2007/2008 DFB-Pokal 1. Hauptrunde: 1. FC Gera 03 - FC Carl Zeiss Jena 0:3

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Spieldaten
Wettbewerb DFB-Pokal, 1. Hauptrunde
Saison Saison 2007/2008
Ansetzung 1. FC Gera 03 - FC Carl Zeiss Jena
Ort Stadion der Freundschaft
in Gera
Zeit 05.08.2007, 14:00 Uhr
Zuschauer 8.200
Schiedsrichter Bandurski (Essen)
Ergebnis 0:3
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Gera
Roß
Großert, Fuhrmann, Tobias Friedrich, Neubert (80. Tröger),
Weißhaupt, Andy Raab (55. Schlachta), Sebastian Barich (62. Janke); Bloß
Embingou, Mike Sadlo
Trainer: Nico Quade
Trikotfarben
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Jena
Kasper Jensen
Felix HolznerGelbe Karte.gif, Alexander Maul, Darlington Omodiagbe, Michael Stegmayer
Niels Hansen, Torsten Ziegner (57. Christian Fröhlich), Robert Müller, Stefan Kühne (82. Filip Tapalović);
Tobias Werner, Nils Petersen (57. Jan Šimák)
Trainer: Frank Neubarth

Spielberichte

Thüringen-Derby im DFB-Pokal

Der Zufall wollte es, dass dem Thüringer Landespokalgewinner unter 32 Möglichkeiten ausgerechnet der einzige Profiverein des Freistaates zugelost wurde. Dies rief bei Gera 03 zunächst wenig Begeisterung hervor. In der Endabrechnung sollte es sich aber im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht haben, waren doch mindestens zwei Drittel der Stadionbesucher dem FCC-Lager zuzuordnen.

Dieser Fraktion fuhr nach zwei Minuten allerdings erst einmal der Schreck in die Glieder. Neuzugang Omodiagbe bekam an der eigenen Grundlinie nicht mit, dass er gleich von zwei Gegenspielern verfolgt wurde. Der Versuch des Herausspielens musste zwangsläufig scheitern, Sadlo jagte ihm das Leder ab, Raab schob es parallel zur Torlinie vors Jensen-Gehäuse – wo sich allerdings kein Mannschaftskamerad aufhielt. Nach dieser Schrecksekunde übernahm der Favorit die Regie. Da Roß Ecke Nummer drei unterlief, ergab sich für Junioren Nationalspieler Petersen die erste Gelegenheit (10.), gefolgt von Werners Kopfball drei Minuten später, der knapp am rechten Pfosten vorbei strich. Es war der Auftakt zu einer ganzen Serie von Chancen des Tobias Werner, dem besten Jenaer an diesem Tag. Als wolle er allein die Meinung widerlegen, Jena leide unter akutem Stürmermangel, wirbelte der eigentlich auf der linken Mittelfeldposition beheimatete Werner die gegnerische Abwehr tüchtig durcheinander. In der 19. Minute mit Flachschuss neben das Tor, in der 22. mit Kopfball, in der 37. mit Heber über Torwart und Latte sowie in der 42. mit einem Solo. Und zum einzigen Treffer in Hälfte eins leistete er die Vorarbeit: Nach Werners Flanke überwand Stefan Kühne Geras Keeper mittels Flugkopfball. Die Ausgleichsbemühungen der Platzherren blieben im Ansatz stecken, weil Jenas Akteure wie vom Trainer gefordert die Zweikämpfe eins zu eins annahmen und in der Mehrzahl als Sieger daraus hervorgingen. An welch seidenem Faden solch ein 1:0 dennoch hängt, wurde in Minute 45 deutlich. Ein Freistoß von Stefan Bloß wurde leicht abgefälscht, Jenas neuer Keeper Jensen holte ihn gerade noch aus dem Dreiangel.

