2008/2009 08. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Union Berlin 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 8. Spieltag
Saison Saison 2008/2009, Hinrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Union Berlin
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 28.09.08 14:00
Zuschauer 8.974
Schiedsrichter Raphael Seiwert (Merzig-Merchingen)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 0:1 Biran (37.)
  • 1:1 Hansen (49.)
  • 1:2 Stuff (67.)
Andere Spiele
oder Berichte
Programmheft
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Daniel Kraus
Tim WuttkeGelbe Karte.gif, Robert Müller, Tim Petersen, Ralf Schmidt
Marco RiemerGelbe Karte.gif, Niels Hansen
Carsten Sträßer , Torsten Ziegner (75. Nils Petersen), Richard Kolitsch (46. Amadeus Wallschläger)
Sebastian Hähnge (80. Salvatore Amirante)
Trainer: René van Eck


Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Union
Jan Glinker
Daniel Göhlert, Christian Stuff, Steven RuprechtGelbe Karte.gif, Patrick Kohlmann
Macchambes Younga-MouhaniGelbe Karte.gif
Michael BembenGelbe Karte.gif, Torsten Mattuschka (64. Nico PatschinskiGelbe Karte.gif), Hüzeyfe Dogan, Marco Gebhardt (85. Christoph Menz)
Shergo Biran (90. Steven Jahn)
Trainer: Uwe Neuhaus

Spielbericht

Kurze Nachbetrachtung Union

Das Gute vorweg: Verglichen mit dem letzten Regionalligaheimspiel war Jena um 5 Tore besser. Oder ums mit Rolle Rombachs Worten zu sagen: Von der Ergebnisdynamik her sind wir klar die Nummer 1 in Fußball-Thüringen!

Trotz dieses Faktums gab es nach dem Match lange Gesichter, denn die nach Trainerwechsel und Pokalsieg neu geborene Zuversicht in ein Wiedererstarken des Jenaer Fußballs starb schon im Kindbett. Nun hat auch ein Franz Beckenbauer seine Karriere als Teamchef der Deutschen Fußballnationalmannschaft nicht mit dem WM-Titel von 1990 begonnen sondern mit einer 1:3-Heimpleite gegen Argentinien. Allerdings fehlt mir der Glaube, dass van Ecks Trainerkarriere in Jena nach einem ähnlichen Drehbuch verlaufen könnte, denn die Partie gegen Union zeigte, dass der beste Chef an der Seitenlinie nichts nutzt, wenn es auf dem Spielfeld zu viele Baustellen gibt.

Dabei will ich van Eck mitnichten frei sprechen von einer Teilschuld an der gestrigen Niederlage. Das „Never change a winning team“ ist ein Leitsatz, den man in Holland und der Schweiz wohl für veraltet hält: Die gegenüber dem Pokalsieg gegen Frankfurt erfolgte Umstellung hätte auch eine von Henning Bürgers taktischen Finessen sein können, denn allein die Idee, Sebastian Hähnge als einzige Spitze aufzubieten und dann in der ersten Halbzeit auch noch konsequent hoch an zu spielen, entpuppte sich angesichts dreier im Schnitt 2,47 Meter großer Berliner Abwehrrecken als ausgesprochener Geniestreich. Da Sebastian Hähnge beim Sprint über 30 Meter bekanntlich jeden Erdöltanker schlägt, erwiesen sich Steilpässe auf ihn als ebenso erfolgreich.

So gab es in der ersten halben Stunde nur eine gefährliche Szene für Jena, als Torsten Ziegner einen Freistoß aus gut 30 Metern an die Torlatte knallte. Bei Union vermochte allerdings auch nur deren sangesfreudiger Anhang zu überzeugen, denn offensiv gab es für die Berliner anfänglich gleichfalls nicht mehr als eine echte Torchance, bei der Biran im Strafraum abzog und Kraus in einer Art klärte, die mich kurzzeitig glauben machte, er sei ein richtig guter Keeper. Doch in der 37. Minute zerstreute Nulles Ersatzmann all meine Zweifel, ob ich mal ein Spiel mit ihm erleben würde, ohne dessen Leibgericht Kraus´scher Klops serviert zu bekommen, denn bei einer Flanke in den Fünfmeterraum patschte er gewohnt souverän daneben, so dass Unions Biran per Kopf die Gästeführung erzielte. Diesen Treffer allein Kraus anzukreiden, wäre jedoch zu einfach, denn erstens ist es schon geschickter, einem Flankengeber nicht nur hinterher zu dackeln sondern ihn von vorn zu attackieren und zweitens könnten sich unsere Abwehrspieler doch mal intensiver mit dem Gedanken beschäftigen, ob es eventuell Sinn macht, im eigenen Fünfmeterraum zur ordinären Manndeckung über zu gehen.

