1973/1974 FDGB-Pokal Achtelfinale Rückspiel: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Lokomotive Leipzig 4:1

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Spieldaten
Wettbewerb FDGB-Pokal, Achtelfinale Rückspiel
Saison Saison 1973/1974
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Lokomotive Leipzig
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 17.11.1973 13:30 Uhr
Zuschauer 5.000
Schiedsrichter Gerhard Kunze (Karl-Marx-Stadt)
Ergebnis 4:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Bernd Bransch
Ulrich Göhr, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Helmut Stein, Harald Irmscher, Rainer Schlutter
Peter Ducke, Dieter Scheitler, Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
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Leipzig
Werner Friese
Peter Gießner
Gunter Sekora, Wilfried Gröbner, Joachim Fritsche, Manfred Geisler
Lutz Moldt, Henning Frenzel, Rainer Lisiewicz
Hans-Bert Matoul, Köditz (69. Wolfgang Altmann)

Trainer: i. V. Karl Zimmermann

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Spielbericht

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Hoffnung währte nicht lange

Der "Lange" winkte enttäuscht ab. "Da habe ich nun drei Tore gegen den FC Carl Zeiss geschossen, und trotzdem reicht es nicht." Mit dem Abpfiff der ersten Halbzeit stand Matoul im Mittelpunkt freudiger Ovationen seiner Mannschaftskameraden, nach Spielschluß suchten er und die gesamte Leipziger Elf schnell ihren Weg zum Bus. "Günstiger konnte unsere Ausgangsposition einfach nicht sein, als Matouls Kopfball schon zwei Minuten nach Duckes Führungstreffer für den Gleichstand sorgte. Ich rechnete wirklich nicht mehr damit, daß Jena noch drei Tore schießen würde", schätzte Lok-Trainer Karl Zimmermann später die Situation ein. Dieser Optimismus hielt mit Wiederanpfiff nur 40 Sekunden an - exakt bis zu jenem Zeitpunkt, da Vogel das 2:1 markierte!

Die Debatten nach Spielschluß waren von Unruhe und Unzufriedenheit geprägt - beim Sieger wie beim Unterlegenen. Warum? "Vogels Tor in der 58. Minute fiel hundertprozentig korrekt, weshalb kam da die Fahne?" Erregung bei Ducke und sämtlichen Jenaer Akteuren, die Heinemann regelrecht belagerten. Der Erfurter dazu: "Eindeutige Abseitsstellung." Schiedsrichter Kunze stand nicht nur hier im Brennpunkt, sondern auch in der 53. und 65. Minute, als er ein Handspiel von Gröbner im Strafraum tolerierte bzw. Duckes Foul an Fritsche am Torraum der Messestädter als nicht strafstoßreif übersah. Was der Referee zweifellos versäumte: Sich sofort energisch, mit aller Autorität, in Szene zu setzen. So glitten ihm einige Dinge aus der Hand, die den Lauf des Geschehens wahrlich nicht zum Guten beeinflußten.

Nach dem 1:1-Pausenstand noch 1:4 - Lok mußte deprimiert sein. 45 Minuten hatten die Gäste der einsatzstarken Spielweise Jenas getrotzt, sich im ständigen energischen Vorwärtsdrang des Gegners achtbar aus der Affäre gezogen, im Mittelfeld ihre Aktionen koordiniert. Doch dann? Jenas Temposteigerung, nun mit einer stärkeren Betonung der spielerischen Momente gepaart, deckte grobe Schwächen in der Deckungsorganisation der Gäste auf. Wer achtete auf Stein, den zweifachen Torschützen? Warum ließ Geisler mehrfach seinen Kontrahenten Irmscher ziehen, sich Fritsche allzuoft von dem antrittsschnellen P. Ducke düpieren? Fragen, die mit der Erklärung "ungemeiner Kraftverschleiß" kaum zu beantworten sind. Lok-Trainer Karl Zimmermann dazu: "Das 2:1 gleich nach dem Wechsel, bei dem meines Erachtens nach ein Foul an Geisler vorlag, brachte uns aus dem Rhythmus." Jenas Cheftrainer Hans Meyer wies auf den Dauerdruck seiner Elf hin, sprach vom geschickten Freispielen und hoher kämpferischer Moral, auf die es beim Stande von 1:1 in erster Linie angekommen sei.

Wo blieb das leidenschaftliche Aufbegehren des 1. FCL in der Schlußviertelstunde? Allein Gröbner brachte den Gastgeber noch einmal zum Zittern, als der sonst so zuverlässige, wie beim ersten Tor aber nicht entschlossen genug handelnde Grapenthin den Ball genau auf die Lattenoberkante lenkte. Der Tanz des Streitobjektes endete jedoch hinter dem Jenaer Gehäuse - damit war alles entschieden!

(Dieter Buchspieß in "die Neue Fußballwoche" vom 20. November 1973)