2004/2005 17. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - VFC Plauen 2:0

Aus FCC-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 17.Spieltag
Saison Saison 2004/2005, Hinrunde
Ansetzung FCCVFC Plauen
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 11.12.04 14:00
Zuschauer 4.439
Schiedsrichter Zwayer (Berlin)
Ergebnis 2:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Daniel Kraus
Thorsten Görke
Faruk HujdurovicGelbe Karte.gif, Toni Wachsmuth (88. Patrick Leutloff), Krzysztof Kowalik
Stefan Treitl, Torsten Ziegner, Felix HolznerGelbe Karte.gif (51. Tobias Werner), Alexander MaulGelbe Karte.gif
Sebastian Hähnge, Miroslav Jovic (43. Andreas Schwesinger)

Trainer: Heiko Weber


Plauen
Golle
Pietsch (Rote Karte.gif, 89.)
HölzelGelbe Karte.gif, RischGelbe Karte.gif, Popa Gelbe Karte.gif
Schulze, Paulick, Dashi, Pannach
Zapyshny, Reimann (73. Kellig)

Trainer: Vogel

Spielbericht

Noch auf dem Weg zum Stadion klingelte das Handy. „Ob ich denn ahne, wer heute für Jena auflaufe?“, frug Ixelchen mit gespielter Naivität, so als wisse er nichts von der Weberschen Marotte, bei der Aufstellung auf meinen weisen Rat zu verzichten und die Leute stattdessen nach eigenem Gutdünken aufs Feld zu schicken. Meine Verwunderung angesichts der Reaktivierung von Pferdelunge Treitl hielt sich indes in Grenzen, denn obgleich dieser beim letzten Auftritt des VFC Plauen im EAS nicht unbedingt das Spiel seines Lebens machte, fand ich Treitls Rückkehr an den Tatort vom 18. April nicht so beunruhigend wie das, was sich der Benno noch an Absonderlichkeiten bei der Mannschaftsaufstellung ausgedacht hatte. Es mochte ja noch angehen, im Mittelfeld mit Felix Holzner einen Akteur aufzubieten, der von seiner Statur her noch locker für die Auswahl der Jungpioniere spielberechtigt wäre, aber Toni Wachsmuth in die Dreierkette zu stellen, das war selbst für mich bekennenden Anhänger der Nachwuchsförderung zu viel des Jugendwahns.

Wenigstens beim Durchschnittsalter stand die Jenaer Defensivabteilung in der Blüte ihres Manneskraft, denn Methusalix der Ältere genannt Hujdurovic durfte wie gewohnt auf rechts dem zentral aufgebotenen Thorsten Görke adjutieren. Abgesehen von einem Wachsmuth-Wackler in der 1. Minute und einem seitlich eingesprungenen Rittberger Faruks kurz nach der Pause erwies sich die Abwehr, als bisheriges Sorgenkind des FCC, entgegen meiner Befürchtung während der Partie ziemlich sattelfest und gestattete den Plauenern im Ganzen nur drei hochkarätige Chancen. Nach vorne sah es derweil nicht so überzeugend aus. Auch wenn Jena im Gegensatz zum letzten Plauener Gastspiel wesentlich aktiver war als im Frühjahr, wo sich die blaugelbweißen Kaninchen über weite Strecken darin gefielen, in der Hoffnung stille zu sitzen, dass die gelbschwarze Schlange schon nicht zustoßen werde, erzielten Ziegner und Co. kaum größere Wirkung gegen die Vogtländer, sieht man von den Chancen ab, die sich für Hähnge (12.), Hujdurovic (17.) und Ziegner (21.) ergaben. Bedingt durch den festgefrorenen und rutschigen Boden operierten die Weißen viel mit langen Bällen und ließen sich damit notgedrungen auf die VFC-Taktik ein.

