2006/2007 10. Spieltag: FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 10. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Hinrunde
Ansetzung FC Hansa Rostock - FCC
Ort Ostseestadion in Rostock
Zeit 03.11.06 18:00
Zuschauer 22.500
Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken)
Ergebnis 1:1
Tore
  • 0:1 Hasse (68.)
  • 1:1 Rydlewicz (73.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Rostock
Mathias Schober
Dexter Langen, Tim Sebastian, Kim Madsen, Marc Stein
Rene Rydlewicz, Stefan Beinlich, Enrico KernGelbe Karte.gif, Christian Rahn (56. Zafer Yelen)
Djordjije Cetkovic (56. Sebastian Hähnge), Marcel Schied

Trainer: Frank Pagelsdorf

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Christian Person
Holger Hasse, Ralf Schmidt, Alexander Maul
Sven GüntherGelbe Karte.gif, Tobias Werner, Christian Fröhlich, Kevin Schlitte (87. Krzysztof Kowalik), Ronald Maul (65. Ronny Thielemann)
Fiete Sykora, Patrick de Napoli (55. Sebastian Helbig)

Trainer: Heiko Weber

Spielberichte

Fußball mit Herz – FCC wieder auf Kurs! (?)

Kogge schwer getroffen aber leider nicht versenkt.

Es gibt Siege, die wirken nach. Das 2:0 gegen Koblenz war wohl ein solcher. Wer unseren FCC einst im Wildpark sah und nun heute an der Küste, der erlebte zwei völlig verschiedene Teams. Und das nicht nur bezüglich der Aufstellungen …

Per Auto/Bus/Bahn dem heutigen Auswärtsziel nahe zu kommen, bestätigt ein Blick in die Landschaft. Zunehmend wird sie flacher und flacher, ein Schicksal welches sie heute mit dem Support der Einheimischen teilte. Auch die Verkehrswarnungen ändern sich. Gewarnt wird plötzlich vor betrunkenen Personen auf der Fahrbahn! Da macht man doch lieber an der letzten A19-Raststätte noch einen kurzen Boxenstopp, entdeckt dort ebenfalls zufällig rastende blaugelbweiße Reussen und Norweger, hockt sich dazu, empfängt den nächsten, die Raststätte betretenden Gast mit einem herzlichen und lauten „Torsten Ziegner Fußballgott!“ und erfreut sich daran, dass sowohl er, als auch Sercan G. schon wieder recht gut auf den Strümpfen stehen.

Vom Parkplatz zum Stadion unterwegs geschieht Folgendes: Innerhalb weniger Minuten strecken mir 2 x Hansa-Fans spontan die Hand entgegen und wünschen uns allen ein gutes Spiel! Coole Geste, die leider nach Spielschluss, wegen eines leicht demolierten Auto-Außenspiegels relativiert wurde. Reichlich spät, so dass man leider gezwungen wurde, etwas länger den Anblick der scheußlichen rosa FCC-Schals nun auch bei Winklers zu ertragen, öffnen sich dann die Tore zum Hochsicherheitstrakt Ostseestadion. Wenn auch (zumindest bei mir) recht freundlich, so war die Kontroll-Orgie am Eingang doch sehr hart an der Verträglichkeitsgrenze. Doch irgendwann ist auch das vorbei, man kann sich einer Bratwurst widmen, die völlig geschmackfrei ist (und bei der eigentlich auch nur das schmale Stück zwischen dem rohen und dem verbrannten Teil genießbar war) und einen ersten Blick ins noch ziemlich leere Rund werfen. Ja, es ist neu. Ja, die Plätze sind alle überdacht. Ja, es ist ein reines Fußballstadion mit 4 Tribünen. Dennoch war mein erster Gedanke: eine Fischbüchse! Und auch der zweite war nicht besser: schnell und lieblos hingeklotzter Fertig-/Zweckbau – und wo ist das „gewisse Etwas“? So etwas wie „Flair“? Fehlanzeige.

