2006/2007 31. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - MSV Duisburg 3:3

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 31. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Rückrunde
Ansetzung FCC - MSV Duisburg
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Fr. 27.04.07 18:00
Zuschauer 10.481
Schiedsrichter Dingert (Thallichtenberg)
Ergebnis 3:3
Tore
  • 1:0 Sykora (18.)
  • 2:0 Fröhlich (34.)
  • 3:0 Sykora (39.)
  • 3:1 Grlic (68.)
  • 3:2 Lavric (82.)
  • 3:3 Grlic (85.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Giorgi Lomaia
Ronald Maul, Toni Wachsmuth, Alexander Maul, Felix HolznerGelbe Karte.gif
Christian FröhlichGelbe Karte.gif (65. Krzysztof Kowalik), Stefan Kühne, Mark Zimmermann (75. Sercan Güvenisik), Kevin SchlitteGelbe Karte.gif (83. Leendert van Steensel)
Fiete Sykora, Tobias WernerGelbe Karte.gif

Trainer: Frank Neubarth

Trikotfarben
Trikotfarben
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Duisburg
Beuckert
WeberGelbe Karte.gif (46. Kurth), Filipescu, SchlickeGelbe Karte.gif, Brugera (74. Book)
Willi, TararacheGelbe Karte.gif (46. Daun), MokhtariGelbe Karte.gif, Grlic
Lavric, IdrissouGelbe Karte.gif

Trainer: Bommer

Königliches Spiel (Spielbericht)

Sixpack drin und doch keinen Rausch …

Glaubt man (was nicht immer angebracht ist) dem Internetlexikon Wikipedia, wurde im Englischen der Begriff „Standard“ in seiner heutigen Bedeutung nur in Form des Königsstandards gebraucht. Im Namen und Zeichen des Königs (= der Standarte) festgelegte Normen wurden als maßgebend betrachtet.
Als Ergebnis der „Fußballreporter-Stummelsprache“ ist eine Standardsituation beim Fußball heute alles, „was früher einzeln Ecke, Einwurf, Freistoß oder Strafstoß hieß“ (Eckhard Henscheid 1982). Fußballmythenforscher Christian Eichler (2002) bezeichnet die Standardsituation gar als Überlebende des DDR-Fußballdeutsch, „die im Osten schon in den 70ern so hieß, im Westen erst seit Ende der 80er.“ Heute gibt es noch Standardprobleme, Standardergebnisse …
(Den Vogel schoss wohl Jürgen Höpfl am 15.08.2005 in der FAZ ab: „Das Standardproblem der Nürnberger nach Standardsituationen tauchte wieder auf.“)
Alles in allem hätte Frank Neubarth heute also König werden können, denn seine vorgegebenen Normen schienen sich durchzusetzen.

Nachdem 0:0 daheim gegen bereits abgestiegene Braunschweiger lagen bei den Gästen die Nerven blank. Trainer Rudi Bommer (den ich als Spieler [vor allem in seinen späten Jahren] immer irgendwie mochte) war so sauer auf sein Team, dass er nicht wie üblich im Mannschaftsbus sondern im eigenen Auto angereist war. Wie anders dagegen die Stimmung in Fußball-Jena nach dem der grandiose Auftritt im badischen Jammertal den gelungenen Neubarth-Einstand gegen Aue noch veredelte! Plötzlich sah man die Fans rings um das FP vor dem Spiel wieder Lachen und Scherzen - allgemeine Gelöstheit allenthalben. Zuversicht für das schwere Restprogramm war überall wieder angezeigt, auch wenn viele den MSV als den unangenehmsten aller noch zu bespielenden Gegner ansahen. Jedenfalls verging die Zeit bis zum Anpfiff ziemlich rasch, es galt auf die Tribüne zu eilen, um noch LL’s publikumsdankbares Interview zu erlauschen (cool auch die Aussage Hotschs zu seinem Fußballvorbild LL im „Anpfiff“), die Erwärmung der Jenaer Torwächter erstmals unter Anleitung des TW-Trainers auf dem Platz zu erleben und sich wieder mal zu wundern, welch jämmerliches Häuflein Auswärtsfans ein Aufstiegskandidat aus dem Westen gerade so zusammenkratzen kann. Das standardmäßige YNWA fehlte heute und beim Einlaufen der Teams gab’s dann auch erstmals die neue Riesenfahne der „Holzköpfe“ im Block A zu sehen.

