginn deutete an, was sich wie ein orangefarbener Faden durchs ganze Spiel ziehen würde. Einen normalen Zweikampf an der Eckfahne vor Block A (3.) beendet Aytekin mit einem unverschämten Pfiff gegen Schmidt, um dann wenige Sekunden später bei einem Foul gegen Eckardt auf der linken Angriffsseite stumm zu bleiben. Die ersten Minuten ließen beide Teams recht verhalten angehen, dass die Unseren sich jedoch nicht demütig verstecken würden, war alsbald aber ebenso klar. Dennoch waren beide Teams zunächst darauf bedacht, Sicherheit ins eigene Spiel zu bringen und Vorsicht war allenthalben oberstes Gebot. So war Fuchs’ halbe Chance nach 4 Minuten auch eher ein Zufallsprodukt, begünstigt durch Rafinha. Nach 9 Minuten inszenierten die Ruhmreichen einen ersten gelungenen Angriff über die rechte Seite, allerdings fehlte dem finalen Zuspiel auf Wirbelwind Eckardt die zeisssche Präzision. Als die zusehends pomadig agierenden Schalker dann nach 11 Minuten erstmals einen halbwegs gefährlichen Steilpass auf der rechten Angriffsseite spielten, griff Nulle beherzt zu. Beim nun folgenden Gegenangriff haben die Gäste hingegen schon mehr Mühe, den Ball aus dem Sechzehner zu befördern, werden aber sofort wieder offensiv und erneut ist Nulle gefragt. Nach 12 Minuten landet der Ball links bei Eckardt und unbekümmert lässt der seinen Gegenspieler aussteigen, um sofort Neuers Kasten anzuvisieren. Am 5 Meterraum stehend bringt allerdings ein Blauer klärend seinen Schädel dazwischen. Nach einer Viertelstunde wird es bitter für Altintop. Als er einen Steilpass erlaufen will, lässt zunächst Robert Müller ihn abtropfen wie ein lästiges Insekt und spielt zurück auf Nulle. Mit der Penetranz eines Staubsaugervertreters hechelt Altintop Richtung Nulle. Der sieht die blaue Luftnummer auf sich zu kommen, schlägt einen technisch sauberen Haken mit Ball am Fuß und seiner ganzen heißen Luft entledigt schwebt der Schalker ins Nichts. Da die Gäste kaum in der Lage sind, sich selbständig Chancen zu erarbeiten, helfen nach 17 Minuten die orangenen DFB-Mitarbeiter etwas nach und pfeifen unerklärlicherweise gegen Fuchs auf der linken Abwehrseite. Die folgende Freistoßflanke ist so, wie das ganze bisherige Schalker Spiel – harmlos. Allerdings ist die nächste Gäste-Flanke, ebenfalls von der rechten Seite, schon etwas präziser und erreicht auch Asamoah. Der ist zufällig gerade mal nicht mit Hinfallen, Meckern, Diskutieren, Provozieren oder Foulen beschäftigt, köpft aber dennoch lächerlich harmlos am Tor vorbei. Zügig spielen sich die Thüringer Pokalhelden nun auf der rechten Seite Richtung Strafraum durch und diesmal erreicht das Zuspiel Hähnge im Sechzehner. Als dieser torwärts strebt, wird er attackiert und geht zu Boden. Was aus Tribünensicht nicht eindeutig erkennbar war, fordern zumindest Nordtribüne, Mannschaftskameraden und Hähnge selbst: Elfmeter!
