2007/2008 14. Spieltag: VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 14. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Hinrunde
Ansetzung VfL Osnabrück - FCC
Ort Osnatel-Arena in Osnabrück
Zeit Fr. 23.11.07 18:00 Uhr
Zuschauer 11.000
Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne)
Ergebnis 1:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Osnabrück
Gößling
Thomik, Cichon, D.Ndjeng, Schäfer
Schuon Gelbe Karte.gif, Heidrich
Grieneisen (83. Manno), Aziz (68. Nouri)
Reichenberger, Hennings (89. Ehlers)

Trainer: Wollitz

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Jena
Daniel Kraus
Sven Günther Gelbrote Karte.gif, George Oniani, Darlington Omodiagbe Gelbe Karte.gif, Michael Stegmayer
Felix Holzner (46. Konstantinos Charalambides), Stefan Kühne, Torsten Ziegner, Ilia Kandelaki Gelbe Karte.gif (85. Sebastian Helbig)
Tobias Werner Gelbe Karte.gif, Sandor Torghelle Gelbe Karte.gif (39. Filip Tapalovic)

Trainer: Valdas Ivanauskas

Spielbericht

Auf Ex!
Und wie Sven G. vom Letzten zum Ersten wurde.

Stell dir vor, in der allerletzten Sekunde der zweiminütigen Nachspielzeit gelingt deinem Team das Unglaubliche. Flanke – Kopfball – Tor – Punkt – eruptiver Jubel!
...............
Stell dir vor, dein Team holt nur einen der drei notwendigen Punkte und zementiert (ist der Verweis auf diesen Baustoff eigentlich noch opportun?) so langsam das Unglaubliche. Zu wenig Siege – zu wenig Tore – zu wenig Punkte – Rote Laterne – kollektive Depression!

Zwischen genau diesen beiden Polen bewegte sich die Gefühlswelt der FCC-Fans am heutigen Tag. Das genussvolle Auskosten des ersten konnte das unterbewusst nagende Akzeptieren des zweiten Gefühls nicht vollständig verdrängen. Die Heimfahrt war gerettet. Mehr nicht.

Beim Einsammeln der ersten beiden Wegbereiter des heutigen Tages verkündeten die an Leipzigs Südvorstadthäuser und –laternenmasten geklebten Plakate „Auf nach Jena!“ Doch bevor morgen der Trip zur munter aufspielenden Zweiten anstünde, um ihr beim Zerlegen der Chemiker zuzusehen, galt es heute das härtere Programm mit Team Nummer Eins in Osnabrück zu absolvieren. Ab Schkeuditz, wo wir mit einem Wahlösterreicher unsere blaugelbweiße Expeditionscrew vervollständigten, kämpften wir uns durch Regen, Wind und tristes, trostloses, mürbe machendes Grau, quasi dem Sinnbild der derzeitigen Jenaer Fußballstimmung. Noch bitterer als dieses suizidfördernde Wettergemisch war nur der Anblick einiger Union-Fans am Tresen des amerikanischen Schnellessrestaurantes „Zum Goldenen Emm“, von denen sich doch tatsächlich einer nicht entblödete, einen „Union-Chemie-Freundschaftsschal“ zu tragen. Belohnt wurden wir für diesen quälenden Anblick lediglich mit dem Gewinn von Eistüten und Apfeltaschen beim hauseigenen Monopoly.

Mit dem Einrollen in Osnabrück, deutlich daran zu erkennen, dass Kühe und Rinder nun kein schwarz-weißes Fell mehr, sondern lila-weiße Schals trugen, fand die bis dahin schon nur schwer zu ertragende Tristesse ihren vorläufigen Höhepunkt. Fußläufig am Stadion an der Bremer Brücke eingetroffen, welches derzeit als „osnatel arena“ firmieren muss, war zunächst Zeit, sich am Anblick des anrollenden Jenaer Mannschaftsbusses zu erfreuen und dabei zu beobachten, wie Sven Günther als Letzter der derzeit nicht ganz so Heldenhaften den Bus verließ. Anschließend galt es noch, die 660 kilometerweit angereiste Münchner Fraktion zu begrüßen und mit einigen gleichfalls Nimmersatten nochmals der letztsonntäglichen Eilenburger Laola zu gedenken. Hätte man nicht gewusst, dass in Kürze ein Fußballspiel stattfinden solle, so hätte man zunächst vermuten können, rings um die Bremer Brücke würde a) Deutschlands größte Zahnspangenmesse stattfinden oder b) die Bravo eine Open-Air-Veranstaltung mit Dr. Sommer präsentieren. Das einem entgegen strömende Flachlandpublikum hätte nach Alter, Aussehen und Benehmen zu beiden Veranstaltungen trefflich gepasst.

