2006/2007 21. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SC Rot-Weiss Essen 2:0

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 21. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Rückrunde
Ansetzung FCC - Rot-Weiss Essen
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 11.02.07 14:00
Zuschauer 7.019
Schiedsrichter Pickel (Mendig)
Ergebnis 2:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Giorgi Lomaia
Ronald Maul, Toni Wachsmuth, Alexander VoigtGelbe Karte.gif, Leendert van Steensel
Christian Fröhlich, Filip Tapalovic, Mark Zimmermann (67. Fiete Sykora), Kevin Schlitte (59. Felix Holzner)
Mohammed El BerkaniGelbe Karte.gif, Mikheil Ashvetia (73. Sercan Güvenisik)

Trainer: Heiko Weber

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Essen
Zaza
Lorenz, Kläsener, Hysky, Bieler
Victor Hugo Lorenzon, Bemben (67. Boskovic), Epstein (56. SergioGelbe Karte.gif), Oezbek (84. Haeldermans)
Okoronkwo, Calik

Trainer: Köstner


EC-Traum ausgeträumt (Spielbericht)

(… aber Georgien ist ja so nah.)

Wohlwollenden Samaritern gleich hatte sich der FCC in den letzten beiden Spielen gegen BS und Köln präsentiert. Erst sorgte man mit einer über weite Strecken undiskutablen Leistung für ein kurzzeitiges (aber wohl unbegründetes) Aufflackern niedersächsischer Klassenerhaltshoffnungen und eine Woche später verhalf man bereits demoralisierten rheinischen Schafszüchtern per Blackout zu drei überglücklichen Punkten im selbst vorgegaukelten (und hoffentlich erfolglosen) Aufstiegsrennen. Der FCC als Lebensretter bereits klinisch Toter – sollte sich dieses mildtätige Helfersyndrom auch heute fortsetzen, hätte der Verein wohl beste Chancen über die (undurchsichtige) Fairplay-Regelung der UEFA doch noch im nächsten EC-Wettbewerb zu starten. Diese Chance haben sich die Unsrigen heute verbaut – Europa muss (noch) warten.

Nach dem Köln-Trip galt es also auch heute wieder die Augen mit der schlimmsten aller Farbkombinationen zu quälen. Diese Aussicht, gepaart mit den Strapazen des Klassenerhaltkampfes scheint bei einigen wenigen FCC-Anhängern schon etwas die wahre Farbenlehre durcheinander zu bringen. Wie sonst sollte man sich die Heckablage jenes vor einem parkenden Altenburger KFZ erklären, auf welcher neben dem FCC-Kissen noch je ein weiteres von Wismut A. und dem BVB drapiert waren? Geht’s noch?!

Von einem sächsischen-schwedischen Silberpfeil samt seiner innensitzenden FCC-Family vorbildlich über die Straße gelassen, schien sich schon mit Eintreffen am SC-Stand ein Glückstag anzubahnen: Ich, der ich weder beim Trommel- noch beim Frösi-Preisausschreiben und schon gar nicht im Lotto je irgend etwas Nennenswertes gewonnen habe, wurde stolzer Besitzer des allerersten ausgegebenen Rückrundenkalenders! Danke, Gunner!

Um den angekündigten oberreussischen Verbalattacken zu entgehen, hatten sich die Vereinsoberen doch entschlossen, nach dem Motto „Freier Zugang zu Block A für freie Bürger“ zu handeln. (Überhaupt machte die Security heute einen relativ entspannten Eindruck, vermutlich hatten einige ihre Schlachten schon tags zuvor im Sachsenpokal geschlagen.) Und so herrschte schon reichlich vor Anpfiff prächtige Stimmung in diesem gefahrenlastigen Teil der Tribüne, die sich bei Zieges Erscheinen nochmals steigerte. Gemeinsam mit einer anderen ewigtreuen FCC-Fan-Seele blieb beim Blick auf das kümmerliche Auswärts-Häuflein noch Zeit, die Frage zu erörtern: Wieso reisen sogar solche (westlichen) „Traditionsmannschaften“ wie die heutige zu einem Sonntagsspiel nur mit derart wenigen Supportern an? Zumal es ja auch für die Jungs von der Hafenstraße so etwas wie die allerallerletzte Chance war!? (Mal ganz abgesehen davon, dass der FCC zu einem Spiel in Köln mehr Auswärtsfahrer mobilisiert als die Kölner bei ihren zwei Gastauftritten im Paradies zusammen.) Beim anschließenden YNWA drehte ich mich nochmals zu meinem Gesprächspartner (Der Nickname entspricht übrigens einer „beliebten“ Nachspeise aus präkapitalistischer Vorzeit) um und so bot sich mir das Bild des Tages: Die Pupillen auf unendlich gestellt, den Schal stolz in die Luft gereckt stand er da schweigend, völlig in sich gekehrt, allem Weltlichen entrückt, eins mit sich und seiner Leidenschaft …

