2009/2010 19. Spieltag: VfB Stuttgart II - FC Carl Zeiss Jena 0:1

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 19. Spieltag
Saison Saison 2009/2010, Hinrunde
Ansetzung VfB Stuttgart II - FCC
Ort Gazi-Stadion auf der Waldau
in Stuttgart
Zeit Fr. 04.12.2009 18:30 Uhr
Zuschauer 680
Schiedsrichter Christian Dingert
(Thallichtenberg)
Ergebnis 0:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Stuttgart
Alexander Stolz
Sven Schimmel, Marco Pischorn, Daniel Vier, Sebastian Enderle
Daniel Didavi, Patrick Funk, Felice Vecchione (83. Ali-Hüseyin Pala), Sebastian HertnerGelbe Karte.gif (79. Alessandro Riedle)
Sven SchipplockGelbe Karte.gif, Manuel FischerGelbe Karte.gif (58. Clemens Walch)

Trainer: Reiner Geyer

Trikotfarben
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Jena
Carsten Nulle
Carsten Sträßer, Assani Lukimya-Mulongoti, Quido LanzaatGelbe Karte.gif, Ralf Schmidt
Stefan Kühne
Tim Wuttke, Jens Truckenbrod (62. Patrick Amrhein), Torsten Ziegner, Orlando (90. André Schmidt)
Sebastian Hähnge (85. Excaucé Mayombo)

Trainer: René van Eck

Spielbericht

Glaubenssache
Verdient gewinnt der FCC in Stuttgart mit 1:0

Fünf Minuten noch!
Mit 1:0 führt der FCC im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart und wie schon so oft in dieser Saison lautet die bange Frage der diesmal rund 400 mitgereisten Blaugelbweißen: "Reicht das?" Okay, der FCC stand jetzt ziemlich tief und seine Konter atmeten nicht unbedingt akute Torgefahr. Aber dennoch, die Zeissianer hatten alles doch recht sicher im Griff und auch jetzt endete ein Stuttgarter Angriff wieder in den Armen von Keeper Carsten Nulle. Würde er das Spiel per Abschlag oder Abwurf fortsetzen? Plötzlich Unruhe im Gästeblock. Wieso geht's nicht weiter? Was ist los da hinten im Jenaer Strafraum? Zunächst leise, dann aber immer lauter und fassungsloser machte ein böses Wort die Runde: "Elfmeter!" "Häähh?!" "Was?!" "Wie?!" Das gibt's doch nicht!!! Fragendes Achselzucken überall. Wen auch immer man gestern zu dieser ominösen Szene befragte, eine Antwort nach dem "Warum?" dieses Elfmeterpfiffes war nicht zu bekommen.

Sollte es am Ende wieder nicht reichen, diesen verdienten Sieg samt seiner 3 Punkte mit nach Thüringen zu nehmen? Als Stuttgarts Funk sich den Ball zurechtlegte und Carsten Nulle sich auf der Linie aufbaute, glichen die Blicke der meisten FCC-Fans einem FDP-Wahlversprechen – sie waren völlig leer. Nur bei einigen Wenigen glomm so ein klitzekleiner Hoffnungsfunken und ich dachte so bei mir "Irgendwann ist der Nulle einfach mal dran!", während andere vielleicht den Beistand ihrer Götter erflehten ...
Funk konzentrierte sich auf seinen Anlauf. Nulle konzentrierte sich auf der Linie. Funk lief an. Nulle verharrte, gespannt wie die Sehne eines indianischen Bogens. Funk schießt halbhoch in die rechte Torecke. Nulle ist schon auf dem Weg in diese. Zehntelsekunden später treffen sich Funks geschossener Ball und Nulles entschlossene Fäuste unmittelbar vor der Torlinie – GEHALTEN!
JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!
Läge Stuttgart am Meer, hätte man sich wohl sorgen müssen, ob der infernalische Jubel aus dem Gästeblock eventuell einen gigantische Tsunami entfachen würde, so aber verhallten die hemmungslosen Siegesarien irgendwann später in der kalten, flutlichthellen Dezembernacht auf der Waldau ...

