2009/2010 38. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - VfB Stuttgart II 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 38. Spieltag
Saison Saison 2009/2010, Rückrunde
Ansetzung FCC - VfB Stuttgart II
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 08.05.2010 13:30
Zuschauer 8.500
Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 1:0 Holwijn (29.)
  • 1:1 Schipplock (74.)
  • 1:2 Hofmann (93.)
Andere Spiele
oder Berichte
Programmheft
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Carsten Nulle
Carsten Sträßer, Tim Wuttke, Assani Lukimya-Mulongoti (92. Denis Osadchenko), Ralf Schmidt
Michael Gardawski (89. Stefan Kühne), Marco Riemer, Jens Truckenbrod, Melvin Holwijn
Stefan KolbGelbe Karte.gif, Patrick Amrhein (52. Tim Petersen)

Trainer: René van Eck

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Stuttgart
Bernd Leno
Patrick Funk, Ermin Bisakcic, Thomas Geyer, Sebastian HertnerGelbe Karte.gif
Daniel Vier (46. Öztürk Karatas), Matthias Schwarz, Tobias FeisthammelGelbe Karte.gif, Daniel Didavi
Tobias Rühle (48. Sebastian Hofmann), Sven Schipplock (89. Michael Klauß)

Trainer: Jürgen Seeberger

Spielbericht

Wo Wasser zu Wein wird, wird Klarer zu Essig
Am Ende einer turbulenten Saison und einer skurrilen Geschichte unterliegt der FCC dem VfB II mit 1:2

Ein knappes Jahr ist es jetzt her. Am frühen Nachmittag des kommenden Tages würde der FCC in Sandhausen um das Überleben in Liga 3 kämpfen und am Vorabend dieses Spiels stand ich mit einem eingefleischten FCC-Fan (der nebenher noch Kanonier ist) biertrinkend am Ufer des Neckars. Natürlich plauderten wir über diese verkorkste FCC-Saison, wie es dazu kommen konnte, daß nun ein Übungsleiter namens Fascher für die Rettung sorgen sollte. Es dauerte auch nicht lange und wir waren uns einig, im Verlaufe der Saison mit Rene van Eck einen Trainer verloren zu haben, dem wir eigentlich eine längere Verweildauer auf der FCC-Bank gegönnt hätten. Wir diskutierten das Für und Wider seiner Entlassung ebenso wie das Für und Wider eines Verzichtes darauf. Da die Entscheidung aber schon lange gefallen war, waren wir uns am Ende nur in unserem Bedauern darüber einig, nicht erlebt zu haben, wie RvE ein Team über eine komplette Saison zusammenstellt, formt, entwickelt. Nun ist die Folgesaison Geschichte. Der FCC beendete sie auf Platz fünf, hatte bis zum vorletzten Spieltag Aufstiegschancen und verspielte erst im letzten Match die Pokalqualifikation über die Ligaplazierung – der Trainer Rene van Eck. Es sind schon seltsame Geschichten, die de Fußball schreibt. Aber von diesen hatte die vergangene Saison etliche zu bieten. Für eine der skurrilsten sorgte mal wieder der DFB:

