1952/1953 16. Spieltag: BSG Motor Jena - BSG Motor Zwickau 3:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 16. Spieltag
Saison Saison 1952/1953, Hinrunde
Ansetzung BSG Motor Jena - BSG Motor Zwickau
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 14.12.1952 14:00 Uhr
Zuschauer 16.000
Schiedsrichter Hans Haberland (Berlin)
Ergebnis 3:2
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena (blau-weiß)
Rolf Jahn
Harry Heiner, Bernhard Schipphorst
Georg Buschner, Karl Oehler, Wolfgang Fischer
Gerhard Gödecke, Gerhard Frank, Hans Ziehn, Siegfried Woitzat, Karl Schnieke

Trainer:

Zwickau (schwarz-rot)
Heinz Hippmann
Helmuth Möckel, Erhard Bauer
Manfred Fuchs, Hanno Breitenstein, Lothar Kunack
Herbert Heinze, Günter Witzger, Holger Tremel, Lothar Schürer, Siegfried Meier

Trainer: Erich Dietel

Spielbericht

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Schnelles Tempo voll durchgehalten

Jena erlebte mit diesem Treffen wohl seinen aufregendsten Oberligakampf, und die 16000 begeisterten Zuschauer ließen es an Anfeuerungsrufen für ihre Mannschaft nicht fehlen. Obwohl die Jenaer außer Chemie die einzige Mannschaft der Oberliga ist, die keinen hauptamtlichen Trainer besitzt, ist ihre ansteigende Leistungskurve erstaunlich. Mannschaftskapitän Schipphorst hat es als verantwortlicher Trainingsleiter verstanden, die Mannschaft zu einem starken Kollektiv zusammenzuschweißen. Der schwere Boden stellte an die 22 Akteure hohe Anforderungen, aber dennoch lieferten sich die beiden Gegner einen Kampf, bei dem sie sich gegenseitig nichts schuldig blieben. Und daß sie das schnelle Tempo bis zum Schluß durchhalten konnten, stellt die hervorragende Konditionsstärke heraus. In einer Resolution begrüßten beide Mannschaften die Wiederaufnahme des gesamtdeutschen Spiel- und Sportverkehrs und gaben dem Wunsch Ausdruck, daß nun auch die Durchführung der ersten gesamtdeutschen Fußballmeisterschaft noch in dieser Saison durch Verhandlungen erreicht wird.

Es dauerte einige Zeit, ehe sich die Spieler auf dem schwierigen Gelände zurechtgefunden hatten, und es war nur verständlich, daß ihnen am Anfang noch manches mißlang. Zwickau ließ Witzger von Beginn an zurückhängend spielen, und Trainer Dietel hatte mit dieser Maßnahme eigentlich keine glückliche Hand, denn mit nur vier Stürmern war bei der stabilen Jenaer Abwehr kaum durchzukommen. Dazu machten die Stürmer den Fehler, ihr Kombinationsspiel viel zu eng aufzuziehen, so daß die Angriffe fast ständig in den Füßen der gegnerischen Abwehr hängenblieben. Auch wurde oft ungenau gespielt, so daß den Spielhandlungen manchmal der Schliff fehlte. Die Außenläufer Fuchs und Kunack ließen sich allzu stark in die Defensive drängen und konnten somit ihren Stürmern nur wenig Unterstützung geben.

Das Gegenteil war bei Jena der Fall. Hier waren die Außenläufer Fischer und Buschner größte Aktivposten. Sie sorgten ständig für den nötigen Druck im Angriff und beherrschten souverän das Mittelfeld. Trotzdem hatte das Spielgeschehen gutes sportliches Niveau, da die Spieler mit vorbildlichem Einsatz kämpften und der wechselvolle Spielverlauf die Zuschauer in Spannung hielt. Die Jenaer Abwehr ließ sich auch durch den ständigen Positionswechsel der Zwickauer Spieler nicht beirren. Jeder Mann wurde genau markiert und vor allem Tremel nicht von Oehler aus den Augen gelassen, so daß der gefährliche Durchreißer nur selten zum Zuge kam.

Erfolgreicher war auf der anderen Seite Schnieke als Angriffsdirigent der Jenaer, dessen Aktionsradius auch von Breitenstein nicht eingeengt werden konnte. Schon nach zehn Minuten jubelte Jenas Anhang zum erstenmal, als Schnieke sich in meisterlicher Weise gegen Fuchs und Möckel durchsetzte und so mit wuchtigem Flachschuß, für Hippmann unerreichbar, den Ball ins Netz setzte. Dem Ausgleichstor von tremel ging eine prachtvolle Kombination von Meier und Schürer voraus, der sich von Spiel zu Spiel immer besser entwickelt. Woitzat sorgte durch ein herrliches Kopfballtor, auf Flanke von Gödecke, für den verdienten 2:1-Vorsprung Jenas. Auch in der in der zweiten Spielhälfte ließ die Spannung nicht nach.

Zwickau steckte nach dem dritten Treffer von Frank keinesfalls auf, sondern zog nun wieder Witzger in den Angriff und kämpfte unverdrossen um den Anschluß, den dann auch Meier, Zwickaus bester Stürmer, nach prächtigem Alleingang schaffte.

(Fritz Hillmer in "Die neue Fußballwoche" vom 16. Dezember 1952)