2015/2016 DFB-Pokal 2. Hauptrunde: FC Carl Zeiss Jena - VfB Stuttgart 0:2

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Spieldaten
Wettbewerb DFB-Pokal, 2. Hauptrunde
Saison Saison 2015/2016
Ansetzung FCC - VfB Stuttgart
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 28.10.2015 20:30
Zuschauer 18.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf)
Ergebnis 0:2 (0:1)
Tore
  • 0:1 Harnik (22.)
  • 0:2 Maxim (90.+2, Handelfmeter)
Andere Spiele
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Raphael KoczorGelbe Karte.gif
Sören EismannGelbe Karte.gif, René Klingbeil, Justin Gerlach, Filip KrstićGelbe Karte.gif (80. Jakub Wiezik)
Mergim Vojvoda (54. Maximilian Schlegel), Robin Krauße, Niclas Erlbeck (Rote Karte.gif, 90.), Marcel Bär
Velimir Jovanovic (66. Johannes Pieles), Manfred Starke
Trainer: Volkan Uluc
Trikotfarben
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Stuttgart
Przemyslaw Tyton
Florian Klein (61. Mart Ristl), Toni Sunjic, Timo Baumgartl, Philip Heise
Daniel Schwaab, Arianit Ferati (75. Marvin WanitzekGelbe Karte.gif), Daniel Didavi, Alexandru Maxim
Martin Harnik, Timo Werner (88. Emiliano Insúa)
Trainer: Alexander Zorniger

Video

Spielbericht

Historische Pokalpartie ohne Happy End

Unser FCC unterliegt in der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals vor ausverkauftem Haus und der Rekordkulisse von 18.000 Zuschauern dem haushohen Favoriten VfB Stuttgart knapp mit 0:2. Der Bundesligist kann erst in der Nachspielzeit mit einem verwandelten Handelfmeter alles klar machen. Unser FCC zeigt eine tolle Leistung und macht den Dreiklassenunterschied mit Herz und Leidenschaft über weite Strecken der Partie wett.

Volkan Uluc bot gegen den dreifachen Pokalgewinner aus dem Schwabenland genau die Startelf auf, die am Freitag im Spitzenspiel der Regionalliga Nordost gegen den Berliner AK mit 3:1 gewann. Beim VfB Stuttgart gab es gleich drei Änderungen im Vergleich zur 3:4-Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen: Für Insua, Gruezo und Rupp rückten Heise, Ferati und Maxim in die erste Elf der Schwaben.