Das Spiel begann so, wie es vor Wochen noch Standard im EAS war. Mit dem ersten Angriff des Spiels gingen die Gäste in Führung – fast. Da das Schiedsrichtergespann aber die Abseitsposition eines nicht (aktiv) ins Spiel eingreifenden Duisburgers monierte, blieb es beim 0:0. Nach 5 Minuten war deutlich, der FCC würde Neubarths Ankündigung, die Duisburger kommen zu lassen und möglichst auskontern zu wollen, strikt umsetzen. Die Unseren standen weit in der eigenen Hälfte und setzten auf ein massiertes Mittelfeld, welches jeweils die (hängende) Spitze Sykora oder die (vorderste) Spitze Werner schnell in Szene setzen sollte. Soweit die Theorie. In der Praxis war der MSV bis zur 15 Minute das spielbeherrschende Team, ohne jedoch selbst Torgefahr zu erzielen. Die kam erstmals nach 16 Minuten auf, als Willi zum Sechzehner zog, beim Abschluss allerdings nur knapp der Verknotung seiner Füße entging und weit am FCC-Gehäuse vorbei zog. Zuvor gab es in der 8. Minute die bis dahin erste und einzige Chance der Weißen, als eine Holzner-Flanke von rechts durch Tobi per Kopf in den Fünfmeterraum gebracht wurde, dort CF allerdings einen Schritt zu spät kam.

Minute 17 wurde mit einem Standard auf rechts eingeläutet. Werner zieht den Freistoß schön nach innen, und Beuckert scheint den Ball locker zu pflücken. Doch Filipescu hatte Lust auf Körperkontakt mit seinem Keeper, der ob dieser Offerte allerdings schnell das Spielgerät fallen ließ. Da brauchte man Fiete nicht lange zu bitten und so schob er die Murmel doch noch zum 1:0 über die Linie. Jena führt! Was ist hier bloß los?!
Der MSV braucht 5 Minuten um sich halbwegs zu fassen und dann ist es Idrissou der nach einem Querpass ab- und verzieht. Nun erhöhen die Anbetungswürdigen ihrerseits den Druck und verlagern das Spiel in die MSV-Hälfte. Als KS in der 25. Minute auf TW flankt, kommt er den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Bevorzugte Standardsituation in dieser Phase: Eckbälle – und diese versteht Tobi recht gefährlich zu schlagen. Eine davon schwebt daunenkissenweich auf des Wachsers Haupt und da Kühne den Ball clever passieren lässt, geht der Ball ins rechte E... – an den rechten Pfosten. Mist!
Dann (35.) wieder ein Standard für die Platzherren auf rechts, diesmal schnell ausgeführt auf Zimmermann, der zeigt, dass er auch wunderschön Flanken kann, CF degradiert seinen Bewacher zur Parkuhr und der Ball liegt zum zweiten Male im richtigen Tor! 2:0! Nee, nee, was ist nur mit dieser Truppe los!? Unglaublich!!
Zwei Minuten später ist es TW, der wieder mal die Massen von den Sitzen reißt, als er sich auf dem kürzesten Weg Richtung Beuckert begibt, allerdings rüde gefoult wird. Dennoch, auf dem Rasen regiert zu dieser Zeit nur der FCC! Sollten sich irgendwo im Thüringischen Seismographen befinden, so wäre es interessant zu erfahren, welche Ausschläge diese in Minute 40 registrierten. Es ist Fröhlich, der einen Standard (wieder mal ein Freistoß) an den Pfosten setzt, was dazu führt, dass der schnell schaltende Sykora erneut seinen Fuß an den Ball bekommt – und der ist wieder drin! Nicht zu fassen: DREIZUNULL!!!
Wenn das Weiße Ballett überhaupt in dieser Saison konsequent und gnadenlos eine deutlich erkennbare Taktik umgesetzt hat, dann in diesen ersten 45 Minuten. Was für eine abgezockte Halbzeit. Entzückte Fassungslosigkeit ob des Gesehenen im EAS. Alle schienen sich die Augen zu reiben oder gegenseitig zu kneifen um zu prüfen, ob dies alles nicht nur ein flüchtiger blaugelbweißer Traum sei! Aber nein, es war Göttliche Realität: Halbzeitstand FCC-MSV 3:0!!!