Aytekin konnte, wollte oder durfte das so nicht sehen, und während die Unseren noch mit ihrem Schicksal haderten, setzten die Ruhrpöttler zu ihrem ersten schellen Angriff über unsere rechte Abwehrseite an. Sprücheklopfer Jones bediente Rakitic und sorgte dafür, dass noch lange nach Schlusspfiff eifrig diskutiert wurde, ob dieser den Ball im Abseits stehend annahm. Von Linksaußen passte der Kroate flach ins Zentrum und relativ ungestört konnte Farfan technisch perfekt den Ball per Hacke an Nulle vorbei ins Tor mogeln. 0:1 (19.) Die folgenden Minuten benötigten die Unseren, um diesen umstrittenen, unnützen und unverdienten Rückstand zu verdauen. Als sie dann nach 25 Minuten wieder energisch den Vorwärtsgang einlegten, unterband Aytekin diese Bemühungen einfach, in dem er Ziegner demonstrierte, wie „Sperren ohne Ball“ funktioniert. In Minute 26 und 27 boten sich Ziegner, der gestern eher unspektakulär agierte, zwei Freistoßchanchen von der halblinken Seite, die allerdings beide wirkungslos verpufften. Beim ersten Versuch traf er nur Asamoah, der sich wie eine große, blaue Tonne nur wenige, aber niemals 9,15 Meter vor ihm aufgebaut hatte (und bei der Abwehr auch noch ungeahndet die Hand zu Hilfe nahm) und sein zweiter Versuch segelte an Freund und Feind vorbei durch den Strafraum. Als eine halbe Sunde gespielt war, kam′s zum Duell zwischen dem besten Schalker am gestrigen Tag, Bordon, und Jenas Keeper Nulle. Hart und präzise zog Bordon gut 20 Meter vor dem Jenaer Tor aus zentraler Position ab. Blitzschnell tauchte Nulle ab und konnte den tückischen Flatterball mit beiden Fäusten gerade so nach vorne abwehren, wo das Leder zum Glück am hüftsteifen (und sich im Abseits tummelnden?) Alibifußballer Asamoah vorbei ging. Dann wieder ein Freistoß Zieges, und diesmal sprang zumindest eine Ecke heraus. Die erwischt Hähnge auch goldrichtig mit dem Kopf, und dass der Ball gerade unter die Latte segeln will und ungefähr 15.000 Gute schon zum Torschrei luftholen, bringt Neuer mit seiner besten Aktion noch eine Hand dazwischen und lenkt die Kugel an den Querbalken. (33.)
Nachdem dann Ziegner bei einem Freistoß von links mal wieder nur die Gästemauer getroffen hatte (35.), erkämpfte sich Schmidt kurz darauf sehr aufmerksam den Ball im Mittelfeld. So schön sein Vorwärtstreben auf links auch anzusehen war, so ungenau und daher zu weit ist seine Flanke. (37.) Nach 38 Minuten wird der mit Abstand beste Mann auf dem Platz, Eckardt, erneut von den Beinen geholt, natürlich wie stets ohne Folgen für den Sünder. Diesmal zieht Ziege den Ball direkt aufs Tor, und Neuer muss mit beiden Fäusten ran. Als die Gäste das zu einem Konter nutzen, hat Nulle aufgepasst und klärt herauslaufend. Nach 42 Minuten scheint es so, als hätte auch Aytekin sich vom derzeit modischen Augenklappentragen anstecken lassen. Nur mit dem Unterschied, dass der „Unparteiische“ wohl gleich noch eine zweite aufgesetzt hatte. Aber bei dem Bodycheck, mit dem Eckardt über die Seitenauslinie befördert wurde, auf Einwurf für Blau zu entscheiden, war schon dreist. Halbzeit Eins endete mit einem FCC-Freistoß aus 30 Metern, also „Ziege! Ziege! Ziege!“ – Rufen von den Rängen und der Hoffnung auf ein neuerliches Hammer-Spektakel. War aber nix!

