2006/2007 11. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Greuther Fürth 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 11. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Hinrunde
Ansetzung FCC - SpVgg Greuther Fürth
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 08.11.06 17:30
Zuschauer 6.403
Schiedsrichter Thomas Frank (Hannover)
Ergebnis 1:1 (1:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger Hasse, Ralf Schmidt,
Silvio Pagano, Sven Günther (87. Krzysztof Kowalik), Ronald MaulGelbe Karte.gif, Tobias Werner
Christian Fröhlich,
Fiete Sykora (68. Sebastian Helbig), Patrick de NapoliGelbe Karte.gif (61. Mark Zimmermann)

Trainer: Heiko Weber

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Fürth
Borut Mavric
Juri Judt, Thomas Kleine, Andre MijatovicGelbe Karte.gif, Timo AchenbachGelbe Karte.gif
Barbaros Barut (46. Olivier Caillas)
Daniel Adlung (80. Stephan Schröck), Hans Henrik Andreasen, Danny Fuchs
Christian Timm, Stefan Reisinger (46. Torsten Oehrl)

Trainer: Benno Möhlmann

Am Abend mancher Tage … (Spielbericht)

Verhängnisvoller Platztausch in Block A

„Am Abend mancher Tage,
da stimmt die Welt nicht mehr.
Irgendetwas ist zerbrochen, wiegt so schwer.
Und man kann das nicht begreifen,
will nichts mehr seh’n
und doch muss man weiter geh’n. …“

Wer hätte gedacht, eine halbwegs brauchbare Gefühlsbeschreibung für den gestrigen Fußballabend ausgerechnet auf einer uralten Amiga-Lift-LP zu finden? (Für die Jüngeren: LP = Langspielplatte, groß, rund, schwarz und mit Rillen auf beiden Seiten.) Wer schon immer wissen wollte, warum Unentschieden schmerzlicher als Niederlagen sein können, ist seit gestern (leider) schlauer.

Als ungeduldig diesem Spiel Entgegeneilender verursachte ein dahinschleichender und nicht überholbarer Wohnwagen mit dem nervigen Aufkleber „Haamitland Arzgebirg“ schon erste hektische Blicke zur Uhr. Eine Geste, die man im Laufe des Abends noch über Gebühr strapazieren würde … Dennoch, ein Mitwoch-Abend-Flutlichtspiel der Unverwechselbaren ruft bei mir noch immer Erinnerungen an lang vergangene EC-Zeiten wach. Doch an eine so fanunfreundliche Anstoßzeit habe ich keine Erinnerung, einzig der 18:00-Uhr-Anpfiff vom 18.10.1978 gegen den MSV Duisburg im UEFA-Cup kam dem nahe.

Der Spiel-Countdown bot ebenfalls bemerkenswertes. FCC-Benno hatte sich also dafür entschieden, es bei der öffentlichen Geburtstagsgratulation für Kevin Schlitte zu belassen und stattdessen auf Pagano zu setzen. Die Video-Wand-Programmierer versetzten den Jenaer Anhängern einen gezielten Stich ins blaugelbweiße Fanherz und ließen den wahren Käpt’n während der Aufstellungsbekanntgabe groß bildlich erscheinen. Auch auf YNWA wurde verzichtet, derweil man die anwesende Fangemeinde lieber mit der (wie man mir erklärte) nervigen, klebrigen Arena-Musik-Soße quälte.

Das Spiel begann und man hatte nicht mal Zeit, sich an den Anblick einer vor der Tribüne auflaufenden Linienrichterin zu gewöhnen, so atemberaubend waren die ersten 30 Sekunden der Weißen. Jena sofort bemüht, die Verhältnisse im EAS klar zu stellen und es war mehr als schade, dass TW nach 5 Minuten auf der linken Seite abseits gewunken wurde. Nachdem die Fürther in Minute 7 dank eines Freistoßes von rechts erstmals in unserem 16-er auftauchten und eine Minute später eine weitere strittige Abseitsentscheidung den Jenaer Angriffs-Elan bremste, ging kurze Zeit später das erste Raunen durchs Sportfeld. Pagano zündete auf rechts erstmals seinen Turbo, zog unwiderstehlich davon und wenigstens mit einer Ecke belohnt. Eine falsche Einwurfentscheidung der jungen Frau in Gelb ermöglichte nach 10 Minuten den Gästen einen ersten Torschuss. Ronald Maul antwortete gleich 2 Minuten später, sein Schuss wurde aber leider abgeblockt.

Nach der Auftaktviertelstunde war ein weiteres Grundprinzip dieses Abends geklärt: der Unparteiische würde dieses Spiel mit etlichen unnütz kleinlichen Pfiffen malträtieren und im Zweifelsfall immer gastfreundlich entscheiden.

