2004/2005 28. Spieltag: 1. FC Magdeburg - FC Carl Zeiss Jena 2:1

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 28.Spieltag
Saison Saison 2004/2005, Rückrunde
Ansetzung 1. FC Magdeburg - FCC
Ort Heinrich-Germer-Stadion in Magdeburg
Zeit So. 10.04.05 14:00
Zuschauer 2.162
Schiedsrichter Klatte (Wildau)
Ergebnis 2:1
Tore
  • 1:0 Kühne (16.)
  • 2:0 Grundmann (20.)
  • 2:1 Endres (33.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Magdeburg
Christian Person
Otte, Mensch, Grundmann, Plock
A.Müller, Kühne, N'Bombais (69. Sommermeyer), Woitha (90. Griep)
S.Müller, Banser Gelbe Karte.gif(89. Uffrecht)

Trainer:


Jena
Daniel Kraus
Olaf Holetschek (28. Thorsten Görke)
Krzysztof KowalikGelbe Karte.gif, Faruk Hujdurovic, Alexander Maul (31. Sven Hartwig)
Kais ManaiGelbe Karte.gif, Ronny Thielemann, Torsten ZiegnerGelbe Karte.gif, Mark Zimmermann
Sebastian Hähnge, Manuel Endres (69. Miroslav Jovic)

Trainer: Heiko Weber

Spielbericht

Das Vorspiel ist das Schönste. Sagen Frauen, wenns um Sex geht. Als blaugelbweißer Fußballfan konnte ich dieser Weisheit am Wochenende bedenkenlos zustimmen. Es gibt wenige Spieltage wie diesen, wo man sich einen Tag vorm Hauptakt des eigenen Vereins genüsslich in die Rolle des Voyeurs begeben kann, um zu beobachten, wie der hartnäckige Konkurrent jenen Fehltritt begeht, von dem man glaubt, es wäre der Entscheidende. Plauens für mich unerwarteter Patzer in Halle stimmte mich euphorisch und so fuhr ich mit der Erwartung nach Magdeburg, einem lang herbeigesehnten Höhepunkt im vierten Jenaer Oberligajahr beizuwohnen; der mutmaßlichen Vorentscheidung über den Staffelsieg.

Vorher schien alles so klar. Der 1. FCM ein Schatten seiner selbst. Seit Neujahr erst einmal im Germer-Stadion gewonnen, unverlierbare Matches in Sondershausen und Pößneck vergeigt, viele der wenigen Leistungsträger verletzt oder gesperrt. Vor dem Spiel Glückwunsche an Jenas Mannschaft und Verantwortliche: „Diesmal steigt ihr auf, diesmal seid ihr dran!“ Im Programmheft derselbe Tonfall: „Neidisch verfolgt die Konkurrenz, wie diese Thüringer jeden Gegner an die Wand spielen - souverän, abgeklärt, regionalligareif.“ So etwas liest man gern als Zeissfan.

Die Kicker der Magdeburger Verlegenheitself hatten offenbar andere Lektüre. Zumindest spielen sie mit Beginn nicht so, als stände Ihnen der Sinn nach devoten Gesten. Kein unterwürfiges Zurückziehen an den eigenen Strafraum, keine „Hauptsache, heute gibt´s nicht ´ne Klatsche!“-Mentalität. Die Blauen wollen zeigen, dass sie besser sind als eine Truppe, deren Punkteabstand auf den Spitzenreiter vor Anpfiff fast doppelt so hoch war wie der auf den ersten Absteiger.

Wahnsinnig torgefährlich sind die Hausherren allerdings nicht gegen Jena. Sie rennen zwar an, sind ungemein lauffreudig, erspielen sich Ecken. Doch es fehlt der finale Pass, um Kraus wirklich zu fordern. Diesen Pass müssen die Blauen auch nicht spielen. Das erledigt ein Weißer für sie. Kopfballrückgabe durch Kowalik zu Kraus als Steilvorlage für FCM-Aushilfsstürmer Kühne. Ein Schuss, ein Torschrei in Blauweiß. War da nicht mal was in Magdeburg? Nicht sogar beim letzten Spiel im Grube? Geschichte wiederholt sich nicht. Damals wars ein typisches Null-Null-Spiel und ebenso typisch war, dass solche Spiele für den FCC häufig nicht torlos enden.