Ist Theo Zwanziger eigentlich Katholik? Interessiert sich Herr Ratzinger, wohnhaft in Vatikanstadt, eigentlich für Fußball? Möglich wär’s schon, denn Fußball sei die schönste Nebensache der Welt, lautet eine der rund ums runde Leder häufig bemühte Floskel. Für unseren FCC traf genau das in der vergangenen Woche aber auf jeden Fall zu, denn der „Grüne Tisch“ wurde wichtiger als der grüne Rasen. Der Grund dafür war eigentlich recht simpel. Die Heidenheimer hatten in ihrem mit 2:1 gewonnenen Spiel in Jena einen mit 10 Gelben Karten belasteten Spieler eingesetzt. Daß dieser Spieler tatsächlich 10 Gelbe Karten im Verlaufe der Saison erhalten hatte, konnte, wer wollte, in den Statistiken des DFB nachlesen und das darunter eine Gelbe Karte im Spiel bei Eintracht Braunschweig war, dafür gab’s Bild und Videobeweise. Doch in der wundersamen Welt des DFB ist eben nichts so wie es scheint. Einige Tage und Tricksereien später steht nun also fest, der betreffende Spieler hatte keine 10 Gelbe Karten und war somit auch nicht gesperrt. Woran das liegt? Nun das ist nicht so einfach. Es liegt eigentlich an einem Stück Papier, welches ein Herr, der im Auftrag des DFB im Einsatz war, falsch ausgefüllt hat. Wobei, auch das stimmt nicht so ganz, denn Herren, die im Auftrag des DFB unterwegs sind, machen ja keine Fehler – behauptet jedenfalls der DFB. Diese Herren treffen „Tatsachenentscheidungen“ und Tatsachenetscheidungen sind (immer dann, wenn es ihm genehm ist) für den DFB unantastbar, ganz egal ob beim Ausfüllen von Spielberichtsbögen oder bei „Identitätsfeststellungen“. (Warum tragen Fußballer überhaupt Nummern auf dem Rücken ihrer Trikots und auf ihren Hosen?) Also irgendeine Erklärung findet sich beim DFB immer, denn es gilt das ewigwährende Mantra “Wir sind unfehlbar!“

Unfehlbarkeit halten (die meisten) Katholiken für ein Privileg des Papstes. Das Erste Vatikanische Konzil stellte dies 1870 dogmatisch fest. Die katholische Kirche legt allerdings Wert darauf, daß es der übernatürliche Beistand des Heiligen Geistes sei, der den Papst vor einem Irrtum in Glaubens- und Sittenfragen bewahre. Das Charisma der Unfehlbarkeit besitze der Papst geschenkhaft, nicht aufgrund natürlich menschlicher Eignung oder Fähigkeit. Sollte es jemals einen Papst Theo I. geben, dann müßten im letzten Satz die Worte „geschenkhaft“ und „nicht“ selbstverständlich gestrichen werden, dies entspräche wohl am Ehesten dem Selbstverständnis des falschen Zwanzigers. Ansonsten ist der DFB aber der perfekte Bruderbund zum Üben: Die Rolle der Glaubenskongregation hat das DFB-Sportgericht inne, der DFB-Schiedsrichterausschuß erinnert an einen vatikanischen Geheimbund, der DFB-Cheftrainer lebt angeblich zölibatär und wo man auf der einen Seite Wasser zu Wein verwandeln kann, wird auf der anderen Klarer zu Essig … (Ein weiteres, sich anbietendes Gleichnis soll hier lieber nicht weiter thematisiert werden, dafür sorgen beide Institutionen schon von alleine.)

Nach einem Blick in die Geschichte hätte all denen, die auf eine dem FCC wohlwollende Entscheidung gehofft hatten jedoch schnell klar sein müssen, wie der DFB in solchen Situationen verfährt – unerreicht beispielhaft nachvollziehbar am Bundesligaskandal nach der Saison 1970/71. Als der damalige Präsident der Offenbacher Kickers, Horst-Gregorio Canellas, die Sache aufdeckte, wollte man beim DFB davon zunächst nichts wissen. Als Canellas dann die entsprechenden Tonbandaufzeichnungen vorlegte, wurde er, der den Skandal aufgedeckt hatte, unter lautem Getöse lebenslang gesperrt. Fast unbemerkt wurde das Urteil 1976 aufgehoben. Zu dieser Zeit standen all die (zum Teil lebenslang gesperrten) Sünder wie Rüßmann, Manglitz, Patzke, Klaus Fischer, Fichtel, Sobieray oder Burdenski schon lange wieder begnadigt auf dem Platz …