Noch zeigten sich die Unseren unbeeindruckt und setzten beherzt nach. Aber auch TW verzog in der 17. von halblinks und DeNas toller Einsatz nach Persons Vorarbeit blieb in der 18. Minute ebenfall erfolglos. Immerhin dauerte es gute 25 Minuten, ehe es den Franken gelang, das Spiel aus ihrer Sicht halbwegs zu beruhigen. Nun deuteten sie gelegentlich an, mehr als paderbornsche Anti-Fußball-Strategie zu beherrschen. Der FCC, nicht unbedingt großen spielerischen Glanz verbreitend, hielt sich aber weiter konsequent an das auch in Rostock erprobte und mindesten 5 € werte Prinzip: Über den Kampf zum Spiel finden! Ob es wirklich nötig war, nach DeNas Kopfballablage in der 29. Minute mit dem Fähnchen zu wedeln? Sven Günther hätte man jedoch beim Konter nach einer Fürther Ecke (32.) wesentlich mehr Mut gewünscht. Einer weiteren Jenaer Chance (33.) folgte der nächste Aufreger: Nach einem Zuckerpass unseres Eidgenossen zog Fiete unwiderstehlich in den Strafraum, lässt sich nach einer entsprechenden Attacke nicht elfmeterreif zu Boden sinken, versucht lieber das Tor selbst zu machen und haut den Ball rechts oben drüber. Hätte, wäre, wenn …….

Endlich! Nach 35 Minuten erzielt Patrick de Napoli sein erstes und mehr als verdientes Tor für Thüringens stolzeste Farben! Glückwunsch! Bennos Entscheidung, erneut auf ihn zu setzen, war goldrichtig! Ständig in Bewegung immer anspielbereit, sich total einsetzend und defensiv arbeitend, zählte er bis dahin zu den besten Akteuren dieses verbissenen, aber nicht unfairen Matches. Kollektives Durchatmen im EAS.

Fürths Ehrgeiz war somit erneut angestachelt und schnell erkannten die abgezockten Zweitliga-Dauergäste, wenn sie erfolgreich sein wollen, müssen sie es zunächst über unsere rechte Abwehrseite versuchen. Pagano, im Vorwärtsgang bis dahin mutig und tatendurstig, hat gegenüber Schlitte eindeutig (noch) Defizite in der Defensive, da er meist zu weit weg vom Gegner steht bzw. zu zaghaft/zu spät attackiert. Flanken der Fürther kamen daher meist von deren linker Angriffsseite und eine davon führte in der 42. Minute auch nochmals für reichlich Gefahr vor unserem Kasten, die Direktabnahme in der Mitte blieb aber zum Glück folgenlos. So endete eine erste HZ, die eigentlich keine großen Überraschungen brachte: Fürth wurde zunehmend der erwartet schwere Gegner, gegen den man einen Sieg kaum erspielen kann. Aber sie bedingungslos fightend in die Knie zu zwingen, schien machbar, würde der ersten eine ebensolche zweite HZ folgen.

Fußball braucht seine Riten und Gesetze. Gegen eines werde ich seit gestern nie wieder verstoßen! Eines der Phrasenschweine bat mich, um die 2. HZ gemeinsam mit Bekannten erleben zu können, um einen Platztausch. Warnungen anderer Oranjes, dies würde Unglück bringen, schlug ich aus. Ich tat höflich wie gebeten und gelobe hiermit: Nie Wieder!!! Auch auf dem Rasen geschah Unerwartetes. Bisher war man gewohnt, den FCC zuerst vom Pausentee zurückkehren zu sehen. Diesmal durchbrachen die Gäste diese Regel und weilten lange vor Webers Jungs wieder auf dem heiligen Rasen.

Und dass die Möhlmänner nicht auch noch gegen den 3. Aufsteiger verlieren wollten, zeigten sie sofort nach Wiederanpfiff. Sie gaben jetzt die Richtung vor und ihr Ziel war Christian Persons Gehäuse. Hatte man sich gerade darüber beruhigt, dass RM nach seinem ersten robusteren aber beileibe nicht unfairen Einsatz mit Gelb bedacht wurde, drohte der nächste Aufreger: TW erkämpft den Ball, legt ihn sich vor, geht allein au Fürths Keeper zu und durch’s Zuschauerhirn zuckt es jede Zehntelsekunde: Schieß! Schieß! Schieß! Aber Tobi scheint gerade nicht zu wissen, wie das geht, ein Verteidiger rauscht von hinten heran und die große Chance, dieses Spiel (vor) zu entscheiden ist dahin ……. Elfer?!? Meine spontane Reaktion war nein, ich traf jedoch anschließend einige, die Haus und Hof darauf verwetten wollten, dass dies ein sonnenklares Foul gewesen sei.

