2009/2010 35. Spieltag: SG Dynamo Dresden - FC Carl Zeiss Jena 0:3

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 35. Spieltag
Saison Saison 2009/2010, Rückrunde
Ansetzung SG Dynamo Dresden - FCC
Ort Rudolf-Harbig-Stadion
in Dresden
Zeit Sa. 17.04.2010 14:15 Uhr
Zuschauer 29.000
Schiedsrichter Thomas Gorniak (Bremen)
Ergebnis 0:3 (0:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Dresden
Axel Keller
Jonas Strifler, Thomas HübenerGelbe Karte.gif, Markus PalionisGelbe Karte.gif, Christian Mikolajczak
Lars JungnickelGelbe Karte.gif (67. Pavel Dobry), Maik Wagefeld
Gerrit Müller, Maik Kegel, Robert Koch (67. Tore Gundersen)
Halil Savran

Trainer: Matthias Mauksch

Trikotfarben
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Jena
Carsten Nulle
Carsten SträßerGelbe Karte.gif, Assani Lukimya-Mulongoti, Quido Lanzaat (31. Patrick Amrhein), Timo Nagy
Tim Wuttke, Jens Truckenbrod, Ralf SchmidtGelbe Karte.gif (53. Stefan Kühne), Michael Gardawski (Rote Karte.gif, 81.)
Sebastian Hähnge, OrlandoGelbe Karte.gif (86. Tim Petersen)

Trainer: René van Eck

Spielberichte

„Wir gewinnen sowieso“

Ganze 6.500 Zuschauer waren es im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden, die im Oktober 1990 Jenas letzten Sieg beim ewig jungen Duell der beiden Traditionsvereine bewunderten. Heiko Weber traf zum 2:1 im Achtelfinale des Pokals der soeben beerdigten DDR, schon einige Monate zuvor beim 4:0-Punktspielsieg an gleicher Stelle war er – unter anderem gegen den jetzigen Dynamo-Trainer Mauksch - doppelt erfolgreich gewesen. Eine lange Zeit war seitdem vergangen, fast 20 Jahre, aber eben auch nur vier Punktspiele, in denen der FCC jeweils ohne Tor die Heimreise aus Elbflorenz antreten musste.

Wollte man weiter im Kampf um die ersten 4 Plätze mitmischen, hatte sich das zu ändern vor der rekordverdächtigen Kulisse von fast 30.000 Fans, was für ein Kontrast zu eben jenem letzten Auswärtssieg in Elbflorenz. Präsentierte sich der Neubau Rudolf-Harbig-Stadion vor einem Jahr noch als Baustelle, so durften Jenas Anhänger sich nun neidvoll in einem schicken, engen und steilen Fußballtempel umschauen. Dresdens Fans taten ihr übriges mit einer hübschen Choreographie, das Jackpot-Motiv möglicherweise ein Dankeschön an die Finanzhilfen durch die Stadt. Dynamo-Coach Mauksch hatte vor dem Spiel der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Jenas Spieler dieser imposanten Kulisse nicht gewachsen sein könnten, doch die nahmen in den Anfangsminuten den Kampf sofort auf und agierten so, wie man das in einem Derby erwartet. Es war der in orange-schwarz gewandete Referee Gorniak aus Bremen, der sichtlich größere Probleme hatte, unter dem Druck von 26.500 Sachsen eine beiderseits faire Gewichtung von Zweikämpfen vorzunehmen. Und spätestens als infolge einer seiner abstrusen Freistoßentscheidungen Robert Koch nach 10 Minuten Carsten Nulle zu einer Glanzparade zwang, schlug das Pendel auch spielerisch klar zugunsten der Gastgeber aus. Vornehmlich über ihre quirligen Außenspieler Koch und vor allem Müller beschäftigten die Dynamos Jenas Hintermannschaft pausenlos, Nagy und Sträßer hatten Schwerstarbeit zu leisten, während van Eck nach 31 Minuten auch noch Abwehrchef Lanzaat auswechseln musste, der in einem Laufduell mit dem ebenso giftigen wie theatralischen Savran einen Pferdekuss mitbekommen hatte. Müller mit knapp am langen Pfosten vorbei streichenden Flachschuss nach 35 Minuten und Savran per Kopf mit dem Pausenpfiff hatten die größten Möglichkeiten, die Sachsen verdient in Führung zu bringen. Jena fand im Offensivspiel kaum statt, viel zu sehr waren die Außenspieler zu Defensivaufgaben gezwungen, die erste Halbchance datierte aus der 40. Spielminute, als der eingewechselte Amrhein sein schönes Solo nicht erfolgreich abschließen konnte. Das Resultat war aus FCC-Sicht das Beste zum Pausentee, und manch einer erinnerte sich an die Begegnung vor Jahresfrist an gleicher Stelle. Da war es der FC Carl Zeiss, der reihenweise Großchancen liegen ließ, drei Mal Aluminium traf und am Ende unglücklich verlor.