Ärgerlich sind noch 2 weitere Dinge an diesem ganzen Verfahren. Zum Ersten wurde auf drastische Weise klar, daß der FCC nur ein kleines Rädchen in der DFB-Maschinerie und als solches hat es eben zu funktionieren. Wer kein Hätschelkind ala, sagen wir mal Kaiserslautern oder Dynamo ist, der darf eben nur mitspielen. Und zum Zweiten bedient der DFB mit seiner willkürlich lächerlichen Entscheidung leider wieder all die Vorurteile, die ihm eine ost-west-geteilte Zweiklassenmentalität unterstellen. Aber auch das wäre ja nichts Neues, wenn man sich nur mal an die „Aufnahme-Regelungen“ der ehemaligen Oberligisten in die 1. und 2. Bundesliga oder –noch besser- an die Geschichte des längst verflossenen DFB-Hallenpokals erinnert. Dort war geregelt, daß der Titelverteidiger automatisch für die kommende Finalrunde qualifiziert war. Bis FC Hansa Rostock den Cup gewann. Flugs setzte man diese Regel außer Kraft – und führte sie später wieder ein …

Selbst wenn also Herr Klarer sich vor die DFB-Granden gestellt und gesagt hätte, „Ja, ich habe 10 Gelbe Karten bekommen!“, dann hätte man wohl zuerst seine Geburtsurkunde angefordert, um dann festzustellen, daß irgend jemand beim Ausfüllen dieses "Geburtsberichtsbogens" wohl einer Verwechslung aufgesessen sei, es sich gar nicht um Klarer handele und diese Tatsachenentscheidung nun auch nicht mehr rückgängig zu machen sei …

So blieb gestern und bleibt den FCC-Kickern und -Verantwortlichen in Zukunft nur eine Möglichkeit: auf sich selbst schauen, Hausaufgaben machen, hart arbeiten.

Sportlich betrachtet blieb vor dem gestrigen Spielbeginn die vage Hoffnung auf Platz 4 und somit also das Startrecht im DFB-Pokal. Dies aber auch nur dann, wenn zeitgleich Rot-Weiß Erzfeind die mögliche Braunschweiger Relegationsteilnahme verhindern würde. Die Braunschweiger wiederum mußten außerdem auf einen Patzer der Ingolstädter hoffen. Um einen solchen Patzer in den letzten beiden Saisonspielen zu verhindern, hatten die Audistätder aber nochmals weit die Schatulle geöffnet. Gewöhnlich gut informierte Kreise wollen erfahren haben, daß der FCI eine 45.000€-Aufstiegsprämie pro Spieler ausgesetzt habe, garniert mit einem 1-Jahres-Gratis-Ticket in einem Audi für jeden der Beteiligten. Wollen wir mal hoffen, daß einer dieser Geldkoffer und einige der Zündschlüssel am vergangenen Freitag vor oder nach dem 1:5 nicht versehentlich in der Wiesbadener Umkleidekabine liegen geblieben sind.

Also war eine der offenen Fragen im EAS die, ob der FCC auch ohne sein schokobraunes Tattoo-Model (der aber auch als Brillenmodel eine passable Figur abgibt) und den überraschend erkrankten Hähnge die siegesnotwendigen Treffer gegen die schwäbischen Bubis zustande bekommen würde? Alle anderen Fragen waren mit Wehmut und Ungewißheit garniert, galt es doch Abschied zu nehmen von so manchem Kicker, der einem in dieser Saison dann doch ans Herz gewachsen war. So zum Beispiel vom felsenhaften Lukimya, ohne den die FCC-Abwehr vielleicht bald so sicher wirkt wie eine griechische Staatsanleihe. Oder vom wuseligen Gardawski, dessen unbekümmerte Quirligkeit, gepaart mit verblüffender technischer Finesse nicht unerheblich zu einer von FCC-Fans kaum für möglich gehaltenen Erfolgsserie wesentlich beitrugen. Und was ist an den Gerüchten um Sträßer oder Benyamina? Andererseits: Der Austausch von fast kompletten Teams zwischen zwei Punktspielperioden ist ja seit rund 20 Jahren auch nichts Außergewöhnliches mehr. Die Zeiten, in denen das Gros der Mannschaft über Jahre zusammen blieb und kurz vor Saisonbeginn die „Fuwo“ über einige wenige „Delegierungen“ berichtete, sind ja beinahe vergessen. Komischerweise klingen aber die Diskussionen im Jenaer Stadion jedes Jahr zu Saisonende so, als wären Spielerwechsel, noch dazu weg aus dem Paradies, ganz was Neues und mindestens so überraschend wie ein Wintereinbruch im Dezember für die hiesigen Straßenmeistereien. Wer kannte denn einen Lukimya oder einen Gardawski schon vor dieser Saison bzw. Rückrunde in Jena? Und wer sagt eigentlich, daß eine neue Saison keinen „neuen“ Lukimya oder Gardawski bereithält? Wieso muß Zukunft eigentlich immer schwarz (oder, bezogen auf die Jenaer Medienlandschaft: blauweiß) sein?

