2006/2007 15. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - Wacker Burghausen 0:2

Aus FCC-Wiki - Wiki vom FC Carl Zeiss Jena
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 15. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Hinrunde
Ansetzung FCC - Wacker Burghausen
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 03.12.06 14:00
Zuschauer 6.352
Schiedsrichter Schriever (Otterndorf)
Ergebnis 0:2
Tore
  • 0:1 Krejci (2.)
  • 0:2 Bogavac (73.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger HasseGelbe Karte.gif, Ralf Schmidt, Ronald Maul
Kevin Schlitte, Sebastian HelbigGelbe Karte.gif (44. Patrick de Napoli), Stefan KühneGelbe Karte.gif, Christian Fröhlich, Ronald Maul
Fiete SykoraGelbe Karte.gif, Mark Zimmermann (26. Tobias Werner)

Trainer: Heiko Weber

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Burghausen
Gospodarek
SchmidtGelbe Karte.gif, Hertl, JeknicGelbe Karte.gif, Vukovic,
Rosin, Bogavac (77. MosqueraGelbe Karte.gif), Burkhardt (87. Fink), Krejci,
Nicu, Drescher

Trainer: Schupp

Erlösender Abpfiff (Spielbericht)

Was gehört auf den Wunschzettel?

Neigt sich ein Spiel dem Ende zu, gibt es verschiedenste Gründe, regelmäßig auf die verbleibende Spielzeit zu schauen: Entweder soll sich der Zeiger schneller drehen, damit der erhoffte Sieg (das erkämpfte Remis) endlich amtlich wird. Oder man wünscht sich einen enorm langsam arbeitenden Zeiger, damit der erhoffte Sieg (das ersehnte Remis) doch noch erzwungen wird. Heute kam ab 15:30 Uhr jede verstrichene Minute einer Erlösung gleich und nach einer Nachspielminute hatte der Schlusspfiff sogar etwas Befreiendes. Das Leiden hatte ein Ende!

Während lange vor Spielbeginnen die einen schon Aufstellung und Taktik kommender Fan-Club-Hallenturniere besprachen, versuchten andere sich glühweinend duisburgischer Alpträume zu entledigen. Selten gingen die gehörten Meinungen und Erwartungen vor einem Spiel so weit auseinander wie heute. Vom klaren Heimsieg bis zur deutlichen Heimpleite wurde rings um das Fan-Haus alles prognostiziert. Auf die Idee, der schwachen Vorstellung im Ruhrpott würde eine noch schwächere im Paradies folgen, kam allerdings keiner. So kann man irren.

Gegner des FCC werden zukünftig in ihren Taktikbesprechungen anders vorgehen müssen als dies die gängige Lehrmeinung vorsieht. Kernfrage dürfte sein, „Wie verhalten wir uns nach dem Führungstreffer?“. Denn das Jenas Gegner kurzfristig mit 1:0 führen, erlangt langsam den Status eines ungeschriebenen Fußballgesetzes. Heute dauerte es wieder mal nur 3 Minuten. Unsere Abwehrspieler schauten dem ewig durch die Luft segelnden Drescher-Freistoß so überrascht entgegen, als würden sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Ball sehen. Und da auch CP keine Lust verspürte, dieses runde Etwas zu berühren, stand es eben mal wieder 0:1. Damit waren auch die Restbestände an Stimmung auf der Tribüne schnell lahm gelegt. Auf der Gegengeraden war es ja ob des angekündigten Schweige-Protests eh schon still. Auch auf die Gefahr hin, falsch zu liegen, sei jedoch (ganz wertfrei) die Frage gestattet: Traf man, bei aller Berechtigung des Protestes, mit der eigenen Mannschaft (immerhin bekanntermaßen im Abstiegskampf) nicht genau die Falschen? (Und, um gleich noch mal nachzuhaken: beim Stande von 0:1 immer und immer wieder die „Südkurve! Südkurve!“ zu fordern, fand am heutigen Tag wenig Verständnis auf der Tribüne. Vielleicht zu Recht?“)