Würde sich die Geschichte unter umgekehrten Vorzeichen vielleicht wiederholen? Ja! Denn der FCC kam nun besser aus der Kabine, spielte endlich auch selbst Fußball, statt nur zu reagieren und kam durch Hähnge und den kurz darauf gegen Kühne ausgetauschten Schmidt zu ersten Möglichkeiten. Nach 59 Minuten explodierte dann der mit 2.500 bangenden Zeissfans gefüllte Gästeblock endlich. Amrhein erkämpfte sich gegen Mikolajczak das Leder in der eigenen Hälfte, schickte Smeekes steil den rechten Flügel entlang, der gänzlich uneigensinnig millimetergenau auf den in der Mitte mitlaufenden Hähnge gab. Linker Fuß hingehalten, Tor, 1:0 Jena! Zehn Minuten später fast das zweite Tor für Thüringens Nummer eins, doch Amrheins Schuss bleibt hängen und Truckenbrod bringt den Abpraller nicht unter Kontrolle. Auf der Gegenseite pariert Nulle gegen Müllers Hereingabe glänzend und hat Glück, dass der gemeinsam mit Dobry eingewechselte Gundersen haarscharf an einer Linksflanke vorbeitaucht. Eine Co-Produktion zweier Ex-Dynamos bringt dann die Vorentscheidung. Hähnge düpiert die Abseitsfalle der ausschließlich auf Smeekes fixierten schwarz-gelben Verteidiger und schickt den von hinten durchstartenden Truckenbrod auf die Reise zum 2:0. Der gefühlvolle Heber des sonst eher für brachiale Schusstechnik bekannten Mittelfeldspielers ins Netz verwundert und verzückt Jenas Anhang gleichermaßen. Party in blau-gelb-weiß auf den Rängen, und als Patrick Amrhein einen klugen Pass Gardawskis in die Gasse erläuft, das Leder an Keller vorbei spitzelt und dem Ball dabei einen solchen Drall mitgibt, dass er sich noch an den Innenpfosten und ins Tor dreht, brechen alle Dämme. Es scheint einfach der Tag des FCC zu sein, während Dobry noch an Nulle und Gundersen an der Latte scheitert. Einziger Wermutstropfen der dumme Platzverweis für Michael Gardawski kurz vor Spielende, der auf die Provokation von Dynamos Hübener ebenso hereinfällt, wie Referee Gorniak auf dessen schauspielerische Einlage. Hübener, in Halbzeit eins gegen Smeekes ordentlich und ungestraft austeilend hatte durch eine ähnlich hollywoodreife Leistung bereits die fünfte gelbe Karte gegen Orlando provoziert, sodass die Fahrt nach München am Dienstag nun keine leichtere sein wird. Doch derartige Gedanken waren noch weit weg an jenem denkwürdigen Nachmittag, als im Dynamo-Block das „Wir gewinnen sowieso“-Plakat verschämt eingerollt wurde, während das komplette FCC-Team noch einmal aus der Kabine zu seinen Fans kam, um bei Uffta, Pogo und Orlandos Moonwalk einen hart erkämpften Auswärtssieg zu feiern, der die Dresdner Serie von 8 Heimsiegen in Folge beendet und Jenas auf nunmehr 12 ungeschlagene Begegnungen anwachsen lässt.