Jenas umformierte, verjüngte Mannschaft brauchte einige Minuten, sich zu finden und erzeugte erstmals Gefahr, als Ralf Schmidt eine Ecke von rechts trat, die Stuttgarts Torwart unterlief. (4.) Überhaupt waren die Jenaer Anfangsminuten sehr engagiert, auch wenn (logischerweise) die Präzision und das blinde Verständnis beim Siel in die Spitze noch fehlten. Jenas Jungspunde sorgte dann erneut für Aufregung, als Gardawski mit einem schönen Paß aus dem linken Mittelfeld Kolb einsetzte, der dann an der Strafraumgrenze im Kampf mit zwei Stuttgartern zu Boden ging, ohne jedoch den angebrachten Freistoß zu bekommen. (7.) Ebenso schade war es, daß Kolb im Anschluß an einen VfB-Freistoß die sich bietende Konterchance etwas überhastet vergab. (9.) Das Spiel wurde jetzt zusehends das, was man als „von der Taktik geprägt“ bezeichnet. Für den VfB hatte Sicherheit die höchste Priorität und es war schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz und welchem taktischen Geschick sich die Schwabenbuben auf das Verengen der Räume und das Verhindern von An- und Abspielmöglichkeiten der Hausherren widmeten. Da taten sich die Unseren schwer aber es war ebenso bemerkenswert, wie der FCC die Spielkontrolle anstrebte, auch wenn zunächst noch die überraschenden Ideen fehlten. Dann endlich ein fast perfekter Spielzug der Platzherren: mit Ball am Fuß bewegt sich Holwijn von rechts nach links über den Platz und paßt klug zu Gardawski. Der steuert direkt die Grundlinie an und flankt präzise in den Stuttgarter 16-er. Dort rauschte Kolb heran, schraubte sich nach oben und erwischte den Ball glänzend mit dem Kopf. Schade, daß die Kugel sich dafür entschied, nach rechts neben, statt nach links in das Tor vom Pfosten abzuprallen! Die erste wirkliche Unsicherheit erlaubte sich die Defensive des FCC (in der Riemer Nagy ersetzte) nach 19 Minuten, aber der Stuttgarter Schuß aus gut 20 Metern landete neben Nulles Tor. Allerdings ließ die nächste Unsicherheit der linken Jenaer Abwehrseite nur 5 Minuten auf sich warten. Sträßer und Riemer paddeln wie zwei Nichtschwimmer im Ozean und Bay-Watch-Chief Lukimya muß gleich mehrfach demonstrieren, wie sehr er uns demnächst wohl fehlen wird. In Minute 26 erkämpft sich der FCC einen Eckball, der schließlich bei Gardawski landet. Dessen erster Schußversuch wird von der VfB-Abwehr abgeblockt, jedoch landet der Ball erneut bei ihm. Entschlossen feuert Jenas Mittelfeldmann die Kugel erneut Richtung Tor und zum zweiten Male begeht der Ball einen Fehler, weil er von der Unterkante der Latte vor, statt hinter der Torlinie aufsetzt. Als 2 Jenaer dem Abpraller nachsetzen wollen, wird plötzlich ein Abseitsfähnchen gewinkt … Doch schon rollt der nächste FCC-Angriff. Zunächst scheint es, als bliebe Kolb an der linken Eckfahne an zwei Gegenspielern hängen. Doch Kolb bleibt hartnäckig, erkämpft sich den Ball zurück und schlägt ihn in den Fünfmeterraum. Eingerahmt von 2 Stuttgarter Verteidigern lauert dort Holwijn. Als einer der beiden Roten den Ball nicht unter Kontrolle bekommt, ist Holwijn zur Stelle und hämmert die Kugel kompromißlos ins TOOOR! (1:0, 29.) Glück für den FCC, daß wenige Sekunden später, nach einem nicht gepfiffenen Foul an Sträßer, der Stuttgarter Angriff nur mit einem Pfostentreffer endet.

