2010/2011 03. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Saarbrücken 0:7

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Spieldaten
Wettbewerb 3. Liga, 3. Spieltag
Saison Saison 2010/2011, Hinrunde
Ansetzung FCC - 1. FC Saarbrücken
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 11.08.2010 19 Uhr
Zuschauer 7.050
Schiedsrichter Benjamin Cortus (Nürnberg)
Ergebnis 0:7 (0:3)
Tore
  • 0:1 M. Fuchs (6.)
  • 0:2 Sieger (9.)
  • 0:3 Özbek (20.)
  • 0:4 Zydko (47.)
  • 0:5 Grgic (66.)
  • 0:6 Özbek (71.)
  • 0:7 Otto (81.)
Andere Spiele
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Carsten Nulle
Alexander Voigt (26. Tobias Kurbjuweit), Marco Riemer, Moses SichoneGelbe Karte.gif, Ronny Nikol
Torsten Ziegner, Jens Truckenbrod, Ralf Schmidt (26. Exaucé Mayombo), Josip Landeka
Sebastian Hähnge, Christian Reimann (74. Sören Eismann)

Trainer: Jürgen Raab

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Saarbrücken
Andy Hubert
Martin Forkel, Marcus Mann, Mark Lerandy, Christoph Buchner
Stephan SiegerGelbe Karte.gif
Manuel Zeitz, Nico Zimmermann (77. Alexander Otto), Ufuk Özbek (84. Manuel Stiefler), Jonathan Zydko
Markus Fuchs (64. Velimir Grgic)

Trainer: Jürgen Luginger

Spielbericht [1]

Es gibt verschiedene Varianten, im Vorfeld die eigene Favoritenrolle zu kommunizieren. Manch einer hierzulande hatte es Sandhausen als Überheblichkeit ausgelegt, Jena als vermeintlich leichteren Gegner einzustufen, obwohl dies in der Relation zu Offenbach und Braunschweig sicher nicht grundverkehrt war. Die dafür Verantwortlichen in Sandhausen drangen allerdings nicht bis zu ihren Spielern vor, welche ohne erkennbares Selbstbewusstsein mit 0:2 verloren. Eine Woche später versuchte Jürgen Raab seine Schützlingen mit mahnenden Worten auf die erste Favoritenstellung Jenas in dieser Saison vorzubereiten. Ein paar Prozent weniger Einsatz, warnte Raab, und es werde gegen den Tabellenletzten aus Saarbrücken ein böses Erwachen geben. Leider hat auch ihm niemand zugehört.

Es ist 15.45 Uhr, dreieinviertel Stunden vor Spielbeginn, als die Jenaer Mannschaft davon erfährt, dass Orlando vom Deutschen Fußball Bund noch keine Spielberechtigung erhält. Was wie eine Retourkutsche für die Heidenheim-Geschichte aus der vorigen Saison wirkt, wird vom Verband damit begründet, dass Orlando zu Saisonbeginn nicht auf der Spielerliste stand. Die Sperre von vier Partien sei deswegen erst zur Hälfte abgegolten. Schwer zu sagen, ob dieser Vorfall wie auch der Blechschaden an Marco Riemers Auto vom Mittag überhaupt einen Einfluss auf das Geschehen ab 19.00 Uhr hatte. Als General-Absolution für das, was sich an diesem Mittwochabend auf dem Rasen des Ernst-Abbe-Sportfelds ereignen sollte, darf es jedenfalls nicht herhalten.

