2006/2007 32. Spieltag: SV Wacker Burghausen - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 32. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Rückrunde
Ansetzung SV Wacker Burghausen - FCC
Ort Wacker-Arena
in Burghausen
Zeit So. 06.05.07 14:00
Zuschauer 4.750
Schiedsrichter Fischer (Hemer)
Ergebnis 1:1
Tore
  • 0:1 Werner (33.)
  • 1:1 Hertl (90.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Burghausen
Uwe Gospodarek
Timo Nagy (82. John Jairo Mosquera) Ronald Schmidt (46. Goce Toleski), Björn HertlGelbe Karte.gif, Josef LastovkaGelbe Karte.gif (73. Sergej Wolkow)
Maximilian Nicu, Nikolas LedgerwoodGelbe Karte.gif, Roland Bonimeier, Thorsten Burkhardt, Oliver Fink
Dragan Bogavac

Trainer: Alfred Arbinger

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Giorgi Lomaia
Ronald Maul, Alexander Voigt, Alexander Maul, Felix Holzner
Christian Fröhlich, Stefan Kühne, Mark Zimmermann (89. Filip Tapalović), Sven Günther
Fiete Sykora, Tobias Werner

Trainer: Frank Neubarth

Das Seil gegen den Faden getauscht (Spielbericht)

Wie belastbar ist Seide?

Ich werde ihn gar nicht erst suchen. Denn ich würde ihn ja eh’ nicht finden – diesen Begriff. Gibt es ihn überhaupt? Gibt es einen alles beschreibenden, alles erklärenden, alles ausdrückenden Begriff für diesen einen Moment:

  • Du dankst dem bis dahin fehlerfreien, famosen Jenaer Torwächter Lohmeier für seine Parade, mit welcher er zur Ecke klärt.
  • Du schließt die Augen und schickst wie all die anderen Atheisten und Gläubigen um dich herum ein Stoßgebet in diesen miesen, verregneten bayerischen Himmel.
  • Du beginnst wieder zu schreien, dass der Riss deiner Stimmbänder nur einen Nanomillimeter entfernt scheint.
  • Du siehst keinen Ball herein schweben, sondern nimmst wie in Trance nur noch sich wild und verzweifelt bewegende blaue und weiße Gestalten wahr.
  • Du ahnst wo der Ball ist und vermutest etwas Unerhörtes.
  • Du musst es verhindern, jetzt! Mit jeder Faser deines Körpers!
  • Aber du fühlst dich so erbärmlich hilf- und machtlos.

Dann ist es passiert.
Es nimmt dir die Luft, aber gleichzeitig scheinst du zu hyperventilieren. Es lässt dein Herz still stehen und doch fühlst du dein Blut rasen. Du empfindest dich tonnenschwer und dennoch möchtest du dich eigentlich in Luft auflösen. Du spürst keinen Schmerz mehr aber glaubst tausend Äxte brechen dir die Knochen. Du starrst geradeaus und siehst doch nichts. Du willst einfach nur fliehen und bist wie gelähmt.
Es regnet noch immer, aber es sind keine Regentropfen, die du dir aus den Augen wischen möchtest …

Was gegen die Jammernden aus dem Breisgau Glück brachte, sollte doch wohl auch gegen die Chemiker aus Bayern klappen, diesmal jedoch zuviert. Also starteten wir unseren Trip bereits am Samstag, um schon an jenem Abend in der österreichischen „T-Mobile-Bundesliga“ das Spiel zwischen dem SV Josko Fenster Ried und SK Puntigamer Sturm Graz zu erleben.
Heute starteten wir also via Österreich nach Burghausen und waren ob des gelungenen und amüsanten Vortages wild entschlossen, nicht ohne drei Punkte heimwärts zu reisen. Eingedenk ähnlicher Konstellationen in vorangegangenen „Schlüsselspielen“ klang vieles wie das berühmte Pfeifen im Walde. Da zwischen Ried und Burghausen nur knapp 50 km liegen, die man auch trotz strömenden Regens und touristischer Fahrweise in etwas mehr als einer Stunde bewältigen kann, blieb am Ziel zunächst noch reichlich Zeit, um auf dem Parkplatz den zeitgleich eingetroffenen Geschäftsführer unseres Hauptsponsors, D.S., zu begrüßen und sich gegenseitiger Siegesgewissheit zu versichern und nach der Verabschiedung den nächstgelegenen Italiener aufzusuchen. Bei unserem Eintreffen saßen dort an zwei Tischen verteilt bereits 6 weitere Gute. Als wir unsere Pasta verspeist und unseren Espresso getrunken hatten, war so ziemlich jeder Tisch okkupiert von adretten Damen und Herren in blaugelbweißem Ornat, deren Zahl die 30 oder 40 locker überschritten haben dürfte und die sich zusehends sangesfreudiger zeigten.