So wie der Papst zum Stellvertreter Gottes auf Erden, wurde Aytekin für die Jenaer Zuschauer zum Stellvertreter des DFB im Paradies, auch wenn die meisten ihn und seine Herren eher zur Hölle wünschten. Dabei muß man der Ehrlichkeit halber feststellen, daß Aytekin nicht mal der Schwächste des DFB-Gespannes war, auch wenn er manchmal aus wesentlich größerer Entfernung Dinge gesehen haben wollte, die seine besser Postierten Linienrichter nicht gesehen hatten. Eine Zumutung hingegen war der Linienrichter auf der Tribünenseite. Nicht nur einmal lag der Verdacht nahe, daß Orlando die Brille, die er gestern als Zuschauer trug, zuvor diesem Fahnenschwinger heimlich entwendet hatte.

Auch wenn die feine fußballerische Grundausbildung der Stuttgarter weiter sichtbar blieb, war der FCC nun das aktivere und letztendlich auch spielbestimmende Team. Schade zum Beispiel, daß nach Vorarbeit von Truckenbrod und Kolb Holwijn einen Schritt zu spät gegen Leno kam. (34.) Leno war es auch, der mit viel Glück Sieger gegen Amrhein blieb, als der nach einem Einwurf im Fünfmeterraum zum Schuß kam. (36.) Wunderschön auch jener FCC-Angriff, als der Ball nach 3 Stationen bei Kolb landete, der dann von der rechten Seite auch perfekt auf Ralf Schmidt flankte. Dessen Kopfball verfehlte den Leno-Kasten jedoch knapp. (37.) Anschließend beschäftigte der VfB mal wieder unsere linke Abwehrseite, das alles aber ohne ernsthaft Gefahr zu erzeugen. Auf der rechten Außenbahn wurde dann in der 41. Minute Holwijn gefoult und Schmidt zog den Freistoß vors Tor. Leno rettete faustend und Gardawskis Volley-Nachschuß-Versuch wurde zur Gefahr – allerdings nur für die rechte Eckfahne. Dennoch versuchte es Gardawski bis zur Pause noch zweimal über links, war jedoch jeweils zu ungenau beim Abspiel oder Torschuß.

Halbzeit und Kompliment für das umgebaute Jenaer Team. Ein Spiel, das nicht leicht in den Griff zu bekommen war, hatten die Unseren zum Ende hin dominiert und aufgrund der Jenaer Unverzagtheit und nimmermüden Emsigkeit war die Führung auch gerechtfertigt.

Die ersten 3 Minuten der 2. Halbzeit wirkten die Gäste wie aufgedreht und der FCC hatte kaum Zeit, sich zu besinnen. Erleichterung dann über die erste Jenaer Ecke in Halbzeit 2, die von Schmidt gut getreten wurde und in Wuttke auch einen Abnehmer fand. Wuttkes Kopfball strich aber knapp am Tor vorbei. Amrheins Spiel (oder gar Saison) spiegelte sich dann exemplarisch in Minute 50. Holwijn hatte ihn mit schönem Zuspiel am 16-er bedient. Aber Amrhein zögerte und zauderte, ließ jegliches Selbstvertrauen und jegliche Energie und war die Kugel am Ende los. Blitzschnell waren die Stuttgarter hernach über rechts vor Nulles Tor. Amrhein ist ein knappes Jahr älter als Gardawski. Geht es aber um Dinge wie Entschlossenheit, Geradlinigkeit, Anspruchsdenken und unbedingten Willen, das eigene Talent auch auszuschöpfen, dann sieht er im Vergleich zum Jenaer Abgang leider steinalt aus. Ein Beispiel dafür auch die Vehemenz, mit der sich Gardawsk in Minute 53 den Ball im linken Mittelfeld erkämpfte, auch wenn sein Paß auf Holwijn letztendlich zu ungenau war. Kurz zuvor hatte RvE bereits Petersen für Amrhein eingewechselt.