Kurz darauf tobt das Stadion abermals. Unnötiger Freistoß für den FCM auf Strafraumhöhe, Jenas Spieler wähnen sich frei von der Pflicht, die aufgerückten Magdeburger Verteidiger zu decken. FCM-Abwehrrecke Grundmann steigt hoch und wenn man kurz vorm Fünfmeterraum stehend unbedrängt zum Köpfen kommt, dann fällt eben auch schon mal ein Tor für eine Mannschaft, die daheim gegen Chemie, den HFC und Plauen oder jüngst in Pößneck keinen einzigen Treffer zustande bekam. Entgeisterte Blicke im Jenaer Block. Nichts mit Höhepunkt. 0:2 nach zwanzig Minuten. Migräne ist im Kommen.

Es kommt noch dicker. Hotsch nach einer knappen halben Stunde raus. Verletzt. Kurz darauf der zweite Wechsel. Diesmal ist es Maul, den eine Zerrung zum Aufgeben zwingt. Dazu immer wieder Magdeburger Angriffe, bei denen die Jenaer Abwehr auf den Spuren von Mark Spitz und Roland Matthes wandelt. Es droht ein 0:3. Was ist nur los mit dem FCC? Wohin ist die gewohnte Souveränität von Bennos Mannen? Geht hier überhaupt noch was? Das Brummen im Schädel wird stärker.

In der 33. Minute gibt's ´ne Faustan. Auf der gegenüberliegenden Seite zappeln irgendwo am Horizont weiße und blaue Männchen rum, ein Ball fliegt durch den Strafraum, wieder raus, wieder rein. Dann reißen die Weißen die Arme hoch. Erleichterung im Zeissblock. Anschlusstreffer!!! Piepegal, wer den reinstocherte. Es bleibt eine Stunde Zeit für Jenas Kicker, zu zeigen, warum sie seit dem 1. Spieltag der Spitzenreiter sind. Zu zeigen, wie Jenas Gegner bisher ausgespielt wurden. Zu zeigen, dass das Gerede vom notorischen Jenaer Nervenflattern bei wichtigen Spielen nur törichtes Geschwätz ist. Noch ist nichts verloren. Und in der zweiten Halbzeit hat der FCC dann auch noch Rückenwind.

Bis zur Pause tut sich nichts mehr. Nach der Pause aber auch nicht, obwohl der Wind immer noch aus der selben Richtung weht. Es kommen bei Jena aber auch die selben Bälle, stupide hoch nach vorn gedroschen, egal ob dort Hähnge steht oder Endres oder später Jovic oder ein Nationalstürmer Pygmäniens. Jenaer Spielkunst, wo bist du? Es fehlt den Weißen jetzt nicht am Willen, wohl aber an der Fähigkeit, ihre individuelle Überlegenheit in einer Situation auszuspielen, wo sie vom Gegner voll gefordert werden. Der FCC ist wie ein Artist, der problemlos mit 4 Bällen jonglieren und dabei nach Belieben Kunststückchen vollführen kann. Wirft man ihm jedoch einen weiteren Ball zu, bricht das ganze System zusammen. Bei Jena heißt dieser Ball „Psychischer Druck“.

Wie als Beweis dieser These wirkt die Szene nach zirka einer Stunde, als Manai im Strafraum frei gespielt wird und auf die Grundlinie zulaufend die Chance hat, aus spitzem Winkel zu schießen oder den Ball vors Tor zu schlagen. Manai entscheidet sich anders. Er legt mit der Hacke ab. Nur für wen? Technisches Unvermögen? Wohl kaum bei jemandem, der für Jena schon so viele Tore geschossen hat. Gegen Sondershausen, gegen Pößneck, gegen Laubegast. Mir kommt in dem Augenblick in den Sinn, wie ein englischer Sportjournalist einmal den einstigen ManU-Stürmer Eric Cantona charakterisierte: „Er sei ein Großer in kleinen Spielen und ein Kleiner in großen Spielen“. Solche Kicker gab und gibt es nicht nur auf der Insel.