Leidenschaftlich ging auch gleich Zimme auf der linken Seite zuwerke, aber noch ging das wohl alles etwas zu schnell für Kevin Schlitte (2.). Aber auch die Leidenschaft der Zuschauer wurde sofort wachgerüttelt und diesmal tat Schiri Pickel sein Bestes hierfür: Einen Meter von Voigts Fuß entfernt erhebt sich dessen Gegenspieler in die Lüfte, zelebriert einen eingesprungenen aber gestürzten Rittberger und Voigt sieht zu Unrecht Gelb. Überhaupt hatte man in HZ 1 den Eindruck, Herr Pickel sei seiner Haftschalen verlustig gegangen und wolle sich mit der Methode „Im Zweifel für die Roten“ ins Ziel retten. Denkbar aber auch, dass er und sein Assi auf der Tribünenseite einfach ihre Sehhilfen vertauscht hatten, denn so viele übersehene Abseitsstellungen bzw. falsche Einwurf- und Eckenentscheidungen galt es lange nicht mehr zu erdulden. Nur gut, dass sich in dieser Zeit das Weiße Ballett davon unbeeindruckt zeigte und einfach konsequent ackerte, kämpfte und das im Abstiegskampf erforderliche Maß an Unverdrossenheit zeigte. (Das erkannten auch die Essener und beendeten ihre verfrühte Simulanten- und Zeitspielphase zwischen der 5. und 10. Minute ganz fix wieder.)

Hatte RWE bis zur 15. Minute gelegentlich noch selber den Weg nach vorn eingeschlagen, gab’s danach Einbahnstraßen-Fußball und der Pfeil zeigte eindeutig in Richtung Marathontor.
Das alles entscheidende Signal gab unser altmärkischer Kämpfer mit seinem kapitalen 16-Meter-Schuss in Minute 20, der das Lattenkreuz anschwebte. Also versuchte es „Kevin allein auf Rechts“ schon eine Minute später erneut, passte in die Spitze, aber genau dieses Teil seines Fußes bekam El Berkani nicht mehr an den Ball. Egal, die Ruhmreichen hatten Lunte gerochen und waren heiß aufs erste Tor, dennoch auch in Minute 29 blieb erneut KS erfolglos. Nun zeigte Fröhlich (sehr kampfstark und agil heute), dass man auch mal von der anderen Seite in Essens Sechzehner eindringen kann, spielte prächtig Zimme frei, aber auch dem klebte neben zentnerweise Schlamm noch tonnenweise Pech am Stiefel (32.) Wenn auch links nichts geht, probier ich es eben nochmals über rechts, schien sich da Schlitte zu sagen und zog in der 39. eine anfangs noch ziemlich harmlos erscheinende Flanke in den ekelfarbenen Strafraum. Doch noch eh die Flanke sich zu senken begann, stieg 11 Meter vor dem Tor Ashvetia wie aus dem Nichts in die Höhe. Sein georgisches Goldköpfchen veredelte Kevins Ball im genau richtigen Moment und so segelte die Kugel gemächlich, majestätisch und unaufhaltbar durchs blaugelbweiße Paradies und landete am Ort seiner wahren Bestimmung – in Zazas Kasten!
Tooooooooor!
Jubel kann ja so befreiend sein!

