2005/2006 24. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - Chemnitzer FC 3:1

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Spieldaten
Wettbewerb Regionalliga, 24. Spieltag
Saison 2005/2006, Rückrunde
Ansetzung FCC - Chemnitzer FC
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 19.02.2006, 14:00 Uhr
Zuschauer 5.333
Schiedsrichter Lupp (Zossen)
Ergebnis 3:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger Hasse, Ralf Schmidt
Tobias Werner, Ronny ThielemannGelbe Karte.gif, Michael Anicic (60. Stefan Kühne)Gelbe Karte.gif, Torsten Ziegner, Kevin SchlitteGelbe Karte.gif, Mark Zimmermann (77. Krzysztof Kowalik)
Sebastian Hähnge (74. Fiete Sykora)

Trainer: Heiko Weber

Chemnitz
Süßner
Frank Berger, Thorsten GörkeGelbe Karte.gif, Baumann, EnsrudGelbe Karte.gif
Kunert, Göhlert, Adamu, Devoli (57. Schumann)
Ahlf (37. Homola), Mayer

Trainer: Müller

Spielbericht

Nicht nur Börsenanalysten dürften bei Betrachtung einiger Fußballspiele der letzten Woche zu dem Schluss gekommen sein, dass die Weltmarktpreise für gut abgestandenen Modder im Augenblick im Keller sind, was Vereine wie Hertha BSC oder Eintracht Braunschweig offenbar bewog, säckeweise braune Pampe in ihren Stadien zu verteilen. In Jena drohte Ähnliches und so stand die Hoffnung nicht schlecht, im EAS Matsch fun zu erleben in einem Spiel, das laut Ankündigung beider Trainer Großes versprach, denn Benno Weber wollte den CFC schlicht überrennen, während sich sein Chemnitzer Gegenpart nicht allein mit drei Punkten begnügen mochte; nein, die Sachsen dürsteten danach, bei Gelegenheit auch gleich etwas fürs Torverhältnis tun.

Bereits die Anfangsminuten warfen allerdings die Frage auf, ob der Sportfreund Müller aus Gorl-Morx-Stodt nicht auch General Custer vor der Schlacht am Little Big Horn den Tipp gegeben hätte, sich wegen der paar Indianer mal nicht verrückt zu machen, denn sein CFC stand von Beginn an nur hinten drinne. Schon nach vier Minuten gab es den ersten vielversprechenden Angriff für Jena, dem man das Prädikat „Fußballästhetisch wertvoll“ nur deshalb verweigen musste, weil Sebastian Hähnge die präzise getimte Flanke Tobias Werners aufs Schlampigste verjuxte, indem er völlig freistehend aus nicht einmal zehn Metern Torentfernung dem CFC-Keeper direkt in die Arme köpfte.

Minuten später machte es Jenaer Torjäger bei seiner Schusschance von der Strafraumgrenze nicht viel besser und semmelte das Leder am Pfosten vorbei. So wuchs mit jedem aufgeworfenen Grasbüschel die Hoffnung der Gäste, sich hier irgendwie durch zu schummeln. Jena spielte zwar weiter überlegen, aber nur selten überlegt. Der Kapitän der Blauen war jetzt gefordert und hier haben wir mit Torsten Ziegner endlich wieder jemanden, der seit der Zeit von Thomas Vogel mal wieder das verkörpert, was ich mir unter einem Mannschaftsführer vorstelle. Im Gegensatz etwa zu Ronny Hebestreit, der die Erfurter Fans vor allem durch seine rethorische Begabung in den Bann zieht, ist Ziege eine absolute Autorität auf dem Platz, einer, der andere mitreißen kann, weil er selbst die Ärmel hochkrempelt und sowohl über kämpferische Tugenden verfügt wie über eine individuelle Klasse, die in dieser Liga sonst kaum einer aufzuweisen vermag.

Genau das zeigte sich in der 26. Minute, als Jena 22 Meter vor dem CFC-Strafraum einen Freistoß zugesprochen bekam. Im Wissen um Zieges Können vertraute ich meiner in Fußballdingen nicht so bewanderten Umgebung an, man möge jetzt auf das kurze Eck des Chemnitzer Tores schauen, denn dort werde gleich der Ball einschlagen. Ziege lief an – und tat wie geheißen. Befreiender Jubel im Zeissblock, der noch einmal aufbrandete, als die Szene später im MDR gezeigt wurde. Ein klasse Tor, auch wenn man bei Mohrens Dilletantischer Redaktion hernach meinte, der Treffer wäre durch den Chemnitzer Keeper begünstigt worden; ein Einwand, der hanebüchener Blödsinn ist, was aber naturgemäß die Chancen nicht schmälert, von Sid & Co. begeistert nachgeplappert zu werden.

