2005/2006 29. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - Rot-Weiss Essen 3:1

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Spieldaten
Wettbewerb Regionalliga, 29. Spieltag
Saison 2005/2006, Rückrunde
Ansetzung FCC - Rot-Weiss Essen
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 25.03.2006, 14:00 Uhr
Zuschauer 6.810
Schiedsrichter Schmidt (Stuttgart)
Ergebnis 3:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger Hasse, Ralf SchmidtGelbe Karte.gif
Tobias Werner, Stefan Kühne, Ronny ThielemannGelbe Karte.gif (40. Mark Zimmermann), Torsten Ziegner (69. Maik Kunze), Kevin Schlitte (72. Tim Erfen)
Fiete Sykora, Sebastian HähngeGelbe Karte.gif

Trainer: Heiko Weber


Essen
Maczkowiak
BembenGelbe Karte.gif, Víctor Hugo LorenzónGelbe Karte.gif, ThorwartGelbe Karte.gif, S. Lorenz
Bilgin (56. Calik), Kiskanc (66. Stefulj), Haeldermans, Younga-MouhaniGelbe Karte.gif (27. Boskovic),
M. Lorenz, van Lent

Trainer: Neuhaus

Spielbericht

Noch 12 Spieltage bis Saisonschluss und trotzdem Endspielatmosphäre in Jena. Essen reiste ins Paradies, der Souverän der Liga, gekommen, die Thüringer Aufstiegshoffnungen auf ihre Substanz zu testen. Eine Heimniederlage gegen die Rot-Weißen hätte Jenas stille Hoffnungen auf Bundesligafußball noch vor dem Erblühen platzen lassen können. Ein Punkt musste her, wenigstens.

Der erste Blick ins Rund beruhigte all jene, die bei einer Jenaer Pleite ein baldiges Ende der Aufstiegseuphorie befürchteten, denn der Zuspruch durch nicht einmal 7000 Zuschauer vermittelte kaum das Bild, Stadt und Region lägen in Trance und man winde sich geradezu im Fußballfieber. Dazu muss in Jena offensichtlich mehr geboten werden als eine Mannschaft, die als Oberligaaufsteiger nicht zuletzt dank der vier Rückrundensiege auf dem dritten Platz steht. Stolzes Fußball-Jena, manchmal fluche ich Deiner früheren Triumphe …

Die Stimmung litt deshalb aber nicht, auch wenn es anfangs noch wenig zu feiern gab. Der FCC leicht feldüberlegen, Essen jedoch mit der ersten Riesenchance zur Führung. Werner verlor im Mittelfeld den Ball und sofort wurde von RWE steil in die Spitze gespielt auf Younga-Mouhani, in der Vorwoche noch dreifacher Torschütze gegen Chemnitz. Im Unterschied zu dessen ersten Treffer gegen die Sachsen nährte sich der Kongolesen dem Jenaer Kasten jedoch von vorne, was den Überraschungseffekt um einiges minderte, und Essens Stürmer stand auch nicht Chemnitz’ Tor des Monats zum Duell gegenüber, sondern Christian Person, der durch sein rechtzeitiges Herauslaufen und Winkelverkürzen maßgeblich dafür sorgte, dass diese Spitzenpartie möglicherweise nicht solch einen Verlauf nahm wie in der Hinrunde das Jenaer Heimspiel gegen Holstein Kiel.

Der FCC hielt dagegen. Bei Werners Slalomlauf um rotweiße Fahnenstangen-Doubles fehlte beim finalen Pass noch die letzte Präzision, genauso wie kurz darauf bei Hähnges Freistoß. Doch dann kam der Moment, da Jena zur Zweitliga-Reifeprüfung schritt. Einen langen Ball auf Linksaußen behauptete Torsten Ziegner, zog zur Mitte und passte dann ansatzlos zu Hähnge, der in den Strafraum eingedrungen war. Der stoppte das Leder nicht, sondern legte mit der Hacke sofort ab ins Zentrum des Essener Sechzehners, wo von links Tobias Werner einlief und von rechts Kevin Schlitte, der nicht nur einen Schritt schneller war als sein Gegenspieler sondern auch kaltschnäuzig genug, überlegt einzuschieben. Ein Labsal fürs Fanauge, einfach Fußball fürs Lehrbuch.

Der Treffer zeigte Wirkung, hüben wie drüben. Younga-Mouhani verlor fast die Nerven und musste gelbrot-gefährdet nach 25 Minuten vom Platz genommen werden. Jena befreit, aber nicht leichtsinnig, weiter nach vorne spielend und nicht nur den Vorsprung verhaltend. Noch geriet das 1:0 nicht in Gefahr, denn so gefällig das Essener Spiel zuweilen wirkte; echte Torraumszenen ergaben sich daraus nicht. Wenn Essens Kapitän Bilgin nicht gerade von heimtückischen Schwerkraftattacken zu Boden gerissen wurde, mochte er im Mittelfeld elegante Haken im Dutzend schlagen, doch zum Jenaer Strafraum drangen weder er noch seine Gegenspieler durch. Im Gegenteil: Der Regionalligaspitzenreiter musste vor den Jenaer Kontern auf der Hut sein, vor allem, wenn die Blauen über ihre beiden starken Außen Werner und Schlitte zum Sturm ansetzten.