Spätestens mit diesem Tor eröffnete sich die Chance auf eine Wiederholung der Volksfeststimmung vom letzten Heimspiel gegen die VfB-Bubis. Da ich von vorn herein das Glück hatte, direkt unter einem Trainerguru platziert zu sein, der bereits bei der Jenaer Mannschaftsaufstellung den Nachnamen unseres einstigen Kapitäns mit „Torsten Ar$chloch“ buchstabierte, wurden es unterhaltsame Minuten bis zum Anpfiff der 2. Halbzeit. In diese startete der FCC mit neuem Elan, so dass selbst der treue Anhänger hinter mir vergaß, darüber zu philosophieren, wie doof er doch eigentlich sei, hier im Stadion zu sitzen, statt „heme de Runkeln zu mache“. Jenas Ausgleich hatte er natürlich auch die ganze Zeit lang kommen sehen und Zweifel an einem Sieg waren ihm eh fremd, als der FCC danach für 20 Minuten jenes druckvolle Spiel aufzog, dass ich mir von Anfang an gewünscht hatte.

Kennzeichnend für diese beste Jenaer Phase im Spiel war, dass unser offensives Mittelfeld nun entschlossen aufrückte und die Anspiele auf Hähnge besser kamen, wobei sich zeigte, dass die Variante mit einer nominellen Spitze nicht per se Zinnober ist, zumindest dann nicht, wenn im Gegensatz zur 1. Hälfte Hähnges Mitspieler anspielbereit sind. Jetzt ergaben sich auf einmal echte Chancen für den FCC und es schien nur eine Frage der Zeit, wann ein 2:1 oder gar 3:1 fallen würde. Dass es nicht dazu kam, war in erster Linie unserem Stürmerstar zu danken, der gleich vier hochkarätige Möglichkeiten mit der ganzen Routine und Abgezocktheit eines Erstligaprofis versemmelte. Dieser sorglose Umgang mit den Torchancen erwies sich als verlässliches Fundament für den Meisterbau einer Jenaer Niederlage, wie gewohnt untermauert durch turnusmäßige Abwehrpatzer, wie jenen in der 67. Minute, als es too many Stuff für Jenas Defensive gab und Union mit der ersten gefährlichen Aktion der 2. Halbzeit die abermalige Führung erzielte.

Dieser Dualismus von unzureichender Chancenverwertung und defensiver Schlafmützigkeit hatte zermürbende Wirkung auf das Jenaer Spiel. Es lief nichts mehr, weder vorn noch hinten. Mittlerweile hatte sich die Berliner Abwehr darauf eingestellt, auf welche Art sich Sebastian Hähnge um seine Gegenspieler zu mäandern versucht. Wie schon in der ersten Halbzeit kamen aus dem linken offensiven Mittelfeld des FCC überhaupt keine Impulse. Mit der Auswechslung des schlicht überforderten Kolitsch kam es zu keinerlei Verbesserung, denn Rückpass-Gott Wallschläger gab all meinen Bedenken Auftrieb, ob Jungs mit dem Vornamen Amadeus nicht doch besser zum Ballett oder Klarinette spielen gehen sollten. Auf der rechten Abwehrseite kämpfte Tim Wuttke mehr und mehr mit der Last jener von der Vereinsführung postulierten Erwartung, dass junge Kerle wie er den direkten Wiederaufstieg anstreben mögen.

So blieb der blaugelbweiße Phönix in der Asche liegen und mit jeder Niederlage werden seine Flügel weiter angesengt. Verglichen mit dem Gegner von gestern, der bei Gott nicht groß aufspielte, aber wesentlich homogener und gefestigter wirkte, ist Jena eine Mannschaft, die erstmal zu einer solchen werden muss. Keine optimale Voraussetzung für eine Truppe, die auf Tabellenplatz 19 steht.

Al Knutone