Das Erwärmungsprogramm unserer Angebeteten beginnt mit einem kurzen Rätselraten auf den Rängen. Wer ist der neben Thiele, Zimme und Tobi Vierte „Geschorene“? Vulin, derzeit ebenfalls recht kahl unterwegs, kann es ja ob seiner derzeitigen Form eigentlich nicht sein. Schnell wird klar, es ist DeNa, der hier seiner eigenen Windschnittigkeit nachgeholfen hat. Derweil R. Maul und S. Hähnge Mitstreiter vergangener Tage herzen, werden die Aufstellungen verlesen und bei der Erwähnung des Letztgenannten erntet dieser im Jenaer Lager ein klein wenig mehr Pfiffe als Beifall. Als dann auch noch etwas „Jena-Wetter“ einsetzt, kann es losgehen und Heiko Weber hat mit seiner Aufstellung Variabilität gezeigt. Schade nur, dass Kowa das „Opfer“ wurde.

Die ersten 5 Minuten lassen sich phrasentechnisch unter „Abtasten“ zusammenfassen, aber nach dem HH in der 6. Minute zunächst gut geklärt hat, geht erstmals Schlitte über rechts fein in die Spitze, allerdings noch ohne große Wirkung. Also probiert er es eine Minute später gleich noch mal. Bei seiner Flanke von rechts ist das Sturmzentrum jedoch leider nicht besetzt. Anschließend muss Schmidt hinten klären (was er auch souverän tut) und kurze Zeit danach taucht Fröhlich vorn rechts auf und nach seiner Flanke hätte nicht viel an einem Hansa-Eigentor gefehlt. Jedoch war eines schon zu erkennen: die Blaugelbweißen agierten bissig, aggressiv und waren in den Zweikämpfen ähnlich energisch wie in HZ 2 gegen Koblenz. Nachdem die Hansa-Kekse einen Freistoß in der 12. über das Tor semmelten und im Gegenzug Schlitte schön Fröhlich frei spielte, was allerdings verpuffte, war es Zeit für eine Hasse-Einlage: Erst erkämpfte er im Mittelfeld super den Ball, vertändelte ihn dann aber unsinnigerweise und bügelte diesen Lapsus sogleich großartig selbst wieder aus. Durchatmen.

Wie gut unsere Jungs heute ihren defensiven Job erledigten, erkennt man auch daran, dass es bis zur 25. Minute dauerte, ehe Person die erste Flanke sicher pflückte. Und erst als ein Torschuss Fietes zur Ecke abgeblockt wurde (29.), die jedoch nichts einbrachte, kam Hansa kurze Zeit später zum ersten erwähnenswerten Torschuss. Kein Problem für CP! Ja, die Ruhmreichen dominierten jetzt das Spiel, Schlitte tankte sich rechts wieder herrlich durch (31.) und in der 35. probierte Fiete von halblinks mal einen nicht ungefährlichen Heber. Gut beschirmt (warum eigentlich?) trat Beinlich in der 36. eine Ecke von links und jetzt war es erstmals so richtig heiß in unserem Sechzehner. Aber Person kühlte alles ganz schnell wieder ab.

Dies schien ein Signal in zwei Richtungen zu sein. Erstens an die heute Blaugelbweißen auf dem Platz und Zweitens an die mindestens 800 FCC-Supporter im Gästeblock. Die einen setzten Hansa bis zur Pause nochmals richtig zu: DeNa scheiterte in seinem Laufduell nur knapp (39.), ebenso wie Fröhlich mit seinem Schuss von der Mitte (44.) und Tobi mit seinem Knaller von links (45.). Die anderen begannen nun mit einem grandiosen und für alle Beteiligten wohl lange nachwirkenden Dauersupport der Extra-Klasse, welcher über die Pause, die 2. HZ und den Schlusspfiff hinaus noch lange durch das Stadion waberte! Einfach genial! Nur der FCC! (Auch wenn sich manche Sänger nicht ganz einig waren, ob nun bis zum Tod oder bis zum Schluss gekämpft werden solle.)

