2006/2007 12. Spieltag: FC Erzgebirge Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 12. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Hinrunde
Ansetzung FC Erzgebirge Aue - FCC
Ort Erzgebirgsstadion in Aue
Zeit 12.11.06 14:00
Zuschauer 14.500
Schiedsrichter Stefan Lupp (Zossen)
Ergebnis 5:1 (2:0)
Tore
  • 1:0 Heller (26.)
  • 2:0 Juskowiak (44.)
  • 3:0 Juskowiak (51.)
  • 3:1 Sykora (60.)
  • 4:1 Heller (73.)
  • 5:1 Liebers (85.)
Andere Spiele
oder Berichte


Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Aue
Tomasz Bobel (Rote Karte.gif, 35.)
Tomasz Kos, Jörg Emmerich, Norman Loose, Marcin AdamskiGelbe Karte.gif
Florian Heller, Marco Kurth, Mitja SchäferGelbe Karte.gif (55. Hendrik Liebers)
Tomas Klinka (36. Axel Keller), Andrzej Juskowiak (83. Kevin Hampf), David Siradze

Trainer: Gerd Schädlich

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger Hasse (Rote Karte.gif, 18.), Ralf Schmidt
Silvio Pagano (53.Sebastian Helbig), Sven Günther (69.Mark Zimmermann), Christian Fröhlich, Ronald Maul, Tobias Werner (27.Krzysztof Kowalik)
Fiete Sykora, Patrick de Napoli

Trainer: Heiko Weber

Tief unten im Tal (Spielbericht)

… hält der Tag viele Grausamkeiten bereit.

Wer da dachte, mit Wetter, Polizeiwillkür, Spielverlauf und Ergebnis hätte er das Grausamste heute schon hinter sich, sah sich spätestens um 15:50 Uhr getäuscht. Jetzt galt es nämlich noch, die brachial volksdümmliche Holzmichel-Weise zu überstehen. Welche dieser Grausamkeiten die übelste war, wird wohl noch länger zu diskutieren sein.

Näherte man sich dem heutigen Spielort (der ja tief im Tale liegen sollte) durchs Lößnitztal, führte der Weg vorbei am Örtchen Affalter mit seinem legendären Rockschuppen „Zur Linde“, aber auch an unwahrscheinlich zahlreichen Allee-Kreuzen, welche einen instinktiv zur Vorsicht gemahnten. Bereits etliche Kilometer vor dem angestrebten Zweitligadorflein bekam man trotz rechtzeitiger Anreise schon eine Ahnung vom noch ausbrechenden Chaos, hatte dabei aber zunächst nur das Verkehrschaos im Sinn. Eingetroffen auf dem stadionnahen Sumpf Parkplatz traf man u.a. die Magdeburger Fraktion, die noch immer hingebungsvoll vom gestern live erlebten Punktgewinn der Jenaer A-Junioren und schwärmte. Dem einsetzenden Regen konnte zunächst noch mit kleineren „Aufwärmern“ begegnet werden. Auf dem Weg zum Stadion rätselten wir, welcher „wichtige“ Staatsgast wohl heute noch zu Besuch käme, die völlig überdimensionierten und martialisch auftretenden Polizeimassen, verhießen jedenfalls kein „Willkommen“ im Polizeistaat Freistaat Sachsen. Ähnlich grausam und überwacht das Einlass-Procedere durch ganze 3 schmale Törchen. Um bei dieser Kälte wenigstens die Stimmung richtig anzuheizen, war dann auch noch (vorübergehend) Block F geschlossen, sehr zur Freude der entsprechenden Kartenbesitzer.

Bei feinstem „Jena-Wetter“ betraten dann beide Teams den Platz. Zum Glück erschien das Heim-Team in Lila, hatte man doch nach Verlesen der Aufstellung eher mit dem Erscheinen einer weiß-roten, osteuropäischen Nationalmannschaft gerechnet. Unsere Saalestädter hatten sich für brasilianisches Outfit entschieden, welches später aber eher zur Karnevalsverkleidung mutieren sollte.