Der Todesstoß für RWE folgte jedoch durch die Mitte. Aus dem Jenaer Mittelfeld wurde ein langer Ball zum Essener Strafraum geschlagen, wo Sykora in Mittelstürmerposition lauerte, was für Rot-Weiß-Verteidiger Lorenz Grund genug war, Fiete an die Wäsche zu gehen. Sein Akt symbolischer Begattung blieb zwar den Augen der Sittenpolizei verborgen, nicht jedoch dem Blick des Schiedsrichters, der auf Freistoß entschied. Ziege legte sich den Ball in zentraler Position kurz vor der Strafraumgrenze zurecht und schaute dann, wie sich die Rot-Weißen zum Schutz ihres Tores zu formieren suchten. Bei der Art und Weise, wie das geschah, drängte sich mir allerdings der Gedanke auf: Mauern bauen können Ossis irgendwie besser!

Unser Kapitän grübelte jedenfalls nicht lange, warum sich der Rot-Weiß-Keeper ausgerechnet in die Ecke des Tores orientierte, die halbwegs durch die Mauer gedeckt war, und schob den Ball einfach durch jene Lücke, wo zuvor noch zwei Jenaer standen. Pogo im Stadion, grenzenlose Zuversicht im Rund. 2:0 gegen den Spitzenreiter, das war eine Hausnummer; mit diesem Pfund ließ sich wuchern, auch wenn die meisten Jenafans nur zu gut wussten, dass dieses 2:0 noch alles andere als eine Vorentscheidung war, denn dazu standen in den Reihen des RWE einfach zu viele Akteure, die ein Match allein dank ihrer individuellen Klasse drehen konnten. Zweimal gab es für Essen vor der Pause noch die Chance zum Ausgleich: Einmal zeigte sich Sykora nicht wählerisch, seinen Torhunger zu stillen, und setzte einen Kopfball knapp neben den Jenaer Pfosten und dann konnte kurz vor dem Pausenpfiff Person erst im Nachfassen verhindern, dass van Lent abstaubte.

Die Halbzeit-Zwischenstände aus Kiel, Düsseldorf und Münster trugen ihren Teil zur guten Stimmung im Zeissblock bei und so wie der FCC wieder aus der Kabine kam, stieg die Zuversicht auf einen Dreier im Spitzenspiel. Jena weiter die aktivere, aggressivere Mannschaft, gedanklich beweglicher, den Gegner mit spielerischen Mitteln beherrschend. Das 3:0 in der 52. Minute mochte unglaublich klingen, unlogisch war es nicht. Abermals war es Ziegner, der mit dem Ball am Fuß zum Essener Strafraum marschierte, dabei die Gegenspieler auf sich zog und so Platz schuf für Kühne, aus gut 20 Metern abzuziehen. Dessen Schuss wehrte Maczkowiak im RWE-Kasten noch ab, konnte das Leder aber nicht halten sondern nur nach vorne abklatschen, was im Verbund mit seiner etwas tapsigen Art, wieder auf die Beine zu kommen, die Möglichkeit für Sykora eröffnete, ihm den Ball durch die Hosenträger ins lange Eck zu legen. Die Vorführung des Spitzenreiters stand auf dem Höhepunkt.

Nun konnte der FCC einen Gang zurückschalten und Essen hatte ab der 60. Minute optisch mehr vom Spiel. Es nutzte den Gästen indes wenig, denn so wie Jenas Offensivfußball bis dahin begeistern konnte, so überzeugte jetzt die Defensive. Der FCC spielte Hase und Igel mit den Gästen, ließ sie im Mittelfeld gewähren, doch immer wenn es schien, die Rot-Weißen könnten wirklich torgefährlich werden, hieß es wieder: „Ich bin schon da!“, denn wurde mal ein Zweikampf verloren, war der nächste Jenaer helfend zur Stelle. Die letzte halbe Stunde mochte nichts Spektakuläres bieten, doch wie jetzt der beste Angriff der Liga faktisch zur Wirkungslosigkeit verurteilt wurde, zeigte nicht weniger eindrucksvoll, dass der FCC absolut die Qualität hat, im Aufstiegskampf mehr als nur eine Außenseiterrolle zu spielen. Nur eine Zufallschance für van Lent bot sich dem RWE, bis dann erst kurz vor dem Ende doch noch ein Treffer für den Spitzenreiter fiel. Das 1:3 war aber nicht mehr als ein Ehrentor für Essen, erzielt, als das Spiel schon lange gelaufen war und bei den Blauen deutlich wurde, dass sie eben nur Menschen und keine dauernd zum Angriff trommelnden Duracell-Häschen sind.

Seit diesem Samstag ist es kein Hochmut mehr, als Zeissfan vom Aufstieg zu reden, denn der FCC war im direkten Vergleich mit dem Topfavoriten für den Bundesligaeinzug in allen Belangen nicht nur gleichwertig sondern phasenweise sogar sichtbar überlegen und steht nun zurecht auf dem zweiten Platz, den es morgen in Kiel zu verteidigen gilt. Leider ist es mir nicht vergönnt, selbst an die Ostsee fahren zu können, um dort den KSV Holstein kieloben treiben zu sehen. So bleibt nur das Daumendrücken, nicht nur für Jena, sondern auch ein klein wenig für die kickenden Blumenkinder aus der Thüringer Landeshauptstadt, denen ich einen Erfolg gegen Lübeck wünsche; selbstredend wegen der Schrittmacherdienste für uns, aber auch, weil ich dieser Mannschaft bei aller Rivalität ein Erfolgserlebnis gönne, nachdem die Erfurter nun bereits im zweiten Auswärtsspiel nacheinander in einer Weise durch die Schiris beschi$$en wurden, bei der sich aus meiner Sicht jede Art von Schadenfreude verbietet.

--Al Knutone 14:25, 27. Mär. 2006