Beim nächsten Angriff der Schwarzen trafen diese nur die Latte und gaben somit einen Vorgeschmack auf das, was nun folgen sollte. Fürth setzte sich in unserer Hälfte fest. Dies dauerhaft und so waren sie nach einer Stunde Spielzeit Herr des Geschehens. Spätestens nach einigen unerklärlichen Mittelfeld-Freistoß-Entscheidungen beschlich mich das Gefühl, notfalls würde der kahle Gelbe den Ausgleich auch noch selbst schießen wollen. Wollte man die Szenen beschreiben, welche sich jetzt um unseren Strafraum herum abspielten, würde dies wohl eher einer Handall-Reportage gleich kommen. Jena zog sich (viel zu) weit in die eigene Hälfte zurück und in erster Linie einem kompromisslosen HH (um so tragischer seine Rolle in der 91.!) und einem glänzend aufgelegten Christian Person war es zu danken, dass das der kleine Funke Hoffnung noch nicht erloschen war. Der ebenfalls stark spielende Ronald Maul setzte mit seinem Schuss in der 66. noch einen der spärlichen blaugelbweißen Offensiv-Akzente.

Aber sonst? Pagano war jetzt völlig abgetaucht und erweckte den Eindruck, als hätte man ihm verboten, die Mittellinie zu überqueren. Alle (von wem auch immer) nach vorn gespielten Bälle landeten direkt wieder bei den Fürthern, die weiter Druck ausübten. Jetzt, wo Fiete und DeNa fehlten, wurde erst so richtig deutlich, wie sehr diese beiden auch defensiv arbeiteten und wie sehr sie als Anspielstationen fehlten. Helbig und Zimme waren da gestern absolut kein adäquater Ersatz. (Mein ca. 10 Jahre alter, total enthusiastischer und in ein blaues FCC-Trikot gewandeter Sitznachbar kommentierte u. a. das Procedere bei Zimmes Einwechslung lauthals mit den Worten: „Die dumme Hure will nur Zimme nackig sehen!“) Besonders Helbig schien völlig von der Rolle und fand weder Halt auf dem Rasen noch Bindung zum Spiel. Das war nix! Das Team wirkte kopflos.

Auf der Tribüne waren nun Kopfbewegungen wie bei Besuchern eines Tennis-Matches zu sehen: Nach rechts zur Uhr – nach links in unseren Strafraum; nach rechts zur Uhr - …) Sicher hat der Reinigungsdienst nach Spielschluss Tonnen abgeknabberter Fingernägel zusammen gefegt und nach jeder vertanen Chance der Fürther nahm die gemessene Windstärke im EAS wegen des kollektiven Ausatmens um 2 m/s zu. Die Minuten dehnten sich wie Stunden und die Sekunden schlichen endlos zäh dahin. Sollte man je von einem Zittersieg reden wollen, dieses Spiel wäre das perfekte Referenzbeispiel. Fast. Denn nun nahte die Nachspielminute. Dummer Freistoß am rechten Strafraumeck … (wenn es denn einer war?!) Nein, ich will diese Szene nicht nochmals beschreiben. Trotz maßvollem Spätabendbier in Drackendorf, diese Szene verfolgte mich bis in die Träume. Immer und immer wieder sah ich diesen Freistoß zeitlupengleich aufs lange Eck segeln und noch bevor er auf dem Kopf des Adressaten landete, war mir klar, was gleich passiert …

Es wurde ein ruhiger Abend im EAS, am Fan-Haus und beim rameder-Forum-Treffen. Wortlos, mit leerem Blick, gefalteter Stirn und kopfschüttelnd – so verließen die meisten ihren Platz. Wer wollte auch schon aussprechen, dass dieser 2-Punkte-Verlust mehr schmerzte, als so manche Niederlage. War es doch wieder, wie in Rostock, genau eine Unachtsamkeit, die unsere Helden um den Erfolg brachten (Wobei sich Fürth den Punkt mit seiner Moral eher verdiente als die Hanseaten – die Fairness, dies zuzugeben, sollte man haben.) Wer wollte schon in HW’s Haut stecken und dieses Drama auch noch kommentieren müssen? Sich vor sein Team zu stellen und einen eigenen Fehler einzugestehen bringt zwar keine Punkte zurück – aber es zeigt Größe. (Und nur, wer von sich selbst behauptet, fehlerfrei zu sein – möge lässig abwinken und die „Ich-hab-es-doch-schon-immer-besser-gewußt!“-Keule auspacken.) Sich von diesem emotionalen Tiefschlag zu erholen, wird Mannschaft und Betreuern nicht leicht fallen. Es gibt aber eine Chance, ihnen dabei zu helfen:

Wir halten fest zusammen und kämpfen bis zum Schluss!!!
Auf nach Aue!

P.S. Wie heißt es im o.g. Liedchen später: „Gib nicht auf, denn das kriegst Du wieder hin …“

(Geschrieben ohne vorherigen Blick ins TV, Forum oder Presse)

--Kopfnuss