Wir durften in HZ 1 einen formidablen Auftritt unserer Helden erleben, der so etwas wie die Wiedergeburt verloren geglaubter Jenaer Tugenden aufwies. Bennos Konzept, die Defensive zu betonen bzw. zu stabilisieren, ging voll auf. Da wurde schon früh im Mittelfeld gestört und gepresst und hinten standen unsere Jungs endlich wieder eng am Gegner, attackierten ohne langes Federlesen und sicherten sich auch gegenseitig bestens ab. Im Mittelfeld war Schlitte bis dahin sehr gut unterwegs, Fröhlich zeigte sich verbessert, nur R. Maul konnte sich im Vergleich zum TuS-Spiel nicht steigern, war aber beileibe keine Fehlbesetzung. Wenn das Umschalten von Abwehr auf Angriff gelegentlich noch schneller gegangen wäre…. Auch unsere beiden Spitzen machten einen guten Job. Fiete war immer anspielbereit, gewann etliche Zweikämpfe und fast jeden Kopfball. Und ein DeNa, mit der Giftigkeit, Laufbereitschaft und Ballsicherheit der ersten HZ ist derzeit die klar bessere Alternative als Jelic. Nur Knipser sind sie halt beide (noch) nicht. DeNa wäre eine Bude mal echt zu gönnen!

Nach der Pause ist zunächst Hansa 2 x am Drücker. Erst muss Maul nach einem Stellungsfehler Werners in höchster Not zur Ecke klären (50.) und eine Minute später ist wieder Persons Wachheit gefragt. Aber schon eine Minute danach setzt DeNa herrlich Schlitte ein, der super auf Fröhlich flankt – der sichere Torjubel bleibt aber leider aus. Das war ne 100%-ige! Als Sykora es in der 56. erneut mit einem Schuss versucht, übersieht er leider den besser platzierten DeNa, der kurz danach durch Helbig ersetzt wird. In der 57. sieht Günther für sein erstes ernsthaftes Foul im Spiel Gelb, schade. Denn der Schiri machte heute einen prima Job. Vor allem deshalb, weil er stets bemüht war, das Spiel laufen zu lassen, auch wenn es mal hart (aber eben nicht unfair) zur Sache ging und weil er ohne übertriebene, selbstdarstellerische Gesten alles stets in Blick und Griff hatte.

Bis zur 60. hatten die Thüringer das Spiel recht sicher im Griff. Erst als Beinlich wieder etwas mehr Engagement zeigte und es zum Wiedersehen mit Sebastian Hähnge kam, gewannen die Norddeutschen auch wieder mehr Spielanteile. So versuchten wir es jetzt vermehrt mit Kontern. Einen der guten schloss Helbig in der 66. mit einem zwar schönen Schuss, vielleicht aber etwas überhastet ab.
Es kam Minute 68 und mit ihr ein Freistoss für den FCC. Die Mauer steht (inklusive 3 Jenaern) maximal 7 m vom Ball entfernt.
HH läuft an, ein Jenaer spielt den Ball, der nächste stoppt ihn, Hasse trifft ihn, er segelt … vorbei an der Mauer … vorbei an Schober … in’s TOOOR!
Ein Torschrei, der von kollektiver Besinnungslosigkeit zu künden scheint!!! Sendepause im Fanblock der „Empor“kömmlinge!