Als Sportfreund Dingert zur Pause bat, war die Zeit gekommen, dass Bommer vollendete, womit er schon während HZ 1 begonnen hatte. Er verlor jetzt den letzten Rest meiner Sympathie, aber wer sich 43 Minuten lang in unsäglicher finkescher Manier am Spielfeldrand gebärdet und eigenes Mannschaftsversagen in wirklich jeder Situation dem Schieri ankreidet, ist einfach nur arm. Und mit der Schmierenkomödie, die er beim Verlassen des Platzes nach HZ 1 aufführte, hat er sich selbst jeglichen Respekts beraubt.

Duisburgs Nachpausenelf verfügte über 2 zusätzliche Stürmer und kurzzeitig schien es, als zeigte dies Wirkung. Jedenfalls schien Lohmeiers FCC-Virus-Infektion weiter vorangeschritten, zeigte er sich doch in der 46. Minute 2x unsicher beim Rauslaufen. In der Anfangsviertelstunde der 2. HZ schien der MSV sich dann doch irgendwie in sein Schicksal zu fügen, zeigte jedenfalls spielerisch gar nix mehr. Die MSV-Kicker verlegten sich jetzt gänzlich aufs Lamentieren und Diskutieren und einige der MSV-Fans zeigten mit ihrem Liedgut, zum zweiten Male, dass sich ihr IQ weit unterhalb der paradiesischen Grasnabe befand. Einen ersten Beweis ihrer Beschränktheit hatten sie ja bereits geliefert, in dem sie es zuließen, dass eine Fahne der Unaussprechlichen in ihrem Block hängen durfte …
Schade, dass in dieser Phase Kühne bei Fietes wunderbarer Kopfballablage knapp im Abseits stand, kurz darauf Ronny M. nach seinem prächtigen Solo die Kraft für einen erlösenden Abschluss fehlte und auch TW nach Schlittes Flanke um Haaresbreite zu spät kam (56./57.59).

Dann waren 65 Minuten um und FN wechselte. Was gegen Freiburg (aufgrund Voigtscher Abwehrpräsenz) noch gut ging, ging heute völlig daneben. Aber ein pausentee-trinkender FCC-Fan traf wohl später den viel zitierten Nagel auf den viel beschlagenen Kopf als er sprach: „Mit Fröhlich hat er unserem Spiel die Seele genommen.“ So war es wohl auch. Die nun erfolgten Umstellungen unserer Abwehr hauchten dem mausetoten MSV wieder Leben ein und sämtliche Jenaer Souveränität wich im Minutentakt. Plötzlich gewann sogar der in HZ 1 nur durch dämliche Fouls und noch dämlicheres Geschwätz aufgefallene Idrissou seine Kopfbälle und einen davon konnte Lomaia in der 67. gerade so parieren. Dann bekamen auch die Duisburger einen Standard zugesprochen und durch eine löchrige weiße Abwehrmauer setzte Grlic den Ball in die Torwartecke zum 1:3. Irgendwie hatte sich diese Bude angekündigt, aber wer in Freiburg die Dauerbelagerung der Jammerkicker überstanden hatte, würde sich doch in den verbleibenden 20 Minuten nicht um den Lohn seiner bis dahin erstklassigen Arbeit bringen lassen! Oder? Jetzt kam alles zusammen: die Pottis witterten Morgenluft, den Anzubetenden fehlte die Atemluft und von Entlastung durch Ballhalten war wegen Fröhlichs Fehlen auch nicht mehr viel zu sehen. So war es nicht wirklich verwunderlich, dass schon 2 Minuten später wieder höchste Alarmbereitschaft in unserem Heiligtum herrschte.