Trotzdem bieten sich Chancen zum Ausgleich für Jena. Für Hartwig (47.), Hähnge (70.), Hujdurovic (82), zum Schluss für Görke (88.), bei dessen Schuss nach Freistoß viele Zeissfans bereits zum Jubeln aufspringen. Eines ist diesen Jenaer Möglichkeiten gemein. Sie resultieren meist aus Standards. Aus dem Spiel heraus kommt zu wenig Verwertbares vom FCC und das schon lange, bevor man die letzten Minuten nur noch zu zehnt auf dem Platz ist, als mit Manai der nächste Spieler verletzungsbedingt ausscheidet. Doch auch mit ruhenden Bällen wissen die Weißen nichts anzufangen. Freistöße aus bester Position und Torentfernung werden mehrfach in die Mauer gedroschen. Nur bei Hähnges letzten Versuch zappelt der Ball in den Maschen; es bebt jedoch nur das Fangnetz hinter der Grundlinie.

Mit solchem Nervenflattern gewinnt man nicht. So setzt man keinen Gegner unter Druck. So kann man in Zwickau triumphieren, aber nicht bei Chemie Leipzig oder in Magdeburg, selbst wenn sich die Ballbesitzanteile der Hausherren in der zweiten Halbzeit in Richtung Promillebereich bewegen. Trotzdem sind die Blauen bei ihren Kontern dem dritten Tor näher als Jena dem Ausgleich. Doch weder hier noch da fällt ein Treffer. Der FCC bleibt mal wieder den Nachweis schuldig, in der Rückrunde wichtige Spiele für sich entscheiden zu können. Es lag nicht am Platz, nicht am Wetter und erst recht nicht am Mann in Schwarz, der nicht den Verdacht aufkommen ließ, ein Heimschiedsrichter zu sein. Es fehlte zu Beginn einfach jener Biss und jene Konzentration, mit dem Jena die letzten Matches bestritten hat. Als man dann 0:2 hinten lag, agierte man konfus und versuchte mit untauglichen Mitteln zum Erfolg zu kommen, bolzte Fußball, statt im Vertrauen auf die individuelle Überlegenheit der Zeisskicker routiniert dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen. Es war, als liefere sich Michael Schumacher ein Rennen mit einem Traktor und versuche dabei, über Feldwege abzukürzen.

Die Ernüchterung über das Spiel saß nicht nur bei mir tief. Selbst ein alter Kämpe wie Olaf-MD musste mit Tränen der Wut kämpfen, als er Bennos Kickern beim Mannschaftsessen nach dem Spiel seine maßlose Enttäuschung kund tat. „Das ist doch keine Beerdigung, das wirft uns nicht um,“ unterbricht ihn Jenas Trainer. „Vier oder fünf Punkte Vorsprung, das ist doch schei$$egal,“ meint Miro Jovic. „Wir packen das,“ sagt Uwe Dern, „das ist eine andere Mannschaft als in den Vorjahren“, und fordert mehr Optimismus: „Ihr seid doch Fans. Da steht man doch auch in schlechten Zeiten zu seinem Verein.“

Wenn einer der richtige Absender für solche Botschaft ist, dann Uwe, doch die Adresse stimmt gewiss nicht, denn ihm gegenüber sitzen Fans aus Magdeburg und Umgebung, aus Nauen, dem Harzvorland, dem Vogtländischen und jenes Altenburger Pärchen, das jede Woche noch zu den Spielen von Jenas Zweiter fährt. Diese Fans kamen zum FCC, als im Paradies eine Bühne für großen europäischen Fußball stand, sie behielten ihr Abo, als es nur noch zweit- und drittklassiges Theater gab und folgten ihrem Club auch noch bis hinter die Hinterzimmer der vierten Liga. Wenn man diesen Fans eines nicht nachsagen kann, dann ist es ein Mangel an Treue zu ihrem Verein und an fehlender Geduld, sich wieder und wieder all die gleichen Sprüche anzuhören, die das Versagen der Jenaer Mannschaft in den letzten Jahren begleiteten.

Ich will von diesen „Noch ist alles drin!“-Phrasen nichts mehr wissen. All die Orden aus Katzengold, die man für ein Kantersieg gegen Laubegast & Co erhält, haben für mich keinen Wert. Ich will, dass mein Verein am 20. Mai mit mindestens drei Punkten Vorsprung nach Plauen fährt.

--Al Knutone