--GUNNER

Copacabana und Eyjafjallajökull

Mit viel Gefühl und 0:3 siegt der FCC souverän in Dresden

Beginnen wir zunächst mit einer einfachen Übung:
Wir denken jetzt alle mal nicht an das Bild einer schwarzen Dampflok!
Und, hat’s geklappt?
Nicht? Doch eine Lok vor Augen gehabt?
Okay, dann Versuch Teil 2: Wir denken nach diesem spektakulären 3:0 des gestrigen Tages nicht an den Aufstieg …

Natürlich hat der derzeitige Jenaer Erfolgscoach, R. van Eck recht, wenn er öffentlich dieses Vorhaben nicht thematisiert. Wenn aber ein Team in der Endphase der Saison seit 12 Spielen unbesiegbar ist, teilweise grandiosen Fußballzauber zelebriert, den Eindruck eines verschworenen Haufens erweckt und rechnerisch den Aufstieg aus eigener Kraft bewerkstelligen kann, wird der Versuch, dieses Thema auszublenden, logischerweise nach jedem Sieg undurchführbarer. De facto spielt der FCC derzeit um den Aufstieg – darauf ein Schrödersches „Basta!“.

Dank der Hilfe eines mir wohlgesinnten Gönners konnte ich mein Anreisegefährt streßfrei auf Sonderparkplatz P2 abstellen, mein Outfit ein wenig neutralisieren und mich auf den Weg machen. Etwas überrascht war ich dann doch, als mich unmittelbar nach Verlassen des Parkplatzes ein mir Unbekannter ansprach und befragte, ob ich nicht, so von FCC-Fan zu FCC-Fan, für ihn und seinen irischen Begleiter noch je eine Karte verfügbar hätte. Hatte ich leider nicht, war aber später beruhigt, als ich die beiden zufrieden den Gäste-Sitzplatzbereich erklimmen sah. Kurzer Weg durch den stadionnahen Park und schon stand ich vor einer grünweißen Wagenburg, in welche ich durch mein Bekenntnis zur blaugelbweißen Religion Einlaß erlangte und wo ich auch auf wohlvertraute Jenaer und Münchner Gleichgesinnte traf. Im benachbarten Park tobten sich derweil einige einheimische Kindergartenhools aus, wurden aber durch die Ordnungshüter recht schnell ruhig gestellt. 12:00 Uhr öffnete sich der Zugang zu den Gästeeingängen und meinen Weg unterbrach ich noch kurz, um am Kassenhäuslein ein Programm zu erwerben. Schlange stehend stellte ich mit Verwunderung fest, daß in jenem Häuschen noch eine respektable Anzahl von Gästekarten verfügbar war, die auch völlig problemlos unters kartenlos angereiste FCC-Volk gebracht wurden. Verwunderung dann, als sich schon bei den ersten 50 Einlaß Begehrenden bedenkliche Wartezeiten ergaben. Kein Wunder, bei nur 4 schmalen Eingängen, die selbst normal proportionierte Mitbürger gerade noch so passieren konnten, ohne sich seitwärts drehen zu müssen und den wie immer reihenweise versagenden Kartenscannern. Später sollte sich zeigen, zu welchem Chaos eine derartige Fehlkonstruktion führen würde. Letztendlich ist dieser lokalpolitisch motivierte Prunkbau lediglich ein passendes Gleichnis zur Philosophie des DFB: Nach außen hin ein toller Schein bei dem die Interessen der Zuschauer nur störendes Beiwerk sind. Dennoch blieb ein wenig Zeit, um sich an einer der angebotenen sogenannten "Wurst"sorten zu versuchen. Vermutlich hatte die Schulden-Gemeinschaft Dynamo (kurz: SGD) mal wieder die Energierechnung nicht bezahlt, warum sonst sollte man eine angeblich heiße Krakauer auch bitterkalt ausgeben?