Mit dem traditionellen Rückstand ausgestattet, folgte eine erste Jenaer Halbzeit, die kurzzeitig die Lust auf einen blütenweißen Spielbericht aufkommen ließ. Doch ein erster und kurzer abendlicher Blick ins Forum beendete dieses Vorhaben, immerhin hatte die Kleingärtner-Innung ihre (vorgeschriebenen[?] und) vorhersehbaren Schlachtrufe schon abgesetzt. Hätte Fassbinder ihn nicht schon in Beschlag genommen, bliebe fürs blaugelbweiße Trauerspiel nur der Titel „Angst essen Seele“ auf. Ja, nach 8 Minuten gab’s einen sehenswerten Schuss von Zimme zu notieren und nach 14 Minuten hätte man Mauls Hammer durchaus Trefferwürdigkeit bescheinigen können, aber sonst? Kein vernünftiger Sielzug , kein System auf dem Weg nach vorn. Hätte es nicht 4-5 Freistöße aus dem Halbfeld zu unseren Gunsten gegeben, hätte Wacker Gospodarek getrost auf den Weihnachtsmarkt schicken können. Typisch auch, wie MZ in der 15. in den Strafraum ging, seine „Abschlusshandlung“ die Bezeichnung „Flanke“ jedoch nicht verdiente. Nach 18 Minuten sorgte dann ein Wackerer für etwas Aufregung, als er beidbeinig von hinten und bei unterbrochenem Spiel Helbig weggrätscht und dafür mit nur Gelb gut bedient ist. Weitere 5 Minuten später der nächste (doppelte) Rückschlag: MZ wird n. m. M. strafstoßreif gefoult und muss anschließend mit einer Schulterverletzung raus. Nach einer halben Stunde waren die Unseren zwar optisch überlegen, Wacker reichten aber ganz biedere fußballerische Mittel, um jeder Zeit Herr der harmlosen Lage zu sein. Zwei halbwegs funktionierende Viererketten mussten die Bälle einfach nur weg befördern, den Rest erledigte Jenaer Umständlichkeit. Frust machte sich auch auf dem Platz breit und nach einem Missverständnis zwischen Schlitte und Helbig holte sich Letzterer per Frustfoul seine nächste Gelbe (30.) Ein ganz klein wenig Hoffnung schien in der 33. aufzuglimmen, als ein Maul-Kopfball nach Fröhlich-Ecke von der Linie geschlagen wurde. Aber schon 2 Minuten später atmet ein Kopfball Fietes aus 16 Metern die altbekannte Harmlosigkeit. Dass die Burghausener bei Bedarf auch zulangen können, um die Führung in die Pause zu retten, zeigten sie hernach: in der 37. ging ihr 10er von hinten mit zwei gestreckten Beinen gegen Schlitte zu Werke, kam aber ohne Karte davon. Und nachdem der eingewechselte Werner in der 38. das Wacker-Tor verfehlte, musste 5 Minuten später auch Helbig nach einem Zweikampf vom Platz. Zwei verletzungsbedingte Wechsel schon in der ersten HZ, auch das passte irgendwie zu diesem Tag.

In der Pause herrschte allenthalben noch ein klein wenig Zuversicht bei allen Tribünen-Plaudereien und dafür gab es mindestens zwei gute Gründe.

  • 1.) Was eine 2. HZ für Möglichkeiten bietet, hatte das Freiburg-Spiel gezeigt und
  • 2.) schlechter als in HZ 1 konnte es ja gar nicht mehr werden.

Konnte es doch. Schon wie CF seinen eigentlich guten Einbruch in den Wacker-Strafraum in der 47. beendete, ließ schlechtes ahnen. Eine Minute später muss HH nach einem stümperhaften Missverständnis mit Schmidt zu einem taktischen Foul greifen und sieht Gelb. Sicher, heute könnte man so ziemlich jeden der Weißen raus greifen und kritisieren, aber HH habe ich noch nie so schwach gesehen wie heute. Kam der Ball in seine Richtung, schien man die Angst förmlich greifen zu können. Kaum einen Ball brachte er sicher unter Kontrolle und selbst Pässe über 5 Meter kamen noch in den Rücken seiner Kameraden. Darüber hinaus war ich die ganze Zeit am Rätseln, woran mich seine heutigen Bewegungen erinnerten: Hatte er statt der Töppen die Ballettschuhe angezogen oder noch wenige Minuten vor Anpfiff eine Hüftoperationen über sich ergehen lassen?

