2010/2011 33. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 33. Spieltag
Saison Saison 2010/2011, Rückrunde
Ansetzung FCC - SpVgg Unterhaching
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 16.04.2011 14:00 Uhr
Zuschauer 4.940
Schiedsrichter Florian Benedum (Mehlingen)
Ergebnis 1:2 (1:2)
Tore
  • 0:1 Hain (19.)
  • 0:2 Amachaibou (29.)
  • 1:2 Nikol (36., Foulelfmeter)
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Aufstellungen

Trikotfarben
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Jena
Carsten Nulle
Ralf Schmidt, Marco Riemer, Alexander VoigtGelbe Karte.gif, Ronny Nikol
Aykut Öztürk, Eugen Bopp (46. Sören Eismann), Torsten Ziegner (59. Martin Ullmann), Felicio Brown Forbes
Sebastian Hähnge, Nils PichinotGelbe Karte.gif (46. Orlando)

Trainer: Wolfgang Frank

Trikotfarben
Trikotfarben
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Unterhaching
Darius Kampa
Orkan Balkan, Christian Hain, Michael Hefele, Michael StegmayerGelbe Karte.gif
Sebastian Mitterhuber, Yasin Yilmaz (86. Roman Tyce), Mijo Tunjic (68. Valonis Kadrijaj), Stephan Thee
Gardar Gunnlaugsson (90. Marcel Avdic), Abdenour Amachaibou

Trainer: Klaus Augenthaler

Spielbericht [1]

Anspruch und Wirklichkeit, Ankündigungen und deren Umsetzung klaffen weit auseinander in diesen Wochen beim FC Carl Zeiss. Hatte vor dem Werder-Spiel Aykut Öztürk als Mannschaftsvertreter noch eine sich im positiven Sinne anders präsentierende Mannschaft versprochen, gestaltete sich deren Auftritt in Bremen so, dass nach Abpfiff Schmährufe aus dem eigenen Fanblock ertönten. Nach diesen Vorfällen und einem klärenden Gespräch drei Tage später bestand wieder einmal die Hoffnung, dass nun jeder Spieler über den Ernst der Lage im Bilde ist. Und mit Leidenschaft fortan sein Bestes gibt. Soweit der Anspruch.

Die Realität in Halbzeit eins sah einmal mehr anders aus. Bereits nach vier Minuten konnte sich die Abwehr bei ihrem Torwart Carsten Nulle bedanken, dass dieser einen 18-Meter-Schuss von Thee noch eben so um den Pfosten hatte lenken können. Nach dem Abspiel von Gunnlaugsson stand Hachings Nummer 18 nämlich recht ungedeckt vor der Strafraumgrenze. Dabei hatte Wolfgang Frank die zentrale Offensivposition im Mittelfeld unbesetzt gelassen, um mit Eugen Bopp und Torsten Ziegner wieder zwei Abräumer vor der Abwehr als Doppelsechs installieren zu können. Wütende Proteste setzte es in Minute 13. Erinnerungen an eine folgenschwere Fehlentscheidung aus dem Thüringen-Derby kamen hoch, als viele Zuschauer Yilmaz im Abseits sahen. "Und dann wundern die sich, wenn Bierbecher fliegen", spielte ein wütender Fan auf Vorfälle beim FC St. Pauli an. Doch diesmal waren die Proteste unberechtigt. Yilmaz stand bei der Ballabgabe nicht im Abseits und vermochte darüber hinaus aus der sich bietenden Chance kein Kapital schlagen, weil Nulle erneut hervorragend reagierte. Die Erinnerungen an die letzten Spiele ließen einen freilich auch in der Folgezeit nicht los. Wer rekapitulierte, wie beim Heimspiel gegen Koblenz beide Gegentreffer zustande gekommen waren, konnte nur mit dem Kopf schütteln über die Art und Weise, mit der Jena erneut in Rückstand geriet. Dabei waren wie immer bei Standards ausnahmslos alle Zeiss-Spieler im und am eigenen Strafraum versammelt, als Mitterhuber einen Freistoß von der linken Seite hoch hinein beförderte, Hain zum Kopfball hochstieg und aus sechs Metern verwandelte. Hätte Nulle hier eingreifen müssen ? Oder durfte er annehmen, Hains Bewacher Marco Riemer würde die Situation klären können ? Wie immer auch die Antwort lautet, das dritte Gegentor in Folge nach einem ruhenden Ball hoch in den Strafraum hinein schreit geradezu nach gezielter Trainingsarbeit unter der Woche. Auch eine zweite Parallele zum Heimspiel vor zwei Wochen blieb uns nicht erspart, denn der gegnerische Doppelpack innerhalb kurzer Zeit war nach einer halben Stunde perfekt. Wieder gab Marco Riemer eine unglückliche Figur ab, als er sich Mitte der eigenen Hälfte tunneln ließ. Tunjic hätte daraufhin bereits selbst den Abschluss suchen können, spielte aber noch mal nach rechts ab, wo Amchaibou aus vollem Lauf Nulle keine Chance ließ. Zwei Gegentore und noch keine eigene Möglichkeit. Unsicher hinten und wirkungslos vorn - kein Wunder, dass sich mit Orlando und Sören Eismann neue Spieler für Abwehr UND Angriff umziehen durften. Ihrer Einwechslung noch in Halbzeit eins kam jedoch der Anschlusstreffer zuvor. Nils Pichinot war von Orkan Balkan gelegt worden. Der sonst etwas kleinlich leitende Schiedsrichter Benedum pfiff hier zurecht. "Ziege, Ziege", ertönte es vereinzelt von den Rängen. Doch Jenas Mittelfeldroutinier war in Bremen mit einem schwach geschossenen Elfer gescheitert und trabte deshalb nur zögerlich Richtung Elfmeterpunkt. Mit ungleich mehr Entschlossenheit schnappte sich Ronny Nikol das Leder, visierte die rechte untere Ecke genau an und war gut beraten damit, denn Kampa im Gästegehäuse ahnte die Richtung, kam aber zu spät. Dass sich trotz dieses Hoffnungsschimmers nichts weiter tat bis zum Kabinengang rundete das traurige Bild ab, welches die Jenaer Elf vor der Pause bot. Vergnügungssteuer kann auf Heimspiele des FC Carl Zeiss seit einiger Zeit ohnehin nicht mehr erhoben werden, aber weshalb die Vorpausenleistungen stets und ständig derart radikal abfallen, hat noch niemand plausibel erklären können.