Und schon eine Minute später droht der nächste Ohnmachtsanfall: einen Rostocker 16-Meter-Knaller hält Person in einer Art und Weise, die man ruhig „Weltklasse“ nennen darf! Durchatmen! Weitersingen!
Doch jetzt macht Hansa Druck, wobei der FCC aber nichts schuldig bleibt. Und dann? Nach einer Hansa Ecke gelingt es erstmals nicht, den Ball schnell und konsequent aus der Gefahrenzone zu bringen, irgendwie kommt er zu Rydlewicz, der trocken und unhaltbar abzieht – 1:1! Hansa wittert Morgenluft, setzt nach und hat mit Schied eine weitere Chance. Doch heute kriegt der FCC nicht das große Flattern. Jeder Einzelne da unten gibt alles und geht weite Wege. In der 80. setzt Günther rechts Fröhlich ein, der weiß aber wahrscheinlich nicht, ob er flanken oder schießen soll. Egal, Jena stellt sich nicht einfach hinten rein, hält dagegen und kontert. Und wäre in der 81. nach einem Fröhlich-Freistoß und einem Schmidt- (oder Hasse?)-Kopfball fast erneut in Führung gegangen. Ein offener Schlagabtausch jetzt und der Blaugelbweiße Block legt nochmals an Lautstärke zu – erste Stimmbänder werden gedehnt und entgehen nur knapp dem Zerreißen! NUR DER FCC!!! Schlussphase. Werner verlässt leider der Mut vorm Tor, Schlitte setzt ein letztes Ausrufezeichen auf rechts (bevor Kowa ihn ersetzt) und Helbig kommt gegen Schober nur den Bruchteil einer Sekunde zu spät! So lieben wir Dich, FCC! Als Kerns Schuss in der Schlussminute am Pfosten vorbei zischt, ist uns der eine Punkt nicht mehr zu nehmen. Allerbeste Stimmung im Gästeblock! Betretene Gesichter bei den Blauen. Mit einer solch starken Leistung der Thüringer Fußballelite hatte im rauen Norden wohl keiner gerechnet! Egal ob Einheimischer oder FCC-Fan. So paradox es klingen mag, aber aus diesem (unerwarteten) Punkt hätten heute auch 3 werden können. Die Kogge hatte reichlich Schlagseite. Jeder der heute das gelbe Trikot des FCC trug, hatte sich Dank seiner Leistung die Schlussovationen redlich verdient. Ebenso Benno für seinen Mut zu Veränderungen. Hut ab auch für Sebastian Hähnge, der applaudierend Richtung FCC-Block kam und nun ausschließlich Beifall erntete. Der Dauersupport des FCC-Mobs hielt noch ewig lange an und fand in einem ausgiebigen Uffta seinen wohlverdienten Abschluss. Jetzt heißt es Kurs halten, FCC! Fußball mit Herz steht dir ausgesprochen gut!

YNWA!

P.S. Nach einem solchen Abend soll auch nicht über das ewige Warten an der Polizeiabsperrung gemeckert werden, warum sich die Laune verderben!?

--Kopfnuss

Eine Reise in das Innere der Fanseele!

Was für ein hammergeiler Trip! Natürlich wieder die Nacht davor kaum geschlafen und verärgert, dass man den Abfahrtstermin erst bei 10.30 Uhr in Schleiz angesetzt hatte. Ich wäre nach der Flut an kurzfristigen Absagen der Fanclubmitglieder am Liebsten schon zwischen Uhlenflucht & Hahnenkrat losgestürmt. So ging’s also nur noch zu zweit am späten Vormittag auf die Piste und nach ein paar Stunden ohne Staus westlich vorbei an der Reichshauptstadt in Richtung Küste. Wie hüpft einem Zeissfan das Herz vor Freude, wenn er rechterhand das Schild „Neuruppin“ liest und diese Aufgabe längst erledigt weiß und nach der dort erfolgten Wiedergeburt nun gänzlich andere Pflichten an die Ostsee rufen. Im letzten großen Rasthaus vor dem Kreuz Rostock dann ein zufälliges Stelldichein diverser Forumskollegen und als auch noch Ziege und Sercan Güvenisik erschienen, war freilich ein skandiertes „Torsten Ziegner – Fußballgott!“ fällig, darob der Gepriesene sichtlich erstaunt und wohl auch ein wenig verschämt sich wunderte.

In Rostock am Stadthafen auf der MS „Georg Büchner“, die Rasselbock Junior dank Unwissenheit oder höherer Fanehre in Georg Buschner umtaufte, angeheuert und von einem Taxifahrer, der uns frech eine Klatsche prophezeite, durch Massen wild gegen uns gestikulierender Hansafans endlich ans Stadion verbracht, staunte ich nicht schlecht. Was für ein Schmuckkästchen, dieses Ostseestadion; ein Eindruck, der sich im Inneren noch bestätigen und intensivieren sollte. Am Einlass freilich wie immer das gleiche Szenario, so schaffen die Sicherheitsexperten ein aggressives Klima bereits im Vorfeld! Trotz des großen Andranges nur zwei Tore offen und es dauerte ewig, bis man zur Leibesvisitation vordrang, die in ihrer Ausführlichkeit und intimen Vollständigkeit alles in den Schatten stellte, was ich bislang so in Fußballstadien erlebte. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre den Herrschaften schon zu wünschen – sowohl physisch als psychisch, denn wie gewaltbereite Hooligans sahen mein Kumpel und ich ganz gewiss nicht aus.

