2010/2011 29. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 1:3

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 29. Spieltag
Saison Saison 2010/2011, Rückrunde
Ansetzung FCC - FC Rot-Weiß Erfurt
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 19.03.2011 14:00 Uhr
Zuschauer 10.992
Schiedsrichter Babak Rafati (Hannover)
Ergebnis 1:3 (0:1)
Tore
  • 0:1 Zedi (31.)
  • 1:1 Ullmann (59.)
  • 1:2 Drexler (85.)
  • 1:3 Drexler (87.)
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Carsten Nulle
Felicio Brown ForbesGelbe Karte.gif (50. Martin Ullmann), Marco Riemer, Alexander VoigtGelbe Karte.gif, Ralf Schmidt
OrlandoGelbrote Karte.gif, Eugen Bopp, Jens Truckenbrod, Josip Landeka (85. Christian Reimann)
Sebastian Hähnge, Aykut Öztürk

Trainer: Wolfgang Frank

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Erfurt
Dirk Orlishausen
Fabian Stenzel, Jens MöckelGelbe Karte.gif, Tom BertramGelbe Karte.gif, Dennis Hillebrand
Denis WeidlichGelbe Karte.gif (90. Thomas Ströhl), Rudolf Zedi, Nils Pfingsten-Reddig, Olivier Caillas
Marcel Reichwein (90. Julian Lüttmann), Tino Semmer (70. Dominick Drexler)

Trainer: Stefan Emmerling

Spielbericht [1]

Nach Abpfiff herrschte verkehrte Welt im Ernst-Abbe-Sportfeld. "Damit kann ich nicht zufrieden sein. Da muss man sich anders präsentieren" - diese Sätze stammen vom Sieger und nicht etwa vom Verlierer dieses Thüringenderbys. Welcher hingegen viel Lob zu hören bekam, auch vom eigenen Trainer: "Kompliment an meine Mannschaft, die zweite Halbzeit war große Klasse."

Doch von vorn. Beide Mannschaften hielten sich nicht lang mit taktischem Geplänkel auf, überbrückten schnell das Mittelfeld. Bereits nach vier Minuten gab es den ersten Torjubel auf der Erfurter Bank, der jedoch schnell abebbte, als die Abseitsfahne des Schiriassistenten gesichtet wurde. Fünf Minuten später entschloss sich Orlando zu einem Alleingang. In der für ihn typischen Manier sprintete er über das halbe Spielfeld, sodass vier Erfurter im wahrsten Sinne des Wortes das Nachsehen hatten. Auch von einem versuchten Foul (für das es im Nachhinein nur eine Ermahnung gab) ließ sich Orlando nicht aufhalten. Obendrein kam noch sein Pass perfekt auf Felicio Brown Forbes, welcher von der linken Seite kommend nur noch Orlishausen vor sich sah, den aus seinem Kasten stürmenden Keeper jedoch anschoss. Welche eine Chance wurde da vergeben ! Die Nächste ließ nicht lange auf sich warten. Freistoß des für den kränkelnden Nikol ins Team gerückten Landeka, halbhoch in den Sechzehn-Meter-Raum gezogen, wo Sebastian Hähnge zum Kopfball taucht, den rechten Pfosten aber knapp verfehlt. Ein feiner Öztürk-Pass noch in Richtung Bopp, welcher gegen Orlishausen zwei Schritte zu spät kam - in zwanzig Angangsminuten wirkte Jena etwas zwingender. Danach aber zogen die Gäste die Spielregie erst einmal an sich. Ihr Stürmer Marcel Reichwein stand in Minute 25 mal nicht im Abseits, sondern zentral ohne Gegenspieler vor Carsten Nulle. Unsere Nummer 1 entschärfte diese brenzlige Situation mit einer phantastischen Beinabwehr, meisterte in den darauffolgenden Minuten auch noch einen 25-Meter-Aufsetzer Reichweins und lenkte Pfingsten-Reddigs scharf geschossenen Ball über die Latte. Nach einer halben Stunde musste aber auch er sich geschlagen geben. Zedis Ball aus gut zwanzig Metern wurde abgefälscht, nahm somit eine unvorhergesehene Flugbahn und flatterte über Nulle hinweg ins Netz. 0:1. Ein Rückstand, mit dem sich Orlando nicht abzufinden gedachte, so derb(y)-motiviert wie er war. "Um den herunter zu bekommen, braucht es mehrere Trainer", beschreibt es Wolfgang Frank, so als könne man dem Holländer auch dann nicht böse sein, wenn er mal übers Ziel hinaus schießt. Und das tat Orlando diesmal zweifelsohne. Hatte er sich doch bereits in der 33. Minute auf ein kleines Scharmützel mit Caillas eingelassen, nachdem er wegen eines Fouls die Gelbe Karte sah. Nur zwei Minuten danach auf der anderen Spielfeldseite mit Möckel auf ähnliche Art und Weise wieder aneinander zu geraten, birgt nun einmal die Gefahr einer Gelb-Roten Karte in sich, während der Erfurter als Ersttäter mit Gelb davonkam. Nach zwei Nackenschlägen innerhalb von fünf Minuten besaßen die Jenaer mit einem Mal verdammt schlechte Karten. In Unterzahl auf den Ausgleich zu drängen gelang ihnen bis zur Pause nicht mehr. Eine einzelne Offensivaktion von Hähnge neutralisierte sich mit Semmers Flachschuss.