Ab der 55. Minute wurde der VfB aber immer dominanter. Mit Macht strebten die Schwaben die Vorherrschaft im Mittelfeld an und versuchten inzwischen die Jenaer Aufbaubemühungen schon 20 Meter vor der Mittellinie zu unterbinden. Unsere Defensive mußte nun von Minute zu Minute wacher sein, zumal wir es in der Vorwärtsbewegung zusehends schwer hatten, die engen Räume mit genauen Paßfolgen aufzureißen. Der VfB war jetzt das spielerisch überlegene Team Bis zur 70. Minute ließ der nächste erfolgversprechende FCC-Konter auf sich warten, dann paßte Holwijn von rechts auf Petersen. Der zog vom linken Strafraumeck flach ab – aber Leno war rechtzeitig unten. Den nächste möglichen FCC-Konter unterband dann der tribünennahe Linienrichter mit einer mehr als grotesken Abseitsentscheidung. Obwohl es den Stuttgartern trotz ihrer spielerischen und läuferische Überlegenheit bis dahin nicht gelungen war, sich wirklich klare Torchancen herauszuspielen, kam, was (nicht) kommen mußte: relativ unbedrängt gelingt den Rote ein Angriff über links und schließlich landet der Ball bei Schipplock. Aus gut 18 Metern Entfernung und zentraler Position nimmt dieser Maß und Nulle ist chancenlos. (1:1, 74.)

Eine eher unerfreuliche, aber für diese 3. deutsche Liga leider typische Szene gab es dann noch eine Minute später zu ertragen. Auch auf 100 Meter Entfernung war sichtbar, wie ein VfB-Kicker im Jenaer Strafraum ohne jegliche Berührung zu Boden geht, dann aber die Hände vors Gesicht schlägt und die Nummer „Ich sterbe dann mal!“ abzieht. Wenige Sekunden später, von einer Art Wunderheilung heimgesucht, tänzelt er dann an seinem Trainer vorbei, der ihn breit grinsend abklatscht …

Den Jenaer Kickern war nun anzumerken, wie bleischwer ihnen nun die Beine wurden. Aber dennoch verdiente es Respekt, wie sie zumindest den Versuch unternahmen, der Partie noch eine positive Wendung zu geben. In Minute 79 beispielsweise wurde Holwijn auf der rechten Seite gefoult, als er Richtung Grundlinie ziehen wollte. Schmidts anschließender Freistoß ging nur verdammt knapp über das Tor. 3 Minuten später erneut Freistoß von rechts, erneut von Schmidt. Diesmal ließ Leno den Ball fallen aber sofort hob der Linienrichter vorsichtshalber sein Fähnchen. Nach 85 Minuten versuchte es Wuttke ebenfalls über die rechte Seite, blieb mit seiner lachen Flanke allerdings erfolglos. Die Angriffe über die Tribünenseite liefen aber weiter, jetzt war es Petersen, der von dort flankte. Michael Gardawski setzte mit seiner letzten Aktion im FCC-Trikot den Ball aber köpfend über das Tor. (86.) Weiter kämpfte der FCC und nach Zuspiel auf Petersen im Strafraum versuchte der sein Glück mit einem Drehschuß, blieb aber glücklos. (87.) Den nächsten Schuß aufs Leno-Tor gab dann Ralf Schmidt aus 20 Metern ab, hatte aber ebenfalls weder Glück noch Erfolg. So starteten die Stuttgarter ihren letzten Angriff und als die Jenaer die Eingabe von halblinks nicht energisch genug aus der Gefahrenzone bringen konnten, stand es in der 90. Minute 1:2.

Daß die Jenaer mit dem letzten Angriff dann noch den Ausgleich erzielten, ihnen dieser aber wieder entrissen wurde, war am Ende lediglich ein Fall für die Statistiker, wenn ach ein betrüblicher. Der Verzicht, mit Schützenhilfe aus der Blumenstadt am Pokal des ungeliebten Ausrichters DFB teilzunehmen, stand da so oder so bereits fest.