Im Bemühen, den guten, erdigen, Grasgeruch verbreitenden Fußball zum massenkompatiblen „Event“ aufzupäppeln, unterschreiten Deutschlands Vereinfunktionäre inzwischen jegliche Debilitätsgrenzen. Heutiges Beispiel die schlimme Nerverei der grausigen Maskottchen Li & La vor Spielbeginn. Das unvermeidliche Fußballdrumherum kann mittlerweile auf Vieles verzichten, hirnlose Dauerbeschallung und hirntote Figuren wie diese Zwei gehören dazu.

Zwischen 250 und 300 FCC-Jünger konnten dann, bei den die Erwärmung abschließenden, Torschussübungen bestaunen, wie Ersatzkeeper Christian P. die Thüringer Ballermänner mit sensationellen Paraden und Reflexen schier zur Verzweiflung brachte … Muster ohne Wert. Thunder (live) von AC/DC begleitete beide Teams auf’s Grün, vielleicht kein schlechtes Zeichen, hatten wir doch mit selbiger Scheibe uns selbst zuvor im Auto auf Touren gebracht.

Team Rote Laterne begann u. a. mit einer mal wieder neu zusammen gebastelten Abwehrformation, denn Alex Maul hatte neben der Kapitänsbinde (an Rückkehrer TZ) auch gleich noch seinen Abwehrstammplatz abgeben müssen. Drei Umdrehungen hatte der Zeiger der nicht vorhandenen Stadionuhr absolviert, als Felix Holzner mit einem 20-Meter-Schuss vom rechten Strafraumeck die erste Offensiv-Aktion des Spiels abschloss, den Ball allerdings über das Tor knallte. Dann passierte 5 Minuten lang relativ wenig und es bot sich Zeit für ein kurzes Schaumbad im Klischee: wenn schon eine Linienrichterin, dann eben auch eine in chicen roten Schuhen – so viel Frau muss sein. Die Osnasen hatten ihre erste Offensivaktion in der 7. Minute, als ihnen an der rechten Eckfahne ein Freistoß zugesprochen wurde. Die Hereingabe sah aber gefährlicher aus, als sie dann war und mit Abstoß ging’s demzufolge weiter. So bot sich m Gegenzug für TZ die Chance, einen Freistoß von halblinks vors Tor zu schlagen, was er dann auch relativ harmlos tat. (8.) Zum Zwecke der Wiedergutmachung erkämpfte er sich aber kurz darauf den Ball zurück, zog Richtung Strafraum und spielte steil auf Torghelle. Statt für’s Sprinten hatte der sich aber für’s Hinterherschauen entschieden. Doch schon 2 Minuten später war es erneut TZ, der diesmal auf der rechten Seite und im Zusammenspiel mit Felix H. den Ball vorwärts peitschte. Als dieser, der Ball, dann links ankam, wurde er 16 Meter vor Osnabrücks Tor von Kandelaki heftig getreten und kam erst wieder im Toraus zur Ruhe. Mit ebendieser hätte es sogleich vorbei sein können, wenn Reichenberger einen perfekten Steilpass ebenso angenommen hätte, statt ihn freistehend zu verstolpern. (13.) Eine ausgeglichene erste Viertelstunde neigte sich dem Ende zu, beide Teams hatten bisher überwiegend darauf geachtet, eigene Fehler zu vermeiden.

Plötzlich lag eine lila Kuh verletzt auf der Wiese und der höfliche Gast spielte den Ball ins Aus. Höflich spielten die Einheimischen das Leder zurück ins Aus. Fasziniert von so viel Etikette warfen und spielten die Unseren den Ball zu Kraus und übersahen dabei ganz höflich, dass den gleich zwei Gegner unter Druck setzen würden. Kraus zögerte einen entscheidenden Moment zu lange, traf dann also nur einen der Beiden, der Ball stieg himmelwärts, Sven G. und Aziz gehen dem sich senkenden Ball entgegen und Aziz köpft ihn glücklicherweise über unser Tor.
Dann fällt Aziz hin.
Dann pfeift Kinhöfer.
Dann wedelt er in Richtung Günther mit Gelb.
Dann nestelt er an seinem Brusttäschchen herum.
Dann zeigt er Günther Rot.
Dann gibt es Elfmeter.
Dann geht Aziz einige Schritte zur Seite, lacht und macht die Säge.
Dann werde ich laut und wütend.
(Meine sonst so besonnenen beiden Nachbarn auch. Und deren Nachbarn auch …)