Begonnen hatte unsere Reise in den deutschen Südwesten schon am frühen Morgen. Am Tage der Auslosung zum im Vierjahresrhythmus stattfinden FIFA-Kommerz-Spektakels fabulierte so mancher Welterklärer im Radio fortwährend über die angeblich Grenzen überwindende, brückenbauende Funktion dieser Sponsoren-Show. Ein Blick in unser Reisemobil hätte genügt, um zu erkennen, daß es dazu nicht unbedingt der für einige Wochen geschönten Realität Südafrikas bedarf. Immerhin traten wir gestern den Beweis an, daß auch Heiden, Katholiken, Protestanten und Hindus Gemeinsamkeiten im Glauben entwickeln können – den Glauben an einen Auswärtssieg des FCC im Schwäbischen. Allein auf unseren Glauben wollten wir uns gestern allerdings nicht verlassen und so erledigten wir, wie einst Timur und sein Trupp, zunächst noch eine gute Tat. Einer (weitläufig verwandten) kranken älteren Dame, die nach Flucht und Vertreibung, nun am Horizont ihres Lebens auch noch den Zwangsumzug durch eine Stuttgarter Wohnungsbaugesellschaft zu erdulden hatte, transportierten wir einige Möbelstücke (samt Erinnerungen) ins neue Heim. Ob Gott, sein Sohn, Shiva oder Ganesha uns später dafür belohnen würde, war uns egal, wenn nur der Fußballgott mal endlich wieder auch auswärts Milde zeigte.

Kurz vor 18:30 Uhr, Waldaustadion: auch wenn auf Fußballbesessene wie uns Flutlicht eine magische Wirkung hat – die Kulisse ist ein Jammer. Die Ränge und Tribünen so gut wie leer, tristes Ambiente und wären nicht die Gäste aus Thüringen vor Ort, säßen im Stadion wohl mehr Betreuer auf den Trainerbänken als Zuschauer Einlaß gefunden hätten. Die absurde DFB-Entscheidung, Nachwuchsteams der Bundesligisten in der 3. Profiliga zuzulassen, hier war sie wieder in ihrer vollen Grausamkeit zu sehen.

Dann endlich Anpfiff durch Herrn Dingert. 10 Sekunden später schwebte ein harmloser Ball in Richtung Nulle. Als das Leder kurz vor dem Jenaer aufsetzte, bückte sich dieser, als wäre er gerade der Hauptdarsteller in einem Infovideo der deutschen Rheuma-Liga. Zum Glück war auch sein Stuttgarter Gegenüber ähnlich verdutzt wie Jenas Anhang auf der Tribüne – alles im Lot ...

Jenas Trainer, R. van Eck, wartete mit einer überraschenden Änderung der Aufstellung gegenüber dem Wuppertal-Heimsieg auf: die rechte Offensivseite besetzte Tim Wuttke. Wer nun wissen möchte, wie Wuttke diese ungewohnte Aufgabe in Halbzeit Eins löste, wird die Auflösung hier nicht finden. Aber Dank der Hochsicherheitszäune, die den Gäste-Tribünenblock in Stuttgart begrenzen, obwohl weder Herr Heckhoff noch Herr Michalski zu den dortigen Dauergästen gehören dürften, ist in Blickrichtung nach rechts ja ab der Mittellinie nix mehr zu erkennen. Hauptsache der DFB kümmert sich darum, daß auf den VIP-Tribünen jeder A.rsch die passende Sitzschale findet, was kümmern da schon die Sichtverhältnisse für jenes "Fußvolk", daß Woche für Woche Zeit und sauer verdientes Geld investiert, um seine Helden oft Hunderte von Kilometern durch die Republik zu begleiten. (Da paßt es auch, daß der DFB nun gestern neuerlich mit der Innenministerkonferenz kungelte und von einer "Entzerrung" des Spielplanes schwafelt. Künftig werden die Spieltage dann wohl donnerstags beginnen und am darauffolgenden Dienstag enden – Super-Idee! Wir dürfen uns wohl schon darauf freuen, künftig Spiele bei der II. Mannschaft des SV Werder dienstags 11:00 Uhr auf Platz 13 des Werder-Stadions zu besuchen.) Gestern waren zum Glück und dankenswerterweise Jenas organisierte Fahnenschwinger so kompromißbereit, nur die kleineren Winkelemente einzusetzen.

Immerhin war nach 4 Minuten Jenas erste Offensivaktion zu verzeichnen, noch fehlte Ziegners Paß in die Spitze allerdings die erforderliche Jenaer Präzision. Gefahr für Nulles Tor dann 60 Sekunden später, als ein VfB-Bubi links zur Grundlinie durchgeht, für seine Flanke aber kein Abnehmer mitgelaufen ist. So kommt der FCC nach 8 Minuten zu seiner ersten Ecke, die Ziegner von links herein bringt und welche die Stuttgarter zunächst abwehren können. Dann kommt der Ball zu Wuttke und aus 18 Metern sendet der den ersten Jenaer Torschuß ab – allerdings zu hoch.