Und so gefährlich. Denn als unsere glückstrunkenen Jungs noch etwas unkonzentriert diese Sekunden auskosteten, starteten die Essener ihren bis dato besten Angriff, dem Schuss auf Lomaias Kasten fehlte allerdings die nötige Genauigkeit. Letzter Aufreger vor der Pause war dann in der 43. Minute eine skandalös Freistoß-Entscheidung gegen Wachser (Klasse, was der heute an Kopfbällen hinten rausfuhrwerkte!) unseres Tribünen-Assistenten. Allerdings war dann auch der Einzige im ganzen Stadion, der die Flanke im Aus gesehen haben wollte …
Pause.
Gleiches Fazit wie in Köln: Das war doch mal ne HZ, die sich sehen lassen konnte. Die Göttlichen beherrschten ihren Gegner in allen Belangen (und das war ein hartes Stück Arbeit, die Gäste nieder zu kämpfen, denn in den ersten 20 Minuten waren die Essener weit stärker als viele andere Gastteams, die zu dieser Zeit aber meist schon 1:0 führten) und boten dabei teilweise sogar richtig ansehnliche Spielzüge auf dem tiefen Boden. Auch der Funke auf das Publikum war entsprechend übergesprungen.

Wundersamerweise begann die 2. HZ mit Voigt, der am Rande einer GRK zu stehen schien. Aber wie der Junge mit dieser Hypothek über die zweite HZ kam, verdient allerhöchsten Respekt. Minute 52 bot dann allerdings eine erste Kostprobe von dem, was nun des Öfteren folgen sollte: Lomaia rettet per Fußabwehr vor einem heranstürmenden Essener, auch wenn der Pass diesen m. E. im Abseits erreichte. (Nicht auszudenken was geschehen wäre, hätte der Zuspätgekommene sich zu einer spektakulären Flugeinlage entschlossen!) 3 Minuten später versucht es Essens überragender Spieler, Lorenzon, mit einem 20-Meter-Geschoss. Als wäre es die normalste Sache dieser Welt fängt unser georgischer Löwe dieses Ding in aller Seelenruhe sicher wie die Bank von England! Damit gab er einigen Spinnern af der Tribüne wieder mal Gelegenheit, das zu tun, was diese Vollpfosten bei jeder Ballberührung Lomaias taten: Sie sangen „Christian Person – hast Du das gesehen, Christian …?“ Nun ist uns allen klar, dass CP in den letzten Wochen eine schwere und sicher nicht seine beste Zeit hatte. Aber er hat, zumindest nach außen, klaglos seine Versetzung in die zweite Reihe akzeptiert und auch daher derart Dümmliches nicht verdient. Wer solcherart hämischen Unfug absondert, sollte sonntags lieber „Wünsch Dir was im MDR gucken“ und sich über die drastischen Worte der übrigen Zuschauer nicht auch noch beklagen.

Beklagenswert war allerdings die Tatsache, dass die Unvergleichlichen sich jetzt viel zu sehr in die eigene Hälfte drängen ließen und es ihnen nicht gelang, Ball und Gegner vom eigenen Strafraum fern zu halten. Selbst bei nasskaltem Wetter führt derartiges Verhalten zu Schweißausbrüchen und gefährlich unrhythmischem Herzschlag. Getoppt wurde dies eigentlich nur noch durch LvS, als dieser nach Spielunterbrechung wegen Verletzung in atemberaubender Art und Weise die Essener per Einwurf zum Ausgleich ermuntern will. Dass Ashvetia in der 63. den Ball am 11-m-Punkt nicht richtig trifft, passt zu dieser Zeit ebenfalls ins Bild. Hatte HW mit Holzners Einwechslung für den grandiosen Schlitte in der 59. noch alle Zuschauer auf seiner Seite, sah dies mit Fietes Hereinnahme für MZ (67.) schon anders aus. Pfiffe und „Fiete!-Fiete!“-Rufe waren gleichermaßen zu hören. Allerdings gab FS in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung eher seinen Kritikern Recht, er kam einfach nicht ins Spiel. Eine Minute nach seiner Einwechslung verträumt er eine weite Flanke und Lomaia kratzt den Ball katzengleich über die Latte. Aber unsere georgische Mauer hatte noch längst nicht alles gezeigt, was er so im Repertoire hat. Wie der Georgier Kläseners Kopfball nur eine Minute später um den Pfosten drehte, war sensationell und an diesem Tag wohl spielentscheidend.