Der Fußweg zum Stadion der BSG Chemie ließ erst hoffen und dann ahnen, dass rund 1.000 Gästefans den Unseren ihre Aufwartung machen würden. Wer tags zuvor nur eine Fahrtstunde entfernt von netten, lächelnden, hilfsbereiten und zuvorkommenden Rieder Ordnern mit einem „Herzlich Willkommen!“ und ohne entwürdigende Fingerübungen begrüßt wurde, konnte die stießeligen, unfreundlichen und unwirschen Einlasser in der oberbayerischen Provinz nur schwer und mit recht viel Hohn und Ironie ertragen. Wackers Spielstätte hat in den letzten Jahren eine durchaus annehmbare Wandlung vollzogen, die Haupttribüne kann getrost als Schmuckkästchen bezeichnet werden und auch der Gästebereich samt seiner Stahlrohrtribüne zählte zu den besseren Supportplätzen. Petrus’ Laune rief bei vielen Erinnerungen wach. Während sich die meisten am St. Pauli-Auftritt orientierten, warfen einige Unverbesserliche noch das Unwort „Aue“ in die Runde, wurden aber unter Androhung drakonischer Strafen schnell ruhig gestellt. (Trainer Schädling weilte übrigens auch vor Ort.)
Neubarth hatte die Elf geringfügig umgestellt, Schlittes Fehlen und Voigts Rückkehr hatten sich aber ja schon angekündigt. Nun galt es nur noch ein wieder mal peinliches Kasperle-Theater aus der Reihe „Wie animiere ich leere Tribünen.“ zu überstehen (oberpeinlich das Gefasel vom Duell Süd gegen Ost!) und dann sollte das nächste Teil in’s Klassenerhaltpuzzle eingefügt werden.

Wacker hatte nur noch eine einzige und winzige Chance, sie müssten uns heute schlagen. Und was taten sie? Sie stellten sich hinten rein und warteten ab. So hatte Jena über Felix H. (1.) und Tobi W. (2.) die ersten beiden gelungenen Offensivaktionen zu bieten und versuchte, Herr des Spiels zu werden. Nach 12 Minuten schickte Fiete seinen Spielkameraden Fröhlich vorwärts in die Spur, dessen Flanke jedoch wenig einbrachte. Anders schon eine Minute später, als CF’s Freistoß Kühnes Kopf erreichte, der aber diesen nur neben das Tor setzte. Gleich darauf hatte Tobi nach einem Fehler der Hausherren seine nächste gute Chance. Abgerundet wurde diese akzeptable Anfangsviertelstunde durch eine schöne Flanke in den Sechzehner auf Fiete, der im Luftduell klar weggestoßen wurde, was Herrn Fischer aber nicht zum Pfeifen fand.

Es folgten zwischen der 20. und der 30. dann 10 Minuten, dank derer sich zu den nervenden Regentropfen auch noch Schweißperlen gesellten. Plötzlich machte Wacker das Spiel und die Heldenhaften wähnten sich im benachbarten Spaßbad – sie begannen zu schwimmen. Schon in der 21.Minute konnte, als Lomaia schon geschlagen war, Alex V. seinen Beliebtheitsgrad gegen unendlich steigern, als er im Doppelpack den Ball vom Überschreiten der Linie fern hielt. (Es war genau der Moment, als Essens 1:0 in Fürth auf der Video-Wand erschien.) Nach dieser Phase gelang Jenas Kickern auf dem Platz das, was Jenas Fans seit der ersten Minute vorgemacht hatten, sie übernahmen wieder das Kommando.
In der 30. Minute wollte Herr Fischer trotz bester Sicht ein klares Handspiel der Eingeborenen in deren Strafraum einfach nicht sehen. Die Hand ging nicht nur m. E. klar zum Ball, was Fischer bewogen haben mag, hier nicht zu pfeifen, weiß er wohl nur selbst. Dennoch hat Fiete kurz darauf die Führung nach einer Freistoß-Flanke auf dem Kopf, vergibt aber knapp. Dafür macht er schon eine Minute später alles richtig, erkämpft glänzend den Ball, setzt sauber Tobias W. ein, der noch kurz zum Linienrichter schaut, auf Gospodarek zu geht und mit der gleichen Gletscherkälte wie schon nach 90 Minuten in Freiburg aus 10 Metern halbrechts einnetzt. 1:0!!! Jubel kann soooooooo befreiend sein. JAAAAAAA!
Wacker hing nun deprimiert in den Seilen. Jetzt nachsetzen und den nächsten, wohl spielentscheidenden Treffer setzen, das müsste doch gelingen. Da aus dem Mittelfeld zu wenig Impulse kamen und die Flügel erstaunlich unbesetzt blieben, wurde daraus aber nix. Die einen konnten und die anderen wollten nicht, so dümpelte das Spiel dem Halbzeitpfiff entgegen. Die Wichtigkeit der Führung wurde angesichts der seltsamen Zwischenstände auf den restlichen Plätzen noch zusätzlich unterstrichen.