Wie beschrieb Jürgen Raab später am Abend doch gleich die Anfangsphase? Seine Jungs hätten richtig gut begonnen, um dann aber selbstverschuldet in Rückstand zu geraten. Nun, der gute Beginn fiel vermutlich deswegen niemandem auf, weil einfach nicht genügend Zeit dafür war. Denn schon nach fünf Minuten klingelte es zum ersten Mal in Nulles Kasten. Selbst verschuldet war der Rückstand aber tatsächlich. Was Ralf Schmidt geritten haben mag, einen solch lässig gespielten und viel zu kurzen Rückpass zu setzen, weiß möglicherweise nicht mal er selbst. Ungewollt lieferte er die perfekte Vorlage für Markus Fuchs und dessen Tor zum 0:1. Drei Minuten später stand Stephan Sieger mutterseelenallein an der Strafraumgrenze und beförderte einen als Abwehrschlag gedachten Ball postwendend ins Netz. Jena wirkte konsterniert. Hatte man den Kontrahenten unterschwellig unterschätzt und kam deshalb nervlich so gar nicht mit dem frühen Rückstand zurande ? Ein sonst über alle Zweifel erhabener Routinier wie der Alexander Voigt unterläuft in der 16. Minute den Ball in einer Art und Weise, als stünde er zum ersten Mal auf einem Fußballplatz ! Normal war das alles nicht. In Minute 20 wurde einer der vielen Abwehrfehler wieder mal bestraft von den Gästen. Zeitz bedient Özbek genau in die Schnittschnelle zwischen zwei Verteidigern, Nulle wirft sich ihm entgegen und springt ins Leere. 0:3. Jürgen Raab reagierte, wechselte zwei Neue ein mit mehr Ambitionen nach vorn. Doch die Gäste brachte das kein bisschen ins Schwitzen. Sie standen hinten sicher, spielten weiter engagiert nach vorn. Gegen eine jetzt umformierte, aber nach wie vor überfordert wirkende Jenaer Hintermannschaft hätte Zydko schon vor der Pause das vierte Tor machen können.

Kann ja sein, dass die Jenaer Elf mit den besten Vorsätzen aus der Kabine gekommen ist. Ein schneller Anschlusstreffer und dann mal sehen, vielleicht geht ja noch was. Doch schon nach drei Minuten in Halbzeit zwei waren solche Gedanken nur noch Makulatur. Gleich vier Defensivleute einschließlich Torhüter mühten sich gegen zwei Gegenspieler - und berührten nicht einmal den Ball. Jonathan Zydko schaute sich das freistehend an der Strafraumgrenze in aller Ruhe an und durfte das Leder dann ins leere Tor schieben. Dieser Treffer versetzte 11 Jenaer Einzelspielern - von einer Mannschaft konnte nach dem Wechsel noch weniger die Rede sein - den entscheidenden psychischen Knacks. Und er brachte erste Unmutsbekundungen ("Ihr seid so lächerlich") aus dem Publikum. Nach dem Auswärtssieg in Sandhausen hatten unsere Fußballer jede Menge Kredit bei den Zuschauern, doch der war nun bald aufgebraucht. Eine Stunde gespielt, Reimann nimmt Mayombo den Ball vom Fuß, befördert ihn aus kurzer Entfernung zum Tor gerade mal ans Außennetz und hatte sich obendrein noch ins Abseits gestellt. Das, was offensiv von Jenaer Seite angeboten wurde, war keinen Deut weniger kläglich als das Abwehrverhalten. Es besaß nur nicht diese gravierenden Auswirkungen. Einzig der Kopfball von Christian Reimann nach 63 Minuten erfüllte mal Mindestanforderungen. Gästeschlussmann Andy Hubert verhinderte den Ehrentreffer. Von Ehre konnte aber ohnehin nicht die Rede sein. Kaum war Grgic auf dem Platz, durfte er sich auch schon als Schütze des 0:5 feiern lassen. Um gleich darauf als Vorbereiter des nächsten Tores zu glänzen, mit dem Özbek das halbe Dutzend voll machte. Perfekt herausgespielt, cool vollendet - bei den Saarländern klappte alles in Perfektion an diesem Tag, wobei sie bis zum Schluss vollen Einsatz zeigten. Jenas Akteure hingegen hatten schon lange resigniert und fingen sich noch ein weiteres Jokertor ein. Alexander Otto war drei Minuten zuvor eingewechselt worden. Wer will noch mal, wer hat noch nicht. Es war demütigend. Dass einige Szenen nach Abpfiff genauso unwürdig waren wie das Jenaer Spiel neunzig Minuten zuvor, machte diesen rabenschwarzen Tag komplett.

Unter dem Eindruck einer 0:7-Klatsche ist es beinahe paradox festzustellen, dass der FCC gemessen an seinen Ambitionen mit zwei Siegen und zwei Niederlagen nach vier Spieltagen im Soll liegt. Eines aber steht fest: Nach dieser oberpeinlichen Vorstellung wird sich die Jenaer Mannschaft auf absehbare Zeit nicht mehr mit der Favoritenrolle abgeben müssen.

--Frank Cichos

  1. Mit freundlicher Genehmigung von Franks FCC-Seite übernommen.