Erstmals sah ich ein Spiel, bei dem zwei Anstöße nötig waren, aber dann begann bei prächtiger Stimmung in beiden Fan-Lagern alles halbwegs ordentlich. Warum nur spielte Fröhlich in Minute 1 den abseitigen Fiete an, statt selbst einfach weiter zu gehen? Couragiert, ist wohl das Verb, welches Jenas Anfangsviertelstunde am treffendsten beschreibt. Günthers Freistoß (3.) und das schöne Zuspiel auf TW (war der wirklich abseits) machten Mut.

Doch nach einer viertel Stunde zeigte Aue erstmals, wo heute seine Vorteile lagen: beim schnellen Spiel über außen. Juskowiaks Kopfball (15.) und Persons Rettungstat gegen ihn (17.) sorgten da für erste Skepsis. Und so kam der vermeintliche Knackpunkt des Spiels ähnlich zustande. Hasse steht beim langen Pass ungünstig, hat dadurch den längeren Laufweg, kommt zu spät – und muss doch vorzeitig gehen. Vertretbar. Bitter für HH, hatte er sich doch nach dem verkorksten persönlichen Saisonbeginn als echter Kämpfer gezeigt und sich wieder als Leistungsträger etabliert.

Der FCC rang nun um Fassung und Ordnung. TW klärte zunächst nach einem eigenen Ausrutscher klasse auf links (22.) und Person reagierte in der 24. erneut großartig. Doch in der 26. Minute half alles nichts mehr: Aues Spielfluss war den Unsrigen zu schnell und gegen Hellers Kracher war CP machtlos. Danach wirkten die Gelben etwas sicherer, versuchten sich auch erstmals wieder in der Offensive, wurden jedoch wieder mal zurück gewunken (28.). Für den nächsten Aufreger sorgte dann Siradze, als er in der 33. nur haarscharf verzog. Dann war DeNa-Time. Beim ersten Versuch über links blieb er noch am letzten Gegenspieler hängen, zog aber schon eine Minute später erneut unwiderstehlich los. Auch hier völlig zu Recht Platzverweis, Bobel hält ihn klar am Fuß. Nun musste also der Ex-Jenaer Axel Keller ran. Alle Zutaten für einen super Derby-Verlauf waren also beisammen, zumal Jena jetzt das Spiel in den Griff zu bekommen schien und beim abgeblockten Maul-Knaller (42.) ein klein wenig Pech hatte. Dass man es dann jedoch nicht schafft, das 0:1 in die Pause zu schaukeln, um in den zweiten 45 Minuten bei 10 gegen 10 seine Chance gegen die Dorf-Elf zu suchen und zu nutzen war einfach nur amateurhaft. Jedenfalls wurde beim 0:2 allenfalls eskortiert statt attackiert und dann hatte CP auch noch die Seuche am Handschuh.

Halbzeit im Lößnitztal und Zeit für weitere (seelische) Grausamkeiten. Um dieser schmalzigen Boulevard-Nummer an der Anzeigetafel nicht ausgesetzt zu sein schaut man nach rechts und entdeckt eine lila-grün-weiße Zauni mit der grausigen Aufschrift „Aue grüßt Chemie!“ Warum die BSG-Fans in der Halbzeit per Blockfahne optisch ankündigten, sie würden demnächst alle ihre Wismut-Embleme anzünden, ist zwar rätselhaft, aber Glückwunsch zu diesem klugen Entschluss.

Nach dem Wechsel konnte man noch 6 Minuten lang hoffen, der FCC würde die Gunst der Stunde nutzen und wenigstens einen Punkt einfahren. Bedenklich schien jedoch, dass trotz eines Plus an Ballbesitz einfach kein klares System zu erkennen war, wie das funktionieren sollte. Wenn es dann noch 3 Auern gelingt, 5-6 Jenaer „Verteidiger“ zu Statisten zu degradieren, muss man sich über das 0:3 (51. Juskowiak) nicht wundern. Anschließend konnte man mal wieder der Frage nachgehen, warum unsere Jungs erst deutlich zurück liegen müssen, um halbwegs passabel nach vorn zu spielen. Das konnte man nun nämlich beobachten. Aber dennoch gilt es auch wieder das alte Lied der mangelnden Vollstrecker-Fähigkeiten zu singen. So scheiterte Helbig (wie derzeit immer) in der 54. knapp an Keller und nach der besten blaugelbweißen Kombination des Spiels über Fröhlich und Helbig kam Fiete in der 57. knapp zu spät. Apropos Fiete. Auch heute wieder spaltete er die Gemüter. Während ich ihn (wegen seiner guten strategischen Ansätze im Mittelfeld) och zu den Besseren rechnete, ist er für so manchen schon ein Rotes Tuch, sobald er nur in Ballnähe erscheint. Jedenfalls machte er nach Fröhlichs Flanke in der 60. ein feines Kopfballtor und fast schien es, als ginge da noch was. Und vielleicht wäre es auch an dem gewesen, hätte DeNa 2 Minuten später die einfachere Variante gewählt und hätte Keller nicht unbedingt zeigen wollen, welch famoser Torwächter-Schule er entstammt …