Nach circa einer Viertelstunde hatten die Ruhmreichen in ihrem Bestreben nach Spielkontrolle so langsam den erhofften Erfolg, wenn auch die VfB-Konter, wegen der Schnelligkeit, mit der sie vorgetragen wurden, stets gefährlich blieben. Dann drehten die Unseren mal eben den Spieß um und kamen nach 20 Minuten selbst zu einer verheißungsvollen Konterchance. Drei gegen drei hieß das Spielerverhältnis kurz vor dem Stuttgarter Strafraum, doch Hähnges Paß nach rechts muß wohl zu ungenau gewesen sein. Dennoch hatten die Thüringer jetzt deutlich mehr Spielanteile, die sie allerdings nur bis zur Strafraumgrenze sinnvoll zu nutzen wußten.

So dauerte es immerhin bis zur 26. Minute, ehe Truckenbrod zum zweiten Jenaer Torschuß ansetzte, sein Schuß aus 18 Metern ging jedoch hoch & weit über das Ziel. Zwei Minuten später ging es dann mal wieder ganz fix. Der FCC im Angriff und er gestern ansonsten bärenstarke Ziegner verliert im Mittelfeld den Ball. Sofort kontert der VfB über seine rechte Seite. Dann die Flanke und Lanzaat holt am 5-Meterraum zur Volley-Klärung aus. Die blaugelbweiße, eigentorgeschundene Fangemeinde hält kollektiv den Atem an – aber Guido L. löst das Problem souverän. Nach einer halben Stunde segelt ein 30-Meter-FCC-Freistoß von halbrechts gefährlich auf den 2. Stuttgarter Pfosten, heraus springt ein Eckball. Der wird zunächst abgewehrt und als dann Carsten Sträßer sich den 2. Ball erkämpft und torwärts ziehen will, kann ein einheimischer Verteidiger im letzten Moment klären. Jetzt habe die Unseren das Spiel klar im Griff, allerdings mangelt es noch immer an Torgefahr. Da ist es ganz praktisch, daß Ziegner in Minute 33 einen gefährlichen Flachpaß von links nach innen zieht, wo Tim Wuttke allerdings einen schritt zu spät kommt.

Schon 2 Minuten später kann Nulle eindrucksvoll unter Beweis stellen, daß er seinen anfänglichen Rheuma-Anfall überwunden hat, auch wenn er den Stuttgarter 25-Meter-Schuß von halblinks nur mit Mühe zur Ecke bugsieren kann. Als dann in der 37. Minute der immer anspielbereite und sich zusehends steigernde Sebastian Hähnge am Strafraum angespielt wird, ist der Pfiff gegen ihn schon eine seltsame Aktion. Auch an der nächsten guten FCC-Aktion ist Hähnge beteiligt. Schnell geht es über links nach vorne – bis Hähnge die Aktion mit einem schwachen Fehlabspiel beendet. (39.) Dann 3. Versuch des Jenaer Mittelstürmers, der seine ersten 3 Gegenspieler abschüttelt, am vierten aber nicht vorbei kommt... (40.)

So geht der FCC mit einem absolut verdienten 0:0 in die Pause. Immerhin hatten die Gäste nach ca. 15 Minuten das Spiel kontrolliert und der Ball lief gut in unseren Reihen. Schade nur, daß die 16-Meter-linie so eine art imaginäre wand zu sein schien, an welcher die Unseren urplötzlich Biß, Mut und Genauigkeit verlieren zu schienen.

Der Auftakt zur 2. Halbzeit gestaltete sich furios. Alles begann mit einem Foul an Wuttke und dem dazugehörigen Freistoß, welchen Ziegner vors Tor zog. Mit einer Faust klärte der VfB-Keeper und seine Abwehr wurde zur Steilvorlage. Sekunden später mußte Nulle sein ganzes Können zeigen, um das Remis zu sichern und zum Glück ging auch der Nachschuß über das FCC-Gehäuse. Puuuhhh!!! Durchatmen! Während die Einheimischen sich recht schnell in die 2. Hälfte fanden, schien den Heldenhaften noch die Dezemberkälte in den Knochen zu stecken, vielleicht hatte ja Dr. Z. auch die Pausenwärmflaschen falsch temperiert? Nach 50 Minuten müssen dann Lukimya und Nulle gemeinsam gegen einen durchgelaufenen Stuttgarter klären, was ihnen zwar erfolgreich aber wenig elegant gelingt. Nulle dürfte nun wieder die nötige Körper-Temperatur gehabt haben, denn auch 5 Minuten später ist er im Eins gegen Eins souverän. Dann endlich mal wieder der FCC über rechts offensiv, nur leider erwischt Ziegner die abgewehrte Flanke nicht richtig. Jetzt geht's flott hin und her. Erst schießt Hähnge aus 10 Metern über das Tor und schon wenige Augenblicke später muß Nulle energisch zur Ecke klären. (59.)