Und dann folgten 105 Minuten reiner Sex, zwei Stunden reiner Fußballhimmel, eine Ewigkeit an blau-gelb-weißer Lust! Zunächst einmal die Mannschaft, die auftrat, als hätte sie seit Jahren schon ein Dutzend Spiele hier bestritten und sei im Grunde ein wenig unterfordert. Eine derartige Gelassenheit und Souveränität habe ich noch nie bewundern dürfen, eine derartige taktische Disziplin und ausgekochte Wahrnehmung der Hoheitsgewalt auf dem Platz ist mir noch nicht vorgekommen. Auch wenn es vorne haperte und der letzte Biss und Zug zum Tor fehlte, hatte man zu keiner Zeit in der ersten Hälfte das Gefühl, hier könne was anbrennen. Der Hasse stand hinten wie ein Fels in der Brandung, mit Eiern so groß und so dick wie die eines Elefantenbullen. „Hier kommt keiner vorbei!“, schien stellvertretend für alle anderen Teamkollegen sein ganzes Wesen und Auftreten auszudrücken, „Bis hierhin und nicht weiter; wir geben keinen Fußbreit Rasen verloren!“ Die ganze Mannschaft arbeitete engagiert in der Defensive mit und dank einer hervorragenden taktischen Einstellung durch den Trainer beschränkte sich unser Agieren nicht auf bloße Abwehrarbeit. Im Gegenteil: Der Ball lief teilweise brasilianisch und federleicht durch unsere Reihen, so dass man aus der Abwehr heraus und im Mittelfeld tatsächlich von einer spielerischen Überlegenheit unserer Mannen sprechen muss. In der zweiten Hälfte dann ein offener Schlagabtausch mit Möglichkeiten auf beiden Seiten und unserer hoch verdienten Führung, wobei sich unsere Verteidigung ganz zum Schluss doch einmal in einer Art Powerplay mit mehreren aufeinander folgenden Flanken und Ecken in Bedrängnis bringen ließ und so das für Hansa doch recht glückliche Remis besiegelte.

Wie die Mannschaft auf dem Platz, veranstalteten die Fans auf den Rängen ein Feuerwerk an Support und guter Laune. Nach zehn Minuten mit allen gängigen Klassikern stimmte die Horda einen Ohrwurm an, der dann bis lange nach Spielende kontinuierlich und also in Permanenz abgesungen wurde. Damit das Neuartige nicht verebbte, hielt unter anderem Norman die Sache von der linken Ecke her am Laufen und später peitschte Alex von der Saalefront rechts unten die Massen nach vorne, damit der fleißige Capo der Horda nicht gänzlich alleine kämpfen musste. Man befand sich die ganze Zeit über in einem Zustand der blau-gelb-weißen Hysterie, in einer wie hypnotisierten Verfassung und alles wirkte gleichzeitig so traumartig und doch so real. Das ständige Singen und Hüpfen, die vielen Zigaretten, das eklige Stadionbier, die absolute und totale Ekstase beim Führungstreffer – all das drängte den Sauerstoff aus dem Hirn und so tobte sich die Emotion wie im Delirium durch die Zeit und aus neunzig Minuten plus Halbzeit wurde ein flüchtiger Augenblick der Raserei und eine Ewigkeit der Seeligkeit. Im Gegensatz dazu die Hansafans eine einzige Enttäuschung Nur zwei Mal sorgte das komplette Hüpfen der Suptrakurve für ein beeindruckendes Bild, ansonsten bis zum Ausgleich keinerlei akustische Interventionen, keine Unterstützung der eigenen Mannschaft. Das Ostseestadion ein Stimmungsgrab des Gastgebers – der konnte sich bedanken und beglückwünschen, dass die Jenaer zu Gast waren und die Bude zum Rocken brachten.

