2008/2009 14. Spieltag: SV Werder Bremen II - FC Carl Zeiss Jena 0:0

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 14. Spieltag
Saison Saison 2008/2009, Hinrunde
Ansetzung SV Werder Bremen II - FCC
Ort Weserstadion in Bremen
(Platz 11)
Zeit Sa. 08.11.2008 14:00 Uhr
Zuschauer 500
Schiedsrichter Thomas Frank (Hannover)
Ergebnis 0:0
Tore
  • Fehlanzeige
Andere Spiele
oder Berichte


Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Bremen
Sebastian Mielitz
Finn HolsingGelbe Karte.gif, Dominik Schmidt, Sandro StallbaumGelbe Karte.gif, Niklas Andersen
Torsten Oehrl
Dennis Diekmeier (78. Tobias Kempe), Kevin Artmann (70. Nicolas Feldhahn), Timo PerthelGelbe Karte.gif
Stefan Ronneburg, Marc Heider (62. Pascal Testroet)

Trainer: Thomas Wolter

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Carsten Nulle
Tim Wuttke, Robert Müller, Tim Petersen (27. Carsten Sträßer), Ralf SchmidtGelbe Karte.gif
Marco Riemer
Amadeus Wallschläger, Niels Hansen, Martin Ullmann (84. Patrick Amrhein), René Eckardt
Sebastian Hähnge (81. Nils Petersen)

Trainer: René van Eck

Spielbericht

Geisterspiel vorverlegt

(Trostlose Nullnummer des FCC in Bremen)

Als wir gegen 13:10 Uhr den Einlass zum Platz 11 des Bremer Weserstadions passiert und einen ersten Blick in diese Spielstätte des Grauens geworfen hatten, war schon der erste Eindruck so, wie sich der Rest des Nachmittages gestalten sollte: trostlos. Fußball als Hort von Leidenschaft und Emotionen? Als Erlebnis über welches man Bücher und Gedichte schreibt, Lieder singt, Filme dreht oder gar (wie im Juli 1969) als Auslöser von Kriegen? Nicht die geringste Spur davon war heute zu sehen oder zu erleben, nicht mal ansatzweise. Die ganze Veranstaltung ein großes Grauen, auch weil im Gästeblock zeitgleich die Jahreshauptversammlung der Gesellschaft der hirnerweichten Alkoholiker stattzufinden schien. Die Frage, was am Ende peinlicher war, das „Spiel“ auf dem Rasen oder das promilleschwangere Gebaren einiger (erschreckend zahlreicher) Gäste“fans“ blieb jedenfalls offen.

Dabei hatte doch alles ganz passabel begonnen. Die Staufalle A2 zeigte sich gnädig und so erreichten wir die Weserstadt stau- und stressfrei und vor allem rechtzeitig, um noch einen sonnigen Herbstspaziergang entlang des Weserdeiches, vorbei am Weserstadion und hinein ins Weser-Cafe hinter uns bringen zu können. Das 2. Frühstück mundete, der nahegelegene Montessori-Kindergarten warb für sich auf einer Wandzeitung, die Bremer Schachgesellschaft bereitete ihre Nachmittagsveranstaltung vor, die Weser glitzerte, Ruderer trainierten und Polizeiboote patroullierten - Idylle pur. Dann besannen wir uns des eigentlichen Zwecks unserer Reise und nahmen den Weg zur Spielstätte unter die Sohlen. Einige andere Gäste waren zu diesem Zeitpunkt mit dieser einfachen Übung bereits völlig überfordert und bedurften dafür schon der Hilfe zweier Stützender.

Eintrittskarte

Einlass samt Kontrolle verliefen unaufgeregt und vollkommen normal, und als normal muss ja auch die leider allüberall übliche musikalische Luftverschmutzung vor Spielbeginn bezeichnet werden. Unnormal dämlich stellt sich dann der Stadionschwätzer an, nachdem er stockend einige putzige Werbebotschaften vom Blatt abgelesen hatte. Des lieben Friedens willen, wollen wir ihm aber einfach mal unterstellen, dass seine undeutliche Aussprache des Gästenamens einer schlecht sitzenden Zahnprothese zu verdanken und nicht als Provokation gedacht war. Mein filmender Nachbar ließ dann jenen Satz fallen, der sich später noch als böses Orakel erweisen sollte: „Wenn ich die Körpersprache der Unseren bei der Erwärmung sehe, dann weiß ich schon, dass wir heute nichts zu erwarten haben. Wer siegen will, sieht anders aus!“ Wir allerdings mussten dann noch kurz den wundersamen Einsatz Ullmanns und die Rückkehr Wuttkes in die Anfangsformation diskutieren, bevor Herr Frank anpfiff.