Um ehrlich zu sein, es ist ansonsten schon ein respektables Stadion, welches sich Sammers Günstlings-Deppen (kurz: SGD) da von der Stadt erschlichen, erlogen und erpreßt haben. Andererseits wirft es schon ein entlarvendes Licht auf die Unfähigkeit und Provinzialität Thüringer Landes- und Lokalpolitiker, wenn in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg reihenweise neue Stadien sprießen, während man in Jena und E**** vor allem mit der Suche nach Ablehnungs- und Beschwichtigungsgründen befaßt ist und (in Jena) glaubt, mit dem weit unter Wert erfolgten Ankauf einer Rasenheizung (die man eigentlich selber hätte einbauen lassen müssen) hätte man bereits genügend sportpolitische Wohltaten vollbracht …

Welch glückliche Fügung für die Verantwortlichen (obwohl, in Dresden wäre ja bezüglich Fußball der Begriff „Verantwortungslosen“ angebrachter) der Subventionserschleichungs-Gemeinschaft Dynamo (kurz: SGD), daß im nicht weit entfernten Jena seit einigen Wochen und Monaten erfolgreicher und gelegentlich glamouröser Fußball zelebriert wurde. Die Kunde von diesem herzerfrischenden Jenenser Fußballclub hatte sich auf allerlei Umwegen bis ins Tal der Ahnungslosen verbreitet und der Wunsch vieler Einheimischer, auch mal einen kurzen Blick auf dieses blaugelbweiße Superteam werfen zu dürfen, bescherte den Hausherren unverhofft ein volles Stadion. Dem Niveau eines Großteils der Dresdner Besucher entsprechend, wurden diese dann auch noch per Videowand mit einer Botschaft des reichlich zugedröhnt erscheinenden Udo Lindenberg begrüßt, deren Sinn sich akustisch allerdings nicht ergründen ließ. Irgend etwas von „Hope“ kam darin vor, wahrscheinlich sollten alle Schwarzgelben gemeinsam hoffen, die blaugelbweißen Fußballgötter würden gnädig mit ihrem Team verfahren. Überhaupt haben Videowände so ihre Tücken. Gestern flimmerte über diese noch ein Statement des Herrn Maucksch, in welchem er schwadronierte, daß die Jenaer ja eine solche Kulisse nicht gewöhnt seien, viele noch nie vor einer solchen gespielt hätten und er von daher glaube, die Gäste würden sich schwertun zu bestehen. Prima Motivationsvideo, liebe Dresdner, besten Dank dafür!

Warum auch immer, es hält sich ja der Mythos, in Dresden gäbe es eine ganz besondere Fußballstimmung. Zumindest die Künstlichkeit, mit der man sie erzeugt, ist tatsächlich was ganz Besonderes. Ohne Aufforderung per Mikro und dazu abgestimmter, angeblich animierender Musik, scheint aber nicht viel zu gehen. Ganz besonderer Höhepunkt natürlich jedesmal, wenn man einen Dynamo-Pubi (falls der überhaupt schon in der Pubertät war?) auf den Rasen holt, der dann buchstaben- und silbenweise das Publikum zum Mitmachen bewegen soll. Wahrscheinlich noch ein Relikt aus vergangenen Tagen, als der Dienstherr und Minister des Inneren seinen Angestellten den Stadionbesuch befahl. Andererseits natürlich auch eine Art von Traditionspflege, erinnert dieser Auftakt doch immer wieder aufs Neue an jene spektakuläre und für immer unvergeßliche „Fußball-Panorama“-Sequenz, die ihren Höhepunkt in einem nie zu übertreffenden „ÄS-GAY-DÄ! Eieiei!“-Solo fand. Kurz darauf zogen die gastgebenden Fans in ihrer Fankurve noch einen großen schwarzen Plastik-Müllsack auf, sie ahnten wohl, was kommen würde …

Das Spiel begannen die Jenaer mit dem wieder einsatzfähigen Hähnge, Amrhein blieb derweil auf der Bank. Den ersten Freistoß der Partie erhielten die Gastgeber nach 2 Minuten, den von rechts hereingebrachten Ball klärte Truckenbrod sicher. Zeit für den ersten FCC-Angriff durch Hähnge auf der linken Seite, dessen flache Eingabe abgewehrt wird und Nagys Nachschuß liegt zu hoch. (3.) Kurz darauf holt Smeekes einen Eckball heraus, den Gardawski nach innen schickt, wobei Herr Gorniak einen Angriff auf Keller entdeckt haben wollte. Nach 8 Minuten wertet der Unparteiische einen korrekten Einsatz Ralf Schmidts als Foul und Dynamo erhält einen Freistoß vom linken Strafraumeck. Nulle kann faustend klären, doch die Volkspolizisten bringen den Ball erneut hoch zum Fünfmeterraum. Schmidt mißlingt die Kopfballabwehr, der Ball gelangt zu Koch am Fünfereck und der zieht auch direkt ab. Reaktionsschnell reißt Nulle erneut die Fäuste hoch und bugsiert die Kugel mit kurzer Pfostenberührung zur Ecke. Drei Minuten später läuft der nächste Dynamo-Angriff über rechts aber weder ein Handspiel, noch ein Foul veranlassen Gorniak zum Pfiff, so muß der FCC zur Ecke klären. Vor lauter Eifer fällt dabei einem Jenaer Zuschauer ein Feuerzeug aus der Hand, die Strafe für diese Unachtsamkeit folgt auf dem Fuß: der Anblick eines häßlichfarbenen Schirms mit noch häßlicherem Emblemen bei den folgenden Eckbällen.