Schwierig und gefährlich dann das Nachspiel. Am Gästeausgang hatte es wohl gleich nach Spielende erste Gemetzel mit Hansachaoten gegeben, rund um das Stadion standen im Park Grüppchen mit eindeutigen Gesinnungen und Vorhaben. Als nur noch wenige Busse da waren, die von der Polizei direkt zur Autobahn eskortiert werden sollten, verloren sich noch einige Zeissfans auf dem Stadiongelände: FCC-Andreas, Rasselbock samt Junior, mein Kumpel und ich und noch einige andere. Der von mir befragte Polizeibeamte klärte mich auf: „Ja, da sind einige Hansafans ausgeflippt, wir haben sie gehauen und in den Park zurück getrieben, jetzt sind sie sauer und wollen das an euch auslassen!“ Wie wir unter diesen Umständen und nach seiner sehr ermutigenden Aussage denn ungeschoren, heil und unversehrt in die Stadt kommen sollten, bohrte ich weiter und erhielt ein „Ist mir völlig egal, wie ihr nach Hause kommt!“ zur Antwort. Da kann man schon mal an der Staatsmacht kirre werden, das muss ich sagen, der Freund und Helfer als Grave Digger und Ignorant. Erst mehrere Taxis flogen uns wie in Beirut oder Kabul aus und die Party konnte auf dem Parkplatz vor der MS Büchner am Bierkasten vorm Kleinbus beginnen. Zuvor brachte mir der Versuch, mich in Zivil zu kleiden, beiläufig die Erkenntnis, dass ich kaum noch ein Kleidungsstück besaß, das nicht irgendwo das Emblem, einen Jena-Schriftzug oder die Vereinsfarben sehen ließ – von den Strümpfen über Rollkragenpullover bis Shirt und Mütze nichts neutral und also ungefährlich. Einige zog es dann in die überfüllte Szenekneipe „Zum Pleitegeier 2“, wir vom „Reußischen Oberland“ strandeten in der Lokalität „Brauereikeller“, wo die Grundlage für den prächtigen Rausch gelegt wurde, der wir spätnachts oder frühmorgens auf dem Schiff zünftig mit einem „Yo Ho Ho and a Bottle of Rum“ einen noch prächtigeren Überbau verpassten, so dass ich in der Koje stärksten Seegang mutmaßte. Dass am nächsten Morgen beide auf dem Beifahrersitz Platz nehmen wollten, versteht sich deshalb wohl von selbst.

Zwischen Rostock und Berlin auf der Rückfahrt gabelten wir noch einen Tramper auf: Hansafan, 39 Jahre, lange Haare, wohnhaft in Dresden, Eltern in Rostock und in der Welt zu Hause. Nach Studium der Mathematik und Literaturwissenschaft entschied er sich gegen das Lehramt und tingelt seitdem um den Erdkreis. Mit Gelegenheitsjobs wird das Geld für die jeweilige Weltreise beschafft. Da staunten die zwei biederen Studienräte nicht schlecht, wie sich da einer der Tretmühle an der pädagogischen Front bewusst entzog und die Welt durch stetiges Reisen im Innersten zu erkennen suchte. Immerhin wurde das fußballerische Fachsimpeln durch die Weltläufigkeit des Mitfahrers nicht getrübt, denn selbst in China oder Südamerika werde man via TV über alles Wichtige in allen wichtigen Fußballnationen informiert. Wir schieden kurz vor dem Hermsdorfer Kreuz nur widerwillig und ungern von dem angenehmen Lebenskünstler, der im Fond des Wagens sich widerspruchslos mit meinen Zeiss-Schals behängen ließ.

Der Ferienkalender machte den geilen Away-Trip möglich, DFL und Arena sorgen dafür, dass in Duisburg und Kaiserslautern ähnliche Erlebnisse ausbleiben. Der Herr der himmlischen Heerscharen strafe sie dafür! Wenn es eine jenseitige Gerechtigkeit gibt, sitzen die Verantwortlichen in alle Ewigkeit vor dem Fernsehgerät und müssen sich in alle Ewigkeit „GZSZ“ und „Curling“ absehen und ihre herz- und markerschütternden Schreie werden ungehört und unerhört in den Weiten des Alls verklingen und kein Ohr wird sein zu lauschen und keine Fernbedienung wird kommen um umzuschalten. So sei es! Amen!

--[Yorick]