Nach diesem erlösenden Tor setzte Jena nach und hatte weitere Chancen zur Resultatsverbesserung, während sich die Chemnitzer kaum in die Thüringer Hälfte wagten. Umso überraschender dann der scheinbare Ausgleich für die diesmal in Rot auflaufenden Stramplerblauen kurz vor der Pause, als die einzige CFC-Spitze Frank Mayer einnetze. Der Assi an der Linie hatte allerdings die Fahne oben. Eine knappe Entscheidung, die sich jedoch harmonisch einordnete in die Art und Weise, wie die Männer in Schwarz sonst die Abseitsfrage handhabten. Die Sachsen schienen durch diese für sie ungünstige Entscheidung allerdings eher er- als entmutigt, denn nach der Pause wandelte sich auf einmal das Bild. Der FCC zog sich jetzt zurück und hatte nur noch eine Kopfballchance durch Schlitte. Schlittern auf immer dünner werdendem Eis war nun auch in der Jenaer Abwehr angesagt, denn der CFC drückte fortan und so ging ein Bangen durchs Rund, ob die Blaugelbweißen nicht irgendwann einbrächen.

Zweimal schien es so weit: In der 54. Minute blieb ein Festhalten an Thielemann im Mittelfeld ungeahndet und so steuerte ein Chemnitzer nach einem langen Pass mit dem Ball am Fuß auf Persons Kasten zu. Des Stramplerblauen Fernschuss von der Strafraumgrenze erinnerte mich dann aber doch sehr stark an die Vollstreckerqualitäten unseres einstigen stürmenden Frolleinwunders Christian Müller. Kurz darauf ging mein Puls deutlich höher, denn Chemnitz' Goalgetter Mayer tauchte 7 Meter vor Person auf und nur der letzte Einsatz von Ralf Schmidt verhinderte hier den Ausgleich, der nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien. Wo war sie hin, die Jenaer Souveränität der ersten Hälfte?

Es blieb das Hoffen auf Jenaer Konter und Chemnitzer Fehler. Diese Hoffnung sollte nicht unbegründet bleiben, denn wie sich die CFC-Defensive in der 68. Minute verhielt, ließ erkennen, warum sich die Sachsen seit geraumer Zeit am Tabellensüdpol häuslich eingerichtet haben. Dass sie im Bemühen um den Ausgleich gezwungen waren, in der Abwehr „1:1“-Situationen zu riskieren, war normal, dass sich die CFC-Verteidiger aber trotz numerischen Gleichstands gegenüber den Jenaer Angreifern erfreulich unaufdringlich verhielten, war's wohl eher nicht. So konnte Schlitte ziemlich ungestört von rechts flanken, Werner im Strafraum abziehen und zu allem Überfluss patsche Süßner im CFC-Tor dessen Schuss noch in den Lauf des ebenfalls ungedeckten Zimmermann. 2:0 für Jena – die Entscheidung.

Nach diesem Wirkungstreffer sang es sich nun auch auf der Tribüne mit freier Kehle, erst recht, als Jenas Stil-Ikone Holger Hasse seinen Frust über die ob der Spielverlegung geplatzte Faschingsfeier positiv zu wandeln vermochte und sich kurzerhand mal als beidbeinig schießender Fußballer verkleidete. Der obligatorische Gegentreffer durch den nicht nur wegen seines etwas dunkleren Teints auffälligsten CFC-ler Adamu tat da nicht mehr wirklich weh, denn der bald darauf folgende Schlusspfiff des Schiris verhinderte, dass dieses Tor zum Fanal des angekündigten Chemnitzer Torfestivals wurde. Der FCC hatte seine Pflicht erfüllt und ungeachtet der Schwächephase nach der Pause solide gespielt und souverän gewonnen. Zwar trumpfte man nicht so schön auf wie gegen Hertha, aber das war auch nicht nötig gegen eine CFC-Elf von besserem Oberligaformat. Der nächste Gegner dürfte anderes Format haben. Nach Kiel wissen wir mehr, ob das zarte Pflänzchen Hoffnung unsere Auftstiegswünsche weiter tragen kann oder ob die Bäume in Jena wirklich nicht in den Himmel wachsen, wie man vom Steigerwald jüngst zu beckmessern sich bemüßigte. Doch selbst wenn das so wäre: Die Bäume in Jena sind allemal groß genug, um Erfurter Ambitionen auf die Nummer eins in Fußballthüringen in den Schatten zu stellen.

In diesem Sinne: Auf am 4. März an die Ostsee!

--Al Knutone 14:55, 20. Feb. 2006