Eine gute und engagierte erste Halbzeit hatten die Unseren gegen den Favoriten abgeliefert. Insgesamt waren die Schalker aber routinierter und vor allem ballsicherer, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass sie glücklich führten. Und für ihre Führung hatten sie eben genau jenes Glück, das den Weißen bisher noch versagt geblieben war. Wenn den Pokalhelden ein Vorwurf zu machen war, dann der, dass gegen diese von Souveränität weit entfernten Möchtegern-Champions-Ligisten mit etwas mehr Mut nach vorn (was aber mehr Tempo und Kreativität in unserem zeitweise recht behäbigen Mittelfeld vorausgesetzt hätte) sich durchaus mehr Chancen ergeben hätten. Und Schalke? Hinten konzentriert und kompromisslos (Bordon, Höwedes), pomadig und ideenlos im Mittelfeld, bescheiden im Angriff und teilweise rüde im Zweikampf. Sicherlich der eine oder andere (einst) gute Fußballer dabei, aber als Mannschaft bieder und ohne jegliche Ausstrahlungskraft. Auf dem besten (und wünschenswerten) Weg zur grauen Bundesliga-Maus.

Gleich zu Beginn der Zweiten Halbzeit ist alles so wie bisher. Gelsenkirchen im Mittelkreis am Ball, und noch ehe sich ein Jenaer ernsthaft nähert, pfeift Aytekin vorsorglich Freistoß. Die Guten können danach nur auf Kosten einer Ecke klären und Nulle klärt faustend. (49.) Dass der FCC aber noch lange nicht gewillt war, zu resignieren, zeigte schon der erste Angriff in Minute 50. Rechts treibt ein passabel agierender Hähnge den Ball vorwärts und spielt weiter zu Ziegner. Per Steilpass setzt der Sträßer ein. Da der gute Carsten aber leider nicht die Beinlänge einer Sharon Stone, Eva Padberg oder Omi Campbell aufzuweisen hat und Neuer rechtzeitig herauskam, reichte es nicht, den Ball irgendwie über die Linie zu stochern. Schon 2 Minuten später ist es erneut unsere rechte Seite, auf der die Post abgeht. Der Postillion hört auf den Namen Amadeus und zieht unwiderstehlich los. Schön segelt seine Flanke in Richtung Fünfmeterraum. Neuer demonstriert, dass er zwar ein passabler, aber noch lange nicht international tauglicher Keeper ist, und lässt den Ball wieder fallen, und zwar genau vor Hähnges Füße. Wenn es eines Beweises bedurfte, dass dem Jenaer Stürmer derzeit die Seuche am Knipser-Fuß klebt, dann lieferte ihn diese Szene. Natürlich konnte Hähnge nicht damit rechnen, dass ihm Neurer den Jensen macht und den Ball vor die Füße legt. Natürlich war Hähnge überrascht. Aber den kann man eben auch mal reinstolpern – egal wie! Schade und vorbei.

Schalke legte nun immer mehr fußballerische Unlust an den Tag. Wer mit einem glücklichen 1:0 im Rücken gegen einen (vorübergehenden) Drittligisten gnadenlos Zeit schindet, pausenlos reklamiert und in den meisten Fällen immer erst den Gegner statt den Ball treffen will, karikiert seine eigenen internationalen Ambitionen, mehr nicht. Schalke ist von einer (inter)nationalen Spitzenmannschaft mindestens so weit weg, wie Georg W. Bush vom Friedensnobelpreis.