Vor der Rekordkulisse von 18.000 Zuschauern im ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld sorgten die Fans in der Südkurve vor Anpfiff für eine tolle Choreographie. Unter dem Motto „Im Schein des Lichtes das Sportfeld tobt“ erwachten hierbei sogar die altehrwürdigen Flutlichtmasten wieder zu Leben. Und Leben war auch gleich auf dem Platz. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als Vojvoda das Leder in den Stuttgarter Strafraum befördert, wo ein VfB-Abwehrspieler in höchster Not vor Marcel Bär klären kann. Wiederum vier Zeigerumdrehungen später spielt Krauße auf die linke Seite zu Bär, der von der Strafraumkante abzieht. Sein Schuss kann jedoch geblockt werden. Die anschließende erste Ecke unseres FCC bringt nichts ein (8.). Die Stuttgarter benötigten einige Zeit, um in die Partie zu finden. Nach einem Foul von Eismann an Heise hatten die Schwaben in Form eines Freistoßes von der halblinken Seite die erste Tormöglichkeit. Den direkt aufs Tor getretenen Standard konnte Raphael Koczor im Gewühl sicher entschärfen (15.). VfB-Trainer Alexander Zorniger erwartete eine „eklige Partie“ für seine Mannschaft und er sollte Recht behalten. Unser FCC agierte zweikampfstark und griffig und ließ das Offensiv- und Kombinationsspiel der Stuttgarter damit kaum zur Entfaltung kommen. Der Bundesligist kam meist über seine linke Seite, wo speziell Sören Eismann alle Hände voll zu tun hatte. So nach einer scharfen Hereingabe von Didavi, in deren Anschluss Justin Gerlach das Spielgerät in höchster Not zur Ecke klären kann (18.). In Folge einer starken Abwehr von Krstic leitet er über die linke Seite den Konter ein. Velimir Jovanovic übersprintet zwei, drei Stuttgarter und kann – bereits im Strafraum des VfB – erst in letzter Sekunde vom Ball getrennt werden. (20.). Auf der Gegenseite passte unsere Defensive im Anschluss an einen Einwurf einmal nicht richtig auf – und schon war es passiert: Stuttgarts Mannschaftskapitän Martin Harnik bekommt die Kugel, tanzt zwei Jenaer Verteidiger aus und legt das Spielgerät dann überlegt an Raphael Koczor zur 1:0-Führung für die Schwaben in die Maschen des Jenaer Tors (22.). Da zeigte der österreichische Nationalspieler seine komplette Klasse. Der hervorragenden Stimmung im Ernst-Abbe-Sportfeld tat der Rückstand kaum einen Abbruch. Anders sah es schon mit der Verteilung der Spielanteile aus: Stuttgart nahm das Heft des Handelns langsam in die Hand und unser FCC tat sich zunehmend schwer, wieder Zugriff auf Spiel und Gegner zu finden. Auch die in der Anfangsphase selbstbewusst zur Schau gestellte Körpersprache, Aggressivität und gesunde Härte fehlten bisweilen in den Aktionen unseres FCC – verständlich aufgrund des Rückstands. Ein Befreiungsschlag von Stuttgarts Baumgartl entwickelte sich als Vorlage für Timo Werner, der seine Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Sören Eismann ausnutzte und dann aus spitzem Winkel direkt abschloss. Raphael Koczor war jedoch auf dem Posten und parierte (28.). Ebenso 120 Sekunden später, als Didavi am Elfmeterpunkt im Anschluss an eine Ecke von Maxim an die Kugel kommt, diese jedoch nicht mehr entscheidend platzieren kann (30.). Zwar war durchaus zu erkennen, dass die Stuttgarter Abwehrreihe – mit 23 Gegentoren in 10 Spielen die schlechteste der Bundesliga – alles andere als sattelfest ist, aber unserem FCC gelang es insgesamt zu selten, den notwendigen Druck aufzubauen, um die Viererkette der Schwaben richtig zum Wackeln zu bringen. Wenn es schnell ging, zeigten sich die Unsicherheiten des VfB. Einen langen Ball von Klingbeil unterschätzt der neue Linksverteidiger Heise, so dass Bär die Kugel erlaufen kann und kraftvoll flach ins Zentrum schlägt. Dort erreicht Jovanovic die Kugel auf Höhe des Elfmeterpunktes als Erster, kann den schnellen Ball aber nicht kontrollieren (36.). Keine 120 Sekunden später hatte dann Justin Gerlach, dem bereits gegen den Hamburger SV in der 1. Hauptrunde ein Treffer gelang, die beste Gelegenheit in Durchgang 1. Nach einem Freistoß von Bär kommt die Kugel an die Strafraumkante zu Eismann, der sie mit vollem Körpereinsatz direkt zum aufgerückten Gerlach weiterleitet. Dieser kommt am rechten Fünfmetereck in Rücklage und befördert das Spielgerät daher mit seinem schwächeren rechten Fuß knapp über die Querlatte. Das hätte das 1:1 sein können (38.). Die Aktion war wie ein Weckruf für unseren FCC, der fortan wieder bissiger zu Werke ging, sich jedoch bis zum Pausenpfiff keine weitere Torchance erarbeiten konnte. Folglich ging es mit einem knappen 0:1-Rückstand in die Pause.