Ich habe die Szene nicht im TV gesehen. Ich habe nicht die 6. oder 7. Zeitlupe vorwärts und rückwärts vorgespielt bekommen. Mein Live-Eindruck: Elfmeter und Rot unberechtigt, ein Witz. Wer derartige Kleinigkeiten im Mittelkreis zu recht nicht pfeift, kann das auch nicht im Strafraum tun, von der unverständlichen Kartenspielerei mal ganz abgesehen. Dass Kraus dann die Ecke erahnt, den Ball des Bauern Cichon (zum 1:0; 20. Minute) jedoch knapp verfehlt, passt in’s FCC-Bild dieser Tage: Erst den Gegner durch eigene Fehler stark machen und dann knapp das Nachsehen haben. Dann gehst Du eben baden und es ist egal, ob dich der Pfeifenheini auch noch ins Wasser schubst. Der zuletzt dem Bus Entstiegene würde nun also dort wieder der Erste sein … Die Verunsicherung er Dezimierten war nun greifbar und erfasste erneut auch Daniel K., als er nach 25 Minuten wieder beim Ballwegschlagen patzte. Hoffnungsfunken sprühten, als ein TZ-Freistoß nach 26 Minuten in den Strafraum schwebt – mehr als eine Ecke springt jedoch nicht raus. Das Spiel beruhigt sich dann allmählich wieder und in Minute 32 setzt das Unterzahl-Team zum Konter an. TW stürmt energisch vorwärts, hat jeweils zu beiden Seiten einen anspielbereiten Mitspieler und beendet die Aktion mit einem Grottenpass ins Nichts. Nach 35 Minuten kann Reichenberger uns erlegen. Wieder bekommt er einen Zuckerpass in den Strafraum serviert – aber freistehend lässt er den Ball verspringen. Nach 39 Minuten bewahrt Ivanauskas Torghelle vor Ärgerem und ersetzt diesen durch Tapalovic. Sandors Wutausbruch an der Bank fand meine Zustimmung. Dann kann nach 40 Minuten erneut ein zartes blaugelbweißes Hoffnungsplflänzchen sprießen, als sich TZ den Ball 18 Meter halblinks vor Gößlings Tor zum Freistoß zurechtlegt. TZ streichelt den Ball sauber über die Mauer, allerdings senkt er sich dann nur hinter das Tor statt hinein. Halbzeit 1 endet FCC-like: Tapa und Holzner begehren das Leder jeweilig per Kopf, Tapa trifft mit seinem den des Kameraden und Felix geht benebelt zu Boden. Halbzeit und wenige Sekunden später erreicht mich eine sms aus einer Jenaer TV-Fußball-Kneipe, sie besteht aus einem Wort: Grausam
Dem ist nichts hinzuzufügen. Doch, vielleicht noch dieses: Grausam war auch das nun dargebotene Bierfass-Wetttragen, zu welchem sich glücklicherweise kein Jenaer Fan bereit erklärt hatte, auch wenn der Halbzeitanimateur dies bedauerte. Wer, in Gottes Namen, redet Vereinen bloß ein, Halbzeitpausen müssten dazu genutzt werden, zu zeigen, dass man selbst RTL-II-„Niveau“ noch unterschreiten kann?

Tapa hatte also ganze Arbeit geleistet und so begann in HZ 2 Costas für Feilx Holzner. Würde 10 Unbeugsamen Unvorstellbares gelingen? Es schien so, als gäbe es noch Hoffnung. Nach 48 Minuten nutzt Kandelaki eine prima Vorarbeit Werners zu einem satten 18-Meter-Flachschuss, den Gößling allerdings sicher entschärft. Ebenso sicher reagiert 3 Minuten später Daniel K. als er einen Schuss nach einer flachen Eingabe von links unter sich begräbt. Dann folgen 3-4 Minuten, in denen sich die Gastgeber den Ball rings um unseren Strafraum wie beim Handball zuspielen können, Kraus verhindert aber Zählbares. Also kann Kandelaki nach 53 Minuten zu einem Konter ansetzen, statt das Spiel zu öffnen, will er mit dem Kopf aber durch die Mitte und dann bleibt ihm nur noch ein rückgabegleiches schwaches Schüsschen übrig. Der nächste Angriff unserer Jungs ist ihr bis dahin bester. Schnell und direkt läuft der Ball von Tapa über Costas zu Tobias W. und weiter zu TZ. Wie so oft harpert es jedoch am Abschluss, den Ball setzt der Kapitän über das Tor. (56.) Zwei Minuten später kommt Tobias W. bei einer Linksflanke Stegmayers einen Schritt u spät. Nach einer Stunde ist für Sekunden der „alte Ziegner“ zu erleben. Energisch erkämpft und behauptet er den Ball und startet ein zielstrebiges Solo. Der Glanz verblasst jedoch ebenso schnell wieder, TZ versäumt den Abspielzeitpunkt und die Aktion versandet ergebnislos. Nach 61 Minuten muss Daniel K. hellwach sein, als ein Freistoß von rechts scharf auf seine Hütte zuzischt. Kompromisslos klärt Jenas Nummer 1 faustend. Nochmals versucht es nun Costas konternd über die rechte Seite, da er aber an der Ausführung einer simplen Flanke scheitert, bleibt auch diese Aktion nur heiße Luft.