Die ersten Minuten vergingen mit ein wenig Ballgeschiebe, und nach 3 Minuten erhielten die Unseren dann ihren ersten Eckball von links, der die Werder-Abwehr jedoch vor keine Probleme stellte. Auch Wuttkes hoher 40-Meter-Freistoß in der 5. Minute wurde eine sichere Beute Mielitz’. Nach 7 Minuten gab es dann den ersten Angriffsversuch der Stadtmusikanten über rechts, den Schmidt jedoch schnörkellos beendete. Ungewohntes bot dann nach 12 Minuten FCC-Keeper Nulle, als er an einer Werder-Ecke vorbei segelte, ohne dass die Gastgeber daraus Kapital schlagen konnten. Zu dieser Zeit kippten hinter uns schon die ersten Jenaer Schnaps/Bierleichen ins Gebüsch … Auf dem Rasen ereignete sich derweil nix, bis nach 20 Minuten ein Bremer Freistoß an den 5-Meter-Raum geschlagen wurde und der dort postierte Werder-Spieler jedoch nicht an den Ball kam. Beim Gegenangriff erkämpfte sich Hansen einen Freistoß, ca. 30 Meter halbrechts vor dem Bremer Tor. Schmidt bringt das Leder herein und zunächst können die Werderaner klären. Von links kommt der Ball dann aber erneut in den Strafraum der Gastgeber und plötzlich steht Müller mutterseelenallein 8 Meter vor dem Tor. Per Kopf nimmt er das Leder an und tritt selbiges dann Richtung Tor. Dummerweise trifft er dabei den einzigen noch vor ihm stehenden Abwehrspieler. Von diesem wiederum prallt das Leder nun zum ebenfalls freistehenden Riemer. Aus 10 Metern könnte er die Kugel eigentlich ins Tor köpfen, bringt sie aber nur in Mielitz’ Armen unter. War das Versieben dieser Chance schon bitter, kam es gleich danach noch bitterer, T. Petersen verletzte sich und musste ausgewechselt werden. Sträßer kam für ihn in die Partie. Bis auf zwei Eckbälle für die Gastgeber ließen sich die 22 auf dem Platz dann für längere Zeit auf nichts Erwähnenswertes mehr ein. Nach einer halben Stunde fabrizierte dann die Jenaer Abwehr einen ihrer beliebten Querschläger und logischerweise kam einer der Einheimischen aus 16 Metern frei zum Schuss. Dank Nulle sprang statt der möglichen Führung nur eine weitere Bremer Ecke heraus. Da die Jenaer jetzt gar keinen Bock auf Fußball mehr zu haben schienen, stürmten plötzlich zwei einheimische Angreifer, nur von einem Gästeverteidiger behelligt, auf Nulle zu und der darf erneut das Remis sichern. Nach 37 Minuten hatte der FCC dann mal wieder Gelegenheit, einige seiner Kicker im Bremer Strafraum zu postieren, Grund war ein Eckball. Den trat Ullman überraschend gefährlich von rechts an die 5-Meter-Linie, wo Müller köpfte, aber nur einen Verteidiger traf. Schon 60 Sekunden später schwebte der Ball nach Foul an Schmidt und Freistoß erneut in den Bremer Strafraum, wieder bis zum 5-Meter-Raum und diesmal klärte Hähnge per Hinterkopf… Dann erhielt Schmidt für sein erstes Allerweltsfoul im Spiel Gelb, der Linienrichter vor dem Gästeblock verwechselte Abstoß und Ecke, Nulle klärte eine Ecke faustend, den Konter unterband ein Bremer übel von hinten foulend (Rot statt Gelb wäre hier auch eine Option gewesen, Herr Frank!), Eckardt verzog harmlos aus 16 Metern – und man wünschte sich nichts sehnlicher herbei, als eine Pause von diesem uninspirierten, lahmen Gestocher. Kurz vor dem erlösenden Pausenpfiff gab es dann aber doch noch so etwas wie einen kleinen Aufreger: Der FCC greift über die linke Seite an und Hähnge wird im Fünfer angespielt. Irgendwie dreht er sich um seinen Gegner und wird, als er einschießen will, klar gehalten. Wer richtig torgeil ist, schüttelt seinen Gegner in einer solchen Situation allerdings wie ein lästiges Insekt ab und macht die Bude. Hähnge ging statt dessen zu Boden und Frank versagte ihm den Pfiff. Aber dann pfiff er doch noch – zur Pause. Endlich!