Auch nach dem Wiederanpfiff behielt der FC Carl Zeiss das Geschehen weitestgehend im Griff. Mit Stefan Kühne mauserte sich ein weiterer gelernter Mittelfeldspieler zum Torjäger, stand mehrfach ganz nah vor seinem zweiten Erfolgserlebnis. Die letzte Ausgleichschance des Oberligaaufsteigers datiert aus der 72. Minute, als sich Stegmayer in den Schuss des freistehenden Janke warf. Kurz darauf wurde Werner im gegnerischen Sechzehner von den Beinen geholt, sorgte Fröhlich vom Punkt für die Vorentscheidung. Doch erst ein Treffer von Tobi Werner rundete diesen Nachmittag ab. Von Jan Simak mit kurzem Antritt und klugem Pass in Szene gesetzt, ließ Werner dem Kraus-Vertreter Roß keine Chance. „Ihr könnt zur BUGA geh’n“, sangen Jenas Fans daraufhin in Richtung der allmählich abwandernden Geraer Zuschauer. Da Tröger eine Minute vor Schluss einen Ball von der Torlinie holte, blieb es bei Gera null - drei gegen den FC Carl Zeiss.

Jenas Mannschaft mit sechs ihrer Neuzugänge bekam am Ende viel Beifall für ein ordentliches Spiel bei sommerlichen Temperaturen. Wobei alle wissen, dass der erste echte Prüfstein dieser Saison erst am kommenden Freitag in Aachen bereitliegt.

--Frank Cichos, 06. Aug 2007 (CEST)

Nachbetrachtung DFB-Pokal Gera-Jena

Die Saison ist noch jung doch fast schon verdorben: Die Bayern dominieren den Ligapokal, Rot-Weiß Erfurt ist Regionalligatabellenführer – der Fußball zeigt sein hässliches Gesicht. Da passt es ins Bild, dass in Jena gerade die Welt untergeht, zumindest jene, die um das runde Leder kreist. Statt Agali nur Agonie im Jenaer Sturm, statt Regionalliga-Weltstar Brunnemann nur Georgier, polnische Nigerianer und am Ende sogar ein Hollenda als Neuzugänge. Und dafür kutscht der Lindemann noch durch die Welt! Geht doch viel billiger! Der braucht sich doch bloß bei der JeNah ´ne Monatskarte holen, dann die Wunschkicker der Reihe nach ins EAS zitieren, ihnen die Vertragsbedingungen diktieren, unterschreiben lassen, fertisch! So einfach funktioniert das; meinen zumindest einige Dachstubengenies im hiesigen Forum

Gegen derartige Schwarzmalerei hilft fürs erste ein Sieg im DFB-Pokal gegen Gera. Da im Rahmenprogramm dieses Jahrhundertereignisses extra eine Bundesgartenschau veranstaltet wird, sorgt der Ansturm von rund 6000 Zeissfans nicht nur für Heimspielatmosphäre sondern auch für eine Anstoßverschiebung auf 14.10 Uhr. Für Omodiagbe ist das immer noch zu früh, um aus dem mittäglichen Nickerchen aufzuwachen, so dass sich für Geras Andy Raab bereits in der 3. Minute die große Chance zur Führung für die Hausherren ergibt. Es ist für lange Zeit die letzte Möglichkeit der Geraer und der Sohn des einstigen Jenaer Stürmeridols fällt danach nur noch auf, wenn er mit Ex-RWE-Tausendschönchen Marco Weißhaupt darum wetteifert, wer sich am effektvollsten die Haare in den Nacken werfen kann.

Dabei wären die beiden Ger´schen Chippendales mit anderen Aufgaben ausgelastet gewesen, denn nach dem Strohfeuer der Anfangsminuten spielt nur noch Jena. Hansen fungiert als Kampfschwein wie Ideengeber, Stegmayer überwindet schnell seine Ehrfurcht vor dem großen Namen des Gegners und vorne läuft Tobi Werner den Elstermarathon. Nur ein Tor fällt nicht, trotz guter Chancen und eines Geraer Torwarts, der in einem Schneewittchenfilm die Wahl zwischen 7 Hauptrollen hätte, aber wohl nicht den Prinzen spielen würde. So fängt nach einer guten Viertelstunde meine Tochter an, mich mit Neuerungsvorschlägen zu bombardieren, ob man das Geraer Tor nicht irgendwie auseinander ziehen könne.