Zu Beginn der zweiten 45 Minuten meldeten sich erneut die aktiven Fans in der Südkurve zu Wort. Diesmal mit einem klaren Bekenntnis zum Erhalt der Südkurve als Heimbereich im Rahmen des beschlossenen Stadionumbaus. Auf dem Platz dauerte es keine 5 Minuten, bis das Tornetz der Schwaben das erste Mal an diesem Abend wackelte - doch leider wurde es nur von außen getroffen. Krauße setzte sich auf der linken Seite durch und flankt ins Zentrum, wo Manfred Starke die Kugel per Kopf mit Hilfe einer Körperdrehung auf das Stuttgarter Gehäuse beförderte. Nur einen Meter am linken Pfosten vorbei landete das Spielgerät in den Maschen des Außennetzes (50.). Volkan Uluc reagierte früh in der 2. Spielhälfte mit einem Wechsel und brachte bereits 9 Minuten nach Wiederanpfiff Maximilian Schlegel für Mergim Vojvoda in die Partie. Schlegel nahm fortan die angestammte linke Seite im Mittelfeld ein, Marcel Bär wechselte auf die ebenso vertraute rechte Seite. Nach einem langen Freistoß von René Klingbeil steht Sören Eismann plötzlich im Stuttgarter Strafraum völlig blank, aber leider auch im Abseits (55.). Unser FCC merkte, dass hier trotz des Rückstandes etwas gehen könnte und agierte mutig. Stuttgart hingegen spielte zurückhaltend, fast passiv und man hatte den Eindruck, dass der haushohe Favorit die knappe Führung irgendwie über die Zeit bringen möchte. Als sie sich dann doch einmal entschieden, am Spielgeschehen teilzuhaben, wurde es gleich gefährlich: Maxim trieb das Leder nach vorne und legte auf Harnik ab, dessen Schuss abgefälscht wird und am bereits geschlagenen Koczor vorbei knapp im Toraus landet (62.). Wiederum der Österreicher zwang Koczor 120 Sekunden später zu einer Fußabwehr und unmittelbar danach Marcel Bär zu einer Kopfballklärung knapp vor der Torlinie (64., 65.). 25 Minuten vor dem Ende brachte Volkan Uluc mit Johannes Pieles für Velimir Jovanovic eine frische Kraft für den Sturm. Bei vielen Zeiss-Fans dürften Erinnerungen an die 1. Hauptrunde gegen den HSV wachgeworden sein, als der Youngster in der Verlängerung für den entscheidenden Treffer zum 3:2 sorgte. Erst einmal verlor allerdings Sunjic in der Vorwärtsbewegung den Ball gegen Bär, doch der wusste leider mit dem Geschenk nichts anzufangen (68.). In Spielminute 76 hatte schließlich Maximilian Schlegel die riesen Möglichkeit zum Ausgleich. Er profitierte von einem kapitalen Missverständnis zwischen den Stuttgarter Innenverteidigern und ihrem Schlussmann Tyton und kam an der Strafraumkante zum Schuss. Dieser ging knapp links am komplett verwaisten VfB-Tor vorbei – schade! „Volle Offensive“ hieß die Devise dann 10 Minuten vor dem Ende. Jakub Wiezik kam für Filip Krstic in die Partie. Unser FCC spielte fortan mit einer Dreierabwehrkette, insgesamt im Rahmen der Möglichkeiten eines Viertligisten klasse und bestimmte die 2. Halbzeit über weite Strecken. Nur beim entscheidenden letzten Pass fehlte häufig die nötige Präzision. Die Zeiss-Fans gaben bis zum Schluss alles, um unsere Elf zum Ausgleich zu peitschen. Als die komplette Mannschaft unseres FCC kurz vor Schluss aufgerückt war, eroberte Stuttgart den Ball. Maxim trieb die Kugel nach vorne und legte quer auf Didavi. Dessen Schuss klärt der zurückgeeilte Erlbeck für seinen bereits geschlagenen Keeper auf der Linie – regelwidrig per Hand. Neben der roten Karte gegen Erlbech gab es zudem einen Elfmeter für die Schwaben. Maxim versenkte die Kugel aus Schützensicht im linken unteren Eck. Raphael Koczor roch zwar den Braten, erreichte den platziert geschossenen Elfmeter allerdings nicht.

Am Ende bleibt ein etwas schmeichelhafter Erfolg des Bundesligisten VfB Stuttgart und bei den Zeiss-Fans vor allem ein Gefühl: Mächtiger Stolz auf eine tolle Mannschaftsleistung, auf die sich im Regionalliga-Alltag definitiv aufbauen lässt. Die Ehrenrunde im Paradies hatten sich unsere Kicker mehr als verdient. Und keine Angst: DFB-Pokal - Wir kommen wieder!

