2005/2006 09. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SG Wattenscheid 09 1:0

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Spieldaten
Wettbewerb Regionalliga, 09. Spieltag
Saison Saison 2005/2006, Hinrunde
Ansetzung FCC - SG Wattenscheid 09
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 16.09.2005, 19:30 Uhr
Zuschauer 2.889
Schiedsrichter Otte (Damme)
Ergebnis 1:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Christian Person
Ronny Thielemann, Holger Hasse, Faruk HujdurovicGelbe Karte.gif
Fiete Sykora (64. Carsten Paulick), Ralf Schmidt, Felix Holzner, Tobias Werner, Kais Manai
Maik Kunze (57. Visar Rushiti (80. Michael Bochtler), Sebastian Hähnge

Trainer: Heiko Weber


Wattenscheid
Joswig,
Schikora (80.Ohnesorge), Koitka, Matlik, Terranova (70.Pereira),
Özkaya, Iyodo, MatarazzoGelbe Karte.gif, Caspers,
Baumann (85.Jost), Toborg

Trainer: Kreß

Spielbericht

„Aller guten Dinge sind vier!“, weiß der durch den Oberligaaufstiegskampf gestählte Zeissfan und wollte diese Regel nach drei Heimspielen ohne Sieg nun mit einem Dreier gegen Wattenscheid bestätigt sehen. Dank eines Pädagogen aus der Fastolympiastadt an der Pleiße wurde der FCC dabei durch die drei Abrafaxe unterstützt. Angesicht der beschämend spärlich gefüllten Ränge wünschte ich mir indes insgeheim, der Leipziger wäre Fan der Schlümpfe, wodurch man im EAS wenigstens die 3000er-Marke erreicht hätte, aber derartige Präferenzen passen wohl leider nicht zu einem Vicki Vomit-Fan mit offensichtlichen Ambitionen auf den Gewinn des Ozzy Osbourne-Ähnlichkeitswettbewerbes.

Umso mehr passte dann das Geschehen auf dem Rasen zu der Art, wie der FCC seine Zuschauer im Paradies in dieser Saison umschmeichelte. Es brauchte 8 Minuten, bis Jena abermals zum „Vorne pfui, hinten huj(durovic)!“-Motto der bisherigen Regionalligaheimspiele fand. Diesmal war es allerdings Hasse, der sich bei einem Zweikampf vorm eigenen Strafraum verscheißern ließ und so dem Wattenscheider Toborg die Möglichkeit eröffnete, den Schwänzern der Heimpartie gegen Münster zu demonstrieren, wie Jena dazumal das 0:1 kassierte. Zum Glück sorgte der Vorführeffekt dafür, dass der Ball vorbei flog und einen weiteren Anlauf gestattete der FCC seinen Gästen vorerst nicht, sondern kam im Gegenzug durch den guten Kapitän Thielemann selbst zu einer erstklassigen Einschussmöglichkeit.

Dabei blieb es vorerst in einer Partie, die zwar beidseitig offen geführt wurde, der es jedoch an klaren Chancen mangelte, auch wenn Jenas Spielanteile signifikant höher waren; aber das konnte man ja auch über die bisherigen Heimspiele des FC Carl Zeiss sagen. Eine weitere Parallele stach ins Auge: Die Schiedsrichterleistungen. Ich möchte den Herren in Schwarz nicht den Vorwurf machen, parteiisch zu entscheiden, wohl aber in einem Maße kleinlich zu pfeifen, dass einem die Lust am Fußball vergeht. Sollte die am Freitag erlebte Form der Bewertung des Zweikampfverhalten wirklich den common sense des DFBs widerspiegeln, dann wünschte ich mir von Seiten der Fußballverantwortlichen auch die Konsequenz, die Spieler künftig in schmucke blaue oder rosa Strampler zu stecken und unter der strengen Auflage, sich einander nicht auf weniger als drei Schritte zu nähern, Wattebäusche vor sich her rollern zu lassen, damit man sich beim Kicken nicht gar zu sehr wehtue. Da wüsste man als Fan wenigstens, woran man wäre, und müsste nicht mehr unter der Annahme ins Stadion gehen, dass Fußball eben ein Kampfspiel sei, zu dem das energische Fighten um den Ball und eine gesunde Zweikampfhärte einfach dazu gehören.

Vielleicht überrascht man die Fußballfans ja demnächst mit solch einer Regelnovelle. Ernsthaft verwundert würde es jedenfalls nicht in einem Land, wo sich ein absonderliches Wesen wie das Merkel der ernsthaften Hoffnung hingeben darf, Kanzlerin eines Gemeinwesens von gut 60 Millionen stimmberechtigter Bürger zu werden, wenngleich man ihr im Osten dieses Landes vielleicht einen Strich durch die Rechnung macht, weil es den Menschen des hiesigen Landstrichs eben an der Klugheit der Bayern fehlt, deren intellektuelle Überlegenheit man schon allein daraus erschließen kann, dass dortzulande solche rhetorischen Begabungen wie Ede Stoiber oder Loddar Matthäus hervorgebracht wurden. (Ich gebe jedoch zu, dass es kaum einen Unterschied macht, ob man sich als Otto Normalverbraucher zünftig weiter von Geeeerd oder doch von der Ex-FDJ-Trullala Angie schröpfen lassen darf; allerdings sollten ästhetische Aspekte bei einer Wahlentscheidung nicht völlig außen vor bleiben).