Hinter dem Jenaer Fanblock war es inzwischen auch den Grünen etwas kühl geworden. Erwärmung durch Bewegung war angesagt. Die Szenen, die sich dabei abspielten, waren einfach widerlich. Bereits am (Wald-)Boden liegende Leute wurden teilweise von 3 bis 4 Uniformierten beknüppelt und zusammengetreten, wie man es eigentlich nicht beschreiben kann. Stehend Gefesselte dann noch zu Dritt flach zu legen und sie lieber den schlammigen Abhang entlang zu schleifen, war einfach nur abartig. Aber das diese grünen Jungs ihrem Job in keiner Weise gewachsen waren und stattdessen mit ihrem bürgerkriegsähnlichen Gebaren lediglich Aggressivität erzeugten, war ja auch nach Spielschluss noch in unfassbar skandalöser Art zu erleben.

Auf dem Spielfeld versuchten unsere Jungs weiterhin noch halbwegs das Gesicht zu wahren und bis zur 73. gelang dies auch leidlich. Als dann aber ein erneuter Konter die Jenaer Abwehr zu Statisten degradierte und mit dem 4:1 endete, konnte einem angst und bange werden. Wille und Moral der Mannschaft schienen gebrochen. Einzig Mauls Kopfball, den Keller entschärfte, war noch ein kleines Lebenszeichen (80.). Das die Schachtis dann auch noch Glück mit einem abgefälschten Sonntagsschuss hatten (5:1; 84.), war (bis zur späteren „Musik“) die vorerst letzte Grausamkeit.

Macht es Sinn, darüber zu philosophieren, ob das Resultat (wie etliche Auer später auf dem Parkplatz meinten) ein oder zwei Tore zu hoch ausgefallen ist? Nein! Fakt ist, wir sind derzeit ein Leichtgewicht in der Liga. Siege oder Punkte gegen uns holt man sich verdammt einfach. Unsere Abwehr leistet sich zu viele individuelle Patzer, die grausamerweise auch immer gleich mit Gegentoren bestraft werden. Aus dem Mittelfeld kommen zu wenig Impulse nach vorn, der Großteil der Bälle kommt viel zu schnell in unsere Hälfte zurück. Im Angriff versieben wir zu viele Hundertprozentige und davon haben wir nun mal nicht so viele. Wer glaubte, nach Rostock und der ersten HZ gegen Fürth seien wir auf dem Weg aus dem Tal, der irrte. Wir waren heute und sind für den Rest des Jahres im Tal. Der Aufstieg aus diesem wird verdammt schwer. Die Milka-Kühe waren heute (ergebnismäßig und verdient) ein Klasse besser als wir. Aber Aue ist allenfalls eine verdammt mittelklassige Zweitliga-Truppe, mehr nicht. Eine Klasse schlechter zu sein heißt also, RL-Format zu haben. So geschehen heute. Jetzt muss im Team etwas passieren. Und Heiko Weber ist gefordert. Noch haben Mannschaft und Trainer genügend Kredit bei der Masse der Fans, wie heute nach Spielschluss zu sehen und zu hören war. Aber Geduld ist endlich, auch im lieblichen Saaletal …

Was bleibt an Positivem? Naja, all die „Verrückten“, mit denen man heute einen grausamen Nachmittag teilte, wird man schon am Freitag wieder sehen. Gemeinsam werden wir uns wieder die blaugelbweiße Seele aus dem Halse schreien, hoffen, bangen, leiden … und vielleicht am Ende wieder mal jubeln!

Es wäre höchste Zeit!

Nur der FCC!

--Kopfnuss