1980/1981 26. Spieltag: Berliner FC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena 2:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 26. Spieltag
Saison Saison 1980/1981, Rückrunde
Ansetzung Berliner FC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena
Ort Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
in Berlin
Zeit Sa. 30.05.1981 15:00 Uhr
Zuschauer 30.000
Schiedsrichter Klaus Peschel (Radebeul)
Ergebnis 2:1
Tore
  • 1:0 Netz (51.)
  • 2:0 Riediger (79.)
  • 2:1 Kurbjuweit (87.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Berlin
Bodo Rudwaleit
Norbert Trieloff
Michael Noack, Rainer Troppa, Artur Ullrich
Bernd Brillat (25. Rainer ErnstGelbe Karte.gif), Frank Terletzki, Ralf Sträßer
Hans-Jürgen Riediger, Bernd Schulz (85. Dirk Schlegel), Wolf-Rüdiger Netz

Trainer: Jürgen Bogs

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase Gelbe Karte.gif
Gert Brauer, Lothar Kurbjuweit, Wolfgang Schilling
Gerhardt Hoppe, Andreas KrauseGelbe Karte.gif (46. Ulrich Oevermann), Lutz LindemannGelbe Karte.gif
Andreas BielauGelbe Karte.gif, Jürgen Raab (65. Konrad Weise), Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer


Spielbericht

Titel-Tore durch die Flügelflitzer

Vom zögernden Abtasten, vom vorsichtigen Agieren hielt der Meister nichts, setzte vielmehr voller Elan um, was sein Trainer angekündigt hatte: "Ein Remis steht für uns nicht zur Diskussion!" Der BFC suchte sofort die Offensive, band die Gäste durch entschlossenes Handeln in deren Hälfte. Artur Ullrich stürmte mehrfach wie ein Flügelflitzer los, Noack eilte nach vorn, und selbst Trieloff hielt es einmal nicht hinten (12.). Da auch die BFC-Mittelfeldreihe sich eher aus dem wohl verordneten Pärchenbetrieb löste (Brillat-Lindemann, Terletzki-Krause, Sträßer-Hoppe), nahm der Gastgeber das Heft des Handelns in die Hand. Riediger huschte seinem unerbittlichem Bewacher Schilling einige Male davon, Netz versetzte zunächst Brauer. Doch die angestrebte Führung fiel nicht. Zum einen, weil der Kontrahent über eine festgefügte Abwehr mit einem Torwart der Sonderklasse verfügte, zum anderen, weil die Schnelligkeit der BFC-Aktionen zu viele Ungenauigkeiten nach sich zog.

Dennoch, dieses Anrennen hinterließ Wirkung. Der FC Carl Zeiss fand nicht die richtigen Mittel, dem Ansturm zu begegnen. Er reagierte nervös, mitunter sogar hektisch (Krause), kam einfach nicht dazu, entsprechend zu reagieren. "An sich bestand überhaupt kein Grund für uns zur Nervosität", meinte Konrad Weise später. "Doch sie war eben vorhanden. Der BFC wurde früher Herr seiner Nerven, gewann deshalb verdient." Das Urteil eines echten Sportsmannes!

Und was der BFC in dieser Phase einleitete, das setzte er unmittelbar nach Wiederbeginn fort. Da gab es kein Aufstecken, weil die Tore fehlten, da wurden die Anstrengungen vielmehr verdoppelt. Sechs Ecken allein zwischen der 48. und 51. Minute! Das ließ die Jenaer nicht zur Ruhe kommen, ihre Deckung brüchig werden. Kein Zweifel, daß genau in dieser Zeit die Vorentscheidung fiel: Terletzkis Eckball, insgesamt der zehnte, wurde zu kurz abgewehrt. Noack drängte nach, "und ich verlängerte seinen Schuß direkt ins Tor", schilderte Netz diese Szene.

Zwar steigerte sich der Herausforderer nach dem 0:1, setzte alles auf eine Karte, stürmte entschlossener, hatte auch durch Vogel seine beste Möglichkeit. Doch den platzierten Schuß des Routiniers ("Ich hänge noch ein Jährchen dran!") parierte Rudwaleit im Stile eines Klassemannes (56.). Das Geschehen wurde wohl ausgeglichener, noch kampfbetonter, doch gerade in dieser Phase spielerisch etwas gelöster. Im Drang der Jenaer behielten die Berliner kühlen Kopf. Und ein klassischer Konter in die entblößte Deckung der Gäste sorgte nach einem Freistoß, den Schulz verlängerte, für die Entscheidung. "Ich rechnete mit der Kopfballstärke von Bernd, lief schon vorher los", strahlte Riediger nach dem Abpfiff.

Es spricht für die Klasse der Zeiss-Elf, daß sie sozusagen mit fliegenden Fahnen zwar nicht unterging, vielmehr noch einmal vieles versuchte. Doch mehr als den verdienten Anschluß gestattete ihr der diesmal stärkere BFC nicht.

Es liegt in der Natur derartiger "Endspiele", daß sie kampfbetont verlaufen, und es wäre töricht anzunehmen, hier müsse auch spielerisch alles geboten werden, was man vom Aufeinandertreffen unserer beiden besten Vertretungen zu erwarten habe. Wer das fordert, geht an der Wirklichkeit vorbei, übersieht die Belastungen, denen die Aktiven ausgesetzt sind. Dennoch hätte man sich mitunter ein betonteres Hinwenden zu technisch gekonnten Aktionen gewünscht, voller Witz und Ideen. Deshalb indes zu hadern, das wäre nicht nur verfehlt, das würde auch den Leistungen der beiden "Finalisten" nicht gerecht. Da gab es schon Szenen von einiger Qualität zu sehen; ob das nun Ullrichs Verteidigerspiel war oder Paraden von Grapenthin und Rudwaleit, Terletzkis Pässe oder Schillings Bemühen, Schnuphases kraftvolle Aktionen oder Troppas eiskaltes Abwehrverhalten, um nur einiges zu nennen. Und schließlich, die Tore zeigten es anschaulich: Der BFC gewann auch deshalb verdient, weil es seine Flügelstürmer verstanden, sich in entscheidenden Szenen ihren Kontrahenten zu entziehen.

Meister wird man nicht durch ein Spiel, sondern in der Summe von 26 Treffen. Und in denen bewies der BFC Dynamo, daß er unsere beständigste Vertretung ist. Wobei nicht nur ihm, sondern allen unseren Mannschaften, die uns in den EC-Wettbewerben repräsentieren werden, klar sein dürfte: Würde darf nicht zur Bürde werden, aus ihr aber muß die Verpflichtung erwachsen, international das Beste zu geben.

(Klaus Schelegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 2. Juni 1981)