Aber das könnte uns ja jetzt in Minute 71 alles schnurzegal sein, schließlich würde Herr Dingert nach dem klaren Foul an Tobias W., bei dem der Verteidiger m. E. zumindest auf der Strafraumlinie war (und die gehört ja zum Strafraum), zum Elfmeter pfeifen – tut er nicht?!! Mehr als ärgerlich, dass er sich gerade in dieser Situation von seiner Linie abbringen ließ und somit die Duisburger Taktik des ewigen Rumsülzens Erfolg zeigte. Jetzt (75.) entscheidet sich FN, auch noch Zimme auszuwechseln und dafür Güve zu bringen. Diese Aus-, bzw. Einwechslung hätte spiel- und somit vielleicht auch klassenerhaltentscheidend sein können. Doch zunächst geht der Eingewechselte auf der rechten Seite pfeilschnell nach vorn und passt mustergültig auf den mitgelaufenen Fiete. Statt den Ball weiter nach links zum freien TW zu kicken, packt Fiete jedoch der Dreier-Ehrgeiz, er schießt selber und der Ball geht am Kasten vorbei. So muss Lomaia in der 80. Minute den nächsten Idrissou-Kopfball noch gerade so über die Latte hieven. Noch zehn Minuten bis zur Wochenendglücksseeligkeit!!! Noch 10 lange Minuten. Noch 10 zu lange Minuten: es folgt die nächste Standardsituation, diesmal Freistoß von links. Der Ball geht scharf auf den langen Pfosten und da zwei Weiße nur halbherzig zum Kopfballduell hochsteigen, kann Lavric diesen erreichen und es steht 3:2.
8 Minuten noch und so richtig scheint weder das Weiße Ballett noch das Publikum zu wissen, wie man diese Zeit überstehen soll. Doch jetzt kann Sercan G. es all seinen Kritikern zeigen und Matchwinner des heutigen Abends werden (84.). Zunächst treiben die Guten den Ball gekonnt durchs Mittelfeld und dieser kommt auf Rechtsaußen zum inzwischen eingewechselten LvS. Von dessen Pass auf den in der Mitte lauernden Güve ist Filipescu derart angetan, dass er sich ehrfurchtsvoll zu Boden wirft. Ein einziger kleiner Direkt-Kick des 4 Meter frei vor Beuckert stehenden Sercan G. würde jetzt reichen und das EAS würde zum Epizentrum einer Eruption, die in wenigen Kilometern Entfernung wieder mal Flutlichtmasten einstürzen lassen würde. Doch statt zum Tor-Helden zu werden, bleibt Güve vorerst ein Maulheld. Er kommt nämlich auf die völlig falsche Idee, diesen Ball stoppen zu wollen, was ihm dann auch noch derart gründlich misslingt, das dieser feine Spielzug sich im Nichts dieses Freitagabends auflöst …
Haare raufend, Augen verdrehend und Flüche ausstoßend zittert man noch ganzleibig, als schon zur nächsten Standardsituation gepfiffen wird. Noch wehrt man sich tapfer, aber tief im Innern der geschundenen Fanseele beginnt eine fiese Stimme leise zu flüstern. Grlic läuft an, diese verfluchte innere Stimme wird lauter. Grlic tritt an den Ball, die innere Stimme legt nochmals zu. Der Ball ist unterwegs und jetzt ist die innere Stimme nicht mehr zu überhören. Der Ball schlägt neben Lomaia ein und die innere Stimme schreit dich an: „So eine Sch…! Das darf doch nicht wahr sein! Aber es musste ja so kommen!“ (85.)
Als ich mich halbwegs beruhigt hatte und mit der rechten Hand schon wieder schreiben konnte, habe ich spontan Folgendes auf’s Papier gekritzelt: „Haltbar“. Der zweite Freistoß der in der Torwart-Ecke einschlägt. Dort hat der TW zu stehen! Hebt Grlic den Ball elegant über die Mauer – okay, das ist dann halt so. Aber das er ihn sozusagen geradeaus in die TW-Ecke hämmern kann, ich weiß nicht, ich weiß nicht …
Nach 89 Minuten hätte Lavric uns wie Axel Schulz in die Seile schicken können. Danken wir der Evolution, dass Lavric nicht 2 Zentimeter länger geworden ist und der FCC gegen den MSV Duisburg letztendlich 3:3 „verloren“ hat.

Mit dem Schlusspfiff brach nach minutenlangem Schweigen die Zeit der Standardsätze an:

  • So ein Spiel darfst du nicht mehr hergeben.
  • 3 Mal derselbe Freistoß.
  • 2 Punkte verschenkt.
  • 1 Punkt gewonnen.

Platz 1 der Standard-Spruch-Hitliste: „Also wenn mir vor dem Spiel jemand gesagt hätte, …“
Richtig sind die Sätze alle. Leider. Zum Glück. Was auch immer …

Wir haben gegen einen Aufstiegsaspiranten einen Nichtabstiegsplatz erkämpft. Warum sollen wir den nicht auch am Sonntag noch innehaben? Und dann gilt es eben, diesen zu verteidigen! Noch immer hat diese Saison genug Spielminuten, um blaugelbweiße Helden hervorzubringen! Warum nicht schon in einer Woche in Burghausen?
(Jetzt, wo auch Fiete wieder trifft und alle es ja schon immer wussten, wie gut er doch ist.)

Lasst uns dabei sein – ab in den Süden!
YNWA!


--Kopfnuss 2:15, 28. Apr. 2007 (CEST)