Der glorreiche FCC ist nun mindestens gleichwertig und macht Druck Richtung Ausgleich. Wieder stürmt Wallschläger auf der rechten Seite vorwärts, zieht an Bordon vorbei und flankt. Jetzt jedoch zu schwach. (60.) Nach 62 Minuten erreicht eine Flanke aus dem linken Halbfeld en am 5-Meter-Raum lauernden Hähnge, dessen Kopfball allerdings zu wenig Druck hat, als das er Neuer in Schwierigkeiten bringen kann. Kurz darauf kann sich Eckardt auf rechts glänzend behaupten, seine flache Hereingabe kann ein Blauer jedoch abwehren. Dann ist es Fuchs (der zwar gut, aber noch mit zu vielen Pausen agierte), der in der 64. Minute von halblinks abzieht, Neuers Kasten allerdings verfehlt. Als 65 Minuten gespielt sind, starten die Schalker einen ihrer seltenen Konter, jetzt über die linke Seite. Westermann, der aus Gründen, die gestern nicht zu erkennen waren, ja Nationalspieler sein soll, wird dabei nicht energisch genug gestört. Seine flache Hereingabe streicht durch den Strafraum, in dem unsere Abwehr sich ziemlich unsortiert verteilt hat. So steht Farfan völlig frei und trifft trocken zum 0:2, Nulle hat keine Chance. Thüringens ewige Nummer Eins steckt diesen Treffer erstaunlich gelassen weg und erhält schon unmittelbar nach Wiederanpfiff einen Freistoß auf der rechten Seite. Nach Fuchs’ Flanke hat Schalkes Abwehr reichlich Mühe, die Situation zu klären. Und schon rollt der nächste FCC-Angriff über die linke Seite. Der unermüdliche Eckardt spielt die Kugel Richtung 16-Meter-Linie. Dort erwartet der für Sträßer eingewechselte Schembri das Leder. Ohne große Faxen wuchtet er das Zuspiel direkt am sich vergeblich streckenden Neuer vorbei ins TOOOOOOOR! (68.)
Um die jetzt eh schon brodelnde Stimmung noch etwas anzuheizen, entschloss sich Zeitspielkönig Neuer nun auch noch, den ins Tor eilenden Fuchs ins Netz zu schicken und konnte sich darauf verlassen, dass die spielleitenden DFB-Vertreter auch jetzt alle Augen zudrücken würden. Neuers Sympathiewerte im EAS werden damit wohl dauerhaft auf E***-Niveau liegen – recht so! Leider hielt die nun herrschende prickelnd-vorfreudige Stimmung nur kurz, da den kurzatmigen und übergewichtigen Asamoah plötzlich die Schwerkraft übermannte und Herr Aytekin diesen plumpen Faller mit einem Freistoß belohnte. Als die Jenaer Abwehrmauer gestellt war, wartete ich darauf, dass Nulle sich in seine Ecke begeben würde. Als Rakitic anlaufen wollte, wurde ich unruhig. Carsten, hallo! Deine Ecke! Rakitics Freistoß schlug dann irgendwie folgerichtig ein. Für mich die entscheidende Szene des Spiels, leider mit einem tragischen Helden in unseren Reihen. Bis jetzt ist mir nicht ganz klar, was unser Mister Zuverlässig da wirklich vorhatte. Sei’s drum. Kein Vorwurf. Abhaken. Ein zuverlässiger, fehlerfreier Nulle in den Punktspielen ist mir lieber, auch wichtiger