Diese scheint dann in den kommenden Minuten völlig aus dem Match zu entweichen. Die glücklich Führenden agieren offensiv recht lustlos und unkonzentriert und die unglücklich Zurückliegenden spielen lediglich gefällig bis zum gegnerischen 16-er. Gescheite Pässe in die Spitze, die den Mitspieler auch mal erreichen – Fehlanzeige. Das Bemühen der Blaugelbweißen, sich Chancen zu erarbeiten, nicht aufzustecken, ist sichtbar und auch löblich. Aber die Umsetzung bleibt Stückwerk. Anweisungen von der Bank, taktische Umstellungen, Helbigs Einwechslung – immer blieb der Wunsch Vater des Gedanken. Auf dem Platz lief es so ähnlich wie auf den Rängen der Gästefans – irgendwie passte nicht viel zusammen, denn auch der unermüdliche Megaphon-Beschaller schien heute nicht immer den rechten Nerv der Supportwilligen zu treffen.

Bleibt also nichts weiter übrig als davon zu berichten, dass nach 72 Minuten der eifrige Tobias W. sich mal wieder alleine ein Herz fasste, seinen Schuss aus 18 Metern aber neben das Tor setzte. Quälend verging die Zeit (noch immer ohne Helbig!) bis zur Minute 79 und erneut fiel da Tobias W. auf. Diesmal bemühte er sich auf links und brachte den Ball vors Tor. Pass? Torschuss? Egal, vorbei! Die Zeit verrinnt bleiern (noch immer ohne Helbig!) und diesmal ist es nach immerhin schon 83 Minuten Kühne, der nach einer Kopfballablage Werners aus 16 Metern über das Tor schießt. Nach 85 Minuten muss dann doch noch irgendjemand Ivanauskas daran erinnert haben, dass wir mit Helbig noch einen einsatzbereiten Stürmer haben und der Litauer lässt sich breitschlagen, Helbig darf Kandelaki ersetzen. Auch wenn dessen erste Aktion misslingt, als ihm eine Stegi-Flanke von der Brust springt, ist jetzt ansatzweise so etwas wie eine „Alles-oder-Nichts-Mentalität“ zu spüren. Osnabrück ist außerdem so hilfsbereit, Konterchancen zu versieben und sich hauptsächlich damit zu begnügen, diesen Vorsprung gegen 10 Mann über die Zeit zu retten. Nach 90 Minuten scheint das aber auch das richtige Rezept gewesen zu sein. Die Nachspielzeit verfliegt. Jena hat den Ball auf der linken Angriffsseite. Flankenversuch – abgeblockt. Der hohe Ball senkt sich zu Helbig, der mit dem Rücken zum Strafraum an dessen linker Begrenzung steht. Per Rückzieher zieht er den Ball saugefährlich vor’s Gößling-Tor. Panik und Hektik ergreift die Lilafarbenen. Von rechts kommt ein blaugelbes Etwas angeschwebt. Es ist Tobias W. - er liegt waagrecht in der Luft. Sie treffen sich – Tobias W. und Helbigs Eingabe. Kopfball. TOOOOOOR!!! 1:1 (90+2.) Anpfiff. Abpfiff.

Der Durst nach Jubel war so riesig, dass jeder Mitgereiste sich zunächst mal paar kräftige Schlucke aus der Euphorie-Pulle gönnte. Auf Ex! Das betäubt. Und reicht für 400 km heimwärts. Aber für mehr wohl nicht. Oder?

(Schön-) Rechnen? Nicht mit mir. Aber Aue putzen – das muss sein! Da will ich hin – nix mit Lila Pause!

Auf geht’s Jena, kämpfen und siegen!
YNWA!

--Kopfnuss