Nach gut 15 Minuten hatte das Spiel richtig Fahrt aufgenommen, auf dem Acker („Rasen“ wäre zu viel des Lobes) herrschte inzwischen eine kampfbetonte, zuweilen giftige Atmosphäre. Auch wenn die Unseren nach 17 Minuten über Truckenbrod auf rechts einen neuerlichen Angriff starteten (wobei seine Flanke dann verunglückte), so blieben wir in dieser Zeit nach vorne etwas zu zaghaft und unsicher.

Als nach 22 Minuten ein Foul an Schmidt im Mittelfeld ungeahndet blieb, kam Dynamo zum nächsten Angriff über links, aber Nulle bereinigte ganz sicher. Schon eine Minute später verliert der FCC leichtfertig den Ball im Mittelfeld und Nagy muß erneut zur Ecke klären, die aber nichts Erwähnenswertes hervorbrachte. Nach 25 Minuten wird Gardawski halblinks gefoult und tritt den Freistoß aus 35 Metern selbst. Aber noch während der Ball schwebt, hat Gorniak das Spiel zugunsten der Hausherren unterbrochen.

Als eine halbe Stunde um ist, haben die Dresdner einfach mehr vom Spiel, was vor allem daran liegt, daß wir im Spiel aus der Abwehr heraus unverständlich viele Ungenauigkeiten begingen. Dann mußte auch noch Lanzaat raus, der sich in einem Laufduell mit Savran wohl gezerrt hatte. Amrhein rückte nach und Wuttke wechselte in die Defensive. Nach 35 Minuten wieder ein Dresdner Angriff zunächst über links, fortgesetzt mit einem Diagonalpaß auf die rechte Seite und gleich darauf muß Nulle erneut beherzt zur Ecke klären. Begleitet wurde diese Szene von einer besonders schändlichen Aktion von der Dresdner Bank (nicht von der mit dem Grünen Band, sondern der schwarzgelben). Sträßer hatte sich im Zweikampf recht robust gezeigt, worauf sein Widerpart sich ängstlich zu Boden warf. Hektisch gestikulierend, wild fuchtelnd und laut blökend machten Maucksch und seine Helfershelfer so lange Rabatz, bis der Herr aus Bremen sich erweichen ließ und Sträßer Gelb sah. Wie hanebüchen diese Entscheidung war, zeigte sich auf skandalöse Art knapp 2 Minuten später. Nach einem Einwurf machte sich Smeekes auf den weg Richtung Dresdner Strafraum. Allein fixiert auf die Knöchel des gebürtigen Amsterdamers rauscht mit der Sohle voran Hübener dem Jenaer seitwärts in die Parade und die Frage schien nur noch zu sein, ob der DFB diese Rote Karte mit 3 oder 5 Spielen Sperre „belohnen“ würde. Unerklärlicherweise konnte Hübener danach sogar ohne Gelb weitertreten und provozieren. Was der auch bereitwillig tat, zunächst mit dem Resultat, das Smeekes sich die 5. Gelbe einhandelte. Kaum hatten die Wogen sich geglättet, schien Amrhein die rechte Antwort geben zu wollen. Über die rechte Seite marschierte er unaufhaltsam in den gegnerischen Strafraum bis zur Grundlinie, wo er die Aktion dann aber zu zaghaft und also erfolglos beendete. Nur 60 Sekunden später setzte Truckenbrod ein weiteres zaghaftes Achtungszeichen, sein Schuß aus 18 Metern strich aber flach und deutlich an Kellers Gehäuse vorbei. Kurz darauf erkämpft Smeekes einen der seltenen Jenaer Eckbälle, den Nagy tritt und der nichts Nennenswertes einbringt. Gardawski findet aber einige Sekunden Zeit, Smeekes zu beruhigen, der immer noch wütend über das ungesühnte Foul war, welches am Ende sogar ihm eine Auszeit in München bescherte. Halbzeit Eins endet nochmals mit Dynamo im Vorwärtsgang. Erst folgen 2 Eckbälle in Folge (43.), wobei Nulle beim zweiten am Ball vorbei segelt. Der nachfolgende Einwurf beschert den Hausherren eine Schußchance – aber vorbei. Erneut Dresden über links und Schmidt scheint mit dem Knie zu klären. Der Schieri entscheidet allerdings auf Handspiel und pfeift Freistoß am Strafraumeck der linken Dresdner Angriffsseite. Truckenbrod klärt jedoch zur Ecke. Als diese in unseren Strafraum kam, war Savran aus 7-8 Metern Entfernung per Kopf zur Stelle und wollte wohl schon jubelnd abdrehen. Mit einer elegant eingesprungenen A.rschbombe (Haltungsnote mindestens 6,0) verhinderte Nulle jedoch einen Rückstand.
Pause.