Die Stimmen zum Spiel

Alexander Zorniger (Trainer des VfB Stuttgart): "Ich glaube, wir hatten drei Gewinner: Der erste waren Gott sei Dank wir. Der zweite war die Mannschaft von FC Carl Zeiss Jena für eine engagierte Leistung und der dritte war das Publikum, das die Mannschaft sehr euphorisch nach vorne gepeitscht hat - bis zur letzten Sekunde, weil das Spiel bis zu diesem Zeitpunkt noch offen war. Wir sind gut ins Spiel reingekommen, haben Jena relativ gut kontrolliert und haben zum Glück das frühe 1:0 gemacht. Wir haben es dann versäumt - weil wir die Spielkontrolle dann auch hatten - das 2:0 nachzulegen und dann wird es natürlich immer ein bisschen eng. Wir waren dann auch auf dem Platz nicht immer ganz zufrieden damit, wie wir ein paar Situationen ausgespielt haben. Das haben wir in der Halbzeit angesprochen. Das kann man in so einer euphorischen Umgebung auch nicht erwarten. Da passieren dann immer mal Dinge, die dir nicht so gefallen. 2. Halbzeit dann eigentlich ein ähnliches Bild. Wir haben in der 1. Halbzeit eine Torchance zugelassen, in der 2. Halbzeit dann nach einem Missverständnis in der Innenverteidigung mit dem Keeper eine zweite. Aber insgesamt war es, glaube ich, aufgrund der Tatsache, dass wir die Offensive von Jena wirklich kontrolliert haben, ein absolut verdienter Sieg. Alles Gute an Jena. Ich wünsche ihnen einen spannenden Zweikampf mit Zwickau - mit dem Kollegen dort habe ich auch noch Kontakt. Alles Gute für die Zukunft. Man sieht, was möglich ist, wenn der große Fußball da ist."

Volkan Uluc (Trainer des FC Carl Zeiss Jena): "Erstmal mein Glückwunsch an meinen Kollegen, an Stuttgart. Ich denke, dass es von unserer Seite, von unseren Möglichkeiten her - dass wir alles reingeworfen haben, dass die Mannschaft einen riesen Fight abgeliefert hat. Natürlich ärgert es einen und auch die Jungs ärgert es, dass man mit dem 0:1 durch einen Einwurf sich übertölpeln lässt. Da merkt man natürlich auch die Abgezockheit eines Bundesligisten, denn das war nicht aus dem Spiel heraus. Meine Mannschaft hat das insgesamt großartig gemacht. Man darf nicht vergessen: Mit Harnik, Didavi, Werner und Maxim ist das eine Offensivpower, die schon in Leverkusen zugeschlagen hat, wo man drei Dinger gemacht hat, auch geführt hat. Deswegen haben unsere Jungs das wirklich großartig verteidigt. Dass man in so einem Spiel natürlich nicht so viele Torchancen bekommt, ist auch klar. Die ein, zwei - kurz vor der Halbzeit hat Justin Gerlach leider über die Latte geschossen. In der 2. Halbzeit, mein Kollege hat es gesagt, eine Chance, wo Marcel Bär den Mut verliert und nicht zum Abschluss kommt. Aber ich denke, insgesamt haben wir alles reingehauen, haben versucht, es dem Favoriten so schwer wie möglich zu machen. Und wenn dann die Entscheidung kurz vor Schluss fällt, kann man als Underdog zufrieden sein. Wir haben wirklich alles versucht. Wir haben auf Dreierkette umgestellt, haben alle Stürmer gebracht, die wir haben. Die Jungs haben aggressiv nach vorne verteidigt, haben das Unmögliche nochmal versucht. Aber in solchen Spielen entscheiden - das muss man knallhart sagen - ganz kleine Details. Die Stuttgarter waren abgezockter und haben verdient gewonnen. Es war für uns ein riesen Abend. Eine riesen Werbung für Jena, für den Fußball in Thüringen und für unsere Zuschauer ein riesen Erlebnis. Es ist für uns eine Verpflichtung - das wissen wir. Dieser Verantwortung wollen wir nachkommen. Wir wollen jetzt volle Konzentration auf die Liga setzen. Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Wenn man heute sieht, ist das Mittelfeld circa 22 Jahre im Schnitt. Die Jungs werden sich entwickeln. Wir werden eine tolle Mannschaft entwickeln und werden uns von unserem Weg nicht abbringen lassen. Ich wünsche meinem Kollegen und dem VfB Stuttgart für die nächsten Aufgaben alles Gute."

--da Silva