Die Plauener folgten der bekannten Marschroute, ausgehend von einer gut gestaffelten Abwehr das Mittelfeld schnell zum Kontern zu überbrücken. Unmittelbar vor und nach der Pause hatten sie damit fast Erfolg, als Zapyshnyi nach seinem Solo an Kraus scheiterte (44.) und sich Reimann noch den Ball von Maul ablaufen lief (47.) Im Anschluss an diese zweite Großchance rissen die Vogtländer für einige Minuten das Heft des Handelns an sich und als Jena in der 57. Minute den Ball nicht aus dem eigenen Sechzehner bekam, hätte es bei einem knapp neben den Pfosten gehenden Schuss Paulicks fast bei Kraus geklingelt. Plauens beste Phase dauerte allerdings keine Viertelstunde, dann ergab sich wieder das gewohnte Bild. Jena zwar im Vorwärtsgang, jedoch ohne tatsächliche Torgefahr. Letzteres galt gleichfalls auf der Gegenseite, mochte Tino Vogel auch noch so sehr die Psychokeule schwingen und in der 72. Minute mit Kellig jenen 1:0 Torschützen des Frühjahrs einwechseln, der um den Titel „Hainichens missratendsten Sohn“ ringt (Sein größter Kontrahent ist ein Knabe dieser Stadt, der seit September im Real-Madrid-Shirt durchs EAS läuft, bloß weil ein gewisser Michael Owen zu den Königlichen wechselte.)

Die Partie schleppte sich nun mehr und mehr über die Runden. Das letzte Quentchen Spielfluss wurde zu allem Überfluss durch den Schiri zerstört, weil der einer Vorstellung von korrekter Zweikampfführung anhing, die man beim Mädchenbasketball als extrem körperlos empfinden würde. So kamen nur Freunde des Kick´n Rush voll auf ihre Kosten, und wer sich aus Begeisterung für diesen Spielstil gern die Hosen nass macht, sollte an diesem Nachmittag an reichlich Wechselwäsche gedacht haben. Dem FCC fehlten trotz allen Bemühens augenscheinlich die Mittel, um eine Entscheidung erzwingen zu können. So begann ich mich mit dem Unentschieden zu arrangieren: „Besser als ´ne Heimpleite wie im April, festgefrorener Boden läßt Kombinationsspiel eben nicht zu, außerdem fehlen noch Zimme und Manai, das Spiel mit hohen Bällen liegt den athletisch starken Vogtländern, mindestens drei Punkte Vorsprung sind ja auch nicht schlecht.“ Es ließ sich einiges anführen, um der eigenen Unzufriedenheit zu begegnen, denn glücklich konnte man bei dem Spiel nun bei Gott nicht werden. Ein 0:0 im letzten Heimspiel vor der Winterpause, das wirkte ein bisschen wie ein Herbstmeister 2. Klasse.

Doch dann kam Schwesinger. Von ihm war nach seiner Einwechslung nicht sonderlich viel zu sehen und deshalb wünschte man sich bei einer Hähnge-Flanke in der 77. Minute, dass Jenas Goalgetter auch Empfänger der eigenen Eingabe wäre. Aber da stand jetzt Schwes. Mit dem Rücken zum Tor bekam er den Ball, behielt ihn nicht nur am Fuß, sondern drehte sich mit dem Leder wie kleines dickes Müller in seiner besten Zeit und zog aus der Drehung ab. Am verdutzten Plauener Keeper vorbei flog der Ball in Richtung langes Eck und knallte an den Pfosten. So unverhofft diese Chance gekommen war, so sehr schien man im Jenaer Block auf dieses Erlebnis gewartet zu haben. Mit dieser Einzelaktion wischte Schwes mit einem Mal alle die wohl abgewogenen Gründe beiseite, die man sich als Zeissfan vorher zurecht gelegt hatte, um den Verlust zweier Heimpunkte akzeptabel erscheinen zu lassen. „Warum“, so fragten sich Dutzende auf der Haupttribüne in diesem Augenblick: „Warum sollen wir uns mit einem Remis zufrieden geben, wenn Schwes eben vorexerzierte, dass diese Plauener doch nicht unverwundbar sind?“