Ein teilweise sehr temporeiches und durchaus rassiges Spiel hatte man bis dahin zu sehen bekommen, mit wenig spielerischem Glanz aber viel Kampf und heißen Zweikämpfen. Besonders über die Flügel konnten sich die Dynamos oft zu leicht durchspielen, hier wirkte unsere Abwehr gelegentlich etwas offen. Auch das sichere Spiel aus der Abwehr heraus, in den vergangenen Wochen eine neue Qualität des Teams, kam bis dahin noch zu selten zum Tragen, wodurch wir auch in der Offensive zu wenig Akzente setzen konnten.

Die erste gelungene Aktion in Hälfte Zwei verbuchten die Blaugelbweißen, aber Amrheins Vorstoß auf der rechten Seite brachte nur einen Eckball ein, den Nagy etwas zu flach hereinbrachte. (47.) In Minute 50 erreicht ein feines Zuspiel Hähnge, der sich gegen 3 Dresdner behauptet aber Pech hat, daß sein anschließender Schuß abgeblockt wird. Mit einem Schuß aus 30 Metern, der über das Gehäuse geht, beendet dann Schmidt seinen Arbeitstag und wird durch Kühne ersetzt. (52.) Der FCC spielt jetzt deutlich energischer nach vorne und weitere 2 Minuten später behauptet sich der immer stärker werdende Amrhein gegen 3 Dynamos auf der rechten Seite. Sein blindes Zuspiel in den Strafraum trug dieses Attribut jedoch zu recht. Wieder nur eine Minute später können die Einheimischen eine Truckenbrod-Flanke nur zur Ecke befördern, die Nagy schlägt. Kühnes Kopfballversuch wird jedoch geblockt und Lukimya mißglückt die anschließende Aktion im Strafraum. Es folgen 2 Dresdner Ecken und im Anschluß an die zweite sind die Jenaer hellwach und spielen den Ball nach außen zu Amrhein. Der behauptet die Kugel energisch und spielt klug weiter auf den gestarteten Smeekes. Smeekes entscheidet sich, den Turbo zu drosseln und geht dennoch schön auf der rechten Seite durch. In der Mitte lauert Hähnge im Rücken eines schwarzgelben Abwehrspielers und allen 2.500 Guten ist klar, wo Smeekes den Ball hinspielen muß. Aber würde der es auch tun? Oder würde er sich doch wieder für ein Solo entscheiden? Würde er zögern bis die Gefahr vorbei ist? Sekunden werden zur Ewigkeit – Orlando tu' was! Smeekes tut genau das Richtige: mit nicht (oder nur kaum) für möglich gehaltener Präzision und Genauigkeit befördert Smeekes das Spielgerät quer in den Dresdner Strafraum. Im mitgelaufenen Sebastian Hähnge findet das Zuspiel seinen Adressaten. Gefühlvoll und dennoch mit der Kälte eines isländischen Gletschers schickt dieser den Ball aus 8 Metern direkt ins TOOOR! (0:1, 59.) Der Gefühlsausbruch im Gästeblock entlädt sich im Gegensatz zu Hähnges Coolness mit der Wucht eines isländischen Vulkans!