Doch zurück zum Spiel. In der 38. Minute zeigte sich der Wattenscheider Spielwitz, als ein 09er einen Freistoß in halbrechter Position aus gut 25 Metern außen an der Jenaer Zweimannmauer vorbei auf das kurze Eck des FCC-Tores schlug. Jenas Keeper zeigte aber nicht nur in dieser Szene, dass keine x-beliebige Person beim FC Carl Zeiss zwischen den Pfosten steht. So ersparte Person seinem Verein, wie gegen Münster und Kiel einem Rückstand hinterher laufen zu müssen. Dem Jena Angriffsspiel nutzte die reine Weste indes nichts, litt die Offensive doch an den bekannten Mängeln: Schlechte, unpräzise Flanken, dazu fehlende Kreativität. So stellte ich mich in der 40. Minute schon gedanklich am Bierstand an, als Kais Manai mit dem Ball am Fuß ziemlich verloren vor der dicht gestaffelten Wattenscheider Abwehr umher lichterte. Doch dann spielte der wieder erstarkte Tunesier einen Steilpass auf Sebastian Hähnge, der an und für sich keine so unscheinbare Gestalt ist, als dass man ihn so völlig unbeachtet links liegen zu lassen könne, wie das die Wattenscheider in dieser Szene taten. Deren Ignoranz wusste Jenas Goalgetter zu würdigen und versenkte den Ball ohne sichtbare Gewissensbisse.

Von letzteren war auch der Schiri frei, der nicht unberechtigt erscheinenden Zweifeln über Abseits oder nicht keinen Raum ließ. Das Trio in Schwarz neigte in der Abseitsfrage allerdings generell nicht zur Haarspalterei, was sich im Gegenzug zeigte, als gleich drei 09er nächst zum Person-Tor standen, ohne dass der Assi an der Linie darin einen Grund sehen konnte, die Fahne zu heben. So ergaben sich für Wattenscheid kurz vor der Pause noch zwei Riesenchancen zum Ausgleich und schlussendlich war es dem auf der Linie postierten Tobias Werner zu danken, dass mir ein Komasaufen in der Halbzeitpause zur Linderung des Ausgleichsschmerzes erspart blieb.

Nach dem Wechsel schienen die Wattenscheider ihre Lust auf weitere energische Angriffsbemühungen vorerst verloren zu haben, so dass Jena nun das Spiel kontrollierend seinen Part runterspielen konnte. Zu diesem Zwecke entschied sich Weber in der 57. Minute für den ersten Wechsel und brachte Rushiti für Kunze. Gut 20 Minuten später deuchte Jena Trainers, nun wäre genug Zeit vergangen, in der sein neuer Stürmer in seinem ersten Einsatz für den FCC Selbstbewusstsein für die Regionalliga getankt habe und nahm ihn für Verteidiger Bochtler wieder vom Platz. Auswechslungen dieser Art erlebt man nicht jeden Tag, aber angesichts des klaren Spielstandes konnte es sich Benno natürlich auch leisten, seinen albanischen Rohdiamanten auf diese ungemein motivierende Art zu schleifen.

Bochtler hatte bei seiner Einwechslung offenbar nicht vergessen, Schnorchel, Flossen und Taucherbrille für seine Abwehrkollegen mitzunehmen, damit es sich im Jenaer Strafraum besser schwimmen ließe und so planschte der FCC fröhlich herum in den letzten 10 Minuten. In der 84. Minute ließ man sich dann durch die schon obligatorische Arschbombe nass machen, denn einen Schuss von der Strafraumgrenze konnte Person nur nach vorn vor die Füße eines 09ers abklatschen, der keine Mühe hatte, den Ball über die Linie zu bugsieren. „Business as usual in Jena“, dachte ich, als der Linienrichter zur Mittellinie flitzte; und hatte damit die Herrschsucht des von mir zuvor gescholtenen Referees unterschätzt, denn der Schiri entschied trotz schlechteren Blickwinkels auf Handspiel des Wattenscheiders, vielleicht auch, weil er sich vergegenwärtigt hatte, dass ihm nach seiner gestrigen Spielleitung kein anderes Schicksal gewiss sein dürfe, als nach billigem Ermessen und unter stürmischen Beifall breitester Kreise der Bevölkerung mit einem Zementklotz am Fuß in der Saale versenkt zu werden, um allzeit als mahnendes Beispiel für die grob missbräuchliche Anwendung der Trillerpfeife zu dienen.

Sei es nun aus des Schiris echter Reue heraus oder doch nur aus dessem kleinbürgerlichen Hang zur Fortsetzung seiner eigentlich schon verwirkten Daseinsberechtigung; der erste Jenaer Heimsieg war damit gerettet, auch wenn es bis zum Schluss brenzlich blieb. Unterm Strich jedoch war der Erfolg des FC Carl Zeiss verdient, was sogar Gästetrainer Kreß anerkannte, womit sich der Wattenscheider Coach wohltuend abhob von den Osnabrücker Verschwörungstheoretikern der Vorwoche, und dass, obwohl zwei strittige und für den Spielverlauf wie das Endergebnis bedeutsame Situationen beide zu Ungunsten seiner Mannschaft entschieden wurden. Diese charakterliche Größe verdient Respekt und nicht nur deshalb empfand ich die stellenweise zu hörenden plumpen Anti-Wessi-Sprüche und Uh-Uh-Rufe im Stadion als deplatziert, zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass man als Zeissfan in Essen am kommenden Mittwoch Wert auf diese Art von Gastfreundschaft legt.

--Al Knutone 21:27, 19. Sept. 2005