Und so erhoben sich dort, wo zuvor noch resignierende Stille herrschte, mit einem Schlag Hunderte Zeissfans und riefen und schrien es hinaus, wer hier der Herr im Haus ist und der souveräne Spitzenreiter der Liga: „JENA! JENA!“. Dieser Ruf zeigte Wirkung , nicht nur bei den Blaugelbweißen sondern auch bei den Gästen aus dem Vogtland, die urplötzlich daran erinnert wurden, dass sie 12 Minuten vor dem Ende das angestrebte Remis noch lange nicht sicher in der Tasche hatten. Der FCC bekam den zweiten Atem und noch bevor die Plauener vor dem unerwartet aufziehenden Sturm in Deckung gehen konnten, war es um sie geschehen. Weiter Görke-Einwurf an den Strafraum, Kowalik verlängerte mit dem Kopf auf Schwesinger, der konnte den Ball zwar nicht selbst verwerten, sah aber Alexander Maul in seinem Rücken anstürmen und legte diesem die Kugel so zurecht, dass dem VFC gegen dessen Direktannahme mit dem langen Bein auch kein Pfosten mehr helfen konnte. „JAAAAAAAAA! TOOOOOOOOR!“ Fußball kann so geil sein!

Noch war der Sieg nicht in trockenen Tüchern, auch wenn die jetzt befreit aufspielenden Jenaer nachsetzten und durch Tobias Werner aus spitzem Winkel fast noch einen drauf gepackt hätten (80.). Doch auf der Gegenseite gab es Freistoß aus einer Position, die um einiges besser war, als jene beim 3:3-Ausgleichstreffer des HFC vor zwei Wochen. Drohte ein Déjà-vu? Nicht an diesem Tag, denn die Sekunden nach der Ausführung durch Zapyshnyi wurden zur Prozession des Jenaer Triumphes. Kraus fing den Ball, schlug ihn bis hinter die Mittellinie, dort leitete Hähnge direkt weiter in den Lauf von Werner, der FCC-Youngster stürmte allein aufs VFC-Tor zu und bevor ihn ein Verteidiger der Vogtländer vor dem Strafraum stellen konnte, blieb Werner beinhart und zog so scharf und platziert ab, dass sich Golle nur umsonst streckte. Der Treffer passte zu diesem besonderen Spiel, zu diesem besonderen Tag, an dem die Lahmen wieder zu laufen und die Blinden wieder zu sehen schienen und ein Tobias Werner aus knapp 20 Metern den Kasten traf, den er Wochen vorher noch aus wenigen Schritten Entfernung verfehlte.

2:0 gegen Plauen, dass war angesichts der bisherigen Vergleiche mit diesem Gegner fast schon ein Kantersieg und selbst wenn die Partie noch nicht am Ende stand, wussten auch die meisten VFC-Fans, dass an diesem Nachmittag in Jena nichts so holen war. Viele Vogtländer machten sich als dann schon Minuten vor dem Abpfiff auf den Heimweg, womit sie sich nicht als die schlechtesten Verlierer erwiesen, denn die Niederlage mit Anstand und Würde hinzunehmen gelang nicht allen Plauenern an diesem Tag, am wenigsten VFC-Verteidiger Pietsch, dessen beherzter Tritt in die Hacken des durchgebrochenen Patrick Leutloff ihn als klassischen Fall für den Einsatz der Super Nanny auswies. Aber das interessierte kaum noch an diesem Nachmittag. Der FCC hatte drei Big Points gegen den ärgsten Verfolger eingefahren, in einem Match, dass bis kurz vor Ende keinen Sieger zu finden schien. Die Männer von der Saale hatten nicht brilliert und sie besaßen in einigen Situationen auch das Glück, dass ihnen in anderen Partien fehlte. Aber der FCC hatte sich diesen Sieg in einem Kampfspiel erarbeitet und damit nicht nur den Plauenern, sondern auch den anderen Verfolgern gezeigt, dass man auf jede Herausforderung eine Antwort weiß und alle nach dem 3:3 gegen Halle und dem 1:1 in Meuselwitz bei den Gegnern geweckten Hoffnungen auf einen erneuten Jenaer Einbruch zerschlagen kann.

--Al Knutone