Dresdens erste Antwort ist ein grobes Foul Savrans an Sträßer (Drüberhalten), das seltsamerweise erneut ungesühnt bleibt. (60.) Den nächsten feinen FCC-Hieb setzen dann Gardawski und Smeekes über die linke Seite, wobei Ersterer dann jedoch am Strafraumeck hängen bleibt. (62.) Kurz darauf greifen die Dynamos über ihre rechte Seite an, Müller tunnelt Nagy doch seine Flanke wischt der famose Nulle souverän weg. Nach 64 Minuten setzt Gardawski mit einem daunenweichen Diagonalpass von links nach rechts in den 16-er Smeekes ein, der nimmt den Ball an, geht noch 2 Meter und paßt dann klug zurück zu Amrhein. Dessen Schuß bleibt am 5-Meter-Raum hängen und bevor Truckenbrod ihn erfolgreich weiterbefördern kann, packt Keller zu.

Noch knapp 20 Minuten. Wer immer vulkanaschebedingt seine Fernreise verschieben oder absagen mußte, jetzt hätte er in Dresden sein sollen. Denn plötzlich wehte ein Hauch von Copacabana über den Platz! Einen Dresdner Angriffsversuch hatten die Blaugelbweißen Helden abgefangen, als der Ball im Mittelfeld zu Hähnge kam. Mit der Raffinesse und Geschmeidigkeit eines Rivelino lupfte der Jenaer über die sächsische Möchtegernabwehr direkt auf den Fuß des durchgestarteten Truckenbrod. Mit der Gelassenheit eines Jairzinho nimmt dieser den Wunder-Paß an, lupft diesen in der gefühlvollen brasilianischen Variante über den herausstürzenden und kurz darauf ungläubig gen Himmel starrenden Keller hinweg ins TOOOOR! TRAUMTOOOOR! (0:2, 71.) Erneut eruptive Verhältnisse im Gästeblock! Truckenbrod erweist sich als Gentleman.

Danach darf Savran auf seiner Angriffsseite gegen Nagy und Lukimya noch 2 Ecken erkämpfen, Gefahr für das FCC-Tor besteht jedoch kaum. (74., 75.) Die ersten „ach so tollen“ und „ganz besonderen“ Dynamo-Fans brechen zu Schwiegermuttis Kaffeetisch auf. Das Blaugelbweiße Ballett zaubert derweil weiter. Smeekes erkämpft einen Freistoß, Nagy tritt ihn und Lukimya kommt per Kopf leider nicht ran. (76.) Es folgt ein Angriff über die rechte Seite, inszeniert von Truckenbrod und Amrhein. Dessen Rückpaß erreicht Kühne, der aus 20 Metern abzieht – knapp vorbei. Die Hausherren wollen sich nochmals aufraffen und werden per FCC-Konter erneut filetiert. Im Mittelfeld landet der Ball bei Gardawski, der zunächst gelassen quer läuft und den Ball dann gefühlvoll und exakt nach rechts zu Amrhein weiterleitet. Der hat den Ball eng am Fuß und noch ehe der herauskommende Keller sich versieht, spitzelt Amrhein den Ball mit ganz viel Gefühl an ihm vorbei. Der ewige und elendige Provokateur Hübener eilt herbei und begleitet staunend und hilflos das Leder auf seinem unaufhaltsamen Weg ins TOOOOOOOOOOOOR! (0:3., 79.) Wieder herrschen im Gästeblock Zustände wie am Eyjafjallajökull und im Rest des Stadions herrschte ab sofort Flugverbot. Flugverbot für all die hochfliegenden Sachsen-Träume vom „Vielleicht-doch-noch-Aufstieg“ (siehe „Dynamo-Kreisel“). Flugverbot auch für all die Hirngespinste, daß man was „Besonderes“ sei usw. usf. Tote Hose bei Harbigs. Stadionflucht, blinder Hass und gekränktes Geprolle – (fast) alles wie immer in Dresden.