So bot die Pause Zeit zum Luftholen aber auch Gelegenheit, wohl ver/geformte, freigelegte Männerkörper zu bewundern, verschönert mit allerlei Zierrat wie Brustpiercings und Brusthaartoupets. FCC´s next Top Modell wurde dann aber doch nicht gekürt.

Mit Beginn der 2. HZ war deutlich Wackers Bemühen zu spüren, möglichst schnell den Ausgleich zu packen, was nach 51. Minuten auch fast gelungen wäre. Kühne, per Kopf auf der Linie klärend, rettete den Unseren die Führung. Was bleibt noch von dieser Halbzeit? Jena kam noch 2 x erwähnenswert vors gegnerische Tor, aber sowohl Tobi W. als auch Fiete vermasselten ihre Chancen. (Tobis Chance ging allerdings ein klares Wacker-Handspiel voraus und auch wenn Fischer richtigerweise auf Vorteil entschied, hätte es bei der nächsten Spielunterbrechung Gelb für den Übeltäter geben müssen.) Wacker nahm unsere Einladung an und machte nun das Spiel. Zunächst konnte das unsere Abwehr um den souveränen Voigt nicht schocken. Da aber nun auch im Mittelfeld kein Ball mehr gehalten wurde, Zimme emsig aber glücklos agierte, Felix erstaunlich viele Fehler im Spielaufbau unterliefen, Fröhlich einen seiner schlechten Tage erwischt hatte und Tobi zwar überall sein wollte und daher nirgends richtig war, zog sich das Band um unseren Strafraum immer fester zu. Lähmungserscheinungen allüberall: auf dem Rasen, auf unserer Bank und auf der Stadionuhr sowieso. (Nur die Zwischenstandsanzeige hatte zu tun, aber die schien ja eh’ verrückt zu spielen.)
Das Umspringen der ersten Ziffer der Zeitanzeige auf die 7 dann auf die 8 und endlich auf die 9 wurden bejubelt wie gelungene Spielaktionen.
Noch 2 Minuten.
Jetzt lassen wir uns das Ding nicht mehr nehmen!
Noch 1 Minute.
Puhh, auch das ist überstanden.
Pfeif ab! Abpfeifen! Wieso pfeift der denn nicht ab!?
Chance Wacker! Lomaia zur Ecke …

Die ersten Worte der Rückfahrt wurden nach ca. 100 km gewechselt. Was soll man auch sagen? Welchen Begriff für das Erlebte soll man verwenden? Der begnadete Mathematiker in unserer Besatzung rechnete und rechnete – Hoffnung verbreitete er wenig. Zum Glück trafen wir weitere 100 km später auf den titanischen Silberpfeil. Dort rechnete man auf eigene Art. „Punkt gewonnen! Wir gewinnen noch 2 Spiele und die anderen hatten heute alle Glück, die gewinnen nix mehr. Wir bleiben drin!“ Wir wussten zwar nicht, was es bei den Jungs zu trinken gab, aber die Rechnung gefiel uns. Und so konnten wir auch wieder miteinander reden.

Die Göttlichen hatten in Freiburg fest und energisch das Klassenerhalts-Seil in ihre Hände genommen. Gegen Duisburg ist es aus einer Hand entglitten. Heute haben sie es gegen einen seidenen Faden eingetauscht. Doch wie belastbar ist Seide?

Kann man damit zumindest Teufel (er)würgen? Lasst es uns alle gemeinsam versuchen – nächsten Sonntag im EAS!

YNWA!


--Kopfnuss 1:41, 7. Mai. 2007 (CEST)