1980/1981 09. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 9. Spieltag
Saison Saison 1980/1981, Hinrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 25.10.1980 14:30 Uhr
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Hans Kulicke (Oderberg)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 0:1 Vogel (53.)
  • 1:1 Lindemann (69.)
  • 1:2 Busse (83.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Gerhardt Hoppe, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Dietmar Sengewald, Andreas Krause (63. Wolfgang Schilling), Lutz Lindemann
Martin Trocha, Jürgen Raab (46. Thomas Töpfer), Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Erfurt
Wolfgang BenkertGelbe Karte.gif
Dieter Göpel
Carsten Sänger, Klaus Goldbach, Hans-Joachim Teich
Andreas Winter, Josef Vlay, Martin IffarthGelbe Karte.gif
Martin Busse, Jürgen Heun, Manfred Vogel

Trainer: Manfred Pfeifer

Spielbericht

Respektlos gespielt - kaltblütig gekontert

Nirgendwo sicherlich wird der sensationelle Anstrich dieses Erfurter Sieges auf dem Platz des bisherigen Spitzenreiters in Frage gestellt. Einem Gast in Bestbesetzung hätte man, wie auch in den vergangenen Jahren, ein günstiges Resultat in diesem 42. internen Derby zugetraut. Doch wozu sollte er ohne seine bewährten Stammspieler Fritz, Birke, Romstedt, Schröder und Brosselt, ohne die auch im eigenen Lager zu Recht angezweifelte mannschaftliche Bindung und Geschlossenheit fähig sein? Jeder Realist folgte diesen Gedankengängen vorbehaltlos!

Doch dann kam alles ganz anders. Der FC Rot-Weiß ließ sich durch Jenas kämpferischen Ausbruch, durch den bekannten und gefürchteten Offensivgeist des Gegners aus allen Positionen heraus, nicht in die taktische Enge treiben. Auf zwingende Aktionen des Gastgebers blieb Erfurt die Antwort in Form von weiträumigen Kontern (4., Heun) keinesfalls schuldig. Keine Spur von angekratztem Selbstvertrauen, von Ängstlichkeit. "Benkert, Göpel, unsere beiden Routiniers, setzten das erste Achtungszeichen. Andere Spieler wie Vlay, der sich äußerst geschickt in den freien Räumen in Ballbesitz brachte, wie Iffarth, Heun folgten ihnen. Im weiteren Verlauf war das homogene Spiel schließlich unsere größte Trumpfkarte." Erfurts Trainer Günther Hoffmann registrierte diese Steigerung mit Respekt - auf den Rängen hingegen nahm man sie mit sichtlichem inneren Unbehagen hin!

Erneut wie schon am Mittwoch zuvor eine Fülle druckvoller Situationen herauszuspielen, das Geschehen mehr oder weniger klar zu diktieren, war kein ernsthaftes Problem für Jena. Kurbjuweit, Lindemann, Trocha, Vogel besaßen dafür die besten Gütemerkmale. Aber mit hier und da zusehends schwindender Kraft (Krause, Sengewald, Hoppe) büßte die Elf auch ihren geschmeidigen, variablen Angriffsrhythmus ein. "Wir stürmten zu stereotyp, einfallslos, rissen die gegnerische Abwehr später kaum noch über die Flügel auf. das mußte Folgen haben", schätzte Zeiss-Trainer Helmut Stein ein. Jedermann im weiten Rund spürte, wie Jena verbissen, letztlich aber doch ohne nennenswerten Erfolg darum rang, unermüdliche Einsatzbereitschaft mit ideenreichem Spiel zu verbinden.

"Als Schnuphase ins Mittelfeld wechselte, Jena in der Abwehr damit jegliche Absicherung preisgab, witterten wir unsere Chance." So Torhüter Wolfgang Benkert, der sich allen Anforderungen dieses wechselseitigen, gutklassigen Treffens bis auf eine Ausnahme (unhaltbarer Kopfball Lindemanns) gewappnet zeigte. Heun, Vogel, Busse, Iffarth besaßen den "Riecher" für Steilpässe in die freien Räume, die den Tabellenführer in die Tiefe rissen.

Zum Schiedsrichterkollektiv: Kulickes Leistung wirkte souverän, von guter Abstimmung mit beiden Linienrichtern geprägt. Trainer Hans Meyers Urteil soll hier nicht vorenthalten werden: "Er pfiff sehr korrekt." Nicht jeder gesteht sich das in der Niederlage ein!

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 28. Oktober 1980)