Hoffnung auf Entlastung brachte Güves Einwechslung. Und tatsächlich gelang es ihm in einigen Situationen zu zeigen, warum sie ihn in Münster einst verehrten. Der Mann hat Auge und ein elegantes Füßchen! An dem werden wir (hoffentlich) noch Spaß haben. Dennoch, zunächst drückt weiter RWE und so manche Stirn- und Sorgenfalten gruben sich immer tiefer in die Gesichter der Umstehenden. (An dieser Stelle dickes Lob an meinen unbekannten, ca. 50-jährigen Sitznachbarn. Was der in 90 Minuten an Support leistete, war sensationell – und macht mir Hoffnung fürs eigene Dasein.) Aber mit Lomaia im Kasten, lassen sich Flanken und Schüsse derzeit halbwegs entspannt ansehen – ob Fangen, Fausten oder Rauslaufen, auch heute hat er mich überzeugt.

Nach 79 Minuten scheint plötzlich Güve auf dem Weg zu seinem ersten Tor im EAS. Herrlich, wie er sich links durchtankt und auf Zazas Tor zusteuert. Uneigennützig spielt er das Leder jedoch in die Mitte, (wo am Ende Felix verzieht) statt einfach mal egoistisch allein die Bude zu machen ….. Wieder heißer Tanz im Mittelfeld. El Berkani gibt aber nicht klein bei, erobert sich den Ball, läuft nach vorn, sieht neben sich Felix starten und spielt diesen an. Sollte Holzner je Fontane gelesen haben, müsste im justament Effi Briests Lieblingssatz einfallen: „Dies ist ein weites Feld.“ Aber anders als die ewig unentschlossene Effi schnappt sich Felix zum Äußersten entschlossen die Kugel und zieht mit all seiner jugendlichen Unbekümmertheit unaufhaltsam in Essens Sechzehner. Zaza kommt auf ihn zu und will den jungen Wilden stoppen. Aber in diesem Moment stoppt Holzner keiner! Nein, Holzner spielt den Zaza nicht aus – er tanzt ihn aus! Butterweich gleitet der Ball in den 5-m-Raum und Fiete tut das, was ein Joker tun muss: Er steht im entscheidenden Moment am richtigen Ort.
ZWEIZUNULL!!!
Alles tobt, Ekstase bricht sich Bann! (87.) Ziege, der zuvor von der Seitenlinie aus seines Zampano-Amtes waltete mitten im Gewühl der Glückseeligen! Drei himmlische Minuten bis zum Abpfiff bleiben! Drei Minuten ewig ersehnten Glückstaumels! Drei Minuten einfach nur feiern!
Schluss!!!

Während die Erbärmlichfarbenen sich von ihren Mitgereisten übel bepöbeln lassen müssen, haben sich die Göttlichen ihre Schlussovationen reichlich verdient. Und Lomaia verschwindet lächelnd aber ohne triumphale Jubelposen mit Ashvetia im Schlepp gen Kabine …

Die Mannschaft hat über weite Strecken ihre Zweitligatauglichkeit bestätigt und einen Konkurrenten in die Knie gezwungen. Von mir aus mag man lange diskutieren, wer wohl heut „der Beste“ war: Lomaia? Schlitte? Zimmermann? Die Torschützen? Der FCC hat (endlich mal wieder) ein Spiel gezeigt und gewonnen, das die Zuschauer begeistert hat, das zählt!
Ja, es war nur ein Sieg und auch der bringt nur 3 Punkte.
Ja, es gab neben Erfreulichem auch Besorgniserregendes.
Egal, heute zählt nur dieses Spiel samt Glücksgefühl.
Alltag war gestern, Alltag ist morgen.
Heute ist: FCC – RWE 2:0!!! – und das ist gut so!

Und am Sonntag ist Paderborn. Dann gilt wieder:
Nur der FCC!!!


--Kopfnuss 22:17, 11. Feb 2007 (CET)