Für die bestenfalls unauffälligen Bopp und Pichinot kamen Eismann und Orlando mit Beginn der zweiten 45 Minuten doch noch zum Einsatz. Prompt ergaben sich die ersten, kleineren Chancen aus dem Spiel heraus, bei denen Hähnge aber kein Erfolg beschieden war. Als Brown Forbes auf der rechten Seite engagiert den Ball behauptete, anschließend Schmidt schön in den Strafraum flankte und Orlando per Kopf den Abschluss suchte (51.), wehte mal ein Hauch von ansehnlichem Fußball durchs Ernst-Abbe-Sportfeld. Alles in allem aber blieb es ein von Kampf geprägtes Match, das seine Vorentscheidung hätte erfahren können, wenn Carsten Nulle nicht auch in Minute 59 reaktionsschnell einen Ball von Gunlaugsson vereitelt hätte. Linksverteidiger Nikol hatte in der Mitte aushelfen müssen, wodurch dessen Seite kurzzeitig verwaist war und die Hachinger dort freie Bahn hatten. Keine sechzig Sekunden nach Nulles Rettungstat bietet sich Sebastian Hähnge dann die Riesenchance zum Ausgleich: Exakt im richtigen Moment von Orlando angespielt, sieht Jenas noch immer erfolgreichster Schütze einzig und allein Gästeschlussmann Darius Kampa vor sich. Zwar zirkelt Hähnge das Leder am Keeper vorbei, doch zum Entsetzen des eigenen Publikums fliegt es auch neben den linken Pfosten. Lange Zeit noch einer der Besten im Saisonverlauf, zeigte die Formkurve von Sebastian während der letzten Wochen merklich nach unten. Ein Treffer hätte gerade ihm neuen Auftrieb verleihen können. Chance vertan, aber noch war immerhin eine halbe Stunde zu spielen. Statt der ausgewechselten Bopp und Ziegner spielten nun Schmidt und Eismann vor der Abwehr, Brown Forbes war auf seiner Seite nach hinten gerutscht. Um ein Haar hätten sich zwei Hachinger Verteidiger beim Abwehrversuch gegen Orlando den Ball ins eigene Netz gelegt. Kampa war bereits geschlagen, doch der Pfosten rettete in der 70. Minute für die Vorstadt-Münchener. Ausgerechnet Orlando, dessen Weggang zum Saisonende bereits feststeht, blieb auch die letzte nennenswerte Chance in Minute 77 vorbehalten. Nach schönem Solo gestaltete sich sein Schuss leider nicht platziert genug, weil genau auf den Torhüter. In den restlichen Minuten trieb es beide Innenverteidiger mit nach vorn. Sogar Nulle tauchte bei einem Eckball wieder mal im gegnerischen Strafraum auf. Wirkliche Gefahr wussten aber auch sie nicht mehr herauf zu beschwören. In den letzten Ball des Spiels, unkontrolliert von Ullmann ins Seitenaus befördert, ertönte der Schlusspfiff, welcher die Serie an sieglosen Spielen auf acht anwachsen ließ.

Obwohl sich am Abstand zu den Abstiegsrängen nichts veränderte, liegen die Nerven blank. Aykut Öztürk kritisiert öffentlich Mannschaftskameraden, weil diese ihm zu lässig trainieren. Und den Trainer dafür, dass er Josip Landeka gar nicht in den Kader genommen hat. Öztürks Forderung "Irgendwer muss mal einen Punkt setzen", würde Aufsichtsratschef Dr. Töpel lieber heute als morgen in die Tat umsetzen. Dem Vereinspräsidenten Hartmut Beyer bei geöffneten Mikrofonen einen Mangel an Charakter zu unterstellen, ist allerdings ganz schlechter Stil. Denn eine zwischen den Entscheidungsträgern geführte und über die Medien ausgetragene Schlammschlacht ist nun wirklich das Letzte, was der FCC in seiner Situation braucht. Es scheint, als würde derzeit auch der Anspruch an einen besonnen und seriös geführten Verein der Realität ein bisschen hinterher hinken.

--Frank Cichos

  1. Mit freundlicher Genehmigung von Franks FCC-Seite übernommen.