Doch in der 20. Minute reichen 7,32 Meter Länge aus, damit Stefan Kühne ein Plätzchen findet, wohin er den Ball per Kopf versenken kann. Irgendwie habe ich schon jetzt das Gefühl, dass hier nichts mehr anbrennt, denn am Grundmuster des Spiels ändert sich nichts. Jena diktiert die Partie nach Beliefen, schlampert allerdings mit seinen Chancen. Und läuft kurz vor der Halbzeit Gefahr, urplötzlich einen eingeschenkt zu bekommen, als Geras Bloß einen 30 Meter-Freistoß an Jenas Zweimann-Mauer vorbei donnert und Kaspar Jensen seine beste Szene hat, indem er den Ball mit einer Faust über die Querlatte lenkt. Das hätte ins Auge gehen können.

Zum Fanal eines Aufbäumens der Hausherren in Halbzeit zwei wird diese Chance allerdings nicht. Was die Geraer nach dem Wechsel an Offensivbemühungen veranstalten, dürfte jeden Hersteller von Pomade angesichts der exzellenten Absatzchancen mit der Zunge schnalzen lassen. Jena bietet zwar auch keinen Zauberfußball, kontrolliert aber nach wie vor das Match. Nur vergisst man bei der Chancenverwertung, dass es nicht unmöglich wäre, ein 1:0 aufzuholen und sei es nur infolge des einzigen brauchbaren Geraer Angriffs in der 72. Minute, als es im Jenaer Strafraum ein bisschen aussieht wie in der Villa Kunterbunt.

Aber schon im Gegenzug fällt die Vorentscheidung. Nachdem Tobias „Rustikus“ Friedrich an der Strafraumgrenze das Bein gegen Tobi Werner stehen lässt, drischt der eingewechselte Christian Fröhlich den fälligen Elfer gewohnt sicher in die Maschen. Im Zeissblock steigt sofort die Gewissheit, dass damit quasi die letzte Hürde auf dem Weg nach Berlin genommen sei und bei den Heimzuschauer erwacht schlagartig das Interesse an Forsythien und Buchsbaumsträuchern. Alle, die nun gehen, verpassen den schönsten Spielzug des Tages: Simak der Göttliche hat seinen Auftritt. Kurz nach der Halbzeit eingewechselt, hatte er schon zuvor in einigen Szenen angedeutet, dass seine Spielkunst nicht von dieser Welt ist. Seine Finten, seine Lust, den Gegner zu düpieren, dass alles hatte etwas Besonderes. Aber es war noch kein großer Fußball, dafür fehlte die Effizienz. Ein bisschen erinnerte mich Simak dabei an die ersten Spiele von Torsten Ziegner, als der 2004 wieder nach Jena kam und anfangs so affektiert auftrat, als wolle er vor allem zeigen, dass er eigentlich zu gut für diese Liga sei.

Dann aber kam der Augenblick, wo alles passte: Der Göttliche nahm sich den Ball an der Mittellinie, streichelte ihn, ließ die Irdischen ins Leere laufen und tänzelte so bis zum Strafraum, um dort genau im richtigen Augenblick den tödlichen Pass auf Werner zu spielen, der dann endlich sein Erfolgserlebnis hatte und zum Endstand einschob. Damit wurde die Jenaer Überlegenheit auch in Toren sichtbar. Am Schluss stand ein Ergebnis, dessen Deutlichkeit ich zuvor nicht erwartet hätte und dass ich auch nicht überbewerten möchte, dafür war zu offensichtlich, dass der 1. FC Gera eine Mannschaft ist, deren Klasse zwar ausreicht, um Truppen wie Ulstertal Geisa, Sondershausen oder Rot-Weiß Erfurt zu schlagen, aber nicht ein besseres Regional- oder gar Bundesligateam. Trotzdem war der Sieg wichtig; finanziell, für die Stimmung unter den Fans und wohl auch für die Moral des FCC, denn nichts wäre schöner, als das Gefühl zu konservieren, eine schwarz-gelb bewamste Truppe auf deren Ground besiegen zu können.

--Al Knutone 0:52, 07. Aug 2007 (CEST)