Auch eine so selbstgefällige Langweilertruppe wie die aus Gelsenkirchen würde sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen lassen, auch wenn die Gäste selbst jetzt jegliche Souveränität vermissen ließen. Beispielhaft Ernsts Kopfballvorlage für den eingewechselten Amirante, die der allerdings, ebenfalls per Kopf, nicht verwerten konnte. (73.) Wenige Sekunden später konnte selbst Herr Aytekin nicht anders. Nachdem Asamoah in einer völlig unnötigen Situation gegen Eckardt Amok lief, war Rot die angemessene Belohnung. (75.) Den folgenden Angriff starteten nun wieder die Gastgeber und nach einem Abpraller aus der Schalker Abwehr bot sich sogar noch eine Schusschance für Hähnge, aber auch hier agierte er zu unkonzentriert. (76.) Die Spielunterbrechung nutzten die Schalker für Kuranyis Einwechslung. Die Reaktionen, die diese Personalie (auch bei den eigenen Fans) hervorrief, machten deutlich, dass der sogenannte Stürmer in deutschen Stadien mittlerweile ein ähnliches Ansehen genießt wie Kondome im Vatikan. Erfreulich, dass unsere Pokalhelden nicht aufsteckten und weiter ihre Minichance suchten. Hähnge erkämpfte zunächst einen Freistoß, den Fuchs von rechts hereinschlug, Neuer aber sicher pflückte. (78.) Die Flanke, welche Ziegner eine Minute später von links brachte, konnte erneut Bordon entschärfen, und auch den Folgeversuch Ziegners konnten die Schalker klären. (79.) 10 Minuten vor Ende strebte Kuranyi, verfolgt von Riemer, torwärts. Als der Schalker dann entweder auf seiner eigenen Schleimspur ausrutschte oder Dank eines Riemerschen Remplers die waagerechte einnahm, wertete Aytekin dies als Notbremse und stellte wieder zahlenmäßigen Gleichstand her. Eckardt ließ sich davon aber nicht beeindrucken und marschierte gleich darauf mit Ball am Fuß übers halbe Feld. Leider konnten er und Amirante sich jedoch nicht auf den richtigen Abspielzeitpunkt einigen. Für den großartigen Eckardt noch lange kein Grund aufzugeben, und schon wenige Momente später brachte er den Ball zu Fuchs, dessen Schuss allerdings sicher bei Neuer landete. Als nach einer Jenaer Ecke von links Neuer den Ball, diesmal völlig unbedrängt, erneut fallen ließ, befand sich allerdings leider kein Thüringer Angreifer n der Nähe. 6 Auswechselungen in 45 Minuten, 2 Rote Karten und Neuers provokantes, aber unbestraftes Zeitspiel, sorgten dann immerhin für stolze 2 Minuten Nachspielzeit. Am Ende dieser 120 Sekunden kam der Ball dann irgendwie noch zu Kuranyi, der allein auf den seltsam unentschlossenen Nulle zulief und mit dem 1:4 das Ergebnis endgültig in unverdiente Höhen schraubte.

So verließen die Unseren am Ende den Platz zwar geschlagen, Groll zu hegen braucht man deshalb aber nicht. Die Jungs haben den Favoriten gefordert, aber am Ende einsehen müssen, dass selbst verunsicherte, den eigenen Ansprüchen niemals gerecht werdende Bundsliga-Teams in der Regel konsequent jeden Fehler bestrafen. Und da wir gestern mitnichten fehlerfrei agierten, geht der Ausgang des Spieles in Ordnung, wenn auch nicht in dieser Höhe. Nach einem Spiel gegen einen Bundesligisten die begangenen Fehler anzusprechen, ist sicher sinnvoll. Sie zum alleinigen Maßstab zu machen, bringt nichts. Auch gestern gab es eine Menge Positives zu sehen und zu erleben. Das herauszuheben, zu stabilisieren und im Ligaalltag abzurufen, darauf kommt es für van Eck und unsere Jungs jetzt an. Dann hatte auch der gestrige Abend seinen Nutzen. Van Eck hat ja schon viel verändert, warum nicht auch die Wechselwirkung zwischen Pokal und Liga? Betrachten wir den gestrigen Abend einfach als optimistischen Auftakt für einen fulminanten Ligastart, auch da gibt’s noch genügend Chancen für neue BlauGelbWeiße Helden!

Aue wird es zeigen!
Es ist an der Zeit!

Nur der FCC!
YNWA

P.S. Liebe Jenaer Nahverkehrsbetriebe, wenn ein Großteil der 17.000 Besucher per Straßenbahn anreist, dann wollen diese Leute normalerweise auch mit der Bahn zurück. Ein Spiel dauert im Pokal 90 oder 120 Minuten. Das kann man in einer Stadt wie Jena wissen. Wie viele Bahnen man dann zu welcher Zeit braucht, sollte in der Ex-Stadt der Wissenschaften auszurechnen sein, oder?

--Kopfnuss