Ganz am Ende dieser furiosen und kuriosen Saison (warum spielt eigentlich Amirante in Windeck kaum?) bleibt also doch noch die Frage: Wann wurde der Aufstieg verpaßt? (So nebenher: wann stand eigentlich der Klassenerhalt definitiv fest?) Okay, es ist leicht, die vergebenen Punkte gegen z. B. Haching, Bayern II, Heidenheim oder Wuppertal zu addieren. Aber müßte man da nicht sofort einige Punkte aus den Heimspielen gegen Aue oder Osnabrück abziehen? Und wie war das eigentlich mit den Siegen in Kiel oder Burghausen? Und gab es da nicht auch noch Nulles gehaltenen Elfmeter [[in Stuttgart? Die Antwort ist daher so simpel wie unbefriedigend – aber logisch: dies Punkte liegen irgendwo auf dem Weg langen Weg zwischen dem ersten Spiel und dem letzten Spiel der Saison.

Womit wir auch wieder bei Rene van Eck wären. Daß er überhaupt eine Mannschaft geformt und entwickelt hat, die bis kurz vor Ultimo noch Aufstiegschancen hatte, scheinen viele (vor allem seine Dauerkritiker) stets lapidar abzuhaken. Dabei schien es doch so, vor allem bedingt durch die Art seiner überraschenden Rückkehr, als könne er eh nur scheitern. Manchmal konnte man sogar den Eindruck gewinnen, sein Scheitern würde sehnsüchtig herbeigesehnt. Aber ist es nicht ein Verdienst van Ecks, allen widrigen Begleitumständen zum Trotz ein Saisonergebnis hingelegt zu haben? Mindestens 15 Vereine würden ihren Tabellenplatz sicher gerne mit dem Unseren tauschen. Darunter wären dann auch die selbsternannten Aufstiegsaspiranten aus Offenbach, Vieselbach und Dresden. Noch im Januar galten ein einstelliger Abschluß-Tabellenplatz und ein abstiegssorgenfreier Saisonausklang als hehre Ziele – jetzt im Mai diskutiert man die gestrigen Auswechslungen Gardawskis und Lukymias mit dem Pathos einer Staatsaffäre. Ein Trainer, der vom ersten Saisonspiel an gegen den Vorbehalt der unberechtigten Rückkehr ankämpfen mußte, antwortet mit seinem Team auf die doppelte Erstrundenschmach mit zwei 3:0 Auswärtssiegen und beendet die Saison auf Platz 5, mit 60 Punkten, mit 28 nicht verlorenen Spielen, mit einer positiven Tordifferenz und nur einer Niederlage mehr als der Tabellenerste! Aber in weiten Teilen der Jenaer „Fachkreise“ taugt eine solche Bilanz nicht mal für Respekt, im Gegenteil, sie gilt einigen sogar als Diskussionsgrundlage über die „mangelnde sportliche Befähigung“ des Trainers. Jenaer Fußball ist schon ein eigener Planet …

Sicher werden die nächsten Wochen und Monate für den FCC und seine „Macher“ nicht einfach. Im Übrigen gilt dies für alle Vereine, welche die Lizenz für die 3. Liga beantragt haben, denn diese ist nun mal keine Geldvermehrungsmaschine. In Jena hat man dies in den Jahren seit dem letzten Durchmarsch in Zweite Liga zu verdrängen gesucht und steht nun vor der Aufgabe, alte Fehler nicht zu wiederholen und neue zu vermeiden. Das wird nicht leicht, ist aber nicht unmöglich. Natürlich kann man stundenlang darüber debattieren, warum etwas nicht funktioniert. Man kann aber auch Zeit dafür verwenden, darüber nachzudenken, wie etwas funktioniert – und daran arbeiten. Egal wie, es wäre nicht die erste „Self-fulfilling prophecy“, die tatsächlich einträte.

In diesem Sinne bleiben Fußball und der FCC auch in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten die wohl schönste Nebensache der Welt …

Nur der FCC!
YNWA

--Kopfnuss