Dann ersetzt Amrhein den unauffälligen Truckenbrod und als ob das ein Signal gewesen wäre, erhält der FCC drei Eckbälle von der rechten Seite in Folge. (62., 63., 64.) Noch aber, bleibt der Erfolg aus. Im Gegenzug muß sogar Jenas Kapitän hellwach sein und ebenfalls zu einem Eckball klären. Es läuft die 67. Minute. Die (gelegentlich) Glorreichen unterbinden einen Stuttgarter Angriffsversuch und über Ziegner landet der Ball bei Hähnge. Rechts lauert und startet Smeekes. Hähnges Zuspiel erfolgt im richtigen Moment und Smeekes läßt den ihn attackierenden Verteidiger lässig abprallen. Smeekes mit Ball am Fuß im sechzehner, der Winkel wird immer spitzer! Was nun? In letzter Zeit konnte man ja gelegentlich den Eindruck haben, unser Antillen-Blitz hätte mit dem Storch gepokert, dessen Füße gewonnen und sie gelegentlich zum Fußballspielen benutzt. Aber nicht so gestern Abend. Ohne lange zu zögern sendet Smeekes aus vollem Lauf eine fulminante Fackel ab! Vielleicht hat der gute Stolz einen Moment lang gedacht, ein Schuß aus einem solchen Winkel könne nur am langen Pfosten vorbei gehen? Als er seinen Fehler bemerkte und nach unten ging, war es aber schon zu spät. Freudvoll zappelte der Ball bereits unmittelbar vor den mitgereisten Gäste-Fans im TOOOOOOR! (1:0, 67.) Das war im übrigen auch die richtige Antwort darauf, daß Carsten Sträßer in jenem Moment (vermutlich infolge eines unsauberen Zweikampfes) blutend behandelt wurde.

Auch unmittelbar danach setzten die Blaugelbweißen offensive Akzente, zunächst über Schmidt und Amrhein im Zusammenspiel, dann über Hähnge und Wuttke. (70.) Jetzt, rund eine Viertelstunde vor Ultimo, waren die Jenaer immer noch häufiger im Ballbesitz als die Zurückliegenden. Schade nur, daß die Unseren im Spie nach vorne jetzt zusehends zögerlicher wurden, nicht energisch genug nachrückten. Das ganze war auch deshalb problematisch, als das der bis dahin recht ordentlich pfeifende Schiedsrichter Dingert nun plötzlich einige recht fragliche Pfiffe zu Gunsten des VfB von sich gab. Der Freistoß aus der wohl gefährlichsten Position, nach 79 Minuten, landete jedoch in der Jenaer Abwehrmauer. Jetzt ersetzte Mayombo den gestern auch laufstarken und immer ballsicherer werdenden Hähnge. Kurz darauf der nächste fragliche Freistoß für den VfB, fünf Minuten sind noch zu spielen ...

Elfmeter. Nulle! (3) Punkt(e). Aus!

Der Freudentaumel im Gästeblock kennt kaum Grenzen, zumal die Unseren an diesem Abend dem Gegner auch keine offensiven Schlußminuten mehr zugestehen. Minuten nach dem Schlußpfiff gibt's den Fan-Dank an Spieler und Trainer und irgendwie hatte man das Gefühl, so mancher wollte den Gästebereich gar nicht verlassen, auch wenn der Glühweinbecher schon lange leer. Noch immer wurde die Glaubensfragen des Abends diskutiert:

  • Ich hab' geglaubt, ich spinne, als der auf den Punkt zeigte!
  • Ich wollt's nicht glauben, daß wir am Ende wieder ohne Sieg abfahren.
  • Hast du dran geglaubt, daß der Nulle den hält?
  • Ich glaube, so 'ne Schlußphase halt' ich nicht mehr oft aus.

Einige glaubten später auch noch, Australien, Serbien und Ghana seien ein leichtes Los. Andere glaub(t)en das nicht.

Nächste Woche Auswärtsspiel in Wehen. Wie wär's denn mit einem netten 1:0-Auswärtssieg? Kaum zu glauben, oder ... ???

Auf geht's, Jena! Kämpfen und siegen!
YNWA!

--Kopfnuss