Nach 54 Minuten hätten die Burghäuser fast Samariter gespielt, aber Dank einer Rettungsaktion auf der Linie war’s auch nichts mit einem Eigentor. Nach 55 Minuten wechselt Weber letztmalig. FS, ähnlich harmlos wie der Rest der Balltreter aus dem Paradies, musste gehen. Für ihn kam Jelic – Benno musste also schon mehr als verzweifelt sein, wenn er sich auf dieses oplatendünne Eis der Hoffnung begab. Warum man jedoch beim Stande von 0:1 Stürmer für Stürmer wechselt (auch wenn FS eher hinter den Spitzen Stumpfen agierte), ist zumindest diskutabel. Ein wenig Licht ins Dunkel brachte wieder mal ein Freistoß (Schmidt, 60.) aber auch dieses zarte Glimmen war schnell erloschen. Dafür leistete sich Schmidt dann 3 Minuten später einen Defensivfehler, welchen diesmal HH ausbügelte. Der folgende Konter über KS endete vorhersehbar im Nichts. In Minute 66 war dann mal wieder die Jenaer Abwehr bei einer ihrer Schwimmübungen zu bewundern – jetzt waren auch erste (noch spärliche und vereinzelte) Pfiffe zu hören. Dann gab’s – ausgerechnet von DeNa - die wohl beste Aktion eines Jenaer Angreifers (69.), da jedoch auch dessen Seitfallzieher genau auf Gospodarek kam und somit erfolglos blieb, griff langsam die Erkenntnis um sich – da geht wohl nix mehr heute. Bestätigt wurde dieses Gefühl schon eine Minute später, als auch HH’s Freistoß harmlos verpuffte und zwei Minuten später Schlittes Flanke von rechts eher zur Rückgabe mutierte und in Gospodareks Armen landete. Es kam, was kommen musste. Als unsere Abwehr, in der heute auch Person keinerlei Ruhe ausstrahlte, mal wieder in Hühnerstall-Formation agierte, ließen sich die Burghäuslichen nicht lange bitten – machten das 0:2 und hatten die 3 Punkte sicher im Sack! Bieder aber clever, das reichte heute gegen völlig überforderte Saalestädter. Ach ja, Petar J. nutzte die Gelegenheit auflaufen zu dürfen noch aus, um seinem sicher beeindruckenden Bewerbungsvideo für europäische Großvereine ein weiteres Highlight hinzu zu fügen: Am Strafraum freigespielt (77.), nutzte er dies für einen wunderbaren Hackentrick. Dieser war zwar ebenso wirkungslos wie fehl am Platze, aber gut geschnitten, lässt sich da bestimmt was draus machen. Ab nun blieb also nur noch der Blick zur Uhr, denn spätestens nach Schlittes 10-Meter-„Tor-Schuss“ in der 84. hatte man nur noch eine Hoffnung: Apfiff.

Als dieser endlich zu hören war gab es den verdienten Applaus – für die verdienten Sieger.

Zurück blieben 6.300 Ratlose. Das Bittere ist, dass man meines Erachtens den Unseren nicht mal das Bemühen absprechen kann. Heute mangelte es schlicht und ergreifend, dafür aber sehr dramatisch an Qualität. Zweitligatauglich war heute keiner der Heimischen. In Summe ergibt sich daraus: in unserem Team sind einige an ihrem Limit angelangt und andere sind derzeit einfach nicht in der Lage, ihr wahres Leistungsvermögen abzurufen. Mit Helbigs Verletzung ist die Gesamtsituation ebenfalls nicht besser geworden, auch das steht fest.

Weihnachtszeit ist Wunschzettelzeit. Den heutigen Tag zum Maßstab nehmend, würde ein blaugelbweißer Wunschzettel wohl endlos lang. Aber Wunschzettel erhalten auch immer viele unerfüllbare Wünsche und oftmals liegt das so innig gewünschte neue Spielzeug schnell wieder unbeachtet in der Ecke (oder wird weiterverschenkt). Dann erinnert man sich an das Vertraute, Bekannte. Dies ist Team und Trainer vor allem zu wünschen: Besinnen auf das, was uns in den erfolgreichen Spielen auszeichnete, Besinnung auf Einsatz, Schnörkellosigkeit und Mut – gesehen haben wir das in dieser Saison ja schon (auch von so manchem Nachwuchskicker der U20)! Nach dem heutigen Tag wird dies schwieriger denn je. Aber wer hatte denn vorbehaltlos Anderes erwartet?

Die auswertenden Small-Talks nach Spielschluss endeten heute schnell. Betreten aber hastig trat so mancher FCC-Fan seinen Heimweg an, egal ob per Tram oder via A9 gen München. Aber wiederkommen werden viele – gut so. Resignieren, warum?

Der Betze wartet – und noch steht’s ja 0:0!

Nur der FCC!

--Kopfnuss