Über die verbleibenden 10 Minuten wäre eigentlich nicht viel zu berichten. Erwähnt seien noch 2 Dinge. Zunächst noch ein besonders netter Einfall der Jenaer Abwehr. Als man in den Augen der Dresdner diese flehende Verzweiflung ob der eigenen Torflaute sah, ließen die Unseren Milde walten und legten einen Ball einschußbereit auf die Fünfmeterlinie und ließen es einfach mal einen Dresdner Abwehrspieler probieren. Palionis traf dann auch tatsächlich die Lattenunterkante. Das reicht!, sagte hernach der Sportfreund Nulle zu seinen Kameraden und die agierten ab sofort auch wieder souverän. Bedauerlich hingegen jene Szene in Minute 80, als Hübener, der schon gar nicht mehr hätte auf dem Platz stehen dürfen, Gardawski provozierte und der sich eine Rote Karte einhandelte. Was für ein Schmierentheater dieses Ensemble-Mitglieds der Schauspiel-Gemeinschaft Dynamo (kurz: SGD)! Seit seinem Wechsel nach Jena (nach dem Sandhausen-Spiel) hat der Kölner Junge in allen Spielen mitgewirkt, sich als absolute Verstärkung erwiesen und mit ihm hatte der FCC noch kein Spiel verloren. Seine enge Ballführung, sein unbedingter Wille, seine Zweikampfgiftigkeit, seine Ecken und Freistöße und seine Hang zum schnellen, direkten Zuspiel (vor allem im Zusammenspiel mit Hähnge), das alles wird dem FCC in den nächsten Spielen spürbar fehlen. Auch wenn es schwer werden dürfte, bleibt zu hoffen, daß der FCC derzeit so gefestigt und flexibel ist, diesen herben Verlust auszugleichen.

Dann war Schluß und somit Zeit für ausgiebige Blaugelbweiße Feierlichkeiten. Die Nunus hatten ihren Meister gefunden und standen mit leeren Händen da. Naja, immerhin bleibt ihnen ja die Gewißheit, es vom einstigen DFV-Hätschelkind nahtlos zum DFB-Hätschelhasen geschafft zu haben, das ist doch aus was, nu?

Rührend auch jene 3 Dynamo-Hohlkörper im links an den Gästeblock angrenzenden Heimbereich die glaubten, ihren Frust am feiernden Nulle ablassen zu können. Köstlich, wie Nulle sich ihrer annahm.

Schön auch, daß zur zweiten Feierrunde auch der tragische Held Gardawski nochmals mit auf den Platz kam. Die ganz tief in die Stirn gezogene Kappe läßt erahnen, wie der sich tatsächlich fühlte und was er zu verbergen versuchte. Um so schöner das Schlußbild, als Nulle den Jungen in den Arm nahm und auf dem Weg zur Kabine sicherlich die richtigen Worte gefunden haben wird.

Als ich später wieder bei Auto und Mitfahrer angekommen war und heimwärts startete, bot sich noch unverhofft Gelegenheit, einem der gestrigen Helden persönlich (leider nur aus dem Auto heraus) für diesen feinen Nachmittag zu danken. Carsten Sträßer schlenderte im Kreise seiner Familie - vorbildlich blaugelbweiß gekleidet - Richtung Straßenbahnhaltestelle und es war schwer zu sagen, wer mehr strahlte, die Sonne oder er. Kurz nach dem ich später in Leipzig meinen Mitreisenden am Bahnhof abgesetzt hatte, vernahm ich im Radio noch einige Worthülsen des Herrn Maucksch, der doch tatsächlich mehrere Sätze lang behauptete, Dynamo sei doch eigentlich die bessere Mannschaft gewesen und die Niederlage sei unerklärlich oder ungerecht oder so ähnlich … Werter Herr Maucksch, jaja, ihr spielt auch Fußball im RHS aber zur Copacabana wird der Rasen nur mit Hähnge und Trucke – und die spielen (jetzt) eben in Blau, Gelb und Weiß!

Am Dienstag in München muß es kein brasilianischer Ballzauber sein. Ein unspektakulärer 0:1-Auswärtssieg reicht auch. Und wenn nicht? Egal, dann denken wir alle nicht an eine schwarze Dampflok!

Nur der FCC!
YNWA

--Kopfnuss