Im Pokalspiel Ende letzten Jahres hatte der FC Carl Zeiss mit 0:1 in Rückstand liegend nach dem Seitenwechsel die Erfurter an die Wand gespielt. Aufgrund der numerischen Unterlegenheit war mit einer Wiederholung dessen aber nicht zwangsläufig zu rechnen, somit mussten zunächst einmal andere Mittel gefunden werden. Konter zum Beispiel. Wie der über Öztürk und Landeka nach 50 Minuten, in dessen Folge Landekas Hereingabe durch den Torraum flog und erst vom letztmöglichen Abwehrbein des Kontrahenten entschärft werden konnte. Oder mit Standards. Ecke von links nach 51 Minuten. Voigt erwischt den Kopfball, Pfingsten-Reddig fängt ihn auf der Torlinie stehend ab. Während unsere Elf über solche Möglichkeiten immer besser ins Spiel kam, fand ein Rot-Weißes Offensivspiel in dieser Phase überhaupt nicht statt. Aus diesem Grund war der Ausgleich in Minute 59 mehr als verdient. Der erstmals von Beginn an aufgebotene Aykut Öztürk rechtfertigte seine Nominierung allein schon mit der Vorarbeit zum Jenaer Treffer, als er energisch in den Strafraum zog, flach vors Tor passte, sodass Martin Ullmann am langen Pfosten nur hineinrutschen musste. Ullmann ? Der war zu Beginn der zweiten Hälfte noch gar nicht auf dem Platz, kam aber vier Minuten nach Wiederanpfiff, so als wolle Wolfgang Frank nicht zusammen mit der Halbzeitansprache, sondern während des laufenden Spiels noch ein zusätzliches Signal auf Angriff stellen. Zehn Minuten später hatte der Joker gestochen. Und die Erfurter, die es sich in ihrer komfortablen Spielsituation so richtig schön gemütlich gemacht hatten, sahen einander betröppelt an.

Bemerkenswert, dass sich in den Minuten unmittelbar nach dem Ausgleich nichts am Spielgeschehen änderte ! Neun Feldspieler in Blau gewannen deutliche mehr Zweikämpfe als sie verloren, wirkten leidenschaftlicher als ihre Gegenüber. Als Martin Ullmann in Minute 77 in den Strafraum eindrang, Hillebrand seinen Laufweg kreuzte und ihn mit einem Rempler zu Fall brachte, wollte Fußball-Jena den Elfmeterpfiff. Doch Babak Rafati winkte nur ab. Und zog damit den Unmut der Zuschauer auf sich. Schon im Vorfeld der Partie war über Rafatis Ansetzung kontrovers diskutiert worden. Hatte er doch in den vergangenen beiden Bundesliga-Spielen derart kurios-abstruse Entscheidungen gefällt, dass ihm die Redakteure des Fachmagazins Kicker für seine Gesamtleistung jeweils die Note 6 verpasst hatten. Dass solch ein Referee dann erst mal aus der Schusslinie der Bundesligisten gebracht wird, ist klar. Aber muss man ihn ausgerechnet mit dem bedeutendsten Rückrundenspiel aus Thüringer Sicht beauftragen ? Bemüht objektiv betrachtet war es wohl eine Aktion aus der Rubrik 'Kann man pfeifen, muss man nicht'. Der gefoulte Akteur freilich verstand die Welt nicht mehr. "Ich lasse mich doch nicht ohne Grund fallen ! Denn wenn ich durchkomme, gehe ich allein aufs Tor", schüttelte Martin Ullmann den Kopf. Jenas Spieler ließen auch danach nicht locker. Meist wurden die Angriffsaktionen über die linke Seite eingeleitet, wo Landeka und Öztürk gut harmonierten. Von dieser Seite kam auch der Eckball in Minute 82, der zunächst direkt am Außenpfosten landete, danach von Eugen Bopp noch einmal gefährlich vors Tor gezogen wurde - nur mit etwas gar zu viel Schmackes. Dass der Fußballgott zuweilen richtig derb ungerecht sein kann, demonstrierte er fünf Minuten vor Abpfiff. Ein Pass aus dem Mittelfeld wird von Reichwein kurz antippend verlängert zum eingewechselten Drexler, der allein auf Nulle zuläuft und diesem keine Chance lässt. Rot-Weiß hatte bis dahin nicht eine Torchance in Hälfte zwei und zog nun so kurz vor Ultimo in Front. Die Sache hat aber eine noch viel tragischere Komponente, denn dieser Treffer hätte nie und nimmer zählen dürfen ! Ivo Leonhardt als Schiedsrichterassi auf der Tribünenseite übersah eine klare Abseitsstellung des Torschützen. Beim erster Pass stand dieser wohl noch auf gleicher Höhe mit Voigt, doch als Reichwein verlängerte, befand sich Drexler bereits drei Meter im Abseits ! Es war also nicht Herr Rafati, sondern sein Assistent, der den Spielausgang zu Jenas Ungunsten beeinflusste. Jenas neun Feldspieler mussten sich in der verbleibend kurzen Zeit zwangsläufig allesamt nach vorn orientieren. Dass Dominick Drexler wieder im Zusammenspiel mit Reichwein dadurch noch ein weiterer Treffer gelang, machte den Deckel zu über neunzig Minuten, die reichlich Stoff zum Diskutieren lieferten. Und einen äußerst glücklichen Sieger fanden. Leider aber müssen wir Gästetrainer Emmerling recht geben, wenn er meint, bei einem Derby zählen nicht so sehr die Art und Weise des Zustandekommens, sondern nur das nackte Endresultat. Jena 1. Erfurt 3. Kommende Saison darf es von uns aus gern zur Revanche kommen.

--Frank Cichos

  1. Mit freundlicher Genehmigung von Franks FCC-Seite übernommen.