Endlich hatte dieses lustlose, ausrechenbare und statische Gekicke ein (vorläufiges) Ende, dieses Sammelsurium von verloren Zweikämpfen, schlechten Zuspielen und Ballannahme-Fehlern. Bisweilen hatte man das Gefühl, die Jenaer Spieler würden sich untereinander ähnlich gut verstehen, wie die Genossen der hessischen SPD im dortigen Landtag.

Halbzeit 2 begann nach 20 Sekunden mit einem 16-Meter-Schuss Eckardts, allerdings genau auf Mann. Gleich darauf gab es nach Foul an Hansen einen Freistoß aus 20 Metern, Sträßers Schuss prallte jedoch von Werders Mauer genau in des Torwarts Arme. Nach 53 Minuten gab es dann so etwas wie den Ansatz einer Jenaer Konterchance, Hähnges lasches Fehl-Zuspiel auf Hansen beendete die Aktion aber auf die übliche Weise. Nach weiteren 10 Minuten Ballgeschiebe gab es erneut einen Freistoß für die Unseren, diesmal war es Ullmann, der den Ball Mielitz in die Arme schoss. Kuroiserweise hatte erneut Ullmann in Minute 66 den Hauch einer Torchance. Hähnge legte per Kopf ab und Ullmann zog aus reichlich spitzem Winkel ca. 7 Meter vor dem Tor ab – ein Eckball sprang heraus. Im Gegenzug hatte Nulle bei einer Bremer Flanke von rechts Mühe, den Ball zur Ecke zu lenken, aus der sich allerdings eine Konterchance für uns ergab. Zunächst wurde Hähnge gefoult, aber über links bleiben die Jenaer im Angriff. Die flache Hereingabe erreicht sogar den 14 Meter vor dem Tor freistehenden Hähnge in der Mitte – aber dessen Schuss geht rechts am Kasten vorbei. Was man eigentlich nicht für möglich gehalten hatte, trat nun ein: Minute für Minute wurde das Spiel noch unansehnlicher und quälender. Das Hinsehen bereitete mittlerweile ähnliche körperliche Schmerzen wie das „Benehmen“ einiger volltrunkener Trottel im Block unmittelbar vor uns. Auch Nebel war nicht in Sicht – also gab es kein Entrinnen. Nur gut, dass nach einem Foul an Eckardt wenigstens ein FCC-Freistoß etwas Linderung verhieß. (72.) Schmidt versuchte es aus 30 Metern einfach mal direkt und zwang Werders Torwächter zu einer Glanztat. Danach erstarrte das Jenaer Spiel wieder in herbstlicher Lethargie, bis in Minute 83 Sträßer einen Steilpass auf Eckardt spielte, der allerdings einen Schritt zu spät kam. 4 Minuten vor Ultimo kam dann mal eine FCC-Flanke von rechts in Richtung des eingewechselten Petersen, aber zu einem halbwegs gefährlichen Kopfball reichte es auch von ihm nicht. Gleiches galt für seinen Schuss aus 16 Metern in der 89. Minute. In der letzten Spielminute war es dann Sträßer, der dem FCC wenigstens einen Punkt sicherte. Nach einem Werder-Eckball von links und einem anschließenden Kopfball, standen plötzlich zwei Einheimische einschussbereit vor unserem Tor. Kurz vor der Linie stehend, konnte Sträßer resolut klären und verhinderte in letzter Sekunde das Schlimmste.

Zum Glück war das bisher schwächste Spiel der Ära van Eck dann endlich gelaufen. Auch er muss das, was er dem Team heute taktisch (und personell) vor und während des Spiels mit auf den Weg gegeben hat, kritisch überprüfen. Diese Fehler zu erkennen und zu beheben, ist van Eck zuzutrauen und das wäre dann noch das einzig Positive an diesem trostlosen Novembernachmittag.

Nicht erst das Spiel am kommenden Samstag, sondern der jämmerliche Auftritt heute in Bremen verdient den Begriff „Geisterspiel“. Dabei bewegten sich einige FCC-Kicker hölzern und schemenhaft wie Untote über den Acker und andere schienen von allen guten Geistern verlassen. Hoffen wir, dass van Eck ihnen im Training wieder neuen (Kampf- und Spiel)Geist einhauchen kann.

Dann kann auch Paderborn kommen – und geschlagen nach Hause fahren, was sonst